Nachhaltig unterwegs – auch auf Geschäftsreise?!

Trotz moderner Technologien wie Skype, Videokonferenzen und Co. steigt die Zahl an Geschäftsreisen stetig an. Auch in Zeiten sozialer Netzwerke ist nach wie vor der direkte Austausch mit Partnern sowie der persönliche Kontakt mit KundInnen wichtig. Immer mehr Unternehmen schreiben Corporate Social Responsibility (CSR) und Nachhaltigkeit auf ihre Fahnen. Doch wie sieht es mit der Nachhaltigkeit auf Geschäftsreisen aus? Viele Unternehmen geben an, dass diese ein Thema für sie ist. Wirklich konsequent berücksichtigt wird es aber nur von einem Bruchteil der Unternehmen.

296521_original_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.de© Rainer Sturm / pixelio

Was ist eine „grüne“ Geschäftsreise?
Generell gesprochen basiert eine „grüne Reise“ auf drei Säulen: ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit. Sollen Geschäftsreisen umweltfreundlicher werden, so geht es in erster Linie darum, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Vor allem der Flugverkehr trägt stark zum Klimawandel bei – und das Flugzeug ist bei Geschäftsreisen ein beliebtes Transportmittel. Kürzere Distanzen werden auch gerne mit dem PKW zurückgelegt. Aber nicht nur die Art der Fortbewegung schlägt auf dem „Nachhaltigkeitskonto“ einer Geschäftsreise zu Buche, auch die Wahl der Unterkunft spielt eine Rolle.

Neben der Reduktion von Umweltauswirkungen einer Reise gilt es ebenso, ökonomische und soziale Aspekte zu berücksichtigen. Dabei geht es um Fairness, um die Achtung der Menschenrechte – wie faire Arbeitsbedingungen und gerechte Entlohnung der Mitarbeitenden in der Hotellerie, Gastronomie oder in Transportunternehmen. Seriöse Labels – etwa für Unterkünfte – berücksichtigen diese Kriterien und unterstützen Reisende bei der Wahl des Hotels. Auch immer mehr Reiseveranstalter stellen sich ihrer Verantwortung hinsichtlich der Menschenrechte und haben das Commitment der Multistakeholder-Initiative „Roundtable Menschenrechte im Tourismus“ unterzeichnet.

Nachhaltig reisen – leicht gemacht!
Bei Geschäftsreisen steht meist die Kosteneffizienz im Mittelpunkt, die MitarbeiterInnen sollen ihre Reisen in möglichst kurzer Zeit und mit möglichst geringen Kosten absolvieren. Und mit „Nachhaltigkeit“ werden oftmals ein höherer Aufwand und mehr Kosten assoziiert. Aber im Gegenteil – ein effizientes, nachhaltiges Reisemanagement kann helfen, Reisekosten zu sparen und Arbeitszeit zu optimieren. Nicht zuletzt gilt konsequenter Umwelt- und Klimaschutz als Innovationsfaktor und bringt auch Wettbewerbsvorteile – schließlich interessieren sich immer mehr KundInnen dafür, ob Unternehmen u.a. den Klimaschutz ernst nehmen. Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung und Etablierung eines nachhaltigen Geschäftsreisemanagements ist eine professionelle und konsequente Herangehensweise.

Nachhaltiges Reisemanagement als Teil der Firmenphilosophie
Um Geschäftsreisen nachhaltig zu gestalten und sie quasi zum Standard im Unternehmen zu machen, braucht es ein klares Management, den Dialog mit den Mitarbeitenden und verbindliche Reiserichtlinien. Die Reiseplanung sollte also nach entsprechenden Standards und Regeln erfolgen, die fest im Unternehmen verankert und Teil der Firmenphilosophie sind.
Nachhaltige Geschäftsreisen sollten Chefsache sein, die Vorgesetzten sollten mit gutem Vorbild vorangehen. Es empfiehlt sich auch, alte Muster, Strukturen und Abläufe bei der Reisebuchung zu analysieren und zu überdenken – hinsichtlich Effizienz und nachhaltiger Reiseangebote. Vor allem aber müssen die Mitarbeitenden über das Ziel und die Kriterien, die hinter nachhaltigen Geschäftsreisen stehen, informiert sein und mittragen. Nicht zuletzt ist ein ehrliches Engagement in Sachen Nachhaltigkeit auch gut fürs Image des Betriebes.

