Wanderschuhe oder Barfußschuhe – ein Wanderschuhtest am Zöllnerweg in der Bretagne

Sind Barfußschuhe die richtigen Begleiter für Weitwanderungen und auf welchem Weitwanderweg ist die Gefahr des sich auf die Zehen steigens nicht groß? Außerdem: Wie kann ein Weitwanderer seinen ökologischen Fußabdruck klein halten und dennoch Neues und Unbekanntes entdecken?
Die Frage des Schuhwerks habe ich so gelöst, dass ich beide einpackte: einen einen Wanderschuh mit höchst nachhaltigen Materialien und einen Barfußschuh. So sollte sich die Antwort am Weg ergeben. „Wanderschuhe oder Barfußschuhe – ein Wanderschuhtest am Zöllnerweg in der Bretagne“ weiterlesen

Klo-Abenteuer in Asien! Wie machen die Asiaten das mit ihren Hintern?

„Entschuldigen Sie die intime Frage: Wie machen Sie das mit Ihrem Hintern?“ Wie oft habe ich diese Frage in den vergangenen 3 Wochen nun schon insgeheim in meinem Kopf formuliert. Mindestens 50 mal seit dem Moment, als ich begriffen habe, dass die in Thailand und Nachbarländern neben jedem Toilettensitz angebrachte Wasserstrahlpistole keine innovative Alternative zur Klobürste ist, sondern eine traditionelle Alternative zu Klopapier. Natürlich wirft das Fragen auf. Aber keine Sorge. Die Etikette hat mich vor interkulturellen Peinlichkeiten bewahrt. Ich habe die Frage nicht laut ausgesprochen … Zumindest nicht bis gestern. Die Gunst der Stunde war gekommen. Statt in einem der uns beherbergenden „Guesthouses“ einem der freundlichen Thai mit einer ungewöhnlichen Frage ein eingefrorenes Lächeln zu verschaffen, hatte ich nun die Gelegenheit, eine asienerfahrene Wiener Freundin ins Verhör zu nehmen. Sie hatte uns auf unserer flugzeugfreien Weltreise in Thailand abgepasst und stand am Morgen nach dem Wiedersehen mit einer Packung Klopapier vor unserem Zimmer.

„Guten Moooorgen!“ Hatte Sie etwa gerade die Diskussion mit meinem Partner mitgehört, wer nun eine neue Rolle Klopapier von der Rezeption holen gehen sollte?! Peinlich genug. Nun drückte sie mir auch noch mit einem allwissenden Lächeln ihre brandneue Packung in die Hand: „Hier! Die kannst du haben. Ich brauch sie nicht.“ Kurze Pause. Dann meine erstaunte Frage: „Wie? Du brauchst sie nicht?“ „Ich benutze die Thai-Version – ist viel hygienischer … und … (Pause … in der sie mich herausfordernd von oben bis unten mustert) … viel ökologischer!“

Thai-Klo (Foto: Valentina Aversano-Dearborn)
Thai-Klo (Foto: Valentina Aversano-Dearborn)

Touché! Mir fehlen die Worte. Und mir fehlt noch etwas: Die Sozialisierung in dieser Kunst des Hintern-Reinigens. Oder der Mut etwas (für mich) Neues auszuprobieren. Dabei würde es einem die Thai-Technik der Wasserstrahl-Pistolen-Reinigung (siehe Foto) sogar relativ leicht machen. Man müsste – wie mir meine Freundin versichert – nicht einmal „handgreiflich“ werden (wie das in anderen klopapierfreien Ländern der Fall ist). Entschuldigen Sie die direkten Worte. Aber lassen Sie uns mal die Dinge beim Namen nennen. Fakt ist – und da hat meine werte Freundin wohl recht – Wie ökologisch ist es, wenn man sich mit Bäumen den Allerwertesten abwischt?

