6 Tipps für umweltbewusstes Wandern und Trekken

Es gibt nichts Schöneres, als in der Natur unterwegs zu sein, egal ob einen oder mehrere Tage. Viele Naturerlebnisse oder auch kulturelle Stätten lassen sich nur per Fuß aufgrund ihrer abgelegenen Lage erkunden. Sei es ein Dschungelausflug im Amazonasgebiet, die Besteigung eines Berges im Himalaya oder der Besuch von Ruinenstätten der Inka in Peru. Manchmal ist der Weg das Ziel – wie beim seit Jahrzehnten populären Jakobsweg. Die Begeisterung der Menschen, aktiv durch Wander- oder Trekkingtouren ihre Ziele zu erreichen, ist groß. Kaum etwas anderes gibt einem soviel Kraft wie das Bewegen in der Natur. Ich setz es gar gleich mit Meditation. „6 Tipps für umweltbewusstes Wandern und Trekken“ weiterlesen

Klo-Abenteuer in Asien! Wie machen die Asiaten das mit ihren Hintern?

„Entschuldigen Sie die intime Frage: Wie machen Sie das mit Ihrem Hintern?“ Wie oft habe ich diese Frage in den vergangenen 3 Wochen nun schon insgeheim in meinem Kopf formuliert. Mindestens 50 mal seit dem Moment, als ich begriffen habe, dass die in Thailand und Nachbarländern neben jedem Toilettensitz angebrachte Wasserstrahlpistole keine innovative Alternative zur Klobürste ist, sondern eine traditionelle Alternative zu Klopapier. Natürlich wirft das Fragen auf. Aber keine Sorge. Die Etikette hat mich vor interkulturellen Peinlichkeiten bewahrt. Ich habe die Frage nicht laut ausgesprochen … Zumindest nicht bis gestern. Die Gunst der Stunde war gekommen. Statt in einem der uns beherbergenden „Guesthouses“ einem der freundlichen Thai mit einer ungewöhnlichen Frage ein eingefrorenes Lächeln zu verschaffen, hatte ich nun die Gelegenheit, eine asienerfahrene Wiener Freundin ins Verhör zu nehmen. Sie hatte uns auf unserer flugzeugfreien Weltreise in Thailand abgepasst und stand am Morgen nach dem Wiedersehen mit einer Packung Klopapier vor unserem Zimmer.

„Guten Moooorgen!“ Hatte Sie etwa gerade die Diskussion mit meinem Partner mitgehört, wer nun eine neue Rolle Klopapier von der Rezeption holen gehen sollte?! Peinlich genug. Nun drückte sie mir auch noch mit einem allwissenden Lächeln ihre brandneue Packung in die Hand: „Hier! Die kannst du haben. Ich brauch sie nicht.“ Kurze Pause. Dann meine erstaunte Frage: „Wie? Du brauchst sie nicht?“ „Ich benutze die Thai-Version – ist viel hygienischer … und … (Pause … in der sie mich herausfordernd von oben bis unten mustert) … viel ökologischer!“

Thai-Klo (Foto: Valentina Aversano-Dearborn)
Thai-Klo (Foto: Valentina Aversano-Dearborn)

Touché! Mir fehlen die Worte. Und mir fehlt noch etwas: Die Sozialisierung in dieser Kunst des Hintern-Reinigens. Oder der Mut etwas (für mich) Neues auszuprobieren. Dabei würde es einem die Thai-Technik der Wasserstrahl-Pistolen-Reinigung (siehe Foto) sogar relativ leicht machen. Man müsste – wie mir meine Freundin versichert – nicht einmal „handgreiflich“ werden (wie das in anderen klopapierfreien Ländern der Fall ist). Entschuldigen Sie die direkten Worte. Aber lassen Sie uns mal die Dinge beim Namen nennen. Fakt ist – und da hat meine werte Freundin wohl recht – Wie ökologisch ist es, wenn man sich mit Bäumen den Allerwertesten abwischt?

In Wien hatte ich die Qual der Wahl zwischen „Toilettenpapier aus frischem Zellstoff“ (ein Euphemismus für: Wir haben den Baum extra für ihren Hintern gefällt), Hygienepapier aus nachhaltiger Waldwirtschaft (der Baum wird immer noch für unseren Hintern gefällt, aber er wird immerhin nachgepflanzt), und „Recycling Toilettenpapier“ (der Baum wurde nicht für unseren Hintern gefällt, sondern für Schreibpapier und Co, das im nächsten Schritt zu Hinternpapier downgecycelt wird) zu wählen. Wobei … das Verhältnis zwischen Zellstoff-papier und Recycling-Papier (großzügig geschätzt 1 von 10 Optionen) darauf hindeutet, dass der extra gefällte Baum im freien Markt noch immer die kulturelle Präferenz ist. Und auch die supermarkt-technische Klopapier-Auswahl im unwissenschaftlichen Durchschnitt von 23 bisher besuchten Ländern, lässt nicht gerade eine rosigere Zukunft für die Wälder der Welt vermuten. Eine – im wahrsten Sinne des Wortes – scheiß Situation? Vielleicht kann ja Thailand zu dieser Diskussion etwas beitragen?

