Kapverdische Inseln – nachhaltig reisen

Faires Reisen kann die Lebensbedingungen auf den Kapverdischen Inseln verbessern. Wie durch unser Reisekonzept eine nachhaltige Tourismusentwicklung auf den Kapverden ermöglicht werden kann, zeigen wir in diesem Beitrag.

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4 steps to a conscious travel

Travelling to far away countries has become a possibility for more people than ever before. This is really exciting as travel is the best education we can get, helping us to become an informed global citizen. But no one ever really teaches us how we should travel …
We fly, sail, Interrail, cycle or hitch­hike around the world, staying in hostels, resorts, home­stays, couch­surfing … But how to get most of our trips while making sure we respect people and places we visit? How to be 
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Vom Widerspüchlichen, auf Reisen „authentisches Erleben“ zu suchen – eine selbstkritische Betrachtung

…der schmale Grat zwischen „authentischem Erleben“, Massentourismus-Kitsch und andererseits eher ödem, banalem Alltagsleben ist auch für mich „Tourismusprofi“ oft trickreich und herausfordernd! Dieser Blogeintrag soll ev. nachdenklich stimmen, aber bitte NICHT destruktiv „rüberkommen“: Unsere Welt IST WUNDERSCHÖN!
 (Aber unsere Erwartungen sind komplex und manchmal schwierig zu erfüllen …)

Ich bin ja selbst oft als „Produktentwickler“ und „Reisetester“ für meine eigene Firma in der ganzen Welt unterwegs. Dabei halte ich natürlich ständig Ausschau nach „authentischen Dingen“, nach liebevoll geführten Unterkünften & Restaurants, nach besonderen Menschen und Möglichkeiten zu persönlichen Begegnungen mit der Kultur eines Landes. Ich habe da so eine Art „inneres Radar“ entwickelt, das mich vor „Massentourismus“ warnt und unbewusst immer auf der Suche nach „Besonderheiten“ ist. Auf meiner Reise durch Sri Lanka zum Jahreswechsel 2014/15 wurde mir aber sehr bewusst, auf welch schmalen Grat sich die von uns angebotenen Reisen bewegen und wie fragil unserer Wunsch-Rahmenbedingungen heutzutage auf der Welt sind!

Eine unleugbare Tatsache ist, dass der Alltag eines Großteils der Bevölkerung sich immer ähnlicher wird. Es gleichen sich weltweit viele mittlere Großstädte mit Büros und anonymen Wohnsiedlungen in den Vororten. Die Neubau-Geschäftsstraßen in vielen mittleren Städten Asiens, Afrikas und Südamerikas, geprägt von Garagenmetalltoren-Shops und deren Schildern, sind ebenfalls sehr austauschbar. Beim Reisen ist man eindeutig NICHT auf der Suche nach dieser oben beschriebenen Eintönigkeit, nach diesem „wirklichen“ Leben. Man sucht die „Highlights“, das echte Erleben mit „Einheimischen“. Dieses „echte Leben“ soll aber möglichst nicht schmutzig, vermüllt oder gar geruchsintensiv sein, sondern soll sich möglichst harmonisch und sauber präsentieren und unserer Vorstellung von „natürlich“ entsprechen. Unser verklärtes, westliches Bild vom romantischen, glücklichen „Wilden“ spielt da eine große Rolle, sage ich nun etwas überkritisch …

Als ich heuer zu Jahresanfang in Sri Lanka durch die vielen echten Fischerdörfer entlang der “Traumstrände” nördlich von Negombo spazierte und all die Berge von Plastikmüll, den Gestank der schwelenden Müllfeuer und die sehr ärmlichen Lebensumstände erlebte, merkte ich: „Das ist nicht das Bild, das ich selbst als Tourist von diesem Land suche und mit nach Hause nehmen möchte!“ Bei Reisen in westliche Länder interessiert mich auf meiner Urlaubsreise ja auch eher weniger der “authentische Alltag” der Bevölkerung zwischen Büro, Stau im Berufsverkehr und endlosen Vorstadtsiedlungen!