In Wien hatte ich die Qual der Wahl zwischen „Toilettenpapier aus frischem Zellstoff“ (ein Euphemismus für: Wir haben den Baum extra für ihren Hintern gefällt), Hygienepapier aus nachhaltiger Waldwirtschaft (der Baum wird immer noch für unseren Hintern gefällt, aber er wird immerhin nachgepflanzt), und „Recycling Toilettenpapier“ (der Baum wurde nicht für unseren Hintern gefällt, sondern für Schreibpapier und Co, das im nächsten Schritt zu Hinternpapier downgecycelt wird) zu wählen. Wobei … das Verhältnis zwischen Zellstoff-papier und Recycling-Papier (großzügig geschätzt 1 von 10 Optionen) darauf hindeutet, dass der extra gefällte Baum im freien Markt noch immer die kulturelle Präferenz ist. Und auch die supermarkt-technische Klopapier-Auswahl im unwissenschaftlichen Durchschnitt von 23 bisher besuchten Ländern, lässt nicht gerade eine rosigere Zukunft für die Wälder der Welt vermuten. Eine – im wahrsten Sinne des Wortes – scheiß Situation? Vielleicht kann ja Thailand zu dieser Diskussion etwas beitragen?

Wahnsinnsentdeckung! (Foto: Valentina Aversano-Dearborn)
Wahnsinnsentdeckung! (Foto: Valentina Aversano-Dearborn)

Nein! Dieses kleine Königreich im Herzen Süd-Ost Asiens, kann diese Diskussion eigentlich mit ruhigem Gewissen (!) überspringen (!). Durch ihre bewährte, traditionelle Wasserstrahl-Pistolen-Technik erspart das kleine Land der Welt jährlich unzählige gefällte Bäume. Das fällt nicht ins Gewicht meinen Sie? Schwer getäuscht. Ich hab da mal rumgerechnet*: Hätte das ganze Land, so viel Frischfaserklopapier** verbraucht wie ich allein in den vergangenen 3 Wochen hier, so hätten in der kurzen Zeit mehr als 400 Millionen Rollen ein – verzeihen Sie mir – beschissenes Ende genommen. Das entspricht in etwa 562,297 von Thai unwissentlich geretteten Tropenholzbäumen jedes Jahr! Oder in Fichtenbäumen sogar ganze 1,3 Millionen Bäume! 1,3 Millionen Bäume, die die Menschheit sicherlich für sinnvollere Dinge verwenden könnte, als unsere Hintern.
UND weil die Wasserstrahlpistolen-Reinigung nicht nur hilft Wälder zu schützen, sondern auch Wasser und Energie zu sparen***, haben wir nun noch einen Grund mehr zu hoffen, dass wir schneller sind im Kopieren Asiens, als die Asiaten im Kopieren des Westens!

*Quellen:
https://www.abenteuer-regenwald.de/bedrohungen/papier
http://www.regenwald-schuetzen.org/fileadmin/user_upload/PDF/Arbeitsblaetter/Papier/7.4_LI_wievielinbaeumen_mai_2013.pdf

** Davon ausgegangen, dass das in den Herbergen bereitgestellte Toilettenpapier aus Frischholzfasern war.
*** für ein handelsübliches Päckchen Kopierpapier (500 Blatt DIN A4, 2,3 kg) werden z.B. 7,5 Kilogramm Holz, 130 Liter Wasser und 26,8 Kilowattstunden Energie benötigt.

Über die Bloggerin: Valentina Aversano-Dearborn ist freie Journalistin, Nachhaltigkeitswissenschaftlerin, Leiterin der Jugendumweltbildungs-NGO „Forum für nachhaltige Visionen in Aktion“ (www.forum-via.org) und leidenschaftliche Weltenbürgerin. Auf ihren Streifzügen durch die Welt trifft sie regelmäßig auf unterschiedliche Fragen der Nachhaltigkeit und hält diese als Bloggerin fest. Auch dieser Beitrag ist in leicht abgewandelter Form in ihrem LEBENSART Blog: „Unterwegs in der Welt“ erschienen.

