Favelas als neue Touristenattraktion – Zwangsräumungen und Vertreibungen im Namen der Fußball-Weltmeisterschaft

Der Artikel erschien erstmals im TourismWatch Nr. 75 | Monat Juni 2014.  (http://www.tourism-watch.de/content/favelas-als-neue-touristenattraktion)


Bequem erreichbar dank Seilbahn und Aufzügen werden die Favelas Rio de Janeiros als Ausflugsziele immer beliebter: Der atemberaubende Ausblick, Rundgänge, Hostels und Restaurants sowie kulturelle Veranstaltungen locken immer mehr Besucher in die erst kürzlich von Polizeieinheiten „befriedeten“ Siedlungen auf den Hügeln der Stadt. Zugleich jedoch werden die Bewohner durch Zwangsräumungen sowie stetig steigende Lebenshaltungskosten vertrieben. Die Aktionen der Befriedungspolizei gehen nicht selten mit Menschenrechtsverletzungen, wie Folter und Misshandlungen, einher.

„Früher wurde hier geschossen, inzwischen kann ich meine Kinder hier oben problemlos spielen lassen, ohne dass ihnen etwas passiert“ erzählt Marcelo, Vater von sechs Kindern, der seit vielen Jahren auf dem Morro da Providência lebt. 1897 gegründet ist es die erste Favela Rio de Janeiros, sie liegt mitten im Zentrum der Stadt. Schon immer bildete sie den Wohnort der Arbeiterschicht – derjenigen, die sich als Bauarbeiter, Hausmädchen, Pförtner oder Straßenhändler verdingten. Sie war auch Schauplatz des Drogenkriegs. Doch seit die Favela im Februar 2010 von Befriedungseinheiten der Polizei, den Unidades de Polícia Pacificadoras (UPP), besetzt wurde, hat sich das Leben verändert. Auch in Anwesenheit dieser ’neuen Herren‘, wie die Befriedungspolizei von den Anwohnern genannt wird, geht der Drogenhandel weiter. Doch es gibt weniger Schießereien. Die Favelas gelten seitdem als friedlicher und für Touristen zugänglich. Sogar einen Rundgang für Besucher gibt es inzwischen, der an die schönsten Aussichtsplätze führt. Trotz der Kritik an den Befriedungseinheiten, denen immer häufiger Misshandlungen und Folter der Bewohner vorgeworfen werden, genießt auch Marcelo diese neue ‚Sicherheit‘.

Räumungen aus Gründen des Risikoschutzes

Doch nun soll auch er weg. Sein Haus ist eines von 832 Gebäuden, die abgerissen werden sollen, um die sogenannte Integration in die Stadt voran zu treiben. Man will Platz schaffen für die Verbreiterung von Straßen, den Bau einer Seilbahnstation, einer neuen Bibliothek und eines Museums. Auch Häuser in so genannten Risikogebieten sollen weichen – Gebieten, in denen es seit Jahrzehnten keine Vorfälle gegeben hat. Doch auch diejenigen Bewohner, die keine Räumung fürchten müssen, wissen nicht, wie lange sie noch bleiben können. Denn mit der Befriedung durch die Polizei, dem Bau von Aufzügen und Seilbahnen, der Einführung einer Müllabfuhr und der Legalisierung von Strom und Wasser steigen die Lebenshaltungskosten kontinuierlich. Die neue Sicherheit durch die UPP hat die Immobilienpreise auch in den Favelas in die Höhe getrieben.

Laje - typisches Haus in einer Favela © Phyllis Bußler
Laje – typisches Haus in einer Favela © Phyllis Bußler

„Wir wollen hier nicht weg“

Doch keiner der hier wohnhaften Menschen möchte hier weg. Manche Familien leben dort seit vielen Generationen. Sie haben mit einfachsten Mitteln ihre Häuser, die lajes, selbst gebaut, eine Strom- und Wasserversorgung eingerichtet und sich über die Jahrzehnte ein soziales Netz aufgebaut. Diese lajes dienen nicht nur als Wohnraum, der mit dem Familienzuwachs kontinuierlich erweitert werden kann, sondern sind Bestandteil einer (Über-)lebensstrategie, indem sie z.B. den Betrieb einer kleinen Werkstatt erlauben. Auch die zentrale Lage ist für viele Bewohner von großer Bedeutung, da ihre Arbeitskraft im nahe gelegenen Zentrum und in den Wohnvierteln der Mittelklasse gebraucht wird.

Ein neues Image für Rio de Janeiro

Die Fußball-Weltmeisterschaft und die Olympischen Spiele sind nur einige der Events in Brasilien, die zum Anlass genommen werden, die Städte neu zu gestalten. Indem die Favelas entfernt oder durch Aufwertung in die restliche Stadt integriert werden, möchte man sich von einem Image befreien, das von Gewalt, Armut und großer sozialer Ungleichheit geprägt ist. Die Stadt und das Stadtbild sollen an die Bedürfnisse potenzieller Besucher und investitionsfreudiger Unternehmen angepasst werden. So werden Favelas, die an Schnellstraßen liegen, durch Mauern für Besucher unsichtbar. Auf ‚googlemaps‘ sind die Favelas von Rio an vielen Stellen bereits verschwunden, ebenso wie in dem Werbeclip, der für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro wirbt. Anstatt eines ziegelsteinfarbigen Häusermeeres erstreckt sich dort grüne Waldfläche über die Hügel.

Der Immobilienmarkt als treibende Kraft

Die treibende Kraft hinter diesen Veränderungen ist der Immobilienmarkt, von dem die Stadt am Zuckerhut schon immer geprägt war. Die Erwartungen an die WM und die Olympischen Sommerspiele 2016 haben diese noch intensiviert. Die Befriedung der strategisch wichtigen Favelas, die sich von der wohlhabenden Südzone bis hin zum Maracanã-Stadion nördlich des Zentrums erstrecken, soll für einen so genannten Sicherheitskorridor während der WM sorgen. Doch die zumindest scheinbare Abwesenheit der Gewalt hat diese Favelas auch für Menschen attraktiver gemacht, die vorher keinen Fuß in dieses Gebiet gesetzt hätten. Immer mehr Brasilianer aus der Mittelschicht, aber auch viele Europäer oder US-Amerikaner kaufen die – für ihre Verhältnisse – günstigen Grundstücke in den Favelas auf. Immer mehr Hostels, Restaurants und Pensionen eröffnen, kulturelle Veranstaltungen finden statt und im März gab es in der Favela Providência einen Kongress für Start-Up-Unternehmen.

Sozialbau © Phyllis Bußler
Sozialbau für umgesiedelte FavelabewohnerInnen © Phyllis Bußler

Die Favela wird integriert, die Menschen nicht

Während einige Bewohner von diesem Aufschwung profitieren, etwa indem sie ein Restaurant eröffnen, ist ein Großteil der Betroffenen gezwungen, in eine der zahlreichen Favelas an den Stadtrand zu ziehen und sich dort unter noch schwierigeren Bedingungen eine neue Existenz aufzubauen. Anderen Betroffenen werden zwar staatlich geförderte Wohnungen zur Verfügung gestellt, jedoch liegen auch diese fernab von Schulen, Krankenhäusern oder einer guten Verkehrsanbindung in das nun oft mehrere Busstunden entfernte Stadtzentrum – und somit auch fern vom Arbeitsplatz. Die derzeitige Vertreibung der armen Bevölkerung an die Stadtränder knüpft an eine seit über 100 Jahren währende Praxis an, die immer dann einsetzte, wenn die Verantwortlichen glaubten, Rio de Janeiro als moderne Metropole vor einer Weltöffentlichkeit inszenieren zu müssen.