Wahnsinnsentdeckung! (Foto: Valentina Aversano-Dearborn)
Wahnsinnsentdeckung! (Foto: Valentina Aversano-Dearborn)

Nein! Dieses kleine Königreich im Herzen Süd-Ost Asiens, kann diese Diskussion eigentlich mit ruhigem Gewissen (!) überspringen (!). Durch ihre bewährte, traditionelle Wasserstrahl-Pistolen-Technik erspart das kleine Land der Welt jährlich unzählige gefällte Bäume. Das fällt nicht ins Gewicht meinen Sie? Schwer getäuscht. Ich hab da mal rumgerechnet*: Hätte das ganze Land, so viel Frischfaserklopapier** verbraucht wie ich allein in den vergangenen 3 Wochen hier, so hätten in der kurzen Zeit mehr als 400 Millionen Rollen ein – verzeihen Sie mir – beschissenes Ende genommen. Das entspricht in etwa 562,297 von Thai unwissentlich geretteten Tropenholzbäumen jedes Jahr! Oder in Fichtenbäumen sogar ganze 1,3 Millionen Bäume! 1,3 Millionen Bäume, die die Menschheit sicherlich für sinnvollere Dinge verwenden könnte, als unsere Hintern.
UND weil die Wasserstrahlpistolen-Reinigung nicht nur hilft Wälder zu schützen, sondern auch Wasser und Energie zu sparen***, haben wir nun noch einen Grund mehr zu hoffen, dass wir schneller sind im Kopieren Asiens, als die Asiaten im Kopieren des Westens!

*Quellen:
https://www.abenteuer-regenwald.de/bedrohungen/papier
http://www.regenwald-schuetzen.org/fileadmin/user_upload/PDF/Arbeitsblaetter/Papier/7.4_LI_wievielinbaeumen_mai_2013.pdf

** Davon ausgegangen, dass das in den Herbergen bereitgestellte Toilettenpapier aus Frischholzfasern war.
*** für ein handelsübliches Päckchen Kopierpapier (500 Blatt DIN A4, 2,3 kg) werden z.B. 7,5 Kilogramm Holz, 130 Liter Wasser und 26,8 Kilowattstunden Energie benötigt.

Über die Bloggerin: Valentina Aversano-Dearborn ist freie Journalistin, Nachhaltigkeitswissenschaftlerin, Leiterin der Jugendumweltbildungs-NGO „Forum für nachhaltige Visionen in Aktion“ (www.forum-via.org) und leidenschaftliche Weltenbürgerin. Auf ihren Streifzügen durch die Welt trifft sie regelmäßig auf unterschiedliche Fragen der Nachhaltigkeit und hält diese als Bloggerin fest. Auch dieser Beitrag ist in leicht abgewandelter Form in ihrem LEBENSART Blog: „Unterwegs in der Welt“ erschienen.

DIESER ARTIKEL IST EINER DER BEIDEN SIEGER-BEITRÄGE UNSERES BLOGGER/INNEN-WETTBEWERBS 2015 „FAIReisen & die Welt entdecken“.
Die Jury-Wertung:
Witzig geschrieben, bildhafte und farbenprächtige Sprache. Es wird ein Tabuthema angesprochen – viele Asien-Reisende haben sich sicherlich genau diese Frage schon mal gestellt … Im Beitrag werden wichtige Aspekte eines fairen Tourismus berücksichtigt: Nachhaltigkeit, Verständnis anderer Kulturen, respektvolles Reisen – und das alles ohne erhobenen Zeigefinger. Der Artikel wirft aber auch einen kritischen Blick auf unsere Kultur.

Die Jury:
Annemarie Herzog / Chefredakteurin Magazin LEBENSART; Linda Nepicks/ Reiseleiterin & Reisefachfrau Odyssee Reisen; Katrin Karschat, Cornelia Kühhas, Andrea Lichtenecker / Naturfreunde Internationale – respect

Nachhaltig unterwegs – auch auf Geschäftsreise?!

