Warum es manchmal besser ist, wenn sich die Welt ein wenig langsamer dreht

Die Welt dreht sich – schnell, unaufhaltsam, ohne Pause. Schwups, und weg ist der vollkommene Moment. Mit einem Augenzwinkern ist die perfekte Gelegenheit verstrichen. Die Stunde vorbei – der Tag – die Woche – das Monat – das Jahr. Weg. „War da nicht noch etwas, das ich tun wollte?“, frage ich mich die ganze Zeit. Eine Weltreise, ein Besuch eines alten Freundes, ein klärendes Gespräch, ein gemeinsamer Ausflug mit der Familie, eine ausgelassene Feier?

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Mexiko und Belize – von Mayas, Tortillas und Jaguaren

Um acht Uhr in der Früh ging es los. Die Freude auf ein neues Land, spannende Leute und ein gänzlich anderes Klima stellte sich bereits am Münchner Flughafen ein. Der Flug sollte von München über Toronto nach Cancún gehen. Mit etwas Verspätung ging es dann los. Zum Glück war in Toronto etwas Zeit zwischen Ankunft und Weiterflug nach Cancún, um meine FreundInnen in Mexiko anzurufen. Doch die schlechte Telefonverbindung zwischen Kanada und Mexiko wollte mir kein Gespräch nach Cancún erlauben. Das war nicht so schlimm, kannte ich doch den Weg vom Flughafen mit dem Taxi oder dem Sammeltaxi “collectivo” nach Playa del Carmen, da ich während des Studiums sechs Monate in Mexiko als Praktikantin gearbeitet hatte. Obwohl der Taxifahrer die Straße in Playa del Carmen nicht kannte, fanden wir schlussendlich doch noch zu meinen Freunden und an unser erstes Ziel.

Playa del Carmen an der so genannten Riviera Maya, der Karibikküste Mexikos auf der Halbinsel Yucatán, ist ein sehr touristischer Ort. Die langen Strände, das azurblaue Wasser und die gute Anbindung in die Vereinigten Staaten ziehen vor allem viele TouristInnen aus Nordamerika an. Nach der ersten Tour in Playa del Carmen, gemütlichem Zusammensitzen mit meinen FreundInnen und den ersten richtigen mexikanischen Tacos, zogen wir ca. 40 Kilometer weiter nach Tulum. Direkt an der Küste gelegen, beherbergt Tulum eine der berühmten Maya-Stätten Yucatáns. Früher als Hippie-Metropole bekannt, hat es seinen alternativen Charme trotz der vielen TouristInnen noch nicht ganz verloren. Besonders entlang des Strandes beim Naturpark Shian Kaan haben sich zahlreiche kleinere Strandunterkünfte, so genannte Cabanas, angesiedelt.

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© Cathrine Schwenoha

Obwohl man doch bis zu 1,5 Stunden Fußmarsch (eine Richtung) oder für die Fahrt 150 Pesos (umgerechnet 8,40 Euro) hin und retour zum Strand nahe des Naturparks in Kauf nehmen muss, sind der Spaziergang und das eine oder andere erfrischende Getränk in den Cabanas und den Strandlokalen, wie der Posada Margerita, den Preis auf alle Fälle wert. Auf Yucatán besuchten wir auch eine der „Cenoten“ (cenotes) – Süßwasserquellen, welche bereits von den Mayas genutzt wurden. Es wird spekuliert, ob der Niedergang der Mayakultur mit ihrer Tradition, den Göttern Menschenopfer in den Cenoten zu machen und der damit einhergehenden Verseuchung des Wassers zusammenhängt. Heute sind diese Quellen eine beliebte Attraktion vor allem für TaucherInnen und WasserfreundInnen. Unterwasserfans kann unter anderem die Cenote Dos Ojos empfohlen werden, welche durch ihre Lichtgänge nach außen wunderschöne Lichteinfälle in das azurblaue Wasser der Quellen bietet.

Nach fünf Tagen Besichtigung der Umgebung von Playa del Carmen, vielen Gesprächen mit FreundInnen und einigen Jelas (span. ugs. für Bier), Tortas (runde Fladen mit Fleisch/Fisch, Salsa, Käse), Tostadas (harte Fladen mit Fleisch/Fisch, Salsa, Käse) und Tacos (weiche, gerollte Fladen mit Fleisch/Fisch, Salsa, Käste), ging die Reise per Bus weiter zum Grenzort Chetumal. Dort ging es per Taxi zum Dock, wo wir die Tickets für die Überfahrt nach San Pedro auf Ambergris Caye in Belize erstanden – und unser Gepäck von Drogenhunden untersucht wurde.

Zwei Stunden nach Abfahrt erreichten wir Belize. In San Pedro zeigte sich der Einfluss der TouristInnen aus den Vereinigten Staaten auf das touristische Angebot. Das Angebot der meisten Restaurants reichte von Hamburgers, über „surf n’ turf“ (Rindssteak mit Hummer) bis hin zu „sodas“ (Softdrinks) aller Art und frozen cocktails (Cocktails mit Crashed Ice vermischt zu Smoothies). Also einstweilen nichts mit lokaler Küche. Die Einheimischen waren sehr freundlich und hilfsbereit, was unsere Stimmung wieder aufhellte. Am ersten Morgen machte ich mich auf die Suche nach regional-typischem Frühstück und fand nach einigem Herumfragen einen kleinen Taco-Stand, an dem man Kaffee und frisch zubereitete Tacos erhielt.San Pedro ist durch eine Brücke in den touristischen und den nicht-touristischen Teil der Insel getrennt. Auf der einen Seite lebt die lokale Bevölkerung und auf der anderen wird den TouristInnen alles geboten, was sie sich nur wünschen. Im Gespräch mit Einheimischen wurde uns versichert, dass es auf Caye Caulker, unserem nächsten Ziel, viel „relaxter“ zuging – das ließ uns hoffen …