Konkrete Tipps für die Gestaltung nachhaltiger Geschäftsreisen finden Sie im Dossier „Geschäftsreisen – nachhaltig erfolgreich!“ der Naturfreunde Internationale – respect, das hier zum Gratis-Download bereit steht.

(Text: Cornelia Kühhas / Naturfreunde Internationale)

Fotografieren von Menschen in fremden Ländern – Ein paar Gedanken und Ratschläge zu respektvollem Fotografierverhalten auf Naturfreundereisen nach Senegal

von Ingeborg Pint

Naturfreundereisen sind, soweit möglich, natur- und umweltfreundlich. Ob sie auch menschenfreundlich sind, wird nicht unwesentlich von unserem Fotografierverhalten beeinflusst. Die Bevölkerung Senegals ist TouristInnen gegenüber aufgeschlossen und freundlich, und Fotografieren ist im Allgemeinen unproblematisch; trotzdem sollten fotografierende NaturfreundInnen Regeln des Anstandes und des Respekts beachten.

„Fotografieren von Menschen in fremden Ländern – Ein paar Gedanken und Ratschläge zu respektvollem Fotografierverhalten auf Naturfreundereisen nach Senegal“ weiterlesen

Im Land der Trolle – Norwegens Süden

Spiegelglatte Wasserflächen, lichte Birken-Kiefern-Wälder, riesige Felsbrocken, die Gletscher vor tausenden Jahren hier abgelagert haben, grassodenbedeckte Holzhäuser und vor allem Stille – so präsentiert sich uns Norwegens Süden an den heißesten Julitagen seit Jahren. Es ist Ferienzeit und angeblich verbringen die Norweger den Sommer gerne im eigenen Land, dazu kommen noch TouristInnen vor allem aus den Niederlanden und Deutschland, die gerne mit Wohnwägen unterwegs sind. Doch trotz Hochsaison begegnen wir nur wenigen Menschen, dafür umso mehr Schafen, die die schmalen Straßen gerne als bequemen Weg nutzen oder am Straßenrand im Schatten rasten. Immer wieder warnen Straßenschilder vor Elchen. Wir bekommen aber leider keinen zu sehen. Nur ihre Hinterlassenschaften finden wir auf Schritt und Tritt bei unseren Streifzügen durch die Wälder. Es gibt sie also!

Foto: © Cornelia Kühhas
Foto: © Cornelia Kühhas

Ruhige Seen und lichte Wälder

Wir befinden uns im Setesdal, das sich von der Setesdalheida rund 230 Kilometer nach Süden, fast bis Kristansand erstreckt. Das Tal wird durch den Fluss Otra geprägt, der seine unterschiedlichsten Gesichter zeigt: Mal fließt er ruhig und breit dahin, bildet kleinere und größere Seen, dann wiederum gibt es Abschnitte, in denen er wilder dahinschäumt und tosende Wasserfälle bildet.

Diejenigen, die das Abenteuer suchen, finden den Nervenkitzel bei Raftingtouren. Beschaulicher geht es an den klaren Seen zu, die im Sommer beliebte Badeplätze sind. So etwa bei Honnevje. Malerisch vor einer steil aufragenden Felswand erweitert sich die Otra hier vor einer kleinen Staustufe zu einem See. Angeblich ist dieser einer der schönsten und beliebtesten Plätze zum Schwimmen in der Gegend. Doch trotz herrlichem Badewetter mit 30 Grad und vorhandener Infrastruktur wie Toiletten ist es erstaunlich ruhig – davon, dass gerade Hauptreisesaison ist, ist kaum etwas zu spüren. Auch bei anderen Touristenattraktionen im Tal treffen wir nur auf wenige Menschen. Wir genießen diese allgegenwärtige Ruhe.