Trotz moderner Technologien wie Skype, Videokonferenzen und Co. steigt die Zahl an Geschäftsreisen stetig an. Auch in Zeiten sozialer Netzwerke ist nach wie vor der direkte Austausch mit Partnern sowie der persönliche Kontakt mit KundInnen wichtig. Immer mehr Unternehmen schreiben Corporate Social Responsibility (CSR) und Nachhaltigkeit auf ihre Fahnen. Doch wie sieht es mit der Nachhaltigkeit auf Geschäftsreisen aus? Viele Unternehmen geben an, dass diese ein Thema für sie ist. Wirklich konsequent berücksichtigt wird es aber nur von einem Bruchteil der Unternehmen.

296521_original_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.de© Rainer Sturm / pixelio

Was ist eine „grüne“ Geschäftsreise?
Generell gesprochen basiert eine „grüne Reise“ auf drei Säulen: ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit. Sollen Geschäftsreisen umweltfreundlicher werden, so geht es in erster Linie darum, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Vor allem der Flugverkehr trägt stark zum Klimawandel bei – und das Flugzeug ist bei Geschäftsreisen ein beliebtes Transportmittel. Kürzere Distanzen werden auch gerne mit dem PKW zurückgelegt. Aber nicht nur die Art der Fortbewegung schlägt auf dem „Nachhaltigkeitskonto“ einer Geschäftsreise zu Buche, auch die Wahl der Unterkunft spielt eine Rolle.

Neben der Reduktion von Umweltauswirkungen einer Reise gilt es ebenso, ökonomische und soziale Aspekte zu berücksichtigen. Dabei geht es um Fairness, um die Achtung der Menschenrechte – wie faire Arbeitsbedingungen und gerechte Entlohnung der Mitarbeitenden in der Hotellerie, Gastronomie oder in Transportunternehmen. Seriöse Labels – etwa für Unterkünfte – berücksichtigen diese Kriterien und unterstützen Reisende bei der Wahl des Hotels. Auch immer mehr Reiseveranstalter stellen sich ihrer Verantwortung hinsichtlich der Menschenrechte und haben das Commitment der Multistakeholder-Initiative „Roundtable Menschenrechte im Tourismus“ unterzeichnet.

Nachhaltig reisen – leicht gemacht!
Bei Geschäftsreisen steht meist die Kosteneffizienz im Mittelpunkt, die MitarbeiterInnen sollen ihre Reisen in möglichst kurzer Zeit und mit möglichst geringen Kosten absolvieren. Und mit „Nachhaltigkeit“ werden oftmals ein höherer Aufwand und mehr Kosten assoziiert. Aber im Gegenteil – ein effizientes, nachhaltiges Reisemanagement kann helfen, Reisekosten zu sparen und Arbeitszeit zu optimieren. Nicht zuletzt gilt konsequenter Umwelt- und Klimaschutz als Innovationsfaktor und bringt auch Wettbewerbsvorteile – schließlich interessieren sich immer mehr KundInnen dafür, ob Unternehmen u.a. den Klimaschutz ernst nehmen. Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung und Etablierung eines nachhaltigen Geschäftsreisemanagements ist eine professionelle und konsequente Herangehensweise.

Nachhaltiges Reisemanagement als Teil der Firmenphilosophie
Um Geschäftsreisen nachhaltig zu gestalten und sie quasi zum Standard im Unternehmen zu machen, braucht es ein klares Management, den Dialog mit den Mitarbeitenden und verbindliche Reiserichtlinien. Die Reiseplanung sollte also nach entsprechenden Standards und Regeln erfolgen, die fest im Unternehmen verankert und Teil der Firmenphilosophie sind.
Nachhaltige Geschäftsreisen sollten Chefsache sein, die Vorgesetzten sollten mit gutem Vorbild vorangehen. Es empfiehlt sich auch, alte Muster, Strukturen und Abläufe bei der Reisebuchung zu analysieren und zu überdenken – hinsichtlich Effizienz und nachhaltiger Reiseangebote. Vor allem aber müssen die Mitarbeitenden über das Ziel und die Kriterien, die hinter nachhaltigen Geschäftsreisen stehen, informiert sein und mittragen. Nicht zuletzt ist ein ehrliches Engagement in Sachen Nachhaltigkeit auch gut fürs Image des Betriebes.

Konkrete Tipps für die Gestaltung nachhaltiger Geschäftsreisen finden Sie im Dossier „Geschäftsreisen – nachhaltig erfolgreich!“ der Naturfreunde Internationale – respect, das hier zum Gratis-Download bereit steht.

(Text: Cornelia Kühhas / Naturfreunde Internationale)

Urlaub in Sicht – Wohin soll die Reise gehen? [DE/EN]

English version stated below

Dieser Artikel erschien erstmals in der Zeitschrift UMWELT & energie 3/14.