Phyllis Bußler hat Regionalwissenschaften Lateinamerika in Köln studiert und sich in ihrer Diplomarbeit mit Verdrängungsprozessen in Rio de Janeiro im Kontext von WM und Olympischen Spielen beschäftigt. Seit 2009 ist sie in der Brasilienkoordination von Amnesty International aktiv.

Nachhaltig unterwegs in Afrika: Beispiele von einer Senegal-Gambia-Tour

Naturfreundereisen in verschiedene afrikanische Länder haben seit etwa 15 Jahren Tradition. Schwerpunktland für die Naturfreunde Internationale (NFI) ist dabei Senegal. Bei all diesen Reisen stand und steht nicht das „Abhaken“ von Natur- und Kulturhighlights im Vordergrund, sondern das sensible Kennenlernen von Land und Leuten und der Naturfreundearbeit, Begegnungen mit Einheimischen, sowie gemeinsame Erlebnisse europäischer und afrikanischer NaturfreundInnen.

Nachhaltigkeitskriterien für Afrikareisen der Naturfreunde

Als Ergebnis dieser langjährigen Erfahrung hat die NFI nun Kriterien erarbeitet, deren Umsetzung bei Afrikareisen empfohlen wird. Selbstverständlich können diese Kriterien auch als Leitlinien und Anregungen für Veranstalter und Einzelreisende außerhalb der Naturfreundebewegung dienen.

Nicht alle Kriterien können auf jede Destination übertragen werden. Dennoch sollte das Bekenntnis zu einer Nachhaltigen Entwicklung und die Notwendigkeit, eine solche Position mit hoher Vorbildwirkung aktiv zu leben, dazu führen, dass Reiseveranstalter versuchen, so viele Kriterien wie möglich zu erfüllen.

Die Kriterien im Detail

© Barbara und Joachim Ernst
Kapokbaum © Barbara und Joachim Ernst

Das Wesentliche in Kürze

Nachhaltiges Reisen beginnt mit der Vorabinformation an die ReiseteilnehmerInnen: es versteht sich von selbst, dass die europäische Reiseleitung Information über Land und Leute, über Reise- und Sprachführer, Bücher afrikanischer Autoren, über die Organisationen im besuchten Land, sowie Material über soziale und politische Gegebenheiten des Ziellandes zur Verfügung stellt.

Ebenso selbstverständlich ist es, dass die An- und Abreise so umweltfreundlich wie möglich gestaltet wird: Benützung öffentlicher Verkehrsmittel zum/vom Flughafen, Sensibilisierung für CO2-Kompensation der Flugreise, nach Möglichkeit auch sanfte Mobilität im Reiseland.

Ein wichtiger Faktor ist die Auswahl der Unterkünfte und Restaurants, die regionstypisch und möglichst umweltfreundlich und sozial verträglich geführt sein sollen.

Bei Naturfreundreisen nach Senegal kommt dabei der Nutzung des Naturfreundehauses in Petit Mbao bei Dakar eine wichtige Rolle zu.

Es ist klar, dass die europäischen ReisebegleiterInnen darauf achten, MittlerInnen zu sein zwischen den europäischen Reisenden und den FreundInnen im besuchten Land und dass sie auch mit gutem Beispiel voran gehen, z. B. hinsichtlich dem Land entsprechender Kleidung und Fotografierverhalten.

Besonders wichtig ist auch das Programm solcher Reisen: der Schwerpunkt der Besuche und Besichtigungen liegt auf regions- oder landestypischen Spezifika, wie z.B. Initiativen der Zivilgesellschaft, Entwicklungs- oder Umweltprojekte, Naturschutz, Frauenförderung etc. Die Reiseprogramme werden deshalb gemeinsam von europäischen und afrikanischen Partnern ausgearbeitet.

Programmhighlights einer Senegal-Gambia-Tour

Im November 2013 wurde zum ersten Mal mit einer internationalen Gruppe Gambia, in Verbindung mit Senegal, besucht. Anhand einiger Beispiele aus dieser Reise, die ich wie viele Touren begleitet habe, möchte ich die Programmgestaltung solcher Reisen veranschaulichen. So haben wir unter anderem die nachstehenden Einrichtungen besucht und dabei Gelegenheit gehabt, uns mit Verantwortlichen und Betroffenen auszutauschen.

Partizipatives Nationalparkmanagement – die Dörfergemeinschaft im Nationalpark Djoudj

Im Norden Senegals, ca. 80 km von der Stadt Saint-Louis entfernt, erstreckt sich über 16 000 der Nationalpark Djoudj, das drittgrößte Vogelschutzgebiet der Welt und bekannt als Überwinterungsgebiet für 360 europäische Vogelarten. Zum Zeitpunkt der Gründung des Nationalparks im Jahr 1971 wurden sieben Dörfer an den Rand des nunmehrigen Schutzgebietes umgesiedelt, nicht ohne Konflikte mit den BewohnerInnen. In den darauffolgenden Jahren wurde nach Konfliktlösung gesucht und schließlich die „Association Intervillageoise des 7 villages de la périphérie du Parc National des Oiseaux du Djoudj – A.I.V.D.“ (Zusammenschluss der 7 Dörfer an der Peripherie des Nationalparks) gegründet. Die Nationalparkabteilung des senegalesischen Umweltministeriums ist seither bestrebt, eine Politik des partizipativen Parkmanagements umzusetzen, um so die Bevölkerung in den Schutz des Parks einzubeziehen und durch Schaffung von Einkommensmöglichkeiten zur Verbesserung ihrer sozioökonomischen Situation beizutragen. So wurde zum Beispiel der junge Mann, der uns bei unserer Exkursion begleitete, im Sinne dieses partizipativen Ansatzes als Ökoguide ausgebildet; die Frauen, die uns im parkeigenen „Shop“ stolz ihre handwerklichen Produkte zeigten, erhalten 80% des Verkaufserlöses. Ergänzend werden die DorfbewohnerInnen in Kursen für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz, Handwerk und Kultur und verantwortungsvollen Tourismus sensibilisiert – all dies unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigen Entwicklung der Region. Dabei spielt das Campement Njagabaar, ein Touristencamp mit Restaurant, eine wichtige Rolle, das sich, am Eingang zum Park gelegen, dem nachhaltigen Tourismus verschrieben hat und dies auch in einer Charta definiert.

Zielsetzungen, Angebote und Preise unter: http://www.djoudjvillages.sn/

Plan Djoudj © Barbara und Joachim Ernst
Plan Djoudj © Barbara und Joachim Ernst
© D. Bührer
Charta Djoudj © D. Bührer

Artenschutz als Anliegen im nachhaltigen Tourismus – das „Schildkrötendorf“ in Noflaye

35 km nordöstlich von Dakar liegt das Dorf Noflaye, das durch das dort ansässige „Schildkrötendorf“ (Village des tortues) Bekanntheit erlangt hat. Im Rahmen des Programms SOS Sulcata, das von der französischen Fachorganisation SOPTOM mit betreut wird, hat man es sich hier zum Ziel gesetzt, vom Aussterben bedrohte Schildkrötenarten zu schützen. Vor allem handelt es sich dabei um die Spornschildkröte (Centrochelys sulcata). Das Zentrum erhält immer wieder Exemplare aus privatem Besitz, die vernachlässigt, zu wenig oder zu viel gefüttert wurden und in schlechtem Zustand sind. Ein engagiertes junges Team von Fachleuten und Freiwilligen nimmt sich ihrer an, untersucht und pflegt sie nach wissenschaftlichen Kriterien und bereitet sie auf ihre Wiedereinsetzung in ihrem ursprünglichen Lebensraum im Ferlogebiet in Nordsenegal vor. Zuletzt wurde dort im Jahr 2011 eine Gruppe ausgewildert, nachdem eine erste bereits 2006 erfolgreich wieder eingesetzt und einem laufenden Monitoring mit Hilfe von Transmittern unterzogen wurde. Bemerkenswert sind auch die Sensibilisierungsmaßnahmen, die über das Programm SOS Sulcata für Kinder und Jugendliche im Ferlo durchgeführt werden.

