Facetten von Hong Kong

„Hello, my name is Hong Kong“, begrüßt uns ein Schild am Victoria Peak. Darunter erstreckt sich die Millionenstadt in ihrer vollen Größe, umgeben von üppigen Hügellandschaften und 263 vorgelagerten Inseln. Man blickt auf einen der am dichtesten besiedelten Plätze der Welt, auf der einen Seite in Menschen, auf der anderen in Vögeln und Schmetterlingen gemessen.

© Carina Forster
© Carina Forster

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4 steps to a conscious travel

Travelling to far away countries has become a possibility for more people than ever before. This is really exciting as travel is the best education we can get, helping us to become an informed global citizen. But no one ever really teaches us how we should travel …
We fly, sail, Interrail, cycle or hitch­hike around the world, staying in hostels, resorts, home­stays, couch­surfing … But how to get most of our trips while making sure we respect people and places we visit? How to be 
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Mexiko und Belize – von Mayas, Tortillas und Jaguaren

Um acht Uhr in der Früh ging es los. Die Freude auf ein neues Land, spannende Leute und ein gänzlich anderes Klima stellte sich bereits am Münchner Flughafen ein. Der Flug sollte von München über Toronto nach Cancún gehen. Mit etwas Verspätung ging es dann los. Zum Glück war in Toronto etwas Zeit zwischen Ankunft und Weiterflug nach Cancún, um meine FreundInnen in Mexiko anzurufen. Doch die schlechte Telefonverbindung zwischen Kanada und Mexiko wollte mir kein Gespräch nach Cancún erlauben. Das war nicht so schlimm, kannte ich doch den Weg vom Flughafen mit dem Taxi oder dem Sammeltaxi “collectivo” nach Playa del Carmen, da ich während des Studiums sechs Monate in Mexiko als Praktikantin gearbeitet hatte. Obwohl der Taxifahrer die Straße in Playa del Carmen nicht kannte, fanden wir schlussendlich doch noch zu meinen Freunden und an unser erstes Ziel.

Playa del Carmen an der so genannten Riviera Maya, der Karibikküste Mexikos auf der Halbinsel Yucatán, ist ein sehr touristischer Ort. Die langen Strände, das azurblaue Wasser und die gute Anbindung in die Vereinigten Staaten ziehen vor allem viele TouristInnen aus Nordamerika an. Nach der ersten Tour in Playa del Carmen, gemütlichem Zusammensitzen mit meinen FreundInnen und den ersten richtigen mexikanischen Tacos, zogen wir ca. 40 Kilometer weiter nach Tulum. Direkt an der Küste gelegen, beherbergt Tulum eine der berühmten Maya-Stätten Yucatáns. Früher als Hippie-Metropole bekannt, hat es seinen alternativen Charme trotz der vielen TouristInnen noch nicht ganz verloren. Besonders entlang des Strandes beim Naturpark Shian Kaan haben sich zahlreiche kleinere Strandunterkünfte, so genannte Cabanas, angesiedelt.

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© Cathrine Schwenoha

Obwohl man doch bis zu 1,5 Stunden Fußmarsch (eine Richtung) oder für die Fahrt 150 Pesos (umgerechnet 8,40 Euro) hin und retour zum Strand nahe des Naturparks in Kauf nehmen muss, sind der Spaziergang und das eine oder andere erfrischende Getränk in den Cabanas und den Strandlokalen, wie der Posada Margerita, den Preis auf alle Fälle wert. Auf Yucatán besuchten wir auch eine der „Cenoten“ (cenotes) – Süßwasserquellen, welche bereits von den Mayas genutzt wurden. Es wird spekuliert, ob der Niedergang der Mayakultur mit ihrer Tradition, den Göttern Menschenopfer in den Cenoten zu machen und der damit einhergehenden Verseuchung des Wassers zusammenhängt. Heute sind diese Quellen eine beliebte Attraktion vor allem für TaucherInnen und WasserfreundInnen. Unterwasserfans kann unter anderem die Cenote Dos Ojos empfohlen werden, welche durch ihre Lichtgänge nach außen wunderschöne Lichteinfälle in das azurblaue Wasser der Quellen bietet.

Nach fünf Tagen Besichtigung der Umgebung von Playa del Carmen, vielen Gesprächen mit FreundInnen und einigen Jelas (span. ugs. für Bier), Tortas (runde Fladen mit Fleisch/Fisch, Salsa, Käse), Tostadas (harte Fladen mit Fleisch/Fisch, Salsa, Käse) und Tacos (weiche, gerollte Fladen mit Fleisch/Fisch, Salsa, Käste), ging die Reise per Bus weiter zum Grenzort Chetumal. Dort ging es per Taxi zum Dock, wo wir die Tickets für die Überfahrt nach San Pedro auf Ambergris Caye in Belize erstanden – und unser Gepäck von Drogenhunden untersucht wurde.