In Reisekatalogen locken ferne Ziele mit blauem Meer und Palmen. Andererseits liest man immer öfter über Überschwemmungen, Dürren und andere Naturkatastrophen rund um den Erdball, die WissenschaftlerInnen auf den fortschreitenden Klimawandel zurückführen. Hauptverantwortlich dafür ist unter anderem der Flugverkehr. Dennoch schließen sich Klimaschutz und Urlaubsreisen nicht generell aus.

 

2,3 t CO2. So viel und nicht mehr darf jeder Mensch weltweit pro Jahr produzieren, damit die Durchschnittstemperatur auf der Erde um nicht mehr als maximal zwei Grad ansteigt. Mit dem 2°C-Ziel ist eine Erwärmung der globalen Mitteltemperatur über den vorindustriellen Wert hinaus gemeint. Bei einer Überschreitung dieser Marke könnten die Folgen des Klimawandels nicht mehr kontrollierbar sein. Aktuell liegen wir übrigens bereits bei plus 0,8°C.

Flugverkehr im Fokus

Im Jahr 2013 registrierte die Welttourismusorganisation (UNWTO) 1,087 Mrd. internationale touristische Ankünfte, das sind um 52 Mio. mehr als im Jahr davor. Insbesondere durch diese steigende Tendenz bei Flugreisen trägt der Tourismus zum Klimawandel bei. Der globale Flugverkehr hat derzeit einen Anteil von rund fünf Prozent am menschengemachten Klimawandel. Das klingt im ersten Moment nicht dramatisch, wäre nicht dieser Verkehrssektor die am schnellsten wachsende Quelle von Treibhausgasen. Das globale Flugverkehrsaufkommen wird in den kommenden 40 Jahren um das Vier- bis Sechsfache ansteigen, falls keine Gegenmaßnahmen getroffen werden. Die Reduzierung der Emissionen durch technologischen Fortschritt wird dabei durch das rasche Wachstum kompensiert. Zudem werden die Verbrennungsgase der Flugzeuge in großer Höhe abgegeben, was die Klimabelastung noch weiter verstärkt. Hier ist nicht nur das CO2 wirksam, sondern auch Stickoxide, Aerosole und Wasserdampf, die in den empfindlichen hohen Atmosphärenschichten eine wesentlich höhere Treibhauswirksamkeit als CO2 aufweisen. Die tatsächlichen Klimaauswirkungen eines Fluges machen somit etwa das Dreifache der reinen CO2-Emissionen aus.

kleiner Flughafen in Bolivien © Melanie Schloffer
Flughafen von Rurrenabaque, Bolivien © Melanie Schloffer

Soziale Komponente

Obwohl nur 17% aller Reisen mit dem Flugzeug stattfinden, sind diese für 40% aller touristischen Emissionen verantwortlich. Zu bedenken ist aber auch, dass Flugreisen weltweit für nur etwa drei Prozent der Bevölkerung erschwinglich sind – in erster Linie für Menschen in den wohlhabenden Ländern der Welt. Die Auswirkungen des Klimawandels treffen allerdings die Menschen in den ärmeren Ländern der Südhalbkugel besonders stark.

Klimaschonend reisen

Sollte man aus all diesen Gründen nicht am besten auf Urlaubsreisen gänzlich verzichten? Nein, es geht vor allem darum, bewusster zu reisen. Nachdem das Flugzeug eine besondere Klimarelevanz hat, wäre zu überlegen, ob man statt zu fliegen auch mit der Bahn, dem Bus oder dem Auto anreisen könnte. Während der Flieger im Schnitt 350 g und das Auto 140 g CO2-Äquivalente pro Personenkilometer verursacht, so erreicht die Bahn einen Wert von 30 g und der Bus sogar nur 20 g. Vor allem Kurzstreckenflüge unter 1.500 km belasten die Umwelt überproportional, da Start und Landung zusätzlich Energie brauchen. Muss es also zum Sonnenbaden unbedingt Mallorca sein? Es gibt auch attraktive Urlaubsorte am Meer, die näher gelegen und mit Bus oder Bahn bequem erreichbar sind.

Sandstrand in Griechenland ©Karin Chladek
Sandstrand in Griechenland © Karin Chladek

Weniger oft und dafür länger verreisen ist mehr!

Wenn es trotzdem eine Flugreise sein soll, weil man die Natur und Kultur eines fernen Landes erkunden will, besteht die Möglichkeit, eine freiwillige „Klimaabgabe“ zu entrichten. Nachdem der internationale Flugverkehr von den UN-Klimaschutzverpflichtungen des Kyoto-Protokolls ausgenommen wurde – d. h. die „Klimakosten“ sind in den Ticketpreisen nicht berücksichtigt -, können Reisende selbst ihre durch einen Flug verursachten Treibhausgase mit einer freiwilligen Spende an ein Klimaschutzprojekt „kompensieren“. Bei der Auswahl der Anbieter sind jedoch bestimmte Qualitätskriterien zu beachten: Die Klimaschutzprojekte sollten internationalen Qualitätsstandards, wie dem „CDM Gold Standard“, entsprechen. Außerdem ist es sinnvoll, seltener ein Flugreise zu unternehmen, aber dafür länger zu bleiben. Von einem längeren Aufenthalt profitiert auch die lokale Bevölkerung. Als Faustregel gilt: für einen Flug bis 2.000 km Distanz mindestens acht Tage Aufenthalt, über 2.000 km mindestens 14 Tage.