Foto: © Cornelia Kühhas
Foto: © Cornelia Kühhas

Norwegen gewinnt seinen Strom zu 100% aus Wasserkraft, so wird auch die Otra zur Energiegewinnung genutzt. Bei Berdalen, im oberen Flussabschnitt, sticht uns eine gewaltige Staumauer ins Auge. Sie ist 125 Meter hoch – damit als eine der höchsten Staumauern Nordeuropas gepriesen – und staut die Otra zum Vatnedalvatn mit einem Wasservolumen von 1150 Mio. Kubikmetern auf.

Natur für alle

Die NorwegerInnen halten sich gerne in der Natur auf. Sich frei in der Landschaft bewegen zu können, ist den Einheimischen seit jeher ein wichtiges Gut. Während in Österreich das Wegerecht – auch durch die Naturfreundebewegung – erst mühsam erkämpft werden musste, ist in Norwegen das Recht auf freien Zugang zur Natur für alle Menschen seit 1957 sogar gesetzlich verankert. Nach diesem „Jedermannsrecht“ darf man in allen Wäldern, Wiesen und Gebirgen wandern und langlaufen, sein Zelt oder seinen Wohnwagen aufstellen, wo immer es einem gefällt, oder Abkühlung in den zahlreichen Seen suchen. Allerdings sind Regeln zu beachten. So ist all das verboten, was der Natur Schaden zufügt, etwa Offroadfahrten oder das Fällen von Bäumen.

Foto: © Cornelia Kühhas
Foto: © Cornelia Kühhas

Im Sommer kann man das Land auf rund 20.000 Kilometern Wanderwege erkunden, im Winter stehen rund 6.500 Kilometer Wander- bzw. Langlaufrouten zur Verfügung. Erhalten werden sie vom „Norske Turistforening“, dem Norwegischen Wanderverein. Er wurde 1868 gegründet und betreibt auch zahlreiche Hütten im ganzen Land.

Als Besucherin gewinnt man den Eindruck, dass die NorwegerInnen sehr naturverbunden sind. Wie zur Bestätigung ist im Reiseführer zu lesen, dass 1972 in Oslo das weltweit erste Umweltministerium eingerichtet wurde; und Norwegen verfolgt das Ziel, bis 2050 der erste Null-Emissions-Staat der Welt zu werden. Dieses Image wird allerdings dadurch getrübt, dass Norwegen neben Island und Japan kommerziellen Walfang betreibt. Begründet und gerechtfertigt wird dies mit dem Argument, dass insbesondere im hohen Norden des Landes der Walfang jahrzehntelange Tradition hat und quasi Kulturgut ist. Nichtsdestotrotz wird auch die wirtschaftliche Bedeutung des Walfanges betont. In einem aktuellen Zeitungsbericht fordert der Vizechef der norwegischen Organisation für den Verkauf von Walfleisch, Svein Ove Haugland, sogar, dass die Nachfrage nach Walfleisch gefördert werden müsse. Dass der reichste Staat Europas auf wirtschaftliche Erträge durch die Tötung von Walen angewiesen ist, ist schwer nachzuvollziehen.