Zwei Stunden nach Abfahrt erreichten wir Belize. In San Pedro zeigte sich der Einfluss der TouristInnen aus den Vereinigten Staaten auf das touristische Angebot. Das Angebot der meisten Restaurants reichte von Hamburgers, über „surf n’ turf“ (Rindssteak mit Hummer) bis hin zu „sodas“ (Softdrinks) aller Art und frozen cocktails (Cocktails mit Crashed Ice vermischt zu Smoothies). Also einstweilen nichts mit lokaler Küche. Die Einheimischen waren sehr freundlich und hilfsbereit, was unsere Stimmung wieder aufhellte. Am ersten Morgen machte ich mich auf die Suche nach regional-typischem Frühstück und fand nach einigem Herumfragen einen kleinen Taco-Stand, an dem man Kaffee und frisch zubereitete Tacos erhielt.San Pedro ist durch eine Brücke in den touristischen und den nicht-touristischen Teil der Insel getrennt. Auf der einen Seite lebt die lokale Bevölkerung und auf der anderen wird den TouristInnen alles geboten, was sie sich nur wünschen. Im Gespräch mit Einheimischen wurde uns versichert, dass es auf Caye Caulker, unserem nächsten Ziel, viel „relaxter“ zuging – das ließ uns hoffen …

Nach einer Stunde Überfahrt mit dem Wassertaxi kamen wir nach Caye Caulker. Die Insel zeichnet aus, dass man sich nur mit Golf-Cars, Fahrrad oder zu Fuß auf der Insel fortbewegen kann. Die Stimmung auf Caye Caulker war wirklich etwas entspannter, aber auch hier zeichnete sich die Anpassung an den Tourismus stark ab. Obwohl die Einheimischen einem gerne Auskunft erteilten, waren die Gespräche doch etwas einseitig und von ihrer Seite sehr auf Fakten beschränkt. Uns wurde das Gefühl vermittelt, nur Touristinnen unter vielen zu sein, wir konnten kaum direkten Zugang zur lokalen Bevölkerung knüpfen.

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© Cathrine Schwenoha

Ähnlich wie auf Ambergris Caye war auch auf Caye Caulker die Küche auf amerikanische Bedürfnisse angepasst. Man konnte aber auch mit einem lokalen Fischer angeln gehen – danach wurde der selbst gefangene Fisch auf traditionelle Weise gebraten und mit Reis serviert. Die lokale Spezialität ist jedoch Hühnchen, das mit Reis und Bohnen serviert wird.

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© Cathrine Schwenoha

Nach weiteren zwei Tagen auf Caye Caulker ging es weiter nach Belize City, um von dort aus auf das drei Stunden entfernte Lighthouse Atoll zu fahren. Auf Lighthouse hatten wir eine Unterkunft bei einer vermeintlich einheimischen Dame inmitten des Dschungels gebucht. Wie sich herausstellte, war unsere Gastgeberin Amerikanerin, lebte jedoch schon seit vielen Jahren in Belize. Sie und ihre belizische Freundin versorgten uns – und gaben die einen oder anderen Geschichten beim gemeinsamen Abendessen zum Besten. Die Insel konnte innerhalb von eineinhalb Stunden gemütlich zu Fuß erkundet werden. Neben unserer Unterkunft gab es noch ein verlassen wirkenes Wellnesshotel und eine Tauchschule auf der Insel. Wir verbrachten die Nachmittag mit Wanderungen durch den Dschungel oder am Strand.

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© Cathrine Schwenoha

Für TauchfreundInnen wurden zahlreiche Exkursionen zu den naheliegenden Riffen und dem berühmten Blue Hole, einem mehrere hundert Meter tiefen Krater inmitten des Riffs, angeboten. Hier draußen war die Unterwasserwelt, trotz der zahlreichen TaucherInnen, noch unberührt. Am Peer genossen wir die einsamen Sonnenuntergänge. Wir besuchten auch das Half Moon Reservoire, ein Naturschutzgebiet, das für seine „red footed boobies“ (Rotfußtölpel) bekannt war. Da wir bereits früh mit den TaucherInnen losfuhren, konnten wir die Insel während der ersten Stunden ohne auf weitere TouristInnen zu treffen erkunden. Gegen Mittag wurden die ersten TouristInnengruppen auf die Insel gebracht und wir waren froh, am Nachmittag wieder vom Tauchboot abgeholt zu werden. Dennoch ist die Insel wunderschön und man hat den Eindruck, dass die Umwelt hier intakt ist. Vögel und Leguane lassen sich durch die BesucherInnen kaum beeindrucken.