Adresse und Kontakt: Noflaye, km 12, Route de Bambilor, BP 655 Rufisque, Senegal

© Barbara und Joachim Ernst
Schildkröten mit Pfleger in Noflaye © Barbara und Joachim Ernst

Energie aus Biomasse – das Engagement der Firma GreenTech in Gambia

Berge von Erdnussschalen säumen den Zugang zur Firma GreenTech, die von einem engagierten gambisch-deutschen Unternehmerpaar geleitet wird, auf dessen Initiative auch die Firmengründung zurückgeht. Hier versucht man, im Rahmen eines nach kommerziellen Kriterien arbeitenden Unternehmens, Lösungsansätze zur Armutsbekämpfung sowie zur Linderung der Energie- und Umweltprobleme in Gambia anzubieten.

Es geht dabei um die Produktion von Briketts aus Biomasse, konkret aus Erdnussschalen, die sonst auf dem Müll landen würden. Die Briketts können im Haushalt, in der Gastronomie, der Industrie, der Lebensmittelverarbeitung etc. eingesetzt werden. Die Brikettpresse kommt aus Dänemark, die Arbeitskraft aus Gambia. In einer firmeneigenen Küche wird für das Personal gekocht, selbstverständlich unter Verwendung lokaler Produkte.

Ergänzend werden von dem Unternehmen Kocher angeboten, die lokal produziert werden und deren spezielle Bauweise die Energieeffizienz der Briketts erhöht. Die Geräte sind einfach zu bedienen und es gibt kaum Rauchentwicklung.

© Barbara und Joachim Ernst
Sparkocher © Barbara und Joachim Ernst

Förderung von Kleinunternehmen im Tourismus – der Verein ASSET (Association of Small Scale Enterprises in Tourism)

Der Verein wurde im Jahr 2000 mit dem Ziel gegründet, kleine im Tourismus tätige Betriebe zu unterstützen, die sonst kaum Chancen haben, sich gegenüber den im Massentourismus operierenden Großunternehmen zu behaupten. ASSET hilft z.B. beim Abschluss von Versicherungsverträgen, Kontakten mit Tourenveranstaltern etc. Arbeitsplätze für Kunsthandwerker und ein Shop sind derzeit am Vereinssitz im Entstehen; ASSET bietet auch Kurse an, in denen sich VertreterInnen kleiner Tourismusbetriebe zusätzliche Qualifikation verschaffen können. Die Seele des Ganzen ist das Restaurant „Bantaba“, was so viel heißt wie „Dorfplatz mit Palaverbaum“. Hier wird traditionell und preiswert gekocht und eine Atmosphäre geschaffen, die uns als umwelt- und menschenfreundliche Reisende sehr angesprochen hat.

© Barbara und Joachim Ernst
Asset Bantaba © Barbara und Joachim Ernst

Reisende unterstützen Projekte afrikanischer Naturfreunde und ihrer Partner

Zu den Kriterien nachhaltigen Reisens gehört für NaturfreundInnen auch, zur Umsetzung von Projekten ihrer afrikanischen FreundInnen beizutragen. So war ein absoluter Höhepunkt unserer Senegal-Gambia-Tour die Eröffnung eines Kinderhortes in der Nähe der senegalesischen Stadt Saint-Louis, der durch die tatkräftige Unterstützung von deutschen Naturfreundegruppen errichtet wurde und noch durch verschiedene Zusatzeinrichtungen ergänzt werden soll (Alphabetisierungskurse für Frauen, Werkstätten etc.). Federführend dabei waren die Naturfreunde aus Rastatt und Saint-Louis.

Kontakt: Uschi Böss-Walter, Naturfreunde Rastatt, boess-walter@t-online.de

© Barbara und Joachim Ernst
St. Louis © Barbara und Joachim Ernst

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Mag. Ingeborg Pint ist diplomierte Dolmetscherin für Französisch und war von 1992 – 2006 Projektkoordinatorin für „Landschaften des Jahres“ der Naturfreunde Internationale (NFI). Derzeit ist sie ehrenamtliche Afrika-Referentin der NFI und als solche für die kontinuierliche Betreuung der afrikanischen Naturfreunde-Organisationen zuständig. Seit 2004 begleitet sie regelmäßig Projektreisen der Naturfreunde nach Senegal und fallweise nach Togo. Darüber hinaus ist sie Ansprechpartnerin für deutschsprachige Naturfreunde(gruppen), welche Reisen in afrikanische Länder planen, in denen die NFI Mitgliedsorganisationen hat.

Seit September 2013 freuen wir uns außerdem, Ingeborg zu unseren StammautorInnen zählen zu dürfen.

Kontakt: i.pint@aon.at

Die NFI hat für Projekte der afrikanischen Naturfreunde-Organisationen einen eigenen Spendenfonds eingerichtet. Auf www.nf-int.org/afrika finden sich jeweils die aktuellen Projekte, die wir mit Eurer Hilfe unterstützen wollen. Danke!

Im Namen der Schildkröte

© David Novillo
© David Novillo

“Es gibt so Wahnsinnige, die nur wegen der Schildkröten herauskommen. Und wenn die eine entdecken, dann holen sie sie aus dem Meer, halten sie an einem Bein hoch, posen damit herum, machen Fotos und zeigen die dann stolz auf Facebook ihren Freunden!” Davids Stimme überschlägt sich, sein Spanisch wird schneller, so schnell, dass ich nur noch hoffen kann, es richtig verstanden zu haben. Aber eigentlich will ich das gar nicht verstehen (solche *mirfehlendieworte*!)  – schon gar nicht, nachdem ich selbst vollkommen aus dem Häuschen war, als mein Tauchlehrer David Novillo unter Wasser plötzlich seine Hand ausgestreckt und mit dem Finger nach oben gedeutet hat: Eine Schildkröte! Über mir!

Und ich war nicht die Einzige: Kollegin Anja ist beim Ruf “Schildkröte” vom Boot ins Meer gesprungen, um mit einem der “GreenGirls”, wie David und sein Team die sanften Riesen liebevoll nennen, ein Weilchen mitzuschwimmen …

Zwölf dieser GreenGirls haben David und seine Kollegen seit 2004 betreut: “Wir wachen über den Tieren, kontrollieren ihren Wachstum”, erklärt er mir, “und wir retten sie, falls sie einen Unfall oder andere Schwierigkeiten hatten.” Von letzterem sind wir heute Zeugen geworden: Ein “grünes Mädel” hatte sich beim Plastikmüll, der – wie so oft – im Meer gelandet ist, geschnitten und musste – auch wie so oft – zur medizinischen Versorgung gebracht werden.