600 Lachsfarmen

Walfleisch entdecken wir auf keiner Speisekarte oder gar im Supermarkt. Dafür umso mehr Lachs. Dieser wird im großen Stil vor der Küste in Farmen gezüchtet. Norwegen gilt als größter Zuchtlachsproduzent der Welt. Bei der so genannten Aquakultur wachsen die Jungfische in Aufzuchtstationen im Süßwasser heran, danach werden sie in Netzkäfigen im Meer gemästet. Bis zu einer Million Fische können gleichzeitig, auf mehrere Netze verteilt, in einer Anlage leben. Die Aquakultur als Massentierproduktion ist hinsichtlich ihrer Umweltauswirkungen nicht unumstritten. Norwegen ist schon seit Längerem bemüht, die Zucht möglichst umwelt- und tierfreundlich zu gestalten. So werden bereits seit vielen Jahren kaum mehr Antibiotika eingesetzt – die Jungfische werden geimpft. Gesetzlich vorgeschrieben ist auch die Anzahl der Fische, die pro Kubikmeter Wasser gemeinsam gehalten werden dürfen – nämlich 25 Kilogramm. Nachdem Lachse Raubfische sind, fressen sie Fisch. Gefüttert werden sie u.a. mit Fischmehl, das wiederum aus Wildfischen gewonnen wird. Für die Produktion von einem Kilo Zuchtlachs sind vier Kilogramm Fisch nötig. Die Lachsfarmen sind hochmoderne Fischfabriken – jeder Schritt wird elektronisch gesteuert, egal ob Fütterung oder Transport der Jungfische von der Aufzuchtstation in die Mastkäfige. So werden vor Norwegens Küsten eine Million Tonnen Lachs pro Jahr produziert.

Tradition und Kultur

Zurück ins Setesdal. Hier, in einem der größten norwegischen Bauerntäler, besinnt man sich auf die alten Traditionen. Bekannt ist die Silberschmiedekunst, die hier noch gepflegt wird. Der alten Bauernkultur widmen sich mehrere Museen. So etwa das Freilichtmuseum Lisletog in Bykle. Hier wurden elf bis zu 400 Jahre alte Bauernhäuser aus der Gegend zu einem Museumsdorf wiederaufgebaut. Die grassodenbedeckten Holzhäuschen – Wohnhäuser, aber auch eine Schmiede und eine Mühle – vermitteln den BesucherInnen einen authentischen Eindruck vom Leben in früheren Zeiten.

Unterhalb des Museums steht die älteste Kirche des Setesdals. 1619 aus Holz gebaut und außen weiß gestrichen, ist sie für ihre kunstvollen Malereien im Innenraum bekannt. Als „Rosenmalerei“ wird die für diese Gegend typische Kunstform bezeichnet. Mit „Rose“ sind alle Blumen gemeint, auch Ornamente, die als Motive gewählt wurden. Diese ländliche Kunstform lokaler Maler entstand um 1750 im Hallingdal und breitete sich von dort über Künstler, die von Ort zu Ort zogen, aus.

Foto: © Cornelia Kühhas
Foto: © Cornelia Kühhas

Im Setesdal wird im Winter auch Schi gefahren und Langlauf betrieben. Hovden ist das größte Schizentrum der Gegend, schneesicher von November bis März, wie es heißt, und wintersporttechnisch perfekt erschlossen. Ein Sessellift, mehrere Schlepplifte, Abfahrten mit Flutlicht und ein weitläufiges Netz an Langlaufloipen sorgen für das Schivergnügen im Winter. Im Sommer wirkt der Ort mit seinen leer stehenden Hotel- und Hüttendörfern etwas trostlos.