Nach einer Stunde Überfahrt mit dem Wassertaxi kamen wir nach Caye Caulker. Die Insel zeichnet aus, dass man sich nur mit Golf-Cars, Fahrrad oder zu Fuß auf der Insel fortbewegen kann. Die Stimmung auf Caye Caulker war wirklich etwas entspannter, aber auch hier zeichnete sich die Anpassung an den Tourismus stark ab. Obwohl die Einheimischen einem gerne Auskunft erteilten, waren die Gespräche doch etwas einseitig und von ihrer Seite sehr auf Fakten beschränkt. Uns wurde das Gefühl vermittelt, nur Touristinnen unter vielen zu sein, wir konnten kaum direkten Zugang zur lokalen Bevölkerung knüpfen.

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© Cathrine Schwenoha

Ähnlich wie auf Ambergris Caye war auch auf Caye Caulker die Küche auf amerikanische Bedürfnisse angepasst. Man konnte aber auch mit einem lokalen Fischer angeln gehen – danach wurde der selbst gefangene Fisch auf traditionelle Weise gebraten und mit Reis serviert. Die lokale Spezialität ist jedoch Hühnchen, das mit Reis und Bohnen serviert wird.

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© Cathrine Schwenoha

Nach weiteren zwei Tagen auf Caye Caulker ging es weiter nach Belize City, um von dort aus auf das drei Stunden entfernte Lighthouse Atoll zu fahren. Auf Lighthouse hatten wir eine Unterkunft bei einer vermeintlich einheimischen Dame inmitten des Dschungels gebucht. Wie sich herausstellte, war unsere Gastgeberin Amerikanerin, lebte jedoch schon seit vielen Jahren in Belize. Sie und ihre belizische Freundin versorgten uns – und gaben die einen oder anderen Geschichten beim gemeinsamen Abendessen zum Besten. Die Insel konnte innerhalb von eineinhalb Stunden gemütlich zu Fuß erkundet werden. Neben unserer Unterkunft gab es noch ein verlassen wirkenes Wellnesshotel und eine Tauchschule auf der Insel. Wir verbrachten die Nachmittag mit Wanderungen durch den Dschungel oder am Strand.

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© Cathrine Schwenoha

Für TauchfreundInnen wurden zahlreiche Exkursionen zu den naheliegenden Riffen und dem berühmten Blue Hole, einem mehrere hundert Meter tiefen Krater inmitten des Riffs, angeboten. Hier draußen war die Unterwasserwelt, trotz der zahlreichen TaucherInnen, noch unberührt. Am Peer genossen wir die einsamen Sonnenuntergänge. Wir besuchten auch das Half Moon Reservoire, ein Naturschutzgebiet, das für seine „red footed boobies“ (Rotfußtölpel) bekannt war. Da wir bereits früh mit den TaucherInnen losfuhren, konnten wir die Insel während der ersten Stunden ohne auf weitere TouristInnen zu treffen erkunden. Gegen Mittag wurden die ersten TouristInnengruppen auf die Insel gebracht und wir waren froh, am Nachmittag wieder vom Tauchboot abgeholt zu werden. Dennoch ist die Insel wunderschön und man hat den Eindruck, dass die Umwelt hier intakt ist. Vögel und Leguane lassen sich durch die BesucherInnen kaum beeindrucken.

Zurück auf Lighthouse fiel nach vier Tagen Inselleben die Rückkehr auf das Festland schwer. Sehr herzlich wurden wir von unserer Gastgeberin und ihrer Freundin verabschiedet. Nach  dreistündiger Fahrt nach Belize City ging es aufs Neue per Boot weiter Richtung Gales Point Manatee. Die Überfahrt dauerte erneut drei Stunden, war jedoch aufgrund der Geschichten unseres Guides recht kurzweilig. In den Mangrovensümpfen gab es zahlreiche
Fische, welche per Catch-and-Release-System gefangen und wieder frei gelassen wurden. Auch konnten wir dort neben vielen Wasservögeln zum ersten Mal ein Krokodil in freier Wildbahn sehen.

Gales Point Manatee wird im „Lonely Planet“ nicht umsonst „Geister-Stadt“ genannt. Wir kamen am Pier an. Außer dem Hotelbesitzer, der Köchin und zahlreichen Hundewelpen lief uns den restlichen Nachmittag sonst niemand über den Weg. Wir spazierten die einzige Straße entlang und entdecken viele verlassene Häuser. Ein paar EinwohnerInnen hatte Gales Point Manatee doch –  wenn es jedoch um die 30 waren, waren es viele. Ein wenig gespenstisch war der Ort. Dieser Eindruck wurde noch verstärkt, als  wir ein Pferd entdeckten, das auf der Terrasse eines verlassenen Hauses stand und das niemandem zu gehören schien. Dennoch genossen wir die Ruhe. Am nächsten Tag machten wir uns auf die Suche nach den namensgebenden Manatees (Seekühe). Leider wollten sie auch nach zwei Stunden intensivem Auf-das-Wasser-Schauen nicht auftauchen. Am nächsten Morgen ging es nach Hopkins.