Zurück auf Lighthouse fiel nach vier Tagen Inselleben die Rückkehr auf das Festland schwer. Sehr herzlich wurden wir von unserer Gastgeberin und ihrer Freundin verabschiedet. Nach  dreistündiger Fahrt nach Belize City ging es aufs Neue per Boot weiter Richtung Gales Point Manatee. Die Überfahrt dauerte erneut drei Stunden, war jedoch aufgrund der Geschichten unseres Guides recht kurzweilig. In den Mangrovensümpfen gab es zahlreiche
Fische, welche per Catch-and-Release-System gefangen und wieder frei gelassen wurden. Auch konnten wir dort neben vielen Wasservögeln zum ersten Mal ein Krokodil in freier Wildbahn sehen.

Gales Point Manatee wird im „Lonely Planet“ nicht umsonst „Geister-Stadt“ genannt. Wir kamen am Pier an. Außer dem Hotelbesitzer, der Köchin und zahlreichen Hundewelpen lief uns den restlichen Nachmittag sonst niemand über den Weg. Wir spazierten die einzige Straße entlang und entdecken viele verlassene Häuser. Ein paar EinwohnerInnen hatte Gales Point Manatee doch –  wenn es jedoch um die 30 waren, waren es viele. Ein wenig gespenstisch war der Ort. Dieser Eindruck wurde noch verstärkt, als  wir ein Pferd entdeckten, das auf der Terrasse eines verlassenen Hauses stand und das niemandem zu gehören schien. Dennoch genossen wir die Ruhe. Am nächsten Tag machten wir uns auf die Suche nach den namensgebenden Manatees (Seekühe). Leider wollten sie auch nach zwei Stunden intensivem Auf-das-Wasser-Schauen nicht auftauchen. Am nächsten Morgen ging es nach Hopkins.

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© Cathrine Schwenoha

Hopkins ist ein bekanntes Garifuna-Dorf, rund 50 Kilometer von Gales Point Manatee entfernt. Auch hier erlebten wir ein Dorf, das auch vom Tourismus lebt, allerdings nicht so stark davon geprägt ist. Was uns hier noch stärker als in den anderen Dörfern auffiel war, dass die Leute sehr zurückhaltend den TouristInnen gegenüber waren. Unsere Unterkunft war ein Apartment, das von einer vermeintlich lokalen Dame geführt wurde. Wiederum stellte sich heraus, dass die Dame ursprünglich aus dem Ausland stammte, und zwar aus England. Sie und ihr Mann hatten sich vor vielen Jahren hier die Apartments gekauft und vermieten diese nun an TouristInnen. Von Hopkins aus erkundeten wir die folgenden Tage den Hummingbird Highway, das Cockscomb Jaguar Reserve und Punta Gorda. Die Verkehrsmittel in Hopkins waren entweder öffentliche Busse oder Leih-Motorräder. Entlang des Hummingbird Highways gab es viele Zitrusfruchtplantagen, welche für die Region ein gutes Einkommen darzustellen schienen. Aus dieser Region stammt übrigens die landestypische Salsa „Sauce Marie Sharp’s“, welche uns bereits von Anfang an vor allem beim landestypischen Hühnchen mit Reis und Bohnen begleitete. Am nächsten Tag machten wir uns bereits früh auf zum Cockscomb-Reserve, das für seine noch ansehnliche Population an wild lebenden Jaguaren berühmt ist. Besonders beindruckend war die Geräuschkulisse früh morgens. Besonders die howler monkeys (Brüllaffen) machten ihrem Namen alle Ehre. Auch wenn wir keinen Jaguar zu Gesicht bekamen, konnten wir riesige Schmetterlinge, verschiedene Schildkrötenarten und Wasservögel und bei der Ausfahrt aus dem Park sogar eine Herde Wildschweine bewundern.

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© Cathrine Schwenoha

Im Maya-Dorf direkt neben dem Parkeingang hat sich eine Gruppe von Frauen zusammengefunden, die ihre Handwerksprodukte – wie Schmuck, Kleider und Schnitzereien – selbstständig vermarkten.
Sie haben ein kleines Geschäft aufgebaut. Besonders ist, dass auf allen Preisschildern die Namen der Produzentinnen vermerkt sind. Auf der Rechnung ist dann auch aufgelistet ist, wer welchen Betrag erhalten wird. Wir freuten uns, zu wissen, welche der Damen unsere Souvenirs gefertigt hatte. Beim Bezahlen standen sie nämlich alle an der Kassa, um ihren Anteil abzuholen.