DIESER ARTIKEL IST EINER DER BEIDEN SIEGER-BEITRÄGE UNSERES BLOGGER/INNEN-WETTBEWERBS 2015 „FAIReisen & die Welt entdecken“.
Die Jury-Wertung:
Witzig geschrieben, bildhafte und farbenprächtige Sprache. Es wird ein Tabuthema angesprochen – viele Asien-Reisende haben sich sicherlich genau diese Frage schon mal gestellt … Im Beitrag werden wichtige Aspekte eines fairen Tourismus berücksichtigt: Nachhaltigkeit, Verständnis anderer Kulturen, respektvolles Reisen – und das alles ohne erhobenen Zeigefinger. Der Artikel wirft aber auch einen kritischen Blick auf unsere Kultur.

Die Jury:
Annemarie Herzog / Chefredakteurin Magazin LEBENSART; Linda Nepicks/ Reiseleiterin & Reisefachfrau Odyssee Reisen; Katrin Karschat, Cornelia Kühhas, Andrea Lichtenecker / Naturfreunde Internationale – respect

Urlaubsidylle und Krisenherd – Mit dem Rad durch die Transkarpaten

Mit dem Rad durch die Transkarpaten im äußersten Westen der Ukraine, einer Region, die näher bei der österreichischen Hauptstadt Wien liegt als das westlichste Bundesland Vorarlberg. Auf der Suche nach der Wildnis in einem Land im Kriegszustand. „Urlaubsidylle und Krisenherd – Mit dem Rad durch die Transkarpaten“ weiterlesen

BloggerInnen-Wettbewerb: FAIReisen und die Welt entdecken – Reisende erzählen

english version below / version française au-dessous

 

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Foto: Nikinix / pixelio

 

Gesucht: kritische, humorvolle, kontroversielle, spannende … Blog-Beiträge zum Thema „Fair Reisen“

Wir suchen BloggerInnen – und solche, die es noch werden wollen –, die uns mit ihren Beiträgen unterstützen, Reisende für faires Reisen zu  sensibilisieren: Was hast du selbst erlebt? Wie sieht dein Beitrag zu einem fairen Tourismus aus? Wie siehst du die Zukunft des Tourismus?
Die 5 besten Artikel werden von einer Jury aus ExpertInnen der Naturfreunde Internationale und der Reisebranche ausgewählt und mit Angabe des eigenen Blognamens hier auf dem „tourism_LOG“ – der Plattform der NFI für die kritische Auseinandersetzung mit dem Tourismus – veröffentlicht. Zusätzlich gibt es Kurzurlaube und Sachpreise zu gewinnen.

Reiseblogs boomen – Reisende informieren sich vorab über mögliche Ziele, sind auf der Suche nach Insidertipps und vertrauen darauf, dass in Blogs authentische Erfahrungen geschildert werden. Vor allem für TouristInnen, die mehr wollen als nur Strandurlaub, sind Reiseblogs eine willkommene Möglichkeit, Land und Leute schon vor der Reise besser kennen zu lernen. Genau dieses Kennenlernen – und Respekt gegenüber dem bereisten Land und den dort lebenden Menschen – spielt im nachhaltigen Tourismus eine wichtige Rolle!
Jede/r Einzelne hat es selbst in der Hand, durch eine bewusste Wahl des Anbieters, der Unterkünfte und der Art und Weise des Unterwegs-Seins, zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung im Reiseland beizutragen und negative ökologische Auswirkungen seiner Reise möglichst gering zu halten. Die Naturfreunde Internationale (NFI) setzt sich seit vielen Jahren für einen Tourismus ein, der ökologisch, soziokulturell und wirtschaftlich langfristig tragbar ist und der Bevölkerung in den Reiseländern wirtschaftliche Chancen eröffnet.