Tauchlehrer David Novillo © Doris Neubauer
Tauchlehrer David Novillo © Doris Neubauer

Derzeit gibt es sechs Stück dieser Chelona Mida in Puertito de Adeje im Süden Teneriffas, dort in der touristischen Region der kanarischen Insel, wo auch noch immer umstrittene Walbeobachtungsfahrten angeboten werden. Und wo in der Hochsaison täglich mehr als 150 Menschen mit Booten zur Bucht fahren, um dort zu schnorcheln, zu tauchen, die Unterwasserwelt zu berühren, lautstark zu feiern – und leider gar nicht sorgsam mit der Natur umzugehen. Ebenso verhalten sich leider auch die acht privaten Schnorchelboote, die Touristen alle vier Stunden in die Meeresregion karren.

Über 150 Menschen fahren regelmäßig in das Gebiet, um zu tauchen und zu schnorcheln © Doris Neubauer
Über 150 Menschen fahren regelmäßig in das Gebiet, um zu tauchen und zu schnorcheln © Doris Neubauer

Auch wenn es sich nach wenig anhören mag, sechs Schildkröten sind in dieser Region schon ein positives Zeichen und Verdienst, der David und seinen mittlerweile 10 Kollegen der privaten Non-Profit-Organisation Oceáno Sostenible zuzusprechen ist. 2004 hat der PADI Tauchinstrukteur gemeinsam mit anderen in einem Gebiet von 50m² begonnen, eine Meeresschutzzone einzurichten, um die Flora und Fauna der Region von einer zerstörerischen, nicht einheimischen Seeigelplage zu befreien und wieder zu regenerieren. Außerdem arbeitet die Organisation in einem SeaLab, wo sie wissenschaftliche Daten sammelt und auswertet. Mittlerweile hat sich das Gebiet vervielfacht und ist auf über 100.000m² angewachsen. Die Seeigel sind unter Kontrolle, und die sechs Schildkröten sind nicht die einzigen Zeichen, dass sich die Unterwasserwelt wieder etwas erholt: Seepferdchen oder Barrakudas sind bei den Tauch- und Schnorchelgängen zu entdecken.

Doris vor ihrem Tauchgang © Doris Neubauer
Doris vor ihrem Tauchgang © Doris Neubauer

Damit gibt sich Oceáno Sostenible aber natürlich nicht zufrieden – die Arbeit geht weiter: “Unsere wichtigste Arbeit ist es, das Verantwortungsbewusstsein und den Respekt der Tauchzentren und privaten Taucher gegenüber den Schildkröten zu erhöhen”, erklärt mir David später, “vor allem, weil wir täglich mehre Male dort hin fahren.” Seine Non-Profit-Organisation selbst hat mit dem FlyOver Tauchunternehmen, das von der Inselregierung und dem Fremdenverkehrsamt Turismo de Tenerife unterstützt wird, ein spezielles Angebot für Touristen geschaffen: Damit auch Anfänger die Unterwasserwelt in Puertito de Adeje kennen lernen können, begleiten erfahrene Taucher wie David Leute ohne Erfahrung – wie mich – nach unten. Die eine Hand auf der Nase (zum Druckausgleich), die andere gehalten von David oder einem seiner Kollegen gibt es das Taucherlebnis sozusagen im Schnelldurchgang – und man erfährt noch dazu etwas über die Unterwasserwelt der Region. Und das Beste: 10 Prozent der Gewinne von FlyOver gehen wieder an Projekte von Oceáno Sostenible.

© Doris Neubauer
© Doris Neubauer

Und Projekte gibt es genug:  Es geht nämlich bei Oceáno Sostenible nicht nur darum, Touristen einen nachhaltigen Umgang mit der (Unter-)Wasserwelt zu zeigen, sondern auch Einheimischen – vor allem den Kindern. Um das auch den Kleinen bewusst zu machen, werden ab September wieder Schulen, Universitäten und andere Bildungseinrichtungen in das ebenfalls entstandene Maritime Lernzentrum geladen. Und sie werden kommen – wie schon die über 900 Kinder und Jugendlichen in der Vorsaison, mit denen David gearbeitet hat. Der gibt mir zum Schluss übrigens noch ein Zitat der native americans auf den Weg mit: “Das Land ist nicht ein Erbe unserer Eltern, es ist ein Erbstück für unsere Kinder”… auch das Wasserland der Schildkröten.

Reisebloggerin Mrs. Berry war ebenfalls dabei & hat geniale Unterwasser-Bilder und ein Video gemacht.

Wer einen FlyOver-Tauchgang versuchen möchte, meldet sich am besten über die Website bei David und seinem Team. Über das Tauchen könnt Ihr auch bei meiner Kollegin Anja von happybackpacker.de weiterlesen. Nicht in freier Wildbahn, aber Schildkröten (und mehr) gibt es übrigens auch im Loro Parque im Norden Teneriffas zu sehen.

Offenlegung: Danke an Condor, GCE und Turismo de Tenerife für die Einladung. Die Meinungen und Ansichten in der Geschichte bleiben meine eigenen.

Warum ich (trotzdem) reise!

“Wir sollten wieder sesshaft werden, statt permanent unterwegs zu sein und CO2 zu emittieren.” Die Aussage war noch eine der harmloseren, die der Volkswirt und Attac-Berater Niko Paech im Interview mit der “Süddeutschen Zeitung” getroffen hat. Der Standpunkt von einem, der radikal lebt, was er empfiehlt und selbst nur ein einziges Mal in seinem Leben in einem Flieger gesessen ist, rütteln ganz schön an mir. Und nein, das liegt nicht daran, dass ich sie im Flugzeug auf dem Weg nach Porto zu meiner ersten Travel Blogger Konferenz lese. Aber paradoxer könnte die Situation wohl kaum sein.

© Doris Neubauer
© Doris Neubauer

Ein Gespräch über eine Reise nach Bali hier, Erzählungen vom Yogaretreat in Mexiko dort und eine Autoralley durch die Mongolei als Einstiegspräsentation, dazwischen Suchmaschinen-Websites, PR-Agenturen, Tourismusbüros etc. die mit – uns – BloggerInnen über noch bessere Vermarktungsmöglichkeiten sprechen. Hier geht es um eine meiner größten Leidenschaften, darum, wofür ich morgens aufstehe und wovon ich nächstens träume. Hier geht es um das Geschäft, das wohl eine der negativsten Klimabilanzen aufweist, die es gibt: Ums Reisen!

© Doris Neubauer
© Doris Neubauer

Der internationale Flugverkehr trägt mittlerweile mit 7 Prozent zur globalen Erwärmung bei; die Treibhausgaswirkung der Flugemission ist dreimal so hoch wie bei Kohlendioxid, das auf der Erde produziert wird. (siehe Datenlage des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2008) – bei den Fakten dreht sich mir der Magen um! Und wenn man der aktuellen – vermutlich realistischen – Airbus-Prognose, die der Flugzeughersteller in London veröffentlicht hat, Glauben schenkt, wird allein die Zahl der Passagiermaschinen in den nächsten 20 Jahren von derzeit rund 15.000 auf mehr als 32.000 ansteigen. Dass man das auch mit der höchsten Ausgleichszahlung an atmosfair & Co. nicht kompensieren kann, sagt uns der Hausverstand. Eine lahme Gewissensberuhigung, was sonst!?

“Klimabewusst zu fliegen heißt wohl eher nicht zu fliegen”, die Lösung, die Attac-Geschäftsführer Wilhelm Zwirner auf meiner Facebook Seite liefert, ist kurz und radikal. Oder um wieder Paech zu zitieren, der sich auch weigert, bei Klimakonferenzen im fernen Rio dabei zu sein: “Die beste Energie ist die, die wir nicht verbrauchen”. Und ich kann nur sagen: Ich gebe beiden Recht.