Erholsame Alternativen

Nichtsdestotrotz ist das Vermeiden eines Fluges immer noch die beste Lösung für das Klima und oft auch mit einem höheren Erholungswert verbunden. Viele Urlaubsorte innerhalb von Österreich oder in den Nachbarländern sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen und bieten auch vor Ort eine gute Infrastruktur für TouristInnen. Dabei erspart man sich lange Anfahrtswege, die allzu oft auch mit Staus oder unvorhersehbaren Wartezeiten auf Flughäfen verbunden sind. Wer die Anreise mit der Bahn schon zu einem Urlaubserlebnis macht, kann nur profitieren. Dabei beginnt die Erholung schon im Speise-, Spiel- oder Schlafwagen, während man das Vorbeigleiten der Landschaft in Ruhe genießen kann und erholt am Urlaubsort bzw. wieder zu Hause ankommt. Vor allem Kinder schätzen diese Art der Fortbewegung, da sie nicht stundenlang festgeschnallt still sitzen müssen.

Kühe auf der Alm © Christian Wagner
Kühe auf der Alm © Christian Wagner

Nicht nur die Anreise zählt.

Auch am Urlaubsort kann man durch die Auswahl der Unterkunft bzw. des Urlaubsarrangements einen Beitrag leisten, dass die Umwelt geschont und auch soziale Standards eingehalten werden. International anerkannte Labels zeichnen entsprechende Unterkünfte und Angebote aus. Auch vor Ort sollte auf sanfte Mobilität gesetzt werden. Hier haben öffentliche Verkehrsmittel wo immer möglich Vorrang. Oder man steigt auf das Fahrrad um. Das ist nicht nur umweltschonend und gesundheitsfördernd, sondern es ergeben sich dadurch auch unmittelbare Berührungspunkte mit der Landschaft und der dort ansässigen Bevölkerung.

Schönen Urlaub!


Die Autorin Cornelia Kühhas arbeitet für die Naturfreunde Internationale – respect.


English version:

The holidays draw nearer: Where to go?

This article was first published in the magazine UMWELT&energie 3/14.

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In travel brochures, one can marvel at far-away destinations with their turquoise sea and palm trees. On the other hand, there are ever more frequent reports about floodings, droughts and other natural catastrophes around the globe, events which experts attribute to the progression of climate change. Air traffic is one of the major causes of climate change. Nevertheless, climate protection and holiday travel are not mutually exclusive.

2.3 t CO2. This is the amount of CO2 that a person may produce in a year in order that the average temperature on Earth does not increase by more than two degrees. The 2°C target takes as a basis the global average temperature of pre-industrial times. Should the temperatures rise above these 2°C, the effects of climate change could no longer be controllable. At the moment, we are at +0.8°C above the pre-industrial level.

Air traffic

In 2013, the World Tourism Organisation (UNWTO) registered 1.087 billion international tourist arrivals, 52 million more than the year before. It’s especially due to this trend of increasing air travels that tourism contributes to climate change. At the moment, global air traffic makes up about five percent of human-made climate change. At the first glance, that wouldn’t sound too dramatic, but this transport sector is the fastest growing source of greenhouse gases. Global air traffic will increase 4- to 6-fold over the next 40 years, should no counter-measures been taken. Emissions saved by technological advance are made up for by the fast growth. Additionally, the combustion gases are emitted at great heights, which accounts for an intensified climate impact. Airplanes don’t only emit CO2; it is especially the nitrous gases, aerosols and water vapour which have a considerably higher greenhouse effect in the very sensitive higher atmospheric layers than CO2 does. Thus, a flight’s actual impact on the climate is three times higher than its pure CO2 emissions.

small Airport in Bolivia © Melanie Schloffer
Rurrenabaque Airport, Bolivia © Melanie Schloffer

The social element

Although only 17 % of all journeys are include flights, these account for 40 % of all emissions in the tourism sector. One should also bear in mind the fact that only three percent of the world’s population can afford to buy a plane ticket  for the main part, these people live in the wealthy countries of the world. However, people in the poorer countries of the global South are hit especially hard by the effects of climate change.