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© Cathrine Schwenoha

Hopkins ist ein bekanntes Garifuna-Dorf, rund 50 Kilometer von Gales Point Manatee entfernt. Auch hier erlebten wir ein Dorf, das auch vom Tourismus lebt, allerdings nicht so stark davon geprägt ist. Was uns hier noch stärker als in den anderen Dörfern auffiel war, dass die Leute sehr zurückhaltend den TouristInnen gegenüber waren. Unsere Unterkunft war ein Apartment, das von einer vermeintlich lokalen Dame geführt wurde. Wiederum stellte sich heraus, dass die Dame ursprünglich aus dem Ausland stammte, und zwar aus England. Sie und ihr Mann hatten sich vor vielen Jahren hier die Apartments gekauft und vermieten diese nun an TouristInnen. Von Hopkins aus erkundeten wir die folgenden Tage den Hummingbird Highway, das Cockscomb Jaguar Reserve und Punta Gorda. Die Verkehrsmittel in Hopkins waren entweder öffentliche Busse oder Leih-Motorräder. Entlang des Hummingbird Highways gab es viele Zitrusfruchtplantagen, welche für die Region ein gutes Einkommen darzustellen schienen. Aus dieser Region stammt übrigens die landestypische Salsa „Sauce Marie Sharp’s“, welche uns bereits von Anfang an vor allem beim landestypischen Hühnchen mit Reis und Bohnen begleitete. Am nächsten Tag machten wir uns bereits früh auf zum Cockscomb-Reserve, das für seine noch ansehnliche Population an wild lebenden Jaguaren berühmt ist. Besonders beindruckend war die Geräuschkulisse früh morgens. Besonders die howler monkeys (Brüllaffen) machten ihrem Namen alle Ehre. Auch wenn wir keinen Jaguar zu Gesicht bekamen, konnten wir riesige Schmetterlinge, verschiedene Schildkrötenarten und Wasservögel und bei der Ausfahrt aus dem Park sogar eine Herde Wildschweine bewundern.

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© Cathrine Schwenoha

Im Maya-Dorf direkt neben dem Parkeingang hat sich eine Gruppe von Frauen zusammengefunden, die ihre Handwerksprodukte – wie Schmuck, Kleider und Schnitzereien – selbstständig vermarkten.
Sie haben ein kleines Geschäft aufgebaut. Besonders ist, dass auf allen Preisschildern die Namen der Produzentinnen vermerkt sind. Auf der Rechnung ist dann auch aufgelistet ist, wer welchen Betrag erhalten wird. Wir freuten uns, zu wissen, welche der Damen unsere Souvenirs gefertigt hatte. Beim Bezahlen standen sie nämlich alle an der Kassa, um ihren Anteil abzuholen.

Auf dem Weg von Cockscomb nach Hopkins fuhren wir den Sittee-River entlang. Dort gibt es ein kleines Kaffeehaus, das Café Curve. Von hier aus konnten wir unser zweites Krokodil in diesem Urlaub beobachten, wie es in aller Ruhe den Fluss überquerte. Schön langsam näherten wir uns unserer letzten Destination in Belize. Wir hatten einen Ausflug nach Punta Gorda geplant, einem Ort, der direkt an der Grenze zu Guatemala liegt. Es schien, als wären wir hier wieder mit einigen wenigen die einzigen TouristInnen. Leider machten wir aber auch die Erfahrung, dass die lokale Bevölkerung die TouristInnen nicht sehr zu schätzen schien – sie war sehr distanziert. Je tiefer wir in den Süden des Landes vordrangen, desto weniger TouristInnen trafen wir und desto ursprünglicher waren auch die Orte. So verbrachten wir noch eineinhalb abschließende Tage in Punta Gorda und besuchten unter anderem die lokale Schokoladenfabrik – Cotton Tree Chocolate. Von dort aus mussten wir wieder die Heimreise antreten.

Die Reise entlang der mexikanischen und belizischen Küste war sehr eindrucksvoll. Neben den Naturschönheiten wurde uns auch vor Augen geführt, welchen Einfluss der Tourismus auf Land und Leute hat: von der starken Abhängigkeit vom Tourismus, der dennoch offenen Mentalität der Menschen in Mexiko, über die Anpassung speziell an den Nordamerikanischen Markt in Belize, die mit Zurückhaltung seitens der Einheimischen einherging, bis hin zum Süden Belizes, wo wenige TouristInnen unterwegs waren, wo jedoch der Tourismus von den Einheimischen scheinbar zwar als Einnahmequelle, allerdings nicht als Möglichkeit zum Austausch mit TouristInnen gesehen wurde. Da stellen sich die Fragen: Schützt Abgelegenheit vor Tourismus und seinen negativen Einflüssen? Oder funktioniert authentischer Tourismus ohne Ambitionen der lokalen Bevölkerung? Natürlich brachten die drei Wochen nur einen kleinen Einblick. Es sei jedem und jeder empfohlen, der /die Mexiko und Belize kennen lernen möchte, sich mehr Zeit zu nehmen, als wir es tun konnten. Die Küste Mexikos und Belizes, ihre Landschaft und BewohnerInnen sind einen Besuch Wert – und eine einzigartige Erfahrung.