© Doris Neubauer
© Doris Neubauer

Genauso Recht wie Chris Haslam, Autor und Reiseberichterstatter, der sagt: “Es ist so: Hör nicht auf zu fliegen. Hör nicht auf, das Außergewöhnliche und Exotische zu besuchen. Hör nicht auf, dein Hart-Verdientes zu den Menschen zu bringen, deren Leben und Zukunft genau davon abhängt und hör nicht auf, hinaus zu gehen und Zeugnis davon abzugeben, die Änderungen zu sehen, denen unser Planet ausgesetzt ist.” Das ist nämlich die andere Seite des Reisens: Abgesehen davon, dass Tourismus eine Lebensgrundlage für Menschen darstellt, öffnet Unterwegssein die Augen, lässt uns wachsen, Begegnung findet statt, inspiriert, macht uns toleranter… Zumindest das Reisen, das ich kenne!

Radikale Aussagen und Ansichten wie die von Paech, der von “vor der Fassade der Weltoffenheit komfortablen und globalen Lebensstil” an den Pranger stellt, sind vermutlich wichtig für Diskussion, fürs Umdenken, fürs Schlechte-Gewissen-Schaffen. Und keine Frage: Hochachtung, dass er so lebt! Aber ich weiß nicht, wie es Euch geht, doch mich schrecken solche Aussagen ab: So sehr, dass ich dann gar nichts ändere und so weitermache wie bisher, weil ich dieses hehre Ziel ja ohnehin nicht erreiche. Und das ist wohl dann die völlig falsche Reaktion!

© Doris Neubauer
© Doris Neubauer

Für mich gibt´s nur diesen Weg: Mich zu bemühen, so bewusst, so nachhaltig, so klimaschonend, so ausgleichend, kurz, so gut wie möglich zu reisen. Ja, ich fliege – aber nicht bei jeder Gelegenheit einfach irgendwo hin; meistens bin ich öffentlich unterwegs; 24×7 Klimaanlagen gibt es nicht, unter anderem deshalb, weil ich meist bei Einheimischen schlafe; ich ernähre mich vegetarisch…. und ja, ich mache Fehler! Aus Unwissenheit; weil ich nicht besser darüber nachgedacht habe; weil ich ein Mensch bin und weil ich – hoffentlich – laufend dazu lerne.

© Doris Neubauer
© Doris Neubauer

“Was kann ein Reisender tun? Der Zynische sagt nichts, der Hoffende sagt viel”: Ganz klar, Dan und Audrey von Uncornered Market zählen zu letzteren. Das Ehepaar arbeitet als Reiseblogger und -consultants mit Non-Profit-Organisationen zusammen, macht grüne Initiativen in aller Welt bekannt, reist selbst so nachhaltig wie möglich und sind United Nations-Botschafter für das Sustainable Tourism Council (GSTC) – auch auf einer Travel Blogger Konferenz wie der in Porto.

Dreimal dürft Ihr raten, zu welcher Kategorie ich gehöre…

The Akha Experience – lessons from a finally failed successful project [DE/EN)

For english version see below!

Verantwortlich, Öko- oder doch nachhaltig? Die Verwirrungen bei der Definition des Tourismus, den wir wollen
29. Januar 2014 von nfint
Wenn ich Nachhaltigen Tourismus unterrichte, scheint es eines der schwierigsten Dinge für die Studierenden zu sein, den Unterschied zwischen Ökotourismus und Nachhaltigem Tourismus zu verstehen. Die Erklärung klingt eigentlich einfach: Ökotourismus ist eine Form des Tourismus, wie etwa Badetourismus, Kreuzfahrttourismus, Kulturtourismus etc., Nachhaltiger Tourismus ist eine Vision, eine Forderung für alle Tourismusformen.
Es ist allerdings nicht so einfach, wie es klingt – vor allem, wenn andere Begriffe ins Spiel kommen, wie etwa verantwortlicher Tourismus, naturnaher Tourismus, Pro-Poor-Tourismus oder gemeindebasierter Tourismus.
Ökotourismus oder Verantwortlicher Tourismus?
Es gibt so viele Definitionen für Ökotourismus, dass der australische Forscher Figgis erklärte, Ökotourismus definieren sei zur olympischen Sportart geworden! Die Definitionen unterscheiden sich minimal, je nach politischem, wirtschaftlichem oder Umweltbezug. Die Anfänge des Ökotourismus reichen in die 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts zurück – dabei wurde ‚jedweder Tourismus in geschützte Gebiete Ökotourismus genannt‘, ohne auf soziale Auswirkungen oder die Umwelt Rücksicht zu nehmen. Im Jahr 1990 wurde die Internationale Gesellschaft für Ökotourismus (The International Ecotourism Society, TIES) gegründet, die Ökotourismus als „verantwortungsbewusstes Reisen in Naturgebiete, das die Umwelt erhält und den Wohlstand der örtlichen Bevölkerung mehrt“ definiert. Später – als Resultat des Internationalen Jahres des Ökotourismus 2002 – versuchten auch die Welttourismusorganisation (UNWTO) und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), eine einheitlich akzeptierte Definition zu schaffen. Dieser neue Ansatz basierte auch auf verantwortlichem Reisen und beinhaltete auch Lernelemente der Tourismusaktivitäten.
Doch wie kann Tourismus – ein Wirtschaftssektor – verantwortlich agieren? Oder in anderen Worten: Können wir von einer Branche erwarten oder verlangen, dass sie sich ändert, um „gut“ zu handeln?
Laut dem Ansatz des Internationalen Zentrums für verantwortlichen Tourismus (International Centre for Responsible Tourism, ICRT) möchte verantwortlicher Tourismus bessere Orte schaffen, in denen Menschen leben können, und bessere Orte, die Menschen besuchen können (‚making better places for people to live in, and better places to visit‘, laut Harold Goodwin, Direktor des ICRT). Verantwortlicher Tourismus ist also eher eine ethische Forderung, eine Aufforderung zu altruistischem Verhalten der Branche als ein konkretes Konzept, das zu klaren Forderungen und Rahmenbedingungen führt. Es ist also ein bisschen mit dem momentanen Konzept der sozialen Unternehmensverantwortung (Corporate Social Responsibility, CSR) zu vergleichen.
Die Wirtschaft ist aber leider nicht altruistisch. Zu grundlegenden Veränderungen bracht es mehr als Ethik. Solange CSR eine ‚freiwillige Handlung, die über Gesetze hinausgeht‘ bleibt, sind es nur die Spitzenreiter – manchmal wirklich die Guten, machmal aus reinen Marketingzwecken -, die ernsthafte Verbesserungsmaßnahmen umsetzen.
Ein Beispiel?
Es ist eine anerkannte Tatsache, dass wir die CO2-Emissionen, die durch den Flugverkehr entstehen, einschränken müssen. CO2-Kompensation ist ein passendes Instrument, mithilfe dessen zumindest dieselbe Menge an Emissionen, die durch den Flug erzeugt wurden, woanders eingespart werden können. Momentan werden allerdings weniger als 1% der Flugtickets kompensiert, Reiseveranstalter sind nicht dazu bereit, die Kompensationskosten in die Reisekosten aufzunehmen. Solange es keine Gesetze gibt (Kerosinsteuer, CO2-Steuer, automatische Kompensation von Flugtickets etc), wird sich die Situation nicht ändern.
Altruistisches, ethisches Verhalten ist eher eine passende Forderung für Privatpersonen als für eine Branche. Konsumentinnen und Konsumenten können relevante Entscheidungen treffen und damit starken Druck auf eine Branche ausüben, indem sie bessere, gesündere, nachhaltigere Produkte kaufen. Laut der Otto Gruppe Trendstudie 2011 sagten 72% aller Konsumentinnen und Konsumenten, dass ethische Kriterien zu ihren Kaufentscheidungen beitrügen. Und nur 34% der Käuferinnen und Käufer vertrauen heutzutage Unternehmen im Allgemeinen, aber 77% vertrauen Unternehmen, die ‚ethisch korrekte‘ Produkte herstellen. Dies eröffnet einen riesigen Markt, auch für die Tourismusbranche.
Wo liegt nun der Unterschied zum Ansatz des Nachhaltigen Tourismus?
Nachhaltiger Tourismus bezieht sich auf alle verschiedenen Tourismusformen, nicht nur auf einzelne Formen wie etwa Ökotourismus. Er fordert nicht nur freiwillige Handlungen wie der verantwortliche Tourismus, sondern trachtet nach Gesetzen.
The Umsetzung eines Nachhaltigen Tourismus erfordert u.a. neue Subventionsregelungen, klare Investitionsregulierungen, effektive Umweltverträglichkeitsprüfungen, eine breit angelegte Umsetzung des Verursacherprinzips und vieles mehr.
Nachhaltiger Tourismus ist also ein theoretischer Ansatz mit praktischen Konsequenzen, der sich an politische Entscheidungsträger und Tourismusunternehmen richtet.
Entwickelt sich Ökotourismus in Richtung Nachhaltigkeit?
Die Antwort ist ‚Ja und Nein‘.
Auf der einen Seite wird alles, was nur ein bisschen grün ist, als Ökotourismus vermarktet – ob es nun Solarpanele auf dem Hoteldach sind (eine Kostenersparnismaßnahme), Walbeobachtungen (die oft nicht gerade umweltverträglich sind) oder Kurztrips zu einem Nationalpark in Costa Rica (die viele Emissionen verursachen).
Doch andererseits wurden klare und umfassende Kriterien festgelegt, wie etwa vom Rumänischen Verband für Ökotourismus (Ecotourism Association Romania, AER). Erst vor kurzem wurden auf der zweiten Europäischen Konferenz für Ökotourismus, die 2013 in Brasov (RO) stattfand, Kriterien für „Ökotourismus-Destinationen“ entwickelt, die von AER, Europarc Federation, Naturfreunde Internationale und anderen angenommen wurden.
Beide Ansätze berücksichtigen mehr und mehr Kriterien des Nachhaltigen Tourismus.
Um also in einer Schlussfolgerung zu versuchen, die Verwirrungen um all diese Benennungen ein wenig zu entwirren, könnten wir festhalten, dass …
• Ökotourismus eine Tourismusform ist, die sich teilweise in Richtung mehr Nachhaltigkeit bewegt,
• Verantwortlicher Tourismus sich direkt an die Konsumentinnen und Konsumenten richten sollte und
• Nachhaltiger Tourismus ein Ziel für alle Tourismusformen darstellt und gesetzliche und strukturelle Umsetzung braucht und erfordert.
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Dr. Christian Baumgartner hat Landschaftsökologie studiert und ist seit 2005 Generalsekretär der Naturfreunde Internationale (www.nf-int.org). 1995 gründete er respect – Institut für Integrativen Tourismus und Entwicklung (www.respect.at). Neben seiner Arbeit als Dozent für Nachhaltigen Tourismus in Wien und Krems (A), Siders (CH) und China war er Mitglied der (ehemaligen) Tourism Sustainability Group der EU-Kommission, der Generaldirektion Unternehmen und Mitglied in zahlreichen nationalen und internationalen Beratungsgremien zum Thema Tourismus.