In Sri Lanka besteht andererseits ein sehr professionell gemachter Tourismus: In den letzten Jahren sind sehr viele so genannte “Boutique-Hotels” inkl. Ayurveda-Behandlungen rund um die Insel aus dem Boden geschossen. Diese umfassen oftmals weit über 100 Zimmer, bieten üppige Abendbuffets und den allabendlichen Auftritt der hauseigenen Hotelband! Finanziert werden/wurden diese Anlagen von Investoren, nicht selten auch aus Singapur oder aus dem Westen. Auch solche Unterkünfte habe ich auf meiner Erkundigungsreise in Sri Lanka kennen gelernt: Für mich als nachhaltigen Reiseveranstalter ist so ein Aufenthalt aber eher ein “Albtraum” als mein “Urlaubstraum”, denn diese Anlagen sehen auf Bali, in Thailand und anderswo völlig gleich aus und sind austauschbar. Ja, und wir bei Weltweitwandern bewegen uns also sehr bewusst und behutsam genau in dem Bereich zwischen diesen “Hotelburgen” des Massentourismus (die ja optisch wunderschön sind und gar nicht mehr nach Burgen aussehen) und dem “zu banalen” oder “zu verschmutzten” Alltag.

Dieses Suchen nach dem “Besonderen” funktioniert auch sehr gut, und wir finden da immer wieder tolle Sachen für unsere Gäste. Unvergessen bleiben uns:
die eine Nacht in einer offenen Wildhüterhütte mitten im Yala-Nationalpark umgeben von den Geräuschen des Urwaldes, die kleine Hotelanlage mit nur 10 Zimmern inmitten von Palmen an einem einsamen Strand im Norden von Sri Lanka.

Foto: Christian Hlade
Foto: Christian Hlade

Unvergesslich auch „unser“ kleines, persönliches Hotel direkt am einsamen Traumstrand im Norden von Sri Lanka, das Bauernhof-Quartier einer inzwischen mit uns befreundeten Familie, das würdevolle, alte Kolonialhotel aus der Zeit der Engländer inmitten der alten Stadt Dandy. Aber auch (das sind die getesteten Unterkünfte, die wir NICHT ins Reiseprogramm aufnehmen werden): Das Boutique-Hotel mit der lauten Band, dem riesigen und lauten Abendbuffet und der doch wunderbaren Lage direkt am Strand, mit dem allabendlichem „Discowummern“ aus 10 verschiedenen Strandbars … Die Nacht in einem reizfreien Privatquartier mit ob des Regenwetters völlig überforderten Gastfamilie …

Mein persönliches Fazit: Es ist gar nicht so einfach, eine optimale Reise zu gestalten. Das ist mir in Sri Lanka sehr, sehr bewusst geworden! Es geht, bedarf aber großer Achtsamkeit, denn der Grat zwischen zu „massentouristisch“ und zu „banal“ ist oft wirklich schmal. Manchmal bewegen wir uns da zugegebenermaßen durchaus in leichten Randbereichen, wir wollen/können ja auch nicht völlig realitätsfern reisen: Ein schönes Boutiquehotel kann eine gute Lösung sein, um am Ende der Reise einige Tage auszuspannen. Ein Besuch bei den Fischern ist spannend, auch wenn es dort viel Plastikmüll zu sehen gibt. All das ist ja auch das „wirkliche“ Leben!

Foto: Christian Hlade
Foto: Christian Hlade

Dazwischen suchen und finden wir aber allerorts zum Glück noch viel schöne, saubere Natur und alte Geschichte und schöne Begegnungen. Gerade unser Natur- und Wanderschwerpunkt erleichtert das ja und so führen wir Gäste immer zu ausgesucht schönen Plätzen. Auf Elefantensafari in der Nähe von Sigirya in Sri Lanka. Ein Kompromiss: In der Hochsaison recht touristisch, aber sehr eindrucksvoll!

… all das Andere gibt´s aber auch und das ist eben auch die Realität auf unserer Welt! … sagt ein ob der Erkundigungsreise auf Sri-Lanka doch nachdenklich gestimmter Christian Hlade.

Über den Blogger: Christian Hlade über sich selbst: Mein Lebensmotto ist: Ich will nie einen „Job“ machen und ich will nie „in Pension gehen“. Ich will jene Dinge tun, die mir und anderen Menschen Freude bereiten und dadurch meinen Lebensunterhalt ermöglichen. Mit „Weltweitandern“ ist mir das bislang recht gut gelungen.

PLATZ 5 UNSERES BLOGGER/INNEN-WETTBEWERBS 2015 „FAIReisen & die Welt entdecken“.
Die Jury-Wertung: 

Dieser Artikel ist aus Sicht eines Reiseveranstalters geschrieben, dennoch beschäftigen diese Fragen sicherlich auch viele IndividualtouristInnen. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Reisen.