Auf dem Weg von Cockscomb nach Hopkins fuhren wir den Sittee-River entlang. Dort gibt es ein kleines Kaffeehaus, das Café Curve. Von hier aus konnten wir unser zweites Krokodil in diesem Urlaub beobachten, wie es in aller Ruhe den Fluss überquerte. Schön langsam näherten wir uns unserer letzten Destination in Belize. Wir hatten einen Ausflug nach Punta Gorda geplant, einem Ort, der direkt an der Grenze zu Guatemala liegt. Es schien, als wären wir hier wieder mit einigen wenigen die einzigen TouristInnen. Leider machten wir aber auch die Erfahrung, dass die lokale Bevölkerung die TouristInnen nicht sehr zu schätzen schien – sie war sehr distanziert. Je tiefer wir in den Süden des Landes vordrangen, desto weniger TouristInnen trafen wir und desto ursprünglicher waren auch die Orte. So verbrachten wir noch eineinhalb abschließende Tage in Punta Gorda und besuchten unter anderem die lokale Schokoladenfabrik – Cotton Tree Chocolate. Von dort aus mussten wir wieder die Heimreise antreten.

Die Reise entlang der mexikanischen und belizischen Küste war sehr eindrucksvoll. Neben den Naturschönheiten wurde uns auch vor Augen geführt, welchen Einfluss der Tourismus auf Land und Leute hat: von der starken Abhängigkeit vom Tourismus, der dennoch offenen Mentalität der Menschen in Mexiko, über die Anpassung speziell an den Nordamerikanischen Markt in Belize, die mit Zurückhaltung seitens der Einheimischen einherging, bis hin zum Süden Belizes, wo wenige TouristInnen unterwegs waren, wo jedoch der Tourismus von den Einheimischen scheinbar zwar als Einnahmequelle, allerdings nicht als Möglichkeit zum Austausch mit TouristInnen gesehen wurde. Da stellen sich die Fragen: Schützt Abgelegenheit vor Tourismus und seinen negativen Einflüssen? Oder funktioniert authentischer Tourismus ohne Ambitionen der lokalen Bevölkerung? Natürlich brachten die drei Wochen nur einen kleinen Einblick. Es sei jedem und jeder empfohlen, der /die Mexiko und Belize kennen lernen möchte, sich mehr Zeit zu nehmen, als wir es tun konnten. Die Küste Mexikos und Belizes, ihre Landschaft und BewohnerInnen sind einen Besuch Wert – und eine einzigartige Erfahrung.

Autorin: Cathrine Schwenoha

Im Land der Trolle – Norwegens Süden

Spiegelglatte Wasserflächen, lichte Birken-Kiefern-Wälder, riesige Felsbrocken, die Gletscher vor tausenden Jahren hier abgelagert haben, grassodenbedeckte Holzhäuser und vor allem Stille – so präsentiert sich uns Norwegens Süden an den heißesten Julitagen seit Jahren. Es ist Ferienzeit und angeblich verbringen die Norweger den Sommer gerne im eigenen Land, dazu kommen noch TouristInnen vor allem aus den Niederlanden und Deutschland, die gerne mit Wohnwägen unterwegs sind. Doch trotz Hochsaison begegnen wir nur wenigen Menschen, dafür umso mehr Schafen, die die schmalen Straßen gerne als bequemen Weg nutzen oder am Straßenrand im Schatten rasten. Immer wieder warnen Straßenschilder vor Elchen. Wir bekommen aber leider keinen zu sehen. Nur ihre Hinterlassenschaften finden wir auf Schritt und Tritt bei unseren Streifzügen durch die Wälder. Es gibt sie also!

Foto: © Cornelia Kühhas
Foto: © Cornelia Kühhas

Ruhige Seen und lichte Wälder

Wir befinden uns im Setesdal, das sich von der Setesdalheida rund 230 Kilometer nach Süden, fast bis Kristansand erstreckt. Das Tal wird durch den Fluss Otra geprägt, der seine unterschiedlichsten Gesichter zeigt: Mal fließt er ruhig und breit dahin, bildet kleinere und größere Seen, dann wiederum gibt es Abschnitte, in denen er wilder dahinschäumt und tosende Wasserfälle bildet.