Alle Informationen zum Wettbewerb –>

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BLOGGER COMPETITION: Fair travelling and discovering the world – Tourists tell their story

We are looking for critical, humorous, controversial, enthralling,… blog entries on the subject of „Fair Travelling“. We want to encourage bloggers –and all those who wish to become one – to contribute to this cause with their blog entries, to raise tourists‘ awareness for fair travelling: What did you experience? How do you contribute to fair tourism? How do you envision the future of tourism?
A jury consisting of experts from NFI and the tourism sector will choose the five best blog entries, which will then be published  stating the blog name  on „tourism_LOG“, NFI’s platform for a critical approach toward tourism. Additionally, you can win mini-breaks and other prizes!

Travel blogs are all the rage  tourists look for information about destinations, hope to get insider’s tips and trust that blogs recount authentic experiences. Especially for tourists who want more than just a beach holiday, travel blogs are a welcome opportunity to become acquainted with the country and its population before the start of a journey. It is especially this wish to learn about  and the respect towards  the destination and the people living there which plays an important role in sustainable tourism!
Every traveller can make a responsible, conscious choice of tour operator, accommodation and the way of travelling and thus contribute to improving the living conditions of the population in the destination, and keep negative ecological impacts of the journey to a minimum. For years, Naturefriends International (NFI) have been championing ecologically, socio-culturally and economically sustainable tourism, which provides the population in the destinations with economic opportunities.

All informations about the competition –>

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CONCOURS DES BLOGUEURS / BLOGUEUSES: Voyager équitablement et découvrir le monde –
Le récit des voyageurs

Nous cherchons: des articles de blogs critiques, amusants, controversés, captivants… au sujet de « voyages équitables ». Nous cherchons des blogueurs et des blogueuses – et tous ceux qui souhaitent le devenir – qui nous aident avec leurs blogs à sensibiliser les voyageurs à voyager équitablement: Qu’as-tu vécu toi-même? Quelle est ta contribution au tourisme équitable? Comment vois-tu l’avenir du tourisme?
Les cinq meilleures articles de blog seront choisis par un jury d’experts et expertes de l’IAN et de l’industrie de voyage et ils seront publiés, indiquant le nom du blog, sur « tourism_LOG », la plate-forme de discussion critique de l’IAN en matière de tourisme. De plus, vous pouvez gagner des escapades et d’autres prix!

Les blogs de voyage connaissent actuellement un véritable boom. Des voyageurs se renseignent sur des destinations possibles, ils cherchent des conseils de connaisseurs et ils comptent sur le fait que les blogueurs et blogueuses racontent leurs expériences authentiques dans les blogs. Surtout pour des touristes qui veulent plus que des vacances à la plage, les blogs de voyage offrent la possibilité de se faire une idée du pays et ses habitants avant le voyage. C’est surtout cette idée, cette connaissance  et le respect envers le pays et les gens qui y vivent  qui est très importante dans le tourisme durable!
Il revient à chacun de choisir consciemment le voyagiste, l’hébergement et la manière de voyager pour contribuer à l’amélioration des conditions de vie de la population dans le pays et pour minimiser les effets négatifs sur l’environnement. L’Internationale des Amis de la Nature (IAN) s’engage depuis des années pour un tourisme écologiquement, socioculturellement et économiquement durable qui offre des opportunités économiques aux habitants des pays de destination.

Toutes informations sur le concours –>

 

Mit dem E-Scooter in die Slowakei (anlässlich der Europäischen Mobilitätswoche)

Die March sieht von hier oben sehr blau aus, obwohl sie als Tieflandfluss gilt und für ihre schlammigen Wasser bekannt ist. Hier oben: Das ist von der wohl steilsten Radbrücke aus betrachtet, die ich kenne. Als „Chuck Norris“-Brücke wurde sie medial berühmt, denn die Slowakei, die diese Brücke errichten ließ, war so unvorsichtig, die Öffentlichkeit zur Abstimmung über den Namen aufzufordern. Ursprünglich als Scherz lanciert, wurde der Action-Haudegen zum Favoriten des Publikums auf Namenssuche. Der offizielle Name ist dann doch ganz brav „Brücke der Freiheit“ geworden. „Maria-Theresia-Brücke“ stand auch zur Wahl. Schließlich regierte die Habsburger-Monarchien einst sowohl  Österreich als auch die Slowakei, die zwei Länder, die die Brücke verbindet. Auch mit Schlosshof und dem gleichnamigen Schloss, das etwa einen Kilometer von der Brücke auf österreichischer Seite liegt, ist Maria Theresia eng verbunden. „Mit dem E-Scooter in die Slowakei (anlässlich der Europäischen Mobilitätswoche)“ weiterlesen

