Bitte lächeln !

„So süß, darf ich ein Bild machen?“ Das blond umlockte Bleichgesicht unserer Tochter scheint in Indien ein Schönheitsideal zu sein. Nach ein paar Dutzend solcher Bitten, macht der Stolz irgendwann der Gewohnheit Platz.

Das Portrait mit dem freundlichem Lächeln hat auch der fotografierten Frau gefallen
Foto: Das Portrait mit dem freundlichem Lächeln hat auch der fotografierten Frau gefallen

Auf Unterhaltung bedacht, denken wir uns: „Wie du mir, so ich dir“ und schlagen frech einen Handel vor: Das Foto unserer Kleinen gibt es nur im Austausch gegen ein Foto vom Fotografen. Seit wir diese Tauschgeschäfte vorschalten, hat sich die Casting-Prominenz drastisch reduziert. Nur wenige Erwachsene möchten abgelichtet werden. Und plötzlich erklärt sich auch, warum in Reiseliteratur und Urlaubs-Blogs überwiegend Kinder und alte Menschen die Texte bebildern.

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On the road again !

Autos dicht gedrängt, kreuz und quer - nicht nur auf diesem Parkplatz ein alltäglicher Anblick
Foto: Autos dicht gedrängt, kreuz und quer – nicht nur auf diesem Parkplatz ein alltäglicher Anblick

Frohgelaunt radele ich in die Stadt; am frühen Morgen ist der Verkehr zum Glück noch nicht ganz so unbeherrscht. „Über das tägliche Kampfschwimmen im Verkehrsfluss müsste die Zeitung mal schreiben“, denke ich, „die haben doch schließlich die Aufgabe die Bevölkerung vor unmittelbaren Bedrohungen zu warnen.“ Aber dafür ist das wilde Miteinander auf der Straße – Resultat des Zusammenlebens von 1000 Menschen pro Quadratkilometer – wohl nicht spektakulär genug. Wie schwierig es ist, Alltag zu beschreiben, hatten wir ja schon. Und ich muss gestehen, dass ich selbst – nach monatelangem Training –rasant wie James Bond zwischen den Autos durchflitze; dauerhaft klingelnd, erst im letzten Moment bremsend, und ohne vernünftiges Verhältnis zum Sicherheitsabstand. Man ist ja anpassungsfähig. Gefahr ist eine Sache der Wahrnehmung und der Gewohnheit.

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1000 Jahre Kultur – bald ein Opfer der Fluten? Maldah in Zentral Bengalen

nan-_3-dec-2007_02.thumbnailDie Reise mit dem Nachtzug ist etwas Angenehmes. Oftmals verpasst man dabei aber auch Wesentliches. Vorbeigefahren waren wir an Maldah schon zig-Mal. Immer mitten in der Nacht. Die Einladung eines Hotelbesitzers, verbunden mit der Bitte um Unterstützung beim Aufbau eines Tourismusprogrammes hat uns dieses Mal auf halbem Weg zwischen Darjeeling und Kalkutta Halt machen lassen. Maldah ist vor allem für eines bekannt, wie uns schnell klar wurde:

Für Mangos. Diese genießen international einen ausgezeichneten Ruf – man mag einem Obstverächter nachsehen, dass er das nicht wusste. Dass nahe Maldah einst die Hauptstadt eines ansehnlichen Königreiches lag und zudem die drittgrößte Moschee der Welt (die Ruinen derselben) beheimatet, hätte man als passionierter Informationssammler nach dreimonatigem Aufenthalt in Ostindien allerdings wissen können.
Wir waren überrascht: Tempel, Paläste, Hafenanlagen, Wehranlagen, Stadtmauern – alles von beeindruckenden Ausmaßen und vor Geschichte(n) nur so triefend. Was heute als Ruine ein eher tristes Dasein zwischen weidenden Kühen und weitentfernten Dörfern fristet, muss einst vor Pomp nur so gestrotzt haben. Maldah war einst so etwas wie ein Venedig des Ostens – um einen viel zu oft bemühten Ausdruck weiter Richtung der Grenze seiner Belastbarkeit zu führen. Ein dichtes Netz von Wasserwegen gab es damals, gespeist von den Flüssen Mahananda und Ganges – zwei Lebensadern Ostindiens.

Wenn heute das Wasser wieder die Dörfer verbindet, ist das allerdings kein Grund zur Freude wie man vermuten könnte. Im August hatte ein extremer Wasserstand des Ganges – nicht das erste Jahrtausend-Hochwasser in diesem Jahrhundert – den ganzen Bezirk geflutet und Tausende zu Flüchtlingen gemacht. Unser Aufenthalt ist zu kurz, um Exaktes über die Auswirkungen, Ursachen und Maßnahmen zu erfahren. Als wir bei unserem Gastgeber das Gespräch auf das Thema bringen, antwortet er ganz pragmatisch: Das Hotel ist auf einem Hügel gebaut und die Zugangsstraßen sind “wasserdicht”. Ob ich nun Reisfelder vor der Tür habe oder einen gigantischen See – für die Gäste stellt beides eine schöne Aussicht dar.” Konkurrenz braucht er bei dieser exquisiten topographischen Lage auf unbestimmte Zeit wohl nicht zu fürchten.

Leben und Reisen lassen – In der Zeitung steht immer dasselbe drin

Manchmal, wenn ich morgens die Zeitung durchblättere, bekomme ich Angst. Nicht, dass ich mich wirklich fürchten würde; die Bedrohung ist wenig emotional. Es ist eher eine rationelle Angst. Ein Beispiel mit Ereignissen aus der xy-Kalender-Woche: In Pakistan´s Hafenstadt Karachi geraten zwei sich rivalisierende Gruppen in die Haare. In der Folge brennen Häuser, es fallen Schüsse, sieben Menschen sterben. Bei den Streitparteien handelt es sich um verfeindete Rechtsanwälte. Demokratie erfordert Einsatz, keine Frage. Aber Nahkampf als Bestandteil des Jura-Studiums, ich weiß nicht…

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Beschreibt doch mal euren Alltag

So die vielfach geäußerte Bitte von europäischen Bekannten.
Als ich vor einigen Jahren von meinem ersten Indienaufenthalt zurück kam, lautete der Auftrag ähnlich. Die Südbild-Agentur in Wien war frisch aus der Taufe gehoben worden. Im wuchernden Dschungel der Bildagenturen mit den allgegenwärtigen Horror- und Elendsbildern aus Entwicklungsländern wollte sie eine neue Spezies sein. Ein Pool von Bildern, die den Alltag der Menschen im Süden darstellen. Mein Bildreservoir war groß genug, um einige Alltagsschnappschüsse beizutragen. „Beschreibt doch mal euren Alltag“ weiterlesen

Stadt, Land, Fluss – Kalkutta und die Sunderbans

NaN #5 SadhusLeicht verspätet zum Karneval ein Gruß nach Köln. Die quirlige Rheinmetropole ist nicht eben bekannt als Raum der Stille und Einsamkeit. Im Vergleich mit Kalkutta ist sie – mal abgesehen von der Karnevalszeit – ein Naherholungsgebiet. Die Bevölkerungsdichte der indischen Mega-City ist zehnmal höher als die der Stadt am Rhein. Diese Konzentration an Menschen hat ausgesprochen angenehme Auswirkungen. Es gibt viel Kultur, viel zu beobachten, viel zu erleben…

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