Diejenigen, die das Abenteuer suchen, finden den Nervenkitzel bei Raftingtouren. Beschaulicher geht es an den klaren Seen zu, die im Sommer beliebte Badeplätze sind. So etwa bei Honnevje. Malerisch vor einer steil aufragenden Felswand erweitert sich die Otra hier vor einer kleinen Staustufe zu einem See. Angeblich ist dieser einer der schönsten und beliebtesten Plätze zum Schwimmen in der Gegend. Doch trotz herrlichem Badewetter mit 30 Grad und vorhandener Infrastruktur wie Toiletten ist es erstaunlich ruhig – davon, dass gerade Hauptreisesaison ist, ist kaum etwas zu spüren. Auch bei anderen Touristenattraktionen im Tal treffen wir nur auf wenige Menschen. Wir genießen diese allgegenwärtige Ruhe.

Foto: © Cornelia Kühhas
Foto: © Cornelia Kühhas

Norwegen gewinnt seinen Strom zu 100% aus Wasserkraft, so wird auch die Otra zur Energiegewinnung genutzt. Bei Berdalen, im oberen Flussabschnitt, sticht uns eine gewaltige Staumauer ins Auge. Sie ist 125 Meter hoch – damit als eine der höchsten Staumauern Nordeuropas gepriesen – und staut die Otra zum Vatnedalvatn mit einem Wasservolumen von 1150 Mio. Kubikmetern auf.

Natur für alle

Die NorwegerInnen halten sich gerne in der Natur auf. Sich frei in der Landschaft bewegen zu können, ist den Einheimischen seit jeher ein wichtiges Gut. Während in Österreich das Wegerecht – auch durch die Naturfreundebewegung – erst mühsam erkämpft werden musste, ist in Norwegen das Recht auf freien Zugang zur Natur für alle Menschen seit 1957 sogar gesetzlich verankert. Nach diesem „Jedermannsrecht“ darf man in allen Wäldern, Wiesen und Gebirgen wandern und langlaufen, sein Zelt oder seinen Wohnwagen aufstellen, wo immer es einem gefällt, oder Abkühlung in den zahlreichen Seen suchen. Allerdings sind Regeln zu beachten. So ist all das verboten, was der Natur Schaden zufügt, etwa Offroadfahrten oder das Fällen von Bäumen.

Foto: © Cornelia Kühhas
Foto: © Cornelia Kühhas

Im Sommer kann man das Land auf rund 20.000 Kilometern Wanderwege erkunden, im Winter stehen rund 6.500 Kilometer Wander- bzw. Langlaufrouten zur Verfügung. Erhalten werden sie vom „Norske Turistforening“, dem Norwegischen Wanderverein. Er wurde 1868 gegründet und betreibt auch zahlreiche Hütten im ganzen Land.

Als Besucherin gewinnt man den Eindruck, dass die NorwegerInnen sehr naturverbunden sind. Wie zur Bestätigung ist im Reiseführer zu lesen, dass 1972 in Oslo das weltweit erste Umweltministerium eingerichtet wurde; und Norwegen verfolgt das Ziel, bis 2050 der erste Null-Emissions-Staat der Welt zu werden. Dieses Image wird allerdings dadurch getrübt, dass Norwegen neben Island und Japan kommerziellen Walfang betreibt. Begründet und gerechtfertigt wird dies mit dem Argument, dass insbesondere im hohen Norden des Landes der Walfang jahrzehntelange Tradition hat und quasi Kulturgut ist. Nichtsdestotrotz wird auch die wirtschaftliche Bedeutung des Walfanges betont. In einem aktuellen Zeitungsbericht fordert der Vizechef der norwegischen Organisation für den Verkauf von Walfleisch, Svein Ove Haugland, sogar, dass die Nachfrage nach Walfleisch gefördert werden müsse. Dass der reichste Staat Europas auf wirtschaftliche Erträge durch die Tötung von Walen angewiesen ist, ist schwer nachzuvollziehen.

600 Lachsfarmen

Walfleisch entdecken wir auf keiner Speisekarte oder gar im Supermarkt. Dafür umso mehr Lachs. Dieser wird im großen Stil vor der Küste in Farmen gezüchtet. Norwegen gilt als größter Zuchtlachsproduzent der Welt. Bei der so genannten Aquakultur wachsen die Jungfische in Aufzuchtstationen im Süßwasser heran, danach werden sie in Netzkäfigen im Meer gemästet. Bis zu einer Million Fische können gleichzeitig, auf mehrere Netze verteilt, in einer Anlage leben. Die Aquakultur als Massentierproduktion ist hinsichtlich ihrer Umweltauswirkungen nicht unumstritten. Norwegen ist schon seit Längerem bemüht, die Zucht möglichst umwelt- und tierfreundlich zu gestalten. So werden bereits seit vielen Jahren kaum mehr Antibiotika eingesetzt – die Jungfische werden geimpft. Gesetzlich vorgeschrieben ist auch die Anzahl der Fische, die pro Kubikmeter Wasser gemeinsam gehalten werden dürfen – nämlich 25 Kilogramm. Nachdem Lachse Raubfische sind, fressen sie Fisch. Gefüttert werden sie u.a. mit Fischmehl, das wiederum aus Wildfischen gewonnen wird. Für die Produktion von einem Kilo Zuchtlachs sind vier Kilogramm Fisch nötig. Die Lachsfarmen sind hochmoderne Fischfabriken – jeder Schritt wird elektronisch gesteuert, egal ob Fütterung oder Transport der Jungfische von der Aufzuchtstation in die Mastkäfige. So werden vor Norwegens Küsten eine Million Tonnen Lachs pro Jahr produziert.