Author: Christian Baumgartner

The case of the project Akha Experience in Northern Laos shows an example of a project that started promising and successful over several years. Nevertheless it was a failure at the end, as several basic determinants for a long-lasting sustainable development were not taken sufficiently into consideration.

In Luang Namtha Province in the mountainous north of Laos one can find large virgin forests that are under threat by international timber companies or the change to rubber plantation. Tourism was one of the chosen tools to protect this richness, making also use of the large diversity on rather isolated ethnic groups, their cultural richness and traditional lifestyles. Of the 68 different ethnic groups in Laos more than 20 live in the province Luang Namtha amongst them the Akha as the largest groups. Many of those groups subsist at sub-poverty levels in a non-cash economy – so making quick money with selling the timber is alluring.

© Christian Baumgartner
© Christian Baumgartner

The Nam Ha Ecotourism Project of the UNESCO and National Tourism Authority of Lao PDR 1999 to 2002 seeks for a tourism that avoids overusing natural resources and the ‘Akha Experience’ by the German GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) and the local tourism agency Exotissimo complemented the project. The Akha Experience offered tours for 3-10 days. 8-10 tourists at one time can experience first hand biodiversity and the specific Akha culture, beginning with an orientation session with information of the benefits of the villagers and what makes the tour environmentally friendly and sensitive. The tours are led by two registered local village-based guides with English language skills and local knowledge, dressed in Akha clothes. 
The lodges, run by local hosts, are in design and construction traditional with some added
comforts (e.g. hot water or solar power electricity).

© Christian Baumgartner
© Christian Baumgartner

Not all of the villages decided to take part in the project, which at the end turned out to be one of the problems. The participating villages fixed village coordinators, guides, hospitality staff, cooks, housekeepers and handicraft sellers. Between 1999 and 2006 170 ecoguides were trained in guiding principles, English, ecotourism, first aid, regional history and specific village culture. Exotissimo (Vientiane, Luang Prabang and international offices) sell the tours. From the fees 11% went to a Village Development Fund, 9% to costs like transport and management, the rest was paid to the villagers for services (excluding handicrafts and donations). Participating villages were motivated and understood the necessity to protect the forests.

© NFI / respect
© NFI / respect

Although the National Tourism Authority included the project into its National Ecotourism Strategy and Marketing Plan, although the feed-back by tourists was positive and the villagers welcomed tourists as symbolic end of isolation, and although 68 household could increase their income from annual US$20 to over US$100, it seems that the project failed now after 9 years.

GIZ stopped technical advice and trainings 15 month after start of active selling. Several of the not-involved villages did decide to sell the forest, which was then cut or changed to rubber plantations causing a loss of shade and landscape attraction. To find trekking routes without visible destruction for the tourists became difficult. Additionally more and more villagers changed from their traditional costumes – which were one of the main attractions of Muang Sing area – to modern outfits. A declining interest of foreign visitors was the result and led to Exotissimo decision to stop the offer of the Akha Experience end of 2013.

Lessons learnt:

• (Eco)Tourism can contribute to protection of natural resources and poverty alleviation, but only if the whole region shares the same goals and strategies. A patchwork of different development strategies can be counter-productive.

• ‘Progress’ is being visited as the villages gain their first contacts with national and international market economies, but tourism is just one facet of development. Tourism needs to be seen as more than just another economic sector promising economic gain for outside investors.

• Marketing is crucial; the inclusion of local tourism products in national marketing strategies is one of the key factors for success. But tourism products, communication and marketing should not exclusively base on traditional forms of culture.

• Sustainable development needs time. The support by donor organisations often is too short to create long-lasting local ownership. Contacts between indigenous population and tourists stay rare and on a superficial level, but should be based on respect and same eye-level.