Mexiko und Belize – von Mayas, Tortillas und Jaguaren

Um acht Uhr in der Früh ging es los. Die Freude auf ein neues Land, spannende Leute und ein gänzlich anderes Klima stellte sich bereits am Münchner Flughafen ein. Der Flug sollte von München über Toronto nach Cancún gehen. Mit etwas Verspätung ging es dann los. Zum Glück war in Toronto etwas Zeit zwischen Ankunft und Weiterflug nach Cancún, um meine FreundInnen in Mexiko anzurufen. Doch die schlechte Telefonverbindung zwischen Kanada und Mexiko wollte mir kein Gespräch nach Cancún erlauben. Das war nicht so schlimm, kannte ich doch den Weg vom Flughafen mit dem Taxi oder dem Sammeltaxi “collectivo” nach Playa del Carmen, da ich während des Studiums sechs Monate in Mexiko als Praktikantin gearbeitet hatte. Obwohl der Taxifahrer die Straße in Playa del Carmen nicht kannte, fanden wir schlussendlich doch noch zu meinen Freunden und an unser erstes Ziel.

Playa del Carmen an der so genannten Riviera Maya, der Karibikküste Mexikos auf der Halbinsel Yucatán, ist ein sehr touristischer Ort. Die langen Strände, das azurblaue Wasser und die gute Anbindung in die Vereinigten Staaten ziehen vor allem viele TouristInnen aus Nordamerika an. Nach der ersten Tour in Playa del Carmen, gemütlichem Zusammensitzen mit meinen FreundInnen und den ersten richtigen mexikanischen Tacos, zogen wir ca. 40 Kilometer weiter nach Tulum. Direkt an der Küste gelegen, beherbergt Tulum eine der berühmten Maya-Stätten Yucatáns. Früher als Hippie-Metropole bekannt, hat es seinen alternativen Charme trotz der vielen TouristInnen noch nicht ganz verloren. Besonders entlang des Strandes beim Naturpark Shian Kaan haben sich zahlreiche kleinere Strandunterkünfte, so genannte Cabanas, angesiedelt.

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© Cathrine Schwenoha

Obwohl man doch bis zu 1,5 Stunden Fußmarsch (eine Richtung) oder für die Fahrt 150 Pesos (umgerechnet 8,40 Euro) hin und retour zum Strand nahe des Naturparks in Kauf nehmen muss, sind der Spaziergang und das eine oder andere erfrischende Getränk in den Cabanas und den Strandlokalen, wie der Posada Margerita, den Preis auf alle Fälle wert. Auf Yucatán besuchten wir auch eine der „Cenoten“ (cenotes) – Süßwasserquellen, welche bereits von den Mayas genutzt wurden. Es wird spekuliert, ob der Niedergang der Mayakultur mit ihrer Tradition, den Göttern Menschenopfer in den Cenoten zu machen und der damit einhergehenden Verseuchung des Wassers zusammenhängt. Heute sind diese Quellen eine beliebte Attraktion vor allem für TaucherInnen und WasserfreundInnen. Unterwasserfans kann unter anderem die Cenote Dos Ojos empfohlen werden, welche durch ihre Lichtgänge nach außen wunderschöne Lichteinfälle in das azurblaue Wasser der Quellen bietet.

Nach fünf Tagen Besichtigung der Umgebung von Playa del Carmen, vielen Gesprächen mit FreundInnen und einigen Jelas (span. ugs. für Bier), Tortas (runde Fladen mit Fleisch/Fisch, Salsa, Käse), Tostadas (harte Fladen mit Fleisch/Fisch, Salsa, Käse) und Tacos (weiche, gerollte Fladen mit Fleisch/Fisch, Salsa, Käste), ging die Reise per Bus weiter zum Grenzort Chetumal. Dort ging es per Taxi zum Dock, wo wir die Tickets für die Überfahrt nach San Pedro auf Ambergris Caye in Belize erstanden – und unser Gepäck von Drogenhunden untersucht wurde.