Die Jury: 
Annemarie Herzog / Chefredakteurin Magazin LEBENSART; Linda Nepicks/ Reiseleiterin & Reisefachfrau Odyssee Reisen; Katrin Karschat, Cornelia Kühhas, Andrea Lichtenecker / Naturfreunde Internationale – respect

6 Tipps für umweltbewusstes Wandern und Trekken

Es gibt nichts Schöneres, als in der Natur unterwegs zu sein, egal ob einen oder mehrere Tage. Viele Naturerlebnisse oder auch kulturelle Stätten lassen sich nur per Fuß aufgrund ihrer abgelegenen Lage erkunden. Sei es ein Dschungelausflug im Amazonasgebiet, die Besteigung eines Berges im Himalaya oder der Besuch von Ruinenstätten der Inka in Peru. Manchmal ist der Weg das Ziel – wie beim seit Jahrzehnten populären Jakobsweg. Die Begeisterung der Menschen, aktiv durch Wander- oder Trekkingtouren ihre Ziele zu erreichen, ist groß. Kaum etwas anderes gibt einem soviel Kraft wie das Bewegen in der Natur. Ich setz es gar gleich mit Meditation. „6 Tipps für umweltbewusstes Wandern und Trekken“ weiterlesen

Mongolei: Besuch bei den Nomaden

Weiß und rund stehen sie wie Tupfer in der mongolischen Landschaft. Die Jurten der Nomaden sind von außen total unscheinbar. Aber von innen gleichen manche von ihnen einem kleinen Sommerpalast.  Eindrücke von einem Besuch bei einer nomadischen Familie am Hovsgol-See.

Foto: Andrea Lammert
Foto: Andrea Lammert

Es riecht nach Butter in diesem Zelt, das von außen so klein aussieht. Ich ziehe meine Schuhe aus und betrete den sauberen PVC-Boden. Eine wahre Farbpracht leuchtet mir entgegen. Stickereien, Decken, Kissen in bunten Neonfarben zieren das Zelt. Von Mai bis September lebt Tuya 27 mit ihrem Mann Tomoroo 29 in dieser Jurte. Ihre beiden Kinder, Tselmuun (1 Jahr) und Nungun Tuya (vier Jahre) verbringen hier die schneefreie Zeit.

Foto: Andrea Lammert
Foto: Andrea Lammert

Nungun Tuya sitzt auf dem Fußboden, isst einen Teller Nudelsuppe, ihre Mutter serviert uns einen Tee mit Yaksahne und Weißbrot mit Yakbutter. Beides ist wirklich köstlich, gar nicht so streng, wie ich mir den Geschmack vorgestellt hatte. Während draußen die Sonne bei 24 Grad scheint, hat die Familie nur ein leichtes Baumwolltuch als Schutzplane über die Stangen der Jurte gespannt. „Im Winter  legen wir zwei Filzdecken drüber. Dann wird es auch bei minus 45 Grad warm hier drinnen“, erzählt Tomoroo und zeigt auf den kleinen Ofen in der Mitte des Zeltes, der Heizung und Herd zugleich ist. Yakdung und Äste geben eine Wärmequelle. „Innerhalb von zehn Minuten ist es dann warm“, sagt Tuya.