Autorin: Cathrine Schwenoha

Favelas als neue Touristenattraktion – Zwangsräumungen und Vertreibungen im Namen der Fußball-Weltmeisterschaft

Der Artikel erschien erstmals im TourismWatch Nr. 75 | Monat Juni 2014.  (http://www.tourism-watch.de/content/favelas-als-neue-touristenattraktion)


Bequem erreichbar dank Seilbahn und Aufzügen werden die Favelas Rio de Janeiros als Ausflugsziele immer beliebter: Der atemberaubende Ausblick, Rundgänge, Hostels und Restaurants sowie kulturelle Veranstaltungen locken immer mehr Besucher in die erst kürzlich von Polizeieinheiten „befriedeten“ Siedlungen auf den Hügeln der Stadt. Zugleich jedoch werden die Bewohner durch Zwangsräumungen sowie stetig steigende Lebenshaltungskosten vertrieben. Die Aktionen der Befriedungspolizei gehen nicht selten mit Menschenrechtsverletzungen, wie Folter und Misshandlungen, einher.

„Früher wurde hier geschossen, inzwischen kann ich meine Kinder hier oben problemlos spielen lassen, ohne dass ihnen etwas passiert“ erzählt Marcelo, Vater von sechs Kindern, der seit vielen Jahren auf dem Morro da Providência lebt. 1897 gegründet ist es die erste Favela Rio de Janeiros, sie liegt mitten im Zentrum der Stadt. Schon immer bildete sie den Wohnort der Arbeiterschicht – derjenigen, die sich als Bauarbeiter, Hausmädchen, Pförtner oder Straßenhändler verdingten. Sie war auch Schauplatz des Drogenkriegs. Doch seit die Favela im Februar 2010 von Befriedungseinheiten der Polizei, den Unidades de Polícia Pacificadoras (UPP), besetzt wurde, hat sich das Leben verändert. Auch in Anwesenheit dieser ’neuen Herren‘, wie die Befriedungspolizei von den Anwohnern genannt wird, geht der Drogenhandel weiter. Doch es gibt weniger Schießereien. Die Favelas gelten seitdem als friedlicher und für Touristen zugänglich. Sogar einen Rundgang für Besucher gibt es inzwischen, der an die schönsten Aussichtsplätze führt. Trotz der Kritik an den Befriedungseinheiten, denen immer häufiger Misshandlungen und Folter der Bewohner vorgeworfen werden, genießt auch Marcelo diese neue ‚Sicherheit‘.

Räumungen aus Gründen des Risikoschutzes

Doch nun soll auch er weg. Sein Haus ist eines von 832 Gebäuden, die abgerissen werden sollen, um die sogenannte Integration in die Stadt voran zu treiben. Man will Platz schaffen für die Verbreiterung von Straßen, den Bau einer Seilbahnstation, einer neuen Bibliothek und eines Museums. Auch Häuser in so genannten Risikogebieten sollen weichen – Gebieten, in denen es seit Jahrzehnten keine Vorfälle gegeben hat. Doch auch diejenigen Bewohner, die keine Räumung fürchten müssen, wissen nicht, wie lange sie noch bleiben können. Denn mit der Befriedung durch die Polizei, dem Bau von Aufzügen und Seilbahnen, der Einführung einer Müllabfuhr und der Legalisierung von Strom und Wasser steigen die Lebenshaltungskosten kontinuierlich. Die neue Sicherheit durch die UPP hat die Immobilienpreise auch in den Favelas in die Höhe getrieben.

Laje - typisches Haus in einer Favela © Phyllis Bußler
Laje – typisches Haus in einer Favela © Phyllis Bußler

„Wir wollen hier nicht weg“

Doch keiner der hier wohnhaften Menschen möchte hier weg. Manche Familien leben dort seit vielen Generationen. Sie haben mit einfachsten Mitteln ihre Häuser, die lajes, selbst gebaut, eine Strom- und Wasserversorgung eingerichtet und sich über die Jahrzehnte ein soziales Netz aufgebaut. Diese lajes dienen nicht nur als Wohnraum, der mit dem Familienzuwachs kontinuierlich erweitert werden kann, sondern sind Bestandteil einer (Über-)lebensstrategie, indem sie z.B. den Betrieb einer kleinen Werkstatt erlauben. Auch die zentrale Lage ist für viele Bewohner von großer Bedeutung, da ihre Arbeitskraft im nahe gelegenen Zentrum und in den Wohnvierteln der Mittelklasse gebraucht wird.

Ein neues Image für Rio de Janeiro

Die Fußball-Weltmeisterschaft und die Olympischen Spiele sind nur einige der Events in Brasilien, die zum Anlass genommen werden, die Städte neu zu gestalten. Indem die Favelas entfernt oder durch Aufwertung in die restliche Stadt integriert werden, möchte man sich von einem Image befreien, das von Gewalt, Armut und großer sozialer Ungleichheit geprägt ist. Die Stadt und das Stadtbild sollen an die Bedürfnisse potenzieller Besucher und investitionsfreudiger Unternehmen angepasst werden. So werden Favelas, die an Schnellstraßen liegen, durch Mauern für Besucher unsichtbar. Auf ‚googlemaps‘ sind die Favelas von Rio an vielen Stellen bereits verschwunden, ebenso wie in dem Werbeclip, der für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro wirbt. Anstatt eines ziegelsteinfarbigen Häusermeeres erstreckt sich dort grüne Waldfläche über die Hügel.