Zwei Stunden nach Abfahrt erreichten wir Belize. In San Pedro zeigte sich der Einfluss der TouristInnen aus den Vereinigten Staaten auf das touristische Angebot. Das Angebot der meisten Restaurants reichte von Hamburgers, über „surf n’ turf“ (Rindssteak mit Hummer) bis hin zu „sodas“ (Softdrinks) aller Art und frozen cocktails (Cocktails mit Crashed Ice vermischt zu Smoothies). Also einstweilen nichts mit lokaler Küche. Die Einheimischen waren sehr freundlich und hilfsbereit, was unsere Stimmung wieder aufhellte. Am ersten Morgen machte ich mich auf die Suche nach regional-typischem Frühstück und fand nach einigem Herumfragen einen kleinen Taco-Stand, an dem man Kaffee und frisch zubereitete Tacos erhielt.San Pedro ist durch eine Brücke in den touristischen und den nicht-touristischen Teil der Insel getrennt. Auf der einen Seite lebt die lokale Bevölkerung und auf der anderen wird den TouristInnen alles geboten, was sie sich nur wünschen. Im Gespräch mit Einheimischen wurde uns versichert, dass es auf Caye Caulker, unserem nächsten Ziel, viel „relaxter“ zuging – das ließ uns hoffen …

Nach einer Stunde Überfahrt mit dem Wassertaxi kamen wir nach Caye Caulker. Die Insel zeichnet aus, dass man sich nur mit Golf-Cars, Fahrrad oder zu Fuß auf der Insel fortbewegen kann. Die Stimmung auf Caye Caulker war wirklich etwas entspannter, aber auch hier zeichnete sich die Anpassung an den Tourismus stark ab. Obwohl die Einheimischen einem gerne Auskunft erteilten, waren die Gespräche doch etwas einseitig und von ihrer Seite sehr auf Fakten beschränkt. Uns wurde das Gefühl vermittelt, nur Touristinnen unter vielen zu sein, wir konnten kaum direkten Zugang zur lokalen Bevölkerung knüpfen.

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© Cathrine Schwenoha

Ähnlich wie auf Ambergris Caye war auch auf Caye Caulker die Küche auf amerikanische Bedürfnisse angepasst. Man konnte aber auch mit einem lokalen Fischer angeln gehen – danach wurde der selbst gefangene Fisch auf traditionelle Weise gebraten und mit Reis serviert. Die lokale Spezialität ist jedoch Hühnchen, das mit Reis und Bohnen serviert wird.

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© Cathrine Schwenoha

Nach weiteren zwei Tagen auf Caye Caulker ging es weiter nach Belize City, um von dort aus auf das drei Stunden entfernte Lighthouse Atoll zu fahren. Auf Lighthouse hatten wir eine Unterkunft bei einer vermeintlich einheimischen Dame inmitten des Dschungels gebucht. Wie sich herausstellte, war unsere Gastgeberin Amerikanerin, lebte jedoch schon seit vielen Jahren in Belize. Sie und ihre belizische Freundin versorgten uns – und gaben die einen oder anderen Geschichten beim gemeinsamen Abendessen zum Besten. Die Insel konnte innerhalb von eineinhalb Stunden gemütlich zu Fuß erkundet werden. Neben unserer Unterkunft gab es noch ein verlassen wirkenes Wellnesshotel und eine Tauchschule auf der Insel. Wir verbrachten die Nachmittag mit Wanderungen durch den Dschungel oder am Strand.