Tradition und Kultur

Zurück ins Setesdal. Hier, in einem der größten norwegischen Bauerntäler, besinnt man sich auf die alten Traditionen. Bekannt ist die Silberschmiedekunst, die hier noch gepflegt wird. Der alten Bauernkultur widmen sich mehrere Museen. So etwa das Freilichtmuseum Lisletog in Bykle. Hier wurden elf bis zu 400 Jahre alte Bauernhäuser aus der Gegend zu einem Museumsdorf wiederaufgebaut. Die grassodenbedeckten Holzhäuschen – Wohnhäuser, aber auch eine Schmiede und eine Mühle – vermitteln den BesucherInnen einen authentischen Eindruck vom Leben in früheren Zeiten.

Unterhalb des Museums steht die älteste Kirche des Setesdals. 1619 aus Holz gebaut und außen weiß gestrichen, ist sie für ihre kunstvollen Malereien im Innenraum bekannt. Als „Rosenmalerei“ wird die für diese Gegend typische Kunstform bezeichnet. Mit „Rose“ sind alle Blumen gemeint, auch Ornamente, die als Motive gewählt wurden. Diese ländliche Kunstform lokaler Maler entstand um 1750 im Hallingdal und breitete sich von dort über Künstler, die von Ort zu Ort zogen, aus.

Foto: © Cornelia Kühhas
Foto: © Cornelia Kühhas

Im Setesdal wird im Winter auch Schi gefahren und Langlauf betrieben. Hovden ist das größte Schizentrum der Gegend, schneesicher von November bis März, wie es heißt, und wintersporttechnisch perfekt erschlossen. Ein Sessellift, mehrere Schlepplifte, Abfahrten mit Flutlicht und ein weitläufiges Netz an Langlaufloipen sorgen für das Schivergnügen im Winter. Im Sommer wirkt der Ort mit seinen leer stehenden Hotel- und Hüttendörfern etwas trostlos.

Sherpas aus Nepal bauen Wanderweg

Bei „Norwegen“ denkt man unweigerlich an Fjorde. Einer der größten ist der Lysefjord. Im Südwesten bei Stavanger gelegen, zieht er sich rund 40 Kilometer ins Landesinnere, umrahmt von bis zu 1.000 Meter aufragenden Felsen. Der beeindruckendste Felsen – und mit an die 300.000 BesucherInnen pro Jahr DIE Touristenattraktion der Region – ist der Preikestolen, der „Predigerstuhl“. Hierbei handelt es sich um eine Felskanzel, ein Plateau, das ca. 25 mal 25 Meter misst und 604 Meter steil in den Fjord abfällt. Eine mehrstündige Wanderung führt zu diesem spektakulären Aussichtspunkt. Bis vor kurzem ging es über einen recht felsigen Weg, der eine entsprechende Ausrüstung erforderte. 2013 haben sich die Norweger Hilfe aus Nepal geholt, um den Weg zum Preikestolen auszubauen und quasi zu „entschärfen“: 14 Sherpas wurden eingeflogen, um den schmalen Pfad zu verbreitern und bequemer begehbar zu machen. Die Rechnung der TouristikerInnen ist aufgegangen: Die Besucherzahlen haben sich erhöht …

Foto: © Cornelia Kühhas
Foto: © Cornelia Kühhas

Ölmetropole Stavanger

Wo der Lysefjord sich zum Meer hin öffnet, liegt Stavanger, die größte Stadt der Region. Als „Ölmetropole“ Norwegens und Sitz von etwa 70 Fischkonservenfabriken gilt sie als reichste Stadt des Landes. Wer hier allerdings Wolkenkratzer à la Kuwait erwartet, irrt.
In Gamle Stavanger, der Altstadt, und rund um das natürliche Hafenbecken findet man die typischen weißen und bunten Holzhäuschen, Einheimische und TouristInnen flanieren durch die Gässchen oder treffen sich in den Gastgärten am Hafen. Eine gemütliche Stadt – doch die Ruhe wird immer wieder durchbrochen durch Kreuzfahrtschiffe, die hier Halt machen. In diesem kleinen Hafenbecken wirken die mehrstöckigen Schiffe überdimensioniert und stören den Blick auf die malerische Stadt. Einheimische beklagen auch, dass die Altstadt von den Kreuzfahrtgästen „überschwemmt“ wird, diese machten einen schnellen Rundgang durch die Stadt, die wenigsten konsumierten oder kauften etwas, die ansässige Wirtschaft profitiere also kaum von ihnen.