Der Immobilienmarkt als treibende Kraft

Die treibende Kraft hinter diesen Veränderungen ist der Immobilienmarkt, von dem die Stadt am Zuckerhut schon immer geprägt war. Die Erwartungen an die WM und die Olympischen Sommerspiele 2016 haben diese noch intensiviert. Die Befriedung der strategisch wichtigen Favelas, die sich von der wohlhabenden Südzone bis hin zum Maracanã-Stadion nördlich des Zentrums erstrecken, soll für einen so genannten Sicherheitskorridor während der WM sorgen. Doch die zumindest scheinbare Abwesenheit der Gewalt hat diese Favelas auch für Menschen attraktiver gemacht, die vorher keinen Fuß in dieses Gebiet gesetzt hätten. Immer mehr Brasilianer aus der Mittelschicht, aber auch viele Europäer oder US-Amerikaner kaufen die – für ihre Verhältnisse – günstigen Grundstücke in den Favelas auf. Immer mehr Hostels, Restaurants und Pensionen eröffnen, kulturelle Veranstaltungen finden statt und im März gab es in der Favela Providência einen Kongress für Start-Up-Unternehmen.

Sozialbau © Phyllis Bußler
Sozialbau für umgesiedelte FavelabewohnerInnen © Phyllis Bußler

Die Favela wird integriert, die Menschen nicht

Während einige Bewohner von diesem Aufschwung profitieren, etwa indem sie ein Restaurant eröffnen, ist ein Großteil der Betroffenen gezwungen, in eine der zahlreichen Favelas an den Stadtrand zu ziehen und sich dort unter noch schwierigeren Bedingungen eine neue Existenz aufzubauen. Anderen Betroffenen werden zwar staatlich geförderte Wohnungen zur Verfügung gestellt, jedoch liegen auch diese fernab von Schulen, Krankenhäusern oder einer guten Verkehrsanbindung in das nun oft mehrere Busstunden entfernte Stadtzentrum – und somit auch fern vom Arbeitsplatz. Die derzeitige Vertreibung der armen Bevölkerung an die Stadtränder knüpft an eine seit über 100 Jahren währende Praxis an, die immer dann einsetzte, wenn die Verantwortlichen glaubten, Rio de Janeiro als moderne Metropole vor einer Weltöffentlichkeit inszenieren zu müssen.


Phyllis Bußler hat Regionalwissenschaften Lateinamerika in Köln studiert und sich in ihrer Diplomarbeit mit Verdrängungsprozessen in Rio de Janeiro im Kontext von WM und Olympischen Spielen beschäftigt. Seit 2009 ist sie in der Brasilienkoordination von Amnesty International aktiv.

Klima-Fair-Reisen – Nachhaltigkeit bei Reisen in ferne Länder

Reisen in ferne Länder ermöglichen es, neue Kulturen und Landschaften kennenzulernen. Reisen – speziell Flugreisen – führen jedoch bekannterweise auch zu klimaschädlichen Emissionen. So betragen beispielsweise die Emissionen eines Hin- und Rückflugs zwischen Wien und New York pro Person fast doppelt so viel wie ein klimaverträgliches Jahresbudget eines Menschen erlauben würde. Mit optionalen CO2-Kompensationszahlungen für den Flug können CO2-reduzierende Projekte finanziert werden und stellen bei Strecken, bei denen ein Flug von Nöten ist, eine Möglichkeit der klimaverträglichen An- und Abreise dar.

© viventura
Andre Kiwitz © viventura

viventura, ein Reiseanbieter der sich auf nachhaltige Reisen nach Südamerika spezialisiert hat, übernimmt seit Jahresbeginn auf ausgewählten Reisen alle CO2-Kompensationszahlungen für seine Kunden. Andre Kiwitz, der Gründer von viventura, erklärte in einem Interview mit Alexandra Überbacher von der NFI den Gedanken hinter dieser Aktion, wie man seiner Meinung nach nachhaltiges Reisen populärer machen und Nachhaltigkeit bei Reiseanbietern erkennen kann.

AÜ: Erstmals danke, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben. Ich verstehe, dass die jetzige Übernahme der Klimakompensationen auf ausgewählten Reisen durch eine erste Testaktion im Oktober 2013 zustande kam, bei der Sie einen Monat lang alle CO2-Kompenstationszahlungen für die Flüge Ihrer Kunden übernahmen. Wie kommt man auf eine solche Idee und Aktion?

AK: Das Thema CO2 wird immer wichtiger. Auch für unsere Kunden. Wir sind schon seit vielen Jahren Unterstützer von atmosfair [Organisation zum Ausgleich von Treibhausgasemissionen bei Flugreisen, Anm. d. Redaktion] und bieten unseren Kunden bei Buchung mit viventura optional eine CO2-Ausgleichszahlung an. Das Interesse ist groß, die Quote der Buchungen mit Klimakompensation jedoch eher gering. Das brachte uns auf die Idee, nicht nur darüber zu sprechen, sondern tatsächlich einen CO2-Ausgleich zu schaffen und die Kompensationskosten bei den Flügen zu inkludieren, ohne zusätzliche Kosten für unsere Kunden zu schaffen. Um das wirtschaftliche Risiko im Rahmen zu halten, beschränkten wir die Zahlungen unsererseits zunächst auf den Monat Oktober – quasi um das wirtschaftliche Potenzial und Risiko einer solchen Aktion zunächst abwägen zu können.

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© viventura

AÜ: Gibt es bereits erste Auswertungen zu der Aktion im Oktober?

AK: Ja, die Auswertungen sind brandaktuell und diese Aktion kam bei den Kunden sehr gut an. Unser Unternehmen konnte dadurch einen Zuwachs von ca. 60 % erreichen. Das ist ein großer Erfolg, denn unser Ziel waren 30 %.