Sherpas aus Nepal bauen Wanderweg

Bei „Norwegen“ denkt man unweigerlich an Fjorde. Einer der größten ist der Lysefjord. Im Südwesten bei Stavanger gelegen, zieht er sich rund 40 Kilometer ins Landesinnere, umrahmt von bis zu 1.000 Meter aufragenden Felsen. Der beeindruckendste Felsen – und mit an die 300.000 BesucherInnen pro Jahr DIE Touristenattraktion der Region – ist der Preikestolen, der „Predigerstuhl“. Hierbei handelt es sich um eine Felskanzel, ein Plateau, das ca. 25 mal 25 Meter misst und 604 Meter steil in den Fjord abfällt. Eine mehrstündige Wanderung führt zu diesem spektakulären Aussichtspunkt. Bis vor kurzem ging es über einen recht felsigen Weg, der eine entsprechende Ausrüstung erforderte. 2013 haben sich die Norweger Hilfe aus Nepal geholt, um den Weg zum Preikestolen auszubauen und quasi zu „entschärfen“: 14 Sherpas wurden eingeflogen, um den schmalen Pfad zu verbreitern und bequemer begehbar zu machen. Die Rechnung der TouristikerInnen ist aufgegangen: Die Besucherzahlen haben sich erhöht …

Foto: © Cornelia Kühhas
Foto: © Cornelia Kühhas

Ölmetropole Stavanger

Wo der Lysefjord sich zum Meer hin öffnet, liegt Stavanger, die größte Stadt der Region. Als „Ölmetropole“ Norwegens und Sitz von etwa 70 Fischkonservenfabriken gilt sie als reichste Stadt des Landes. Wer hier allerdings Wolkenkratzer à la Kuwait erwartet, irrt.
In Gamle Stavanger, der Altstadt, und rund um das natürliche Hafenbecken findet man die typischen weißen und bunten Holzhäuschen, Einheimische und TouristInnen flanieren durch die Gässchen oder treffen sich in den Gastgärten am Hafen. Eine gemütliche Stadt – doch die Ruhe wird immer wieder durchbrochen durch Kreuzfahrtschiffe, die hier Halt machen. In diesem kleinen Hafenbecken wirken die mehrstöckigen Schiffe überdimensioniert und stören den Blick auf die malerische Stadt. Einheimische beklagen auch, dass die Altstadt von den Kreuzfahrtgästen „überschwemmt“ wird, diese machten einen schnellen Rundgang durch die Stadt, die wenigsten konsumierten oder kauften etwas, die ansässige Wirtschaft profitiere also kaum von ihnen.

Foto: © Astrid Plank
Foto: © Astrid Plank

Autorin Cornelia Kühhas arbeitet für die Naturfreunde Internationale – respect.

Ökotourismus in Sambia: Luxus unter Löwen

von Astrid Därr  [http://www.daerr.net]

Inmitten der weiten Savanne der Busanga Plains im abgelegenen Kafue Nationalpark betreibt Wilderness Safaris das luxuriöse Shumba Camp. Hier stehen nicht nur Begegnungen mit Löwen, Elefanten und Hippos auf der Tagesordnung sondern auch ökologisches Camp-Management und die Bekämpfung der Wilderei. „Ökotourismus in Sambia: Luxus unter Löwen“ weiterlesen

Äthiopien abseits von Touristenwegen

Jeder der schon einmal in die so genannte dritte Welt gereist ist, hat sicherlich bereits einige auf den ersten Blick verwunderliche Reaktionen erlebt, die Reisende hier auslösen können. Oft erregt man allgemeines Aufsehen und steht plötzlich unfreiwillig im Mittelpunkt „Äthiopien abseits von Touristenwegen“ weiterlesen

Urlaub in Sicht – Wohin soll die Reise gehen? [DE/EN]

English version stated below

Dieser Artikel erschien erstmals in der Zeitschrift UMWELT & energie 3/14.


In Reisekatalogen locken ferne Ziele mit blauem Meer und Palmen. Andererseits liest man immer öfter über Überschwemmungen, Dürren und andere Naturkatastrophen rund um den Erdball, die WissenschaftlerInnen auf den fortschreitenden Klimawandel zurückführen. Hauptverantwortlich dafür ist unter anderem der Flugverkehr. Dennoch schließen sich Klimaschutz und Urlaubsreisen nicht generell aus.