Foto: © Astrid Plank
Foto: © Astrid Plank

Autorin Cornelia Kühhas arbeitet für die Naturfreunde Internationale – respect.

Äthiopien abseits von Touristenwegen

Jeder der schon einmal in die so genannte dritte Welt gereist ist, hat sicherlich bereits einige auf den ersten Blick verwunderliche Reaktionen erlebt, die Reisende hier auslösen können. Oft erregt man allgemeines Aufsehen und steht plötzlich unfreiwillig im Mittelpunkt „Äthiopien abseits von Touristenwegen“ weiterlesen

Favelas als neue Touristenattraktion – Zwangsräumungen und Vertreibungen im Namen der Fußball-Weltmeisterschaft

Der Artikel erschien erstmals im TourismWatch Nr. 75 | Monat Juni 2014.  (http://www.tourism-watch.de/content/favelas-als-neue-touristenattraktion)


Bequem erreichbar dank Seilbahn und Aufzügen werden die Favelas Rio de Janeiros als Ausflugsziele immer beliebter: Der atemberaubende Ausblick, Rundgänge, Hostels und Restaurants sowie kulturelle Veranstaltungen locken immer mehr Besucher in die erst kürzlich von Polizeieinheiten „befriedeten“ Siedlungen auf den Hügeln der Stadt. Zugleich jedoch werden die Bewohner durch Zwangsräumungen sowie stetig steigende Lebenshaltungskosten vertrieben. Die Aktionen der Befriedungspolizei gehen nicht selten mit Menschenrechtsverletzungen, wie Folter und Misshandlungen, einher.

„Früher wurde hier geschossen, inzwischen kann ich meine Kinder hier oben problemlos spielen lassen, ohne dass ihnen etwas passiert“ erzählt Marcelo, Vater von sechs Kindern, der seit vielen Jahren auf dem Morro da Providência lebt. 1897 gegründet ist es die erste Favela Rio de Janeiros, sie liegt mitten im Zentrum der Stadt. Schon immer bildete sie den Wohnort der Arbeiterschicht – derjenigen, die sich als Bauarbeiter, Hausmädchen, Pförtner oder Straßenhändler verdingten. Sie war auch Schauplatz des Drogenkriegs. Doch seit die Favela im Februar 2010 von Befriedungseinheiten der Polizei, den Unidades de Polícia Pacificadoras (UPP), besetzt wurde, hat sich das Leben verändert. Auch in Anwesenheit dieser ’neuen Herren‘, wie die Befriedungspolizei von den Anwohnern genannt wird, geht der Drogenhandel weiter. Doch es gibt weniger Schießereien. Die Favelas gelten seitdem als friedlicher und für Touristen zugänglich. Sogar einen Rundgang für Besucher gibt es inzwischen, der an die schönsten Aussichtsplätze führt. Trotz der Kritik an den Befriedungseinheiten, denen immer häufiger Misshandlungen und Folter der Bewohner vorgeworfen werden, genießt auch Marcelo diese neue ‚Sicherheit‘.

Räumungen aus Gründen des Risikoschutzes

Doch nun soll auch er weg. Sein Haus ist eines von 832 Gebäuden, die abgerissen werden sollen, um die sogenannte Integration in die Stadt voran zu treiben. Man will Platz schaffen für die Verbreiterung von Straßen, den Bau einer Seilbahnstation, einer neuen Bibliothek und eines Museums. Auch Häuser in so genannten Risikogebieten sollen weichen – Gebieten, in denen es seit Jahrzehnten keine Vorfälle gegeben hat. Doch auch diejenigen Bewohner, die keine Räumung fürchten müssen, wissen nicht, wie lange sie noch bleiben können. Denn mit der Befriedung durch die Polizei, dem Bau von Aufzügen und Seilbahnen, der Einführung einer Müllabfuhr und der Legalisierung von Strom und Wasser steigen die Lebenshaltungskosten kontinuierlich. Die neue Sicherheit durch die UPP hat die Immobilienpreise auch in den Favelas in die Höhe getrieben.