AÜ: Wie kam diese Aktion bei den Kunden an?

AK: Wir haben natürlich auch unsere Kunden befragt. Nur wegen dem CO2-Ausgleich würde niemand eine Reise bei viventura buchen. Das ist nur das Zünglein an der Waage für einige Leute, aber gebucht werden wir, weil wir einfach schöne Touren und gute Produkte zu guten Preisen anbieten. Bei den Kundenbefragungen werden natürlich immer das Soziale und das Bewusstsein von den Befragten hervorgehoben. Was aber wirklich bei dem 60 % Zuwachs das Entscheidende war, ist für uns schwer zu sagen, da wir dafür keine Aussagen haben.

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AÜ: Die Aktion ist also insgesamt sehr gut gelaufen. Wie werdet ihr nun die Zukunft weiter gestalten?

AK: Mittelfristig würden wir gerne für alle Reisen die Kompensationen übernehmen und damit 100 % aller CO2-Emissionen unserer Flugreisen einsparen. Seit dem neuen Jahr übernehmen wir nun zunächst für eine gewisse Anzahl an Touren die gesamten CO2-Kompensationkosten und interessierte Kunden können sich spezielle Termine mit einer inkludierten Kompensation aussuchen – zum selben Preis wie für nicht-kompensierte Touren. Damit wollen wir erkennen, wie es angenommen wird und überlegen, wie wir in zwei oder drei Jahren alle Reisen damit abdecken können.

AÜ: Aber sind CO2-Kompensationen wirklich zukunftsfähig? Ist es nicht oft ein Reinwaschen des schlechten Gewissens? Ich zahle etwas drauf und damit ist es egal welches Verkehrsmittel ich nehme?

AK: Ich denke, dass Klimakompensationen ein gutes Mittel sind um nachhaltiger zu Reisen. Sicher ist ein Verzicht aufs Fliegen immer besser als ein Flug mit Kompensationszahlungen, aber im Augenblick ist das Flugzeug die einzige Möglichkeit, nach Südamerika zu reisen – von langwierigen und teureren Schiffsfahrten mal abgesehen. Nicht zuletzt sehen wir auch einen großen Sinn darin, Südamerika und generell ferne Länder zu besuchen, da man andere Kulturen kennenlernt. Jedoch muss das Kernproblem, das bei Flugreisen CO2 ausgestoßen wird, angegangen werden. Vielleicht gibt es in 30 oder 50 Jahren Elektro- oder Solarflugzeuge oder andere nachhaltigere Transportmittel. Bis dahin jedoch bin ich überzeugt, dass die Nachhaltigkeit in den existierenden Fortbewegungsmitteln eine Rolle spielen muss.

© viventura
© viventura

AÜ: Der Flug ist aber nur ein Teil der Reise. Auf was sollte man bei nachhaltigem Reisen sonst noch achten?

AK: Wir achten bei der Auswahl all unserer Partner darauf, dass Nachhaltigkeit ein Thema ist und zwar in dem wir Dinge direkt überprüfen. Beispielsweise achten wir darauf, nicht mit Hotelketten zu arbeiten, bei denen der Gewinn ins Ausland verlagert wird, sondern, dass die Gewinne in den besuchten Regionen bleiben. Bei den Hotels und Restaurants ist es wichtig, dass der Mitarbeiterstand gut ist und lokale Produkte eingebunden werden.

AÜ: Wie glauben Sie, kann man Menschen motivieren, eine nachhaltige Reise zu buchen?

AK: Ich glaube nicht, dass man es dadurch erreichen kann, auf der Website des Unternehmens und in Katalogen groß Nachhaltigkeit dazu zu schreiben, sondern schlussendlich durch Empfehlungen und den Versuch, die Kunden für diese Art des Reisens zu begeistern. Das beinhaltet den Austausch mit der lokalen Bevölkerung, der Besuch von sozialen Projekten und dass man nicht nur die Highlights eines Landes entdeckt, sondern auch mit den Problematiken eines Landes konfrontiert wird und dabei ein Land kennen und respektieren lernt. Dabei spielt die Umwelt natürlich auch eine Rolle. Es ist schön wenn wir Kunden erreichen, die gar nicht auf Nachhaltigkeit getrimmt sind und denen das Thema eigentlich egal ist – Leute die bisher herkömmliche Reisen gemacht haben, in großen Reisegruppen, die durch Souvenirläden geschickt werden. Wenn diese Kunden dann nach der Reise ein gutes Gefühl haben, sich denken sie haben viel mehr dazugelernt und ihren Freunden und der Familie von der Reise berichten – das ist glaube ich der Weg, um verantwortliches Reisen populärer zu machen.

© viventura
© viventura

AÜ: Aber wie kann man nun eine nachhaltige Reise oder Reiseanbieter identifizieren? Hier gibt es ja einen regelrechten „Deklarierungsdschungel“ – wem kann man vertrauen?

AK: Gute Frage. Das ist schwer für den Kunden zu sehen. Ich glaube, als erstes ist es empfehlenswert in seinem Umkreis zu fragen ob jemand schon einmal mit dieser Organisation gereist ist. Damit kann man gut einschätzen ob die Organisation einen verantwortlichen Tourismus anbietet. Wenn ich niemanden kenne, gibt es Zertifizierungen, die hier einen Überblick über das Engagement für Nachhaltigkeit bieten. CSR Zertifikate wie das von CSR TourCert – wir haben gerade unsere Rezertifizierung beantragt und Sie können mir glauben: Hier wird selbst auf die kleinsten Details geschaut – sind im deutschsprachigen Raum verbreitet und alle Mitglieder vom „forum anders reisen“ müssen dieses Zertifikat haben. Das funktioniert in der Regel gut, jedoch würde ich auch hier nicht meine Hand für die Aussagekraft einer Zertifizierung ins Feuer legen. Firmen, die sich hier durchmogeln gibt es auch immer wieder.