Climate-friendly travel

So, should you stop to go on holiday altogether? No, it’s especially about travelling more consciously. Seeing that the airplane has an especially high impact on the climate, you should think about going by train, bus or car instead. Whereas a plane produces about 350 g and a car about 140 grammes of CO2 equivalents per kilometre per person, a train produces 30 g and a bus only 20 g. It’s especially short-distance flights which have a disproportionate environmental impact, as take-off and landing need additional energy. If you want to go sunbathing, do you really need to go to Mallorca? There are a lot of wonderful seaside destinations which are closer and can thus be easily and conveniently reached by bus or train.

Sandy beach in greece ©Karin Chladek
Sandy beach in Greece © Karin Chladek

Fewer but longer holidays make a difference!

If, despite all, you need to travel by plane because you want to get to know the nature and culture of a far-away country, you have the possibility of paying a voluntary „climate levy“. International air traffic is exempt from the UN climate change obligations of the Kyoto Protocol (i.e. the „climate costs“ are not taken into consideration in the ticket prices), travellers themselves can compensate the emissions of their flight by making a voluntary donation to a climate protection project. However, when choosing a provider, certain quality criteria should be observed: the climate protection projects should correspond to international quality standards, such as the „CDM Gold Standard“. Besides, it is reasonable to go by plane less frequently, but then stay longer in the country. The local population also benefits from longer stays. A rule of thumb: for plane trips of up to 2,000 km, stay in the country for at least eight days, and spend at least 14 days after a flight of more than 2,000 km distance.

Relaxing alternatives

Nonetheless, refraining from flying still is the best option for the climate, and it is often more relaxing. Holiday destinations in one’s own country or in the neighbouring country are easy to reach by public transport. You thus avoid travelling long distances yourself, which are often combined with traffic jams or delays at the airport. The train trip can already be your first holiday experience; you benefit from relaxing in the restaurant or sleeping car, from playing or watching the landscape pass by  and you arrive without stress at your destination or back home. Children especially enjoy this way of travelling as they are not strapped in their seats for hours.

Cows on the Alp © Christian Wagner
Cows on the Alp © Christian Wagner

It’s not only about arrival

You can also contribute to protecting the environment and to compliance with social standards by carefully choosing your accommodation and holiday arrangements. Internationally recognised labels designate such accommodations and offers. You should also rely on soft mobility during your stay: give preference to public transport, whenever this is possible, or use the bicycle. This is not only good for the environment and you health, but you will also experience the landscape from up close and get in touch with the local population.

Have a great holiday!


Author: Cornelia Kühhas – Naturefriends International – respect
Translation: Tamara Frank

Nachhaltig unterwegs in Afrika: Beispiele von einer Senegal-Gambia-Tour

Naturfreundereisen in verschiedene afrikanische Länder haben seit etwa 15 Jahren Tradition. Schwerpunktland für die Naturfreunde Internationale (NFI) ist dabei Senegal. Bei all diesen Reisen stand und steht nicht das „Abhaken“ von Natur- und Kulturhighlights im Vordergrund, sondern das sensible Kennenlernen von Land und Leuten und der Naturfreundearbeit, Begegnungen mit Einheimischen, sowie gemeinsame Erlebnisse europäischer und afrikanischer NaturfreundInnen.

Nachhaltigkeitskriterien für Afrikareisen der Naturfreunde

Als Ergebnis dieser langjährigen Erfahrung hat die NFI nun Kriterien erarbeitet, deren Umsetzung bei Afrikareisen empfohlen wird. Selbstverständlich können diese Kriterien auch als Leitlinien und Anregungen für Veranstalter und Einzelreisende außerhalb der Naturfreundebewegung dienen.

Nicht alle Kriterien können auf jede Destination übertragen werden. Dennoch sollte das Bekenntnis zu einer Nachhaltigen Entwicklung und die Notwendigkeit, eine solche Position mit hoher Vorbildwirkung aktiv zu leben, dazu führen, dass Reiseveranstalter versuchen, so viele Kriterien wie möglich zu erfüllen.

Die Kriterien im Detail

© Barbara und Joachim Ernst
Kapokbaum © Barbara und Joachim Ernst

Das Wesentliche in Kürze

Nachhaltiges Reisen beginnt mit der Vorabinformation an die ReiseteilnehmerInnen: es versteht sich von selbst, dass die europäische Reiseleitung Information über Land und Leute, über Reise- und Sprachführer, Bücher afrikanischer Autoren, über die Organisationen im besuchten Land, sowie Material über soziale und politische Gegebenheiten des Ziellandes zur Verfügung stellt.