Laje - typisches Haus in einer Favela © Phyllis Bußler
Laje – typisches Haus in einer Favela © Phyllis Bußler

„Wir wollen hier nicht weg“

Doch keiner der hier wohnhaften Menschen möchte hier weg. Manche Familien leben dort seit vielen Generationen. Sie haben mit einfachsten Mitteln ihre Häuser, die lajes, selbst gebaut, eine Strom- und Wasserversorgung eingerichtet und sich über die Jahrzehnte ein soziales Netz aufgebaut. Diese lajes dienen nicht nur als Wohnraum, der mit dem Familienzuwachs kontinuierlich erweitert werden kann, sondern sind Bestandteil einer (Über-)lebensstrategie, indem sie z.B. den Betrieb einer kleinen Werkstatt erlauben. Auch die zentrale Lage ist für viele Bewohner von großer Bedeutung, da ihre Arbeitskraft im nahe gelegenen Zentrum und in den Wohnvierteln der Mittelklasse gebraucht wird.

Ein neues Image für Rio de Janeiro

Die Fußball-Weltmeisterschaft und die Olympischen Spiele sind nur einige der Events in Brasilien, die zum Anlass genommen werden, die Städte neu zu gestalten. Indem die Favelas entfernt oder durch Aufwertung in die restliche Stadt integriert werden, möchte man sich von einem Image befreien, das von Gewalt, Armut und großer sozialer Ungleichheit geprägt ist. Die Stadt und das Stadtbild sollen an die Bedürfnisse potenzieller Besucher und investitionsfreudiger Unternehmen angepasst werden. So werden Favelas, die an Schnellstraßen liegen, durch Mauern für Besucher unsichtbar. Auf ‚googlemaps‘ sind die Favelas von Rio an vielen Stellen bereits verschwunden, ebenso wie in dem Werbeclip, der für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro wirbt. Anstatt eines ziegelsteinfarbigen Häusermeeres erstreckt sich dort grüne Waldfläche über die Hügel.

Der Immobilienmarkt als treibende Kraft

Die treibende Kraft hinter diesen Veränderungen ist der Immobilienmarkt, von dem die Stadt am Zuckerhut schon immer geprägt war. Die Erwartungen an die WM und die Olympischen Sommerspiele 2016 haben diese noch intensiviert. Die Befriedung der strategisch wichtigen Favelas, die sich von der wohlhabenden Südzone bis hin zum Maracanã-Stadion nördlich des Zentrums erstrecken, soll für einen so genannten Sicherheitskorridor während der WM sorgen. Doch die zumindest scheinbare Abwesenheit der Gewalt hat diese Favelas auch für Menschen attraktiver gemacht, die vorher keinen Fuß in dieses Gebiet gesetzt hätten. Immer mehr Brasilianer aus der Mittelschicht, aber auch viele Europäer oder US-Amerikaner kaufen die – für ihre Verhältnisse – günstigen Grundstücke in den Favelas auf. Immer mehr Hostels, Restaurants und Pensionen eröffnen, kulturelle Veranstaltungen finden statt und im März gab es in der Favela Providência einen Kongress für Start-Up-Unternehmen.

Sozialbau © Phyllis Bußler
Sozialbau für umgesiedelte FavelabewohnerInnen © Phyllis Bußler

Die Favela wird integriert, die Menschen nicht

Während einige Bewohner von diesem Aufschwung profitieren, etwa indem sie ein Restaurant eröffnen, ist ein Großteil der Betroffenen gezwungen, in eine der zahlreichen Favelas an den Stadtrand zu ziehen und sich dort unter noch schwierigeren Bedingungen eine neue Existenz aufzubauen. Anderen Betroffenen werden zwar staatlich geförderte Wohnungen zur Verfügung gestellt, jedoch liegen auch diese fernab von Schulen, Krankenhäusern oder einer guten Verkehrsanbindung in das nun oft mehrere Busstunden entfernte Stadtzentrum – und somit auch fern vom Arbeitsplatz. Die derzeitige Vertreibung der armen Bevölkerung an die Stadtränder knüpft an eine seit über 100 Jahren währende Praxis an, die immer dann einsetzte, wenn die Verantwortlichen glaubten, Rio de Janeiro als moderne Metropole vor einer Weltöffentlichkeit inszenieren zu müssen.


Phyllis Bußler hat Regionalwissenschaften Lateinamerika in Köln studiert und sich in ihrer Diplomarbeit mit Verdrängungsprozessen in Rio de Janeiro im Kontext von WM und Olympischen Spielen beschäftigt. Seit 2009 ist sie in der Brasilienkoordination von Amnesty International aktiv.