AÜ: Dann danke vielmals für das spannende Interview und viel Erfolg in der Zukunft!

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Weiterführende Links zu viventura

Website

http://www.viventura.de/

Aktion Co2-Kompensation von Flügen ab sofort kostenlos bei viventura

http://www.viventura.de/blog/co2-kompensation-von-fluegen-ab-sofort-kostenlos-bei-viventura

Arriba Bolivia: A Climbing School in the Bolivian Altiplano

Sustainable tourism covered by a project

During summer 2013, nine Belgian youngsters, including me, have been living for five weeks in Llallagua, Bolivia, to establish a climbing school in the Bolivian Altiplano. In the past, the town was the mining capital of the country, but at the present day it resembles more a revived cemetery of past away industry. Or how a local described it, “In the future it could become a historical place, an open air museum”. The motto of the city is, “Llallagua – a city of mining, university and tourism”, although the mine is almost empty, the university is one of the worst in the country, and our visit probably doubled the number of tourists this year. But why would someone spend the summer there? And moreover, why would they abstain from the chance to visit the most beautiful and famous places of this hyper-diverse country instead?

© Ingrid Leonard
© Ingrid Leonard

The trip
The trip was the result of a full year of preparation for our voluntary project ‘Arriba Bolivia’. The whole project was conceived and carried out by the Belgian Naturefriends and had the aim to share the experience of active leisure activities in connection with sustainable tourism with the Bolivian youngsters. There was a close cooperation between participants from Belgium and the local partner Celso Apaza Bustos of the municipal government. From the beginning he was involved on-site in the preparation of the project.

© Ingrid Leonard
© Ingrid Leonard

The project
The project comprised the formation of a local group of young climbers and the bolting of new rock climbing routes on a nice crag next to the city. The aim was not to attract tourists, but mainly to give the locals the opportunity to practice this sport in a country full of rocks and climbing opportunities. Isn’t it a bit ironic that lowlanders from a country without mountains have to teach climbing to locals from Bolivia, where there are plenty of mountains?

The establishment of a local climbing association was part of the project, which can be beneficial for the continuation of the activities and makes climbing a sport with easy access. The newly founded group is now responsible for the affiliation of other interested people. They’re also in charge of the maintenance of the donated climbing gear and of finding own resources for renewing it. This organizational part is an opportunity for the participating volunteers to develop their personal skills. Such a chance is virtually lacking in a region where the civil society is rather poorly developed.

© Ingrid Leonard
© Ingrid Leonard

Is this what those people need?
We have often heard this doubtful remark during the fundraising for the project. We raised the question in Bolivia and Celso responded to it, “No, the climbing school is not going to solve our day to day problems, but we have to take every opportunity to pave the way to a more active and healthy leisure time for our youth. Climbing is very attractive in that respect. It can take people out of town and away from alcohol abuse.” One of the most enthusiastic climbers, Boris, noted that he was able to reflect on his own life, while hanging on a rock far above the town.

The more time you spend with local people, the more interaction there is

© Ingrid Leonard
© Ingrid Leonard

To enhance the mutual understanding among the bi-national group, we chose a homestay accommodation. We, the Belgian youngsters, lived with a family of a compañero who is active in the climbing school. Such homestays were not always the easiest way for sure. Suddenly the feeling of inequality which can be seen in the Bolivian society sneaked into our own group. Whilst some had a room for themselves, others complained about sharing a two-room house with six other family members, which included using a public toilet two blocks further.

The more time you take, the greater the experience
We stayed for five weeks in Bolivia and four of these in Llallagua. That is plenty of time, but hardly enough to realize our plans, not to mention visiting the touristic hotspots of the country. Instead, we had the chance to take part in some local traditions. Although practicing the folkloric dances with our Bolivian friends every evening was boring more than once, it allowed us to dance the official university parade together. The next morning, we realized that instant fame fell upon us, when everybody at the bakery asked us how we felt about dancing on the streets for five hours.

© Ingrid Leonard
© Ingrid Leonard

Project tourism
Why did we youngsters want to spend our summer in Llallagua? Indeed, besides the noble goal to have a positive impact on the local community, part of the motivation was getting to know new places and people. Therefore, in my opinion, Arriba Bolivia can be classified as a form of project tourism, i.e. tourism embedded in a development project. In this case the local community wanted to embrace the opportunity of rock climbing, which the landscape around them is offering. Belgian Naturefriends perceived the local youngsters willing to cooperate with them.

Can we learn something out of it? Well, I think Naturefriends and their international member and partner organizations are especially well positioned to foster these kinds of tourism projects. It is obvious that more and more (young) people are interested in new experiences in their area of interest. The receiving partner just has to identify a simple goal that can be reached within a limited time. The interested (group of) people can further prepare themselves for the trip together with their local contacts.

© Ingrid Leonard
© Ingrid Leonard

Want to have more information on Arriba Bolivia? Then have a look at www.arribabolivia.wordpress.com

Interested to discover the heart and the people of Bolivia? Belgian Naturefriends can bring you in contact with their local partner for an in depth visit.