 

2,3 t CO2. So viel und nicht mehr darf jeder Mensch weltweit pro Jahr produzieren, damit die Durchschnittstemperatur auf der Erde um nicht mehr als maximal zwei Grad ansteigt. Mit dem 2°C-Ziel ist eine Erwärmung der globalen Mitteltemperatur über den vorindustriellen Wert hinaus gemeint. Bei einer Überschreitung dieser Marke könnten die Folgen des Klimawandels nicht mehr kontrollierbar sein. Aktuell liegen wir übrigens bereits bei plus 0,8°C.

Flugverkehr im Fokus

Im Jahr 2013 registrierte die Welttourismusorganisation (UNWTO) 1,087 Mrd. internationale touristische Ankünfte, das sind um 52 Mio. mehr als im Jahr davor. Insbesondere durch diese steigende Tendenz bei Flugreisen trägt der Tourismus zum Klimawandel bei. Der globale Flugverkehr hat derzeit einen Anteil von rund fünf Prozent am menschengemachten Klimawandel. Das klingt im ersten Moment nicht dramatisch, wäre nicht dieser Verkehrssektor die am schnellsten wachsende Quelle von Treibhausgasen. Das globale Flugverkehrsaufkommen wird in den kommenden 40 Jahren um das Vier- bis Sechsfache ansteigen, falls keine Gegenmaßnahmen getroffen werden. Die Reduzierung der Emissionen durch technologischen Fortschritt wird dabei durch das rasche Wachstum kompensiert. Zudem werden die Verbrennungsgase der Flugzeuge in großer Höhe abgegeben, was die Klimabelastung noch weiter verstärkt. Hier ist nicht nur das CO2 wirksam, sondern auch Stickoxide, Aerosole und Wasserdampf, die in den empfindlichen hohen Atmosphärenschichten eine wesentlich höhere Treibhauswirksamkeit als CO2 aufweisen. Die tatsächlichen Klimaauswirkungen eines Fluges machen somit etwa das Dreifache der reinen CO2-Emissionen aus.

kleiner Flughafen in Bolivien © Melanie Schloffer
Flughafen von Rurrenabaque, Bolivien © Melanie Schloffer

Soziale Komponente

Obwohl nur 17% aller Reisen mit dem Flugzeug stattfinden, sind diese für 40% aller touristischen Emissionen verantwortlich. Zu bedenken ist aber auch, dass Flugreisen weltweit für nur etwa drei Prozent der Bevölkerung erschwinglich sind – in erster Linie für Menschen in den wohlhabenden Ländern der Welt. Die Auswirkungen des Klimawandels treffen allerdings die Menschen in den ärmeren Ländern der Südhalbkugel besonders stark.

Klimaschonend reisen

Sollte man aus all diesen Gründen nicht am besten auf Urlaubsreisen gänzlich verzichten? Nein, es geht vor allem darum, bewusster zu reisen. Nachdem das Flugzeug eine besondere Klimarelevanz hat, wäre zu überlegen, ob man statt zu fliegen auch mit der Bahn, dem Bus oder dem Auto anreisen könnte. Während der Flieger im Schnitt 350 g und das Auto 140 g CO2-Äquivalente pro Personenkilometer verursacht, so erreicht die Bahn einen Wert von 30 g und der Bus sogar nur 20 g. Vor allem Kurzstreckenflüge unter 1.500 km belasten die Umwelt überproportional, da Start und Landung zusätzlich Energie brauchen. Muss es also zum Sonnenbaden unbedingt Mallorca sein? Es gibt auch attraktive Urlaubsorte am Meer, die näher gelegen und mit Bus oder Bahn bequem erreichbar sind.

Sandstrand in Griechenland ©Karin Chladek
Sandstrand in Griechenland © Karin Chladek

Weniger oft und dafür länger verreisen ist mehr!