The development of Community Based Tourism can – if well planned and implemented – provide indigenous communities with a motivation to protect their natural environment. In the case of the Akha Experience mainly the lack of regional closeness led to a failure.

Christian Baumgartner



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Further readings:

Mascow, Susanne (2013): Potentiale für Public Private Partnerships im Tourismus – Möglichkeiten der Kooperation zwischen Reiseveranstaltern und lokalen Gemeinden in Entwicklungsländern, Grin Verlag

Oula (2005): Trekking in Nammat Kao and Nammat Kai – two Akha communities

Shi, Weiyi (2008): Rubber Boom in Luang Namtha. A Transnational Perspektive.

Suntikul, Wantanee (2012): The effects of tourism development on indigenous populations in Luang Namtha Province, Laos. In: Butler, Richard; Hinch Tom (2012): Tourism and Indigenous Peoples. Issues and Implications. Butterworth-Heinemann

UNESCO Bangkok (2008): Impact. The Effects of Tourism on Culture and Environment in Asia and the Pacific. Alleviating Poverty and Protecting Cultural and Natural Heritage through Community Based Ecotourism in Luang Namtha.

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Dr. Christian Baumgartner studied landscape ecology and is Secretary General of Naturefriends International (www.nf-int.org) since 2005. 1995 he founded respect – Institute for Integrative Tourism and development (www.respect.at). Besides his work as lecturer for Sustainable Tourism in Vienna, Krems (A), Siders (CH) and China he was member of the (former) Tourism Sustainability Group within the EU Commission, DG enterprise and member in several national and international tourism related advisory boards.

Verantwortlicher, Öko- oder doch nachhaltiger Tourismus? Die Verwirrungen bei der Definition des Tourismus, den wir wollen [DE/EN)

For English version see below

Wenn ich Nachhaltigen Tourismus unterrichte, scheint es eines der schwierigsten Dinge für die Studierenden zu sein, den Unterschied zwischen Ökotourismus und Nachhaltigem Tourismus zu verstehen. Die Erklärung klingt eigentlich einfach: Ökotourismus ist eine Form des Tourismus, wie etwa Badetourismus, Kreuzfahrttourismus, Kulturtourismus etc., Nachhaltiger Tourismus ist eine Vision, eine Forderung für alle Tourismusformen.

Es ist allerdings nicht so einfach, wie es klingt – vor allem, wenn andere Begriffe ins Spiel kommen, wie etwa verantwortlicher Tourismus, naturnaher Tourismus, Pro-Poor-Tourismus oder gemeindebasierter Tourismus.

© Christian Baumgartner
© Christian Baumgartner

Ökotourismus oder Verantwortlicher Tourismus?

Es gibt so viele Definitionen für Ökotourismus, dass die australische Forscherin Figgis erklärte, Ökotourismus zu definieren sei zur olympischen Sportart geworden! Die Definitionen unterscheiden sich minimal, je nach politischem, wirtschaftlichem oder Umweltbezug. Die Anfänge des Ökotourismus reichen in die 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts zurück – dabei wurde ‚jedweder Tourismus in geschützte Gebiete‘ Ökotourismus genannt, ohne auf soziale Auswirkungen oder die Umwelt Rücksicht zu nehmen. Im Jahr 1990 wurde die Internationale Gesellschaft für Ökotourismus (The International Ecotourism Society, TIES) gegründet, die Ökotourismus als „verantwortungsbewusstes Reisen in Naturgebiete, das die Umwelt erhält und den Wohlstand der örtlichen Bevölkerung mehrt“ definiert. Später – als Resultat des Internationalen Jahres des Ökotourismus 2002 – versuchten auch die Welttourismusorganisation (UNWTO) und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), eine einheitlich akzeptierte Definition zu schaffen. Dieser neue Ansatz basierte auch auf verantwortlichem Reisen und beinhaltete auch Lernelemente der Tourismusaktivitäten.

Doch wie kann Tourismus – ein Wirtschaftssektor – verantwortlich agieren? Oder in anderen Worten: Können wir von einer Branche erwarten oder verlangen, dass sie sich ändert, um „gut“ zu handeln?

Laut dem Ansatz des Internationalen Zentrums für verantwortlichen Tourismus (International Centre for Responsible Tourism, ICRT) möchte verantwortlicher Tourismus bessere Orte schaffen, in denen Menschen leben können, und bessere Orte, die Menschen besuchen können (‚making better places for people to live in, and better places to visit‘, laut Harold Goodwin, Direktor des ICRT). Verantwortlicher Tourismus ist also eher eine ethische Forderung, eine Aufforderung zu altruistischem Verhalten der Branche als ein konkretes Konzept, das zu klaren Forderungen und Rahmenbedingungen führt. Es ist also ein bisschen mit dem momentanen Konzept der sozialen Unternehmensverantwortung (Corporate Social Responsibility, CSR) zu vergleichen.

Die Wirtschaft ist aber leider nicht altruistisch. Zu grundlegenden Veränderungen braucht es mehr als Ethik. Solange CSR eine ‚freiwillige Handlung, die über Gesetze hinausgeht‘ bleibt, sind es nur die Spitzenreiter – manchmal wirklich die Guten, machmal aus reinen Marketingzwecken -, die ernsthafte Verbesserungsmaßnahmen umsetzen.

© Christian Baumgartner
© Christian Baumgartner

Ein Beispiel?

Es ist eine anerkannte Tatsache, dass wir die CO2-Emissionen, die durch den Flugverkehr entstehen, einschränken müssen. CO2-Kompensation ist ein passendes Instrument, mithilfe dessen zumindest dieselbe Menge an Emissionen, die durch den Flug erzeugt wurde, woanders eingespart werden kann. Momentan werden allerdings weniger als 1% der Flugtickets kompensiert, Reiseveranstalter sind nicht dazu bereit, die Kompensationskosten in die Reisekosten aufzunehmen. Solange es keine Gesetze gibt (Kerosinsteuer, CO2-Steuer, automatische Kompensation von Flugtickets etc), wird sich die Situation nicht ändern.

Altruistisches, ethisches Verhalten ist eher eine passende Forderung für Privatpersonen als für eine Branche. Konsumentinnen und Konsumenten können relevante Entscheidungen treffen und damit starken Druck auf eine Branche ausüben, indem sie bessere, gesündere, nachhaltigere Produkte kaufen. Laut der Otto Gruppe Trendstudie 2011 sagten 72% aller Konsumentinnen und Konsumenten, dass ethische Kriterien zu ihren Kaufentscheidungen beitrügen und nur 34% der Käuferinnen und Käufer vertrauen heutzutage Unternehmen im Allgemeinen, aber 77% vertrauen Unternehmen, die ‚ethisch korrekte‘ Produkte herstellen. Dies eröffnet einen riesigen Markt, auch für die Tourismusbranche.

© Kanuschule Versam
© Kanuschule Versam

Wo liegt nun der Unterschied zum Ansatz des Nachhaltigen Tourismus?

Nachhaltiger Tourismus bezieht sich auf alle verschiedenen Tourismusformen, nicht nur auf einzelne Formen wie etwa Ökotourismus. Er fordert nicht nur freiwillige Handlungen wie der verantwortliche Tourismus, sondern trachtet nach Gesetzen.

Die Umsetzung eines Nachhaltigen Tourismus erfordert u.a. neue Subventionsregelungen, klare Investitionsregulierungen, effektive Umweltverträglichkeitsprüfungen, eine breit angelegte Umsetzung des Verursacherprinzips und vieles mehr.