Foto: Andres Lammert
Foto: Andres Lammert

Sie steht jeden morgen um sechs auf, kocht der Familie den Tee und kümmert sich dann gemeinsam mit ihrem Mann um die Tiere. 20 Yaks gehören ihnen – sagen sie mit einem geheimnisvollen Zug um die Mundwinkel. Denn die wahre Zahl der Tiere zu nennen, bringt Unglück, deswegen macht man einfach andere Angaben.
Vor vielen Zelten stehen Solarpanele für die Handys und die Fernseher, die Jurten werden schon lange nicht mehr von Yakkarren oder Pferden zum nächsten Ort transportiert, sondern per LKW. Auch hier ist das 21. Jahrhundert längst angekommen. Nomadentum ist wie für Tuya und Tomoroo für viele Familien nur noch Hobby. Zu hart ist der jungen Generation das Leben. Das Trinkwasser kommt nicht aus der Leitung, sondern wird per Kanister vom Hovsgol-See geholt. Jeden Morgen kommen die Einwohner von Hatgal und den umliegenden Siedlungen, um  Wasser aus dem Schwestergewässer des Baikalsees zu schöpfen.
Darin baden würden sie niemals, denn der See ihnen heilig, sie behandeln ihn wie ein Lebewesen, nennen ihn Mutter Meer, singen ihm Lieder und sprühen Wodka, um den Geist des Gewässers zu besänftigen. Immerhin birgt er rund 70 Prozent der Trinkwasserreserven der Mongolei. Ein menschenleeres Gebiet in Norden des Landes, ganz nah an der Grenze zu Sibirien. Doch seitdem eine Straße die Hauptstadt Ulaan Bator mit Hatgal verbindet, lockt der Hovsgol-See zunehmend Touristen. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Besucher von einst 5.000 auf nun 45.000 gesteigert. Was bescheidenen Wohlstand in die nomadisch geprägte Region bringt, führt zwangsweise auch Probleme mit sich – Abwasser können nicht mehr geklärt werden, Müllmassen sammeln sich an, Jurtensiedlungen ohne Abwassermanagement schießen wie Pilze aus dem Boden, in der Hoffnung, mit den Tourismus Wohlstand zu erzielen.

Foto: Andrea Lammert
Foto: Andrea Lammert

„Die Region braucht Hilfe, um vernünftige Systeme aufzubauen“, sagt der deutsche Biologe Dr. Thomas Schäfer. Sein Arbeitgeber, die deutsche Umweltschutzorganisation Global Nature Fund (GNF) aus Radolfzell setzt sich mit Hilfe der EU für den Schutz der Region ein. Ranger werden ausgebildet, Einheimische sensibiliert und unterstützt, nachhaltige Camps mit Kläranlagen zu bauen. Ausstattung wie Fotoapparate und Funkgeräte werden den Rangern des Nationalparks zur Verfügung gestellt und Infomaterial geduckt. „Wir wollen nicht die Fehler machen, die in anderen Regionen mit schnell wachsendem Tourismus gemacht wurden. Das Ökosystem mit dem Permafrostboden der Taiga ist sehr empfindlich, alles wächst und vergeht sehr langsam“, sagt Schäfer. Deshalb soll der Tourismus hier auf nachhaltigen Themen fußen. Übernachtungen in Jurten bei Nomadenfamilien, Wanderwege und spirituelle Begegnungen sollen ausgebaut werden: „Wir stehen mit dem Tourismus ganz am Anfang. Das birgt Chancen.“
Es wäre schön, wenn das Ursprüngliche erhalten bliebe. Die Mongolei ist derzeit im großen Wandel, viele Menschen geben das Nomadenleben auf und ziehen in die Großstadt, nach Ulan Bator, die schon jetzt die vielen Menschen kaum verkraftet. Umso besser, wenn der Fortschritt auch sanft vorangehen kann wie am Hovsgol-See.

Über die Bloggerin: Andrea Lammert (Reisefeder Redaktions-Partnerschaft, http://reisefeder.de) liebt das Meer und die Natur. Schon als Kind war ich mit meinem Opa auf ornithologischen Touren unterwegs und auch heute liebe ich es, Tiere dort anzusehen, wo sie wohnen. Ob in der Serengeti oder in der Schweiz – Naturbeobachtungen müssen sein. Auch gerne unter Wasser, atmen durch den Schnorchel und den Fischen ins Auge sehen. Wenn ich nicht reise, erkunde ich Norddeutschland mit meinen Kindern und meinem Hund. Und richtiger Urlaub ist es erst, wenn ich den Malkasten auspacke und anfange, auf Aquarellpapier zu klecksen.

PLATZ 3 UNSERES BLOGGER/INNEN-WETTBEWERBS 2015 „FAIReisen & die Welt entdecken“.
Die Jury-Wertung: 

Farbenprächtige Sprache, kurz gehalten. Die aktuelle Situation wird kritisch betrachtet, es wird aber ein positiver Ausblick geboten: Ein sanfter Tourismus soll aufgebaut werden, dabei kann man von Fehlern anderer, die in der Vergangenheit begangen wurden, lernen.

Die Jury: 
Annemarie Herzog / Chefredakteurin Magazin LEBENSART; Linda Nepicks/ Reiseleiterin & Reisefachfrau Odyssee Reisen; Katrin Karschat, Cornelia Kühhas, Andrea Lichtenecker / Naturfreunde Internationale – respect