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© Cathrine Schwenoha

Für TauchfreundInnen wurden zahlreiche Exkursionen zu den naheliegenden Riffen und dem berühmten Blue Hole, einem mehrere hundert Meter tiefen Krater inmitten des Riffs, angeboten. Hier draußen war die Unterwasserwelt, trotz der zahlreichen TaucherInnen, noch unberührt. Am Peer genossen wir die einsamen Sonnenuntergänge. Wir besuchten auch das Half Moon Reservoire, ein Naturschutzgebiet, das für seine „red footed boobies“ (Rotfußtölpel) bekannt war. Da wir bereits früh mit den TaucherInnen losfuhren, konnten wir die Insel während der ersten Stunden ohne auf weitere TouristInnen zu treffen erkunden. Gegen Mittag wurden die ersten TouristInnengruppen auf die Insel gebracht und wir waren froh, am Nachmittag wieder vom Tauchboot abgeholt zu werden. Dennoch ist die Insel wunderschön und man hat den Eindruck, dass die Umwelt hier intakt ist. Vögel und Leguane lassen sich durch die BesucherInnen kaum beeindrucken.

Zurück auf Lighthouse fiel nach vier Tagen Inselleben die Rückkehr auf das Festland schwer. Sehr herzlich wurden wir von unserer Gastgeberin und ihrer Freundin verabschiedet. Nach  dreistündiger Fahrt nach Belize City ging es aufs Neue per Boot weiter Richtung Gales Point Manatee. Die Überfahrt dauerte erneut drei Stunden, war jedoch aufgrund der Geschichten unseres Guides recht kurzweilig. In den Mangrovensümpfen gab es zahlreiche
Fische, welche per Catch-and-Release-System gefangen und wieder frei gelassen wurden. Auch konnten wir dort neben vielen Wasservögeln zum ersten Mal ein Krokodil in freier Wildbahn sehen.

Gales Point Manatee wird im „Lonely Planet“ nicht umsonst „Geister-Stadt“ genannt. Wir kamen am Pier an. Außer dem Hotelbesitzer, der Köchin und zahlreichen Hundewelpen lief uns den restlichen Nachmittag sonst niemand über den Weg. Wir spazierten die einzige Straße entlang und entdecken viele verlassene Häuser. Ein paar EinwohnerInnen hatte Gales Point Manatee doch –  wenn es jedoch um die 30 waren, waren es viele. Ein wenig gespenstisch war der Ort. Dieser Eindruck wurde noch verstärkt, als  wir ein Pferd entdeckten, das auf der Terrasse eines verlassenen Hauses stand und das niemandem zu gehören schien. Dennoch genossen wir die Ruhe. Am nächsten Tag machten wir uns auf die Suche nach den namensgebenden Manatees (Seekühe). Leider wollten sie auch nach zwei Stunden intensivem Auf-das-Wasser-Schauen nicht auftauchen. Am nächsten Morgen ging es nach Hopkins.

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© Cathrine Schwenoha

Hopkins ist ein bekanntes Garifuna-Dorf, rund 50 Kilometer von Gales Point Manatee entfernt. Auch hier erlebten wir ein Dorf, das auch vom Tourismus lebt, allerdings nicht so stark davon geprägt ist. Was uns hier noch stärker als in den anderen Dörfern auffiel war, dass die Leute sehr zurückhaltend den TouristInnen gegenüber waren. Unsere Unterkunft war ein Apartment, das von einer vermeintlich lokalen Dame geführt wurde. Wiederum stellte sich heraus, dass die Dame ursprünglich aus dem Ausland stammte, und zwar aus England. Sie und ihr Mann hatten sich vor vielen Jahren hier die Apartments gekauft und vermieten diese nun an TouristInnen. Von Hopkins aus erkundeten wir die folgenden Tage den Hummingbird Highway, das Cockscomb Jaguar Reserve und Punta Gorda. Die Verkehrsmittel in Hopkins waren entweder öffentliche Busse oder Leih-Motorräder. Entlang des Hummingbird Highways gab es viele Zitrusfruchtplantagen, welche für die Region ein gutes Einkommen darzustellen schienen. Aus dieser Region stammt übrigens die landestypische Salsa „Sauce Marie Sharp’s“, welche uns bereits von Anfang an vor allem beim landestypischen Hühnchen mit Reis und Bohnen begleitete. Am nächsten Tag machten wir uns bereits früh auf zum Cockscomb-Reserve, das für seine noch ansehnliche Population an wild lebenden Jaguaren berühmt ist. Besonders beindruckend war die Geräuschkulisse früh morgens. Besonders die howler monkeys (Brüllaffen) machten ihrem Namen alle Ehre. Auch wenn wir keinen Jaguar zu Gesicht bekamen, konnten wir riesige Schmetterlinge, verschiedene Schildkrötenarten und Wasservögel und bei der Ausfahrt aus dem Park sogar eine Herde Wildschweine bewundern.