Nachhaltiger Tourismus ist also ein theoretischer Ansatz mit praktischen Konsequenzen, der sich an politische Entscheidungsträger und Tourismusunternehmen richtet.

Entwickelt sich Ökotourismus in Richtung Nachhaltigkeit?

Die Antwort ist ‚Ja und Nein‘.

Auf der einen Seite wird alles, was nur ein bisschen grün ist, als Ökotourismus vermarktet – ob es nun Solarpanele auf dem Hoteldach sind (eine Kostenersparnismaßnahme), Walbeobachtungen (die oft nicht gerade umweltverträglich sind) oder Kurztrips zu einem Nationalpark in Costa Rica (die viele Emissionen verursachen).

Doch andererseits wurden klare und umfassende Kriterien festgelegt, wie etwa vom Rumänischen Verband für Ökotourismus (Ecotourism Association Romania, AER). Erst vor kurzem wurden auf der zweiten Europäischen Konferenz für Ökotourismus, die 2013 in Brasov (RO) stattfand, Kriterien für „Ökotourismus-Destinationen“ entwickelt, die von AER, Europarc Federation, Naturfreunde Internationale und anderen angenommen wurden.

© AER - Ecotourism Association Romania
© AER – Ecotourism Association Romania

Beide Ansätze berücksichtigen mehr und mehr Kriterien des Nachhaltigen Tourismus.

Um also in einer Schlussfolgerung zu versuchen, die Verwirrungen um all diese Benennungen ein wenig zu entwirren, könnten wir festhalten, dass …

• Ökotourismus eine Tourismusform ist, die sich teilweise in Richtung mehr Nachhaltigkeit bewegt,

• Verantwortlicher Tourismus sich direkt an die Konsumentinnen und Konsumenten richten sollte und

• Nachhaltiger Tourismus ein Ziel für alle Tourismusformen darstellt und gesetzliche und strukturelle Umsetzung braucht und erfordert.

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Dr. Christian Baumgartner hat Landschaftsökologie studiert und ist seit 2005 Generalsekretär der Naturfreunde Internationale (www.nf-int.org). 1995 gründete er respect – Institut für Integrativen Tourismus und Entwicklung. Neben seiner Arbeit als Dozent für Nachhaltigen Tourismus in Wien und Krems (A), Siders (CH) und China war er Mitglied der (ehemaligen) Tourism Sustainability Group der EU-Kommission, der Generaldirektion Unternehmen und Mitglied in zahlreichen nationalen und internationalen Beratungsgremien zum Thema Tourismus.

English version:

 

Responsible, eco- or maybe sustainable? About the confusion in defining the tourism that we want

When I teach Sustainable Tourism, it seems that for the students one of the most difficult things to understand is the difference between ecotourism and sustainable tourism. Nevertheless the explanation sounds easy: Ecotourism is another form of tourism, like beach tourism, cruise tourism, culture tourism, etc. and Sustainable Tourism is a vision, a demand for all forms of tourism.

But it is not so easy as it sounds, especially if other terms like responsible tourism, nature based tourism, pro poor tourism, community based tourism, etc. enter the stage as well.

Ecotourism or Responsible Tourism?

There are so many definitions of ecotourism that the Australian researcher Figgis declared ecotourism defining has “been nominated an Olympic sport”! Each varies subtly according to a range of political, economic and environmental agendas. The roots of ecotourism are based in the 60ies of the last century when any ‘any tourism going to protected areas was called ecotourism’ without taking any social or environmental impacts into account. In 1990 The International Ecotourism Society (TIES) was founded and TIES defined ecotourism as “responsible travel to natural areas that conserves the environment and improves the well-being of local people.” Later – as a result of the International Year of Ecotourism 2002 – also UNWTO and UNEP tries to create a unitarily accepted definition. This new approach was also based on responsible travelling and integrated also learning elements of the tourism activities.

But how could tourism – a business sector – be responsible? Or in other words: Can we expect or demand that an industry changes to be ‘good’?

Following the approach of the ICRT (International Centre for Responsible Tourism) Responsible Tourism is about making “better places for people to live, and better places for people to visit” (following Harold Goodwin, the director of the ICRT). So Responsible Tourism is rather an ethical claim, a call for altruistic behavior of the business sector than a concrete concept that leads to clear requirements and frameworks. It is therefore a bit like the current concept of Corporate Social Responsibility (CSR).

But unfortunately the business world is not altruistic. If we want to create substantial changes we need more than ethics. As long as CSR stays a ‘volunteer action that goes beyond legal requirements’, it is still just a sample of frontrunners – partly the real good guys, sometimes also for poor marketing advantages – that implement serious measures of improvement.

Want to have an example?

It is an accepted fact that we need to change the CO2 emissions caused by air traffic. CO2 compensation is an appropriate tool that at least avoids the same amount of emissions in other places than caused by travelling. But at the moment less than 1% of the air tickets are compensated, tour operators are not willing to include the price of compensation into the package prices. As long as there is no legal requirement (kerosene taxation, CO2 taxes, automatic compensation of air tickets, etc.) the situation will not change.

Altruistic, ethical behavior is an adequate demand rather for private persons than for the industry. Consumers can make relevant decisions and at the end put huge pressure on the industry, buy buying better, healthier, more sustainable products. According to the Otto Group Trendstudy in 2011 72% of all consumers said, that ethical criteria got a part of their buying decisions. And only 34% of the buyers today trust companies in general, but 77% trust companies, which produce ‘ethically correct’ products. This opens a huge market also for the tourism industry.

And what’s the different approach of Sustainable Tourism?

Sustainable Tourism is basically a demand for all different forms of tourism, not only for single forms like ecotourism and it is not only claiming on volunteer actions like responsible tourism but it strives for legal regulations.

The implementation of Sustainable Tourism calls e.g. for new subvention policies, clear investment regulations, effective EIAs (Environmental Impact Assessment), broad implementation of the cost-by-cause principle, etc.

Therefore Sustainable Tourism is a theoretical approach with very practical consequences directed to the policy makers and the tourism businesses.

© Christian Baumgartner
© Christian Baumgartner

Does ecotourism develop towards sustainability?

The answer is a clear ‘Yes and No’.

On the one hand everything that seems to be a little bit green is marketed as ecotourism – be it solar panels at the hotel roof (which is a cost saving measure), whale watching (which is not necessarily done in a eco-sound way) or short national park trips to Costa Rice (causing a lot of emissions).

But on the other hand clear and comprehensive criteria were developed, e.g. by the Romanian Ecotourism Association (AER). Recently the 2nd European Ecotourism Conference in Brasov (RO) in 2013 developed criteria for ‘ecotourism destination’, at the end adopted by AER, the Europarc Federation, Naturefriends International and others.

Both approaches do take more and more criteria of Sustainable Tourism into account.

So for a conclusion that tries to decrease the amount of confusion about all those terms we could state that …

Ecotourism is a form of tourism that partly goes into the direction of more sustainability,

Responsible Tourism should be directed towards consumers and

Sustainable Tourism is a goal for all forms of tourism that needs and demands legal and structural implementation

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Dr. Christian Baumgartner studied landscape ecology and is Secretary General of Naturefriends International (www.nf-int.org) since 2005. 1995 he founded respect – Institute for Integrative Tourism and development. Besides his work as lecturer for Sustainable Tourism in Vienna, Krems (A), Siders (CH) and China he was member of the (former) Tourism Sustainability Group within the EU Commission, DG enterprise and member in several national and international tourism related advisory boards.