Ebenso selbstverständlich ist es, dass die An- und Abreise so umweltfreundlich wie möglich gestaltet wird: Benützung öffentlicher Verkehrsmittel zum/vom Flughafen, Sensibilisierung für CO2-Kompensation der Flugreise, nach Möglichkeit auch sanfte Mobilität im Reiseland.

Ein wichtiger Faktor ist die Auswahl der Unterkünfte und Restaurants, die regionstypisch und möglichst umweltfreundlich und sozial verträglich geführt sein sollen.

Bei Naturfreundreisen nach Senegal kommt dabei der Nutzung des Naturfreundehauses in Petit Mbao bei Dakar eine wichtige Rolle zu.

Es ist klar, dass die europäischen ReisebegleiterInnen darauf achten, MittlerInnen zu sein zwischen den europäischen Reisenden und den FreundInnen im besuchten Land und dass sie auch mit gutem Beispiel voran gehen, z. B. hinsichtlich dem Land entsprechender Kleidung und Fotografierverhalten.

Besonders wichtig ist auch das Programm solcher Reisen: der Schwerpunkt der Besuche und Besichtigungen liegt auf regions- oder landestypischen Spezifika, wie z.B. Initiativen der Zivilgesellschaft, Entwicklungs- oder Umweltprojekte, Naturschutz, Frauenförderung etc. Die Reiseprogramme werden deshalb gemeinsam von europäischen und afrikanischen Partnern ausgearbeitet.

Programmhighlights einer Senegal-Gambia-Tour

Im November 2013 wurde zum ersten Mal mit einer internationalen Gruppe Gambia, in Verbindung mit Senegal, besucht. Anhand einiger Beispiele aus dieser Reise, die ich wie viele Touren begleitet habe, möchte ich die Programmgestaltung solcher Reisen veranschaulichen. So haben wir unter anderem die nachstehenden Einrichtungen besucht und dabei Gelegenheit gehabt, uns mit Verantwortlichen und Betroffenen auszutauschen.

Partizipatives Nationalparkmanagement – die Dörfergemeinschaft im Nationalpark Djoudj

Im Norden Senegals, ca. 80 km von der Stadt Saint-Louis entfernt, erstreckt sich über 16 000 der Nationalpark Djoudj, das drittgrößte Vogelschutzgebiet der Welt und bekannt als Überwinterungsgebiet für 360 europäische Vogelarten. Zum Zeitpunkt der Gründung des Nationalparks im Jahr 1971 wurden sieben Dörfer an den Rand des nunmehrigen Schutzgebietes umgesiedelt, nicht ohne Konflikte mit den BewohnerInnen. In den darauffolgenden Jahren wurde nach Konfliktlösung gesucht und schließlich die „Association Intervillageoise des 7 villages de la périphérie du Parc National des Oiseaux du Djoudj – A.I.V.D.“ (Zusammenschluss der 7 Dörfer an der Peripherie des Nationalparks) gegründet. Die Nationalparkabteilung des senegalesischen Umweltministeriums ist seither bestrebt, eine Politik des partizipativen Parkmanagements umzusetzen, um so die Bevölkerung in den Schutz des Parks einzubeziehen und durch Schaffung von Einkommensmöglichkeiten zur Verbesserung ihrer sozioökonomischen Situation beizutragen. So wurde zum Beispiel der junge Mann, der uns bei unserer Exkursion begleitete, im Sinne dieses partizipativen Ansatzes als Ökoguide ausgebildet; die Frauen, die uns im parkeigenen „Shop“ stolz ihre handwerklichen Produkte zeigten, erhalten 80% des Verkaufserlöses. Ergänzend werden die DorfbewohnerInnen in Kursen für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz, Handwerk und Kultur und verantwortungsvollen Tourismus sensibilisiert – all dies unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigen Entwicklung der Region. Dabei spielt das Campement Njagabaar, ein Touristencamp mit Restaurant, eine wichtige Rolle, das sich, am Eingang zum Park gelegen, dem nachhaltigen Tourismus verschrieben hat und dies auch in einer Charta definiert.

Zielsetzungen, Angebote und Preise unter: http://www.djoudjvillages.sn/

Plan Djoudj © Barbara und Joachim Ernst
Plan Djoudj © Barbara und Joachim Ernst
© D. Bührer
Charta Djoudj © D. Bührer

Artenschutz als Anliegen im nachhaltigen Tourismus – das „Schildkrötendorf“ in Noflaye