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© Cathrine Schwenoha

Im Maya-Dorf direkt neben dem Parkeingang hat sich eine Gruppe von Frauen zusammengefunden, die ihre Handwerksprodukte – wie Schmuck, Kleider und Schnitzereien – selbstständig vermarkten.
Sie haben ein kleines Geschäft aufgebaut. Besonders ist, dass auf allen Preisschildern die Namen der Produzentinnen vermerkt sind. Auf der Rechnung ist dann auch aufgelistet ist, wer welchen Betrag erhalten wird. Wir freuten uns, zu wissen, welche der Damen unsere Souvenirs gefertigt hatte. Beim Bezahlen standen sie nämlich alle an der Kassa, um ihren Anteil abzuholen.

Auf dem Weg von Cockscomb nach Hopkins fuhren wir den Sittee-River entlang. Dort gibt es ein kleines Kaffeehaus, das Café Curve. Von hier aus konnten wir unser zweites Krokodil in diesem Urlaub beobachten, wie es in aller Ruhe den Fluss überquerte. Schön langsam näherten wir uns unserer letzten Destination in Belize. Wir hatten einen Ausflug nach Punta Gorda geplant, einem Ort, der direkt an der Grenze zu Guatemala liegt. Es schien, als wären wir hier wieder mit einigen wenigen die einzigen TouristInnen. Leider machten wir aber auch die Erfahrung, dass die lokale Bevölkerung die TouristInnen nicht sehr zu schätzen schien – sie war sehr distanziert. Je tiefer wir in den Süden des Landes vordrangen, desto weniger TouristInnen trafen wir und desto ursprünglicher waren auch die Orte. So verbrachten wir noch eineinhalb abschließende Tage in Punta Gorda und besuchten unter anderem die lokale Schokoladenfabrik – Cotton Tree Chocolate. Von dort aus mussten wir wieder die Heimreise antreten.

Die Reise entlang der mexikanischen und belizischen Küste war sehr eindrucksvoll. Neben den Naturschönheiten wurde uns auch vor Augen geführt, welchen Einfluss der Tourismus auf Land und Leute hat: von der starken Abhängigkeit vom Tourismus, der dennoch offenen Mentalität der Menschen in Mexiko, über die Anpassung speziell an den Nordamerikanischen Markt in Belize, die mit Zurückhaltung seitens der Einheimischen einherging, bis hin zum Süden Belizes, wo wenige TouristInnen unterwegs waren, wo jedoch der Tourismus von den Einheimischen scheinbar zwar als Einnahmequelle, allerdings nicht als Möglichkeit zum Austausch mit TouristInnen gesehen wurde. Da stellen sich die Fragen: Schützt Abgelegenheit vor Tourismus und seinen negativen Einflüssen? Oder funktioniert authentischer Tourismus ohne Ambitionen der lokalen Bevölkerung? Natürlich brachten die drei Wochen nur einen kleinen Einblick. Es sei jedem und jeder empfohlen, der /die Mexiko und Belize kennen lernen möchte, sich mehr Zeit zu nehmen, als wir es tun konnten. Die Küste Mexikos und Belizes, ihre Landschaft und BewohnerInnen sind einen Besuch Wert – und eine einzigartige Erfahrung.

Autorin: Cathrine Schwenoha