Wenn es trotzdem eine Flugreise sein soll, weil man die Natur und Kultur eines fernen Landes erkunden will, besteht die Möglichkeit, eine freiwillige „Klimaabgabe“ zu entrichten. Nachdem der internationale Flugverkehr von den UN-Klimaschutzverpflichtungen des Kyoto-Protokolls ausgenommen wurde – d. h. die „Klimakosten“ sind in den Ticketpreisen nicht berücksichtigt -, können Reisende selbst ihre durch einen Flug verursachten Treibhausgase mit einer freiwilligen Spende an ein Klimaschutzprojekt „kompensieren“. Bei der Auswahl der Anbieter sind jedoch bestimmte Qualitätskriterien zu beachten: Die Klimaschutzprojekte sollten internationalen Qualitätsstandards, wie dem „CDM Gold Standard“, entsprechen. Außerdem ist es sinnvoll, seltener ein Flugreise zu unternehmen, aber dafür länger zu bleiben. Von einem längeren Aufenthalt profitiert auch die lokale Bevölkerung. Als Faustregel gilt: für einen Flug bis 2.000 km Distanz mindestens acht Tage Aufenthalt, über 2.000 km mindestens 14 Tage.

Erholsame Alternativen

Nichtsdestotrotz ist das Vermeiden eines Fluges immer noch die beste Lösung für das Klima und oft auch mit einem höheren Erholungswert verbunden. Viele Urlaubsorte innerhalb von Österreich oder in den Nachbarländern sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen und bieten auch vor Ort eine gute Infrastruktur für TouristInnen. Dabei erspart man sich lange Anfahrtswege, die allzu oft auch mit Staus oder unvorhersehbaren Wartezeiten auf Flughäfen verbunden sind. Wer die Anreise mit der Bahn schon zu einem Urlaubserlebnis macht, kann nur profitieren. Dabei beginnt die Erholung schon im Speise-, Spiel- oder Schlafwagen, während man das Vorbeigleiten der Landschaft in Ruhe genießen kann und erholt am Urlaubsort bzw. wieder zu Hause ankommt. Vor allem Kinder schätzen diese Art der Fortbewegung, da sie nicht stundenlang festgeschnallt still sitzen müssen.

Kühe auf der Alm © Christian Wagner
Kühe auf der Alm © Christian Wagner

Nicht nur die Anreise zählt.

Auch am Urlaubsort kann man durch die Auswahl der Unterkunft bzw. des Urlaubsarrangements einen Beitrag leisten, dass die Umwelt geschont und auch soziale Standards eingehalten werden. International anerkannte Labels zeichnen entsprechende Unterkünfte und Angebote aus. Auch vor Ort sollte auf sanfte Mobilität gesetzt werden. Hier haben öffentliche Verkehrsmittel wo immer möglich Vorrang. Oder man steigt auf das Fahrrad um. Das ist nicht nur umweltschonend und gesundheitsfördernd, sondern es ergeben sich dadurch auch unmittelbare Berührungspunkte mit der Landschaft und der dort ansässigen Bevölkerung.

Schönen Urlaub!


Die Autorin Cornelia Kühhas arbeitet für die Naturfreunde Internationale – respect.


English version:

The holidays draw nearer: Where to go?

This article was first published in the magazine UMWELT&energie 3/14.

——

In travel brochures, one can marvel at far-away destinations with their turquoise sea and palm trees. On the other hand, there are ever more frequent reports about floodings, droughts and other natural catastrophes around the globe, events which experts attribute to the progression of climate change. Air traffic is one of the major causes of climate change. Nevertheless, climate protection and holiday travel are not mutually exclusive.

2.3 t CO2. This is the amount of CO2 that a person may produce in a year in order that the average temperature on Earth does not increase by more than two degrees. The 2°C target takes as a basis the global average temperature of pre-industrial times. Should the temperatures rise above these 2°C, the effects of climate change could no longer be controllable. At the moment, we are at +0.8°C above the pre-industrial level.