Interested in watching the documentary film about the project (DU/SP/EN/FR)?
Please contact arribabolivia@denatuurvrienden.be

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The author
Niels Jespers is an environmental engineer by study and adventurer by nature. Since more than 10 years, he has been a passionate climber and an engaged Naturefriend, both in Belgium and within International Young Naturefriends (IYNF). He coached the group of young Naturefriends in the Arriba Bolivia project.

Naturtourismus in Rio Lagartos

Helena Oswald no.2

Letztes Jahr im Sommer hatte ich das große Glück ein paar Monate in Rio Lagartos, einem kleinen, mexikanischen Fischerdorf an der Nordküste von Yucatán zu verbringen.

Rio Lagartos ist ein ganz besonderer Ort, da er mitten in der gleichnamigen Biosphäre liegt, in der, je nach Jahreszeit bis zu über 360 verschiedene Vogelarten leben. Die meisten Menschen, die sich hierher verirren, kommen jedoch wegen der tausenden Flamingos, die das ganze Jahr hier bleiben – und den Krokodilen, die der ganzen Umgebung ursprünglich ihren Namen gaben. Daneben kann man am Strand ausruhen, schnorcheln, in den Mangrovenwäldern wandern, sich an bunten Salzseen sattsehen, Sportfischen und an Naturschutzprojekten teilnehmen. Und abends wirft man einen Blick in den wunderschönen Sternenhimmel – den gleichen den auch schon die Mayas vor tausenden von Jahren für ihre astronomischen Erkenntnisse nutzten.

Obwohl es so viel zu erleben gibt, ist Rio Lagartos bisher jedoch noch verhältnismäßig unbekannt. Der Grund: bisher lebten die Menschen hier hauptsächlich von der Fischerei. Dies funktionierte zwar in der Vergangenheit gut, doch aufgrund schwindender Fischbestände, wurde in den letzten Jahren immer deutlicher, dass eine wirtschaftliche Alternative benötigt wird. Der Naturtourismus setzt sich dabei immer mehr als Lösung durch – vor allem, weil der Zugang zu den Highlights der Biosphäre hauptsächlich in kleinen Booten möglich ist und die Anwohner für die Touren auf ihr vorhandenes Wissen über die lokale Natur zurückgreifen können.

Helena Oswald_Rio Lagartos

Ziel meines Aufenthalts war es daher ein Konzept zur Förderung des lokalen Tourismus zu erstellen, wobei gleichzeitig auf den Schutz der Natur geachtet werden sollte. Obwohl das Projekt zunächst aus der Initiative eines einzelnen Hoteliers entstand, machten schon bald viele andere im Dorf mit. So nahmen mich vor allem die Touranbieter regelmäßig auf ihre Touren mit, damit ich zum einen notwendiges Fotomaterial generieren konnte und zum anderen selbst auch mehr über die Biosphäre lernen konnte. Bei diesen Ausfahrten kam es manchmal auch zu sehr ungewöhnlichen Begegnungen, wie zum Beispiel auf einer Tour auf der wir gleichzeitig ein Flamingoküken, das wir zu einer Auffangstation brachten, sowie ein kleines Krokodil auf dem Boot hatten. Normalerweise hätte das Krokodil das Küken wohl eher gefressen als friedlich anzuschauen….

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Ungewöhnliche Begegnungen

Hier kann ich vor allem die beiden zertifizierten Touranbieter in Rio Lagartos sehr ans Herz legen:
Diego Nuñez und seine Mitarbeiter sind vor allem auf die Beobachtung von Vögeln und das Sportfischen spezialisiert. Sie bieten aber auch spektakuläre Nachtausfahrten unter dem Sternenhimmel an.
Ismael Navarro, der zweite zertifizierte Touranbieter, organisiert mit seiner Truppe Ausfahrten in die Reservate.

In der Zwischenzeit bin ich selbst aus privaten Gründen zwar wieder in Europa, das Projekt geht jedoch weiter, denn es gibt noch viel zu tun. Nachdem vor allem die Werbemaßnahmen immer mehr Ergebnisse zeigen, ist es umso wichtiger daran zu arbeiten, dass der zunehmende Tourismus in der Biosphäre auch weiterhin im Einklang mit der Natur geschieht bzw. erst recht dazu dient, das sensible Ökosystem der Mangroven zu schützen. Hierfür setzen sich vor allem die zertifizierten Touranbieter ein, weswegen ich guten Gewissens einen Aufenthalt in Rio Lagartos absolut empfehlen kann!

Fast drei Jahre lang, zwischen 2009 und 2012, reiste Helena Oswald um die Welt. Dies gab ihr die Möglichkeit, viele Orte und Kulturen rund um den Globus kennenzulernen, sowie sich viel in der Natur aufzuhalten.
Dabei hatte sie das Glück einige interessante Initiativen kennenzulernen, die touristische Aktivitäten mit wirtschaftlicher Entwicklung verbinden und gleichzeitig großen Respekt für die Anwohner, die lokale Kultur, Bildung und den Schutz der Natur aufweisen. Eine positive Entwicklung, welche sie an vielen Orten dieser Erde beobachten konnte – sei es in Nepal, Neuseeland, Mexiko oder auf den Kanarischen Inseln.

Helena Oswald nahm 2012 an der NFI-Fotomeisterschaft zu „Nachhaltigem Tourismus“ in der Kategorie „Nachhaltiger Tourismus in Entwicklungsländern“ teil, und gewann mit dem Bild „Ungewöhnliche Begegnungen“ den 3. Platz.