Air traffic

In 2013, the World Tourism Organisation (UNWTO) registered 1.087 billion international tourist arrivals, 52 million more than the year before. It’s especially due to this trend of increasing air travels that tourism contributes to climate change. At the moment, global air traffic makes up about five percent of human-made climate change. At the first glance, that wouldn’t sound too dramatic, but this transport sector is the fastest growing source of greenhouse gases. Global air traffic will increase 4- to 6-fold over the next 40 years, should no counter-measures been taken. Emissions saved by technological advance are made up for by the fast growth. Additionally, the combustion gases are emitted at great heights, which accounts for an intensified climate impact. Airplanes don’t only emit CO2; it is especially the nitrous gases, aerosols and water vapour which have a considerably higher greenhouse effect in the very sensitive higher atmospheric layers than CO2 does. Thus, a flight’s actual impact on the climate is three times higher than its pure CO2 emissions.

small Airport in Bolivia © Melanie Schloffer
Rurrenabaque Airport, Bolivia © Melanie Schloffer

The social element

Although only 17 % of all journeys are include flights, these account for 40 % of all emissions in the tourism sector. One should also bear in mind the fact that only three percent of the world’s population can afford to buy a plane ticket  for the main part, these people live in the wealthy countries of the world. However, people in the poorer countries of the global South are hit especially hard by the effects of climate change.

Climate-friendly travel

So, should you stop to go on holiday altogether? No, it’s especially about travelling more consciously. Seeing that the airplane has an especially high impact on the climate, you should think about going by train, bus or car instead. Whereas a plane produces about 350 g and a car about 140 grammes of CO2 equivalents per kilometre per person, a train produces 30 g and a bus only 20 g. It’s especially short-distance flights which have a disproportionate environmental impact, as take-off and landing need additional energy. If you want to go sunbathing, do you really need to go to Mallorca? There are a lot of wonderful seaside destinations which are closer and can thus be easily and conveniently reached by bus or train.

Sandy beach in greece ©Karin Chladek
Sandy beach in Greece © Karin Chladek

Fewer but longer holidays make a difference!

If, despite all, you need to travel by plane because you want to get to know the nature and culture of a far-away country, you have the possibility of paying a voluntary „climate levy“. International air traffic is exempt from the UN climate change obligations of the Kyoto Protocol (i.e. the „climate costs“ are not taken into consideration in the ticket prices), travellers themselves can compensate the emissions of their flight by making a voluntary donation to a climate protection project. However, when choosing a provider, certain quality criteria should be observed: the climate protection projects should correspond to international quality standards, such as the „CDM Gold Standard“. Besides, it is reasonable to go by plane less frequently, but then stay longer in the country. The local population also benefits from longer stays. A rule of thumb: for plane trips of up to 2,000 km, stay in the country for at least eight days, and spend at least 14 days after a flight of more than 2,000 km distance.

Relaxing alternatives

Nonetheless, refraining from flying still is the best option for the climate, and it is often more relaxing. Holiday destinations in one’s own country or in the neighbouring country are easy to reach by public transport. You thus avoid travelling long distances yourself, which are often combined with traffic jams or delays at the airport. The train trip can already be your first holiday experience; you benefit from relaxing in the restaurant or sleeping car, from playing or watching the landscape pass by  and you arrive without stress at your destination or back home. Children especially enjoy this way of travelling as they are not strapped in their seats for hours.

Cows on the Alp © Christian Wagner
Cows on the Alp © Christian Wagner

It’s not only about arrival

You can also contribute to protecting the environment and to compliance with social standards by carefully choosing your accommodation and holiday arrangements. Internationally recognised labels designate such accommodations and offers. You should also rely on soft mobility during your stay: give preference to public transport, whenever this is possible, or use the bicycle. This is not only good for the environment and you health, but you will also experience the landscape from up close and get in touch with the local population.

Have a great holiday!


Author: Cornelia Kühhas – Naturefriends International – respect
Translation: Tamara Frank