35 km nordöstlich von Dakar liegt das Dorf Noflaye, das durch das dort ansässige „Schildkrötendorf“ (Village des tortues) Bekanntheit erlangt hat. Im Rahmen des Programms SOS Sulcata, das von der französischen Fachorganisation SOPTOM mit betreut wird, hat man es sich hier zum Ziel gesetzt, vom Aussterben bedrohte Schildkrötenarten zu schützen. Vor allem handelt es sich dabei um die Spornschildkröte (Centrochelys sulcata). Das Zentrum erhält immer wieder Exemplare aus privatem Besitz, die vernachlässigt, zu wenig oder zu viel gefüttert wurden und in schlechtem Zustand sind. Ein engagiertes junges Team von Fachleuten und Freiwilligen nimmt sich ihrer an, untersucht und pflegt sie nach wissenschaftlichen Kriterien und bereitet sie auf ihre Wiedereinsetzung in ihrem ursprünglichen Lebensraum im Ferlogebiet in Nordsenegal vor. Zuletzt wurde dort im Jahr 2011 eine Gruppe ausgewildert, nachdem eine erste bereits 2006 erfolgreich wieder eingesetzt und einem laufenden Monitoring mit Hilfe von Transmittern unterzogen wurde. Bemerkenswert sind auch die Sensibilisierungsmaßnahmen, die über das Programm SOS Sulcata für Kinder und Jugendliche im Ferlo durchgeführt werden.

Adresse und Kontakt: Noflaye, km 12, Route de Bambilor, BP 655 Rufisque, Senegal

© Barbara und Joachim Ernst
Schildkröten mit Pfleger in Noflaye © Barbara und Joachim Ernst

Energie aus Biomasse – das Engagement der Firma GreenTech in Gambia

Berge von Erdnussschalen säumen den Zugang zur Firma GreenTech, die von einem engagierten gambisch-deutschen Unternehmerpaar geleitet wird, auf dessen Initiative auch die Firmengründung zurückgeht. Hier versucht man, im Rahmen eines nach kommerziellen Kriterien arbeitenden Unternehmens, Lösungsansätze zur Armutsbekämpfung sowie zur Linderung der Energie- und Umweltprobleme in Gambia anzubieten.

Es geht dabei um die Produktion von Briketts aus Biomasse, konkret aus Erdnussschalen, die sonst auf dem Müll landen würden. Die Briketts können im Haushalt, in der Gastronomie, der Industrie, der Lebensmittelverarbeitung etc. eingesetzt werden. Die Brikettpresse kommt aus Dänemark, die Arbeitskraft aus Gambia. In einer firmeneigenen Küche wird für das Personal gekocht, selbstverständlich unter Verwendung lokaler Produkte.

Ergänzend werden von dem Unternehmen Kocher angeboten, die lokal produziert werden und deren spezielle Bauweise die Energieeffizienz der Briketts erhöht. Die Geräte sind einfach zu bedienen und es gibt kaum Rauchentwicklung.

© Barbara und Joachim Ernst
Sparkocher © Barbara und Joachim Ernst

Förderung von Kleinunternehmen im Tourismus – der Verein ASSET (Association of Small Scale Enterprises in Tourism)

Der Verein wurde im Jahr 2000 mit dem Ziel gegründet, kleine im Tourismus tätige Betriebe zu unterstützen, die sonst kaum Chancen haben, sich gegenüber den im Massentourismus operierenden Großunternehmen zu behaupten. ASSET hilft z.B. beim Abschluss von Versicherungsverträgen, Kontakten mit Tourenveranstaltern etc. Arbeitsplätze für Kunsthandwerker und ein Shop sind derzeit am Vereinssitz im Entstehen; ASSET bietet auch Kurse an, in denen sich VertreterInnen kleiner Tourismusbetriebe zusätzliche Qualifikation verschaffen können. Die Seele des Ganzen ist das Restaurant „Bantaba“, was so viel heißt wie „Dorfplatz mit Palaverbaum“. Hier wird traditionell und preiswert gekocht und eine Atmosphäre geschaffen, die uns als umwelt- und menschenfreundliche Reisende sehr angesprochen hat.

© Barbara und Joachim Ernst
Asset Bantaba © Barbara und Joachim Ernst

Reisende unterstützen Projekte afrikanischer Naturfreunde und ihrer Partner

Zu den Kriterien nachhaltigen Reisens gehört für NaturfreundInnen auch, zur Umsetzung von Projekten ihrer afrikanischen FreundInnen beizutragen. So war ein absoluter Höhepunkt unserer Senegal-Gambia-Tour die Eröffnung eines Kinderhortes in der Nähe der senegalesischen Stadt Saint-Louis, der durch die tatkräftige Unterstützung von deutschen Naturfreundegruppen errichtet wurde und noch durch verschiedene Zusatzeinrichtungen ergänzt werden soll (Alphabetisierungskurse für Frauen, Werkstätten etc.). Federführend dabei waren die Naturfreunde aus Rastatt und Saint-Louis.

Kontakt: Uschi Böss-Walter, Naturfreunde Rastatt, boess-walter@t-online.de

© Barbara und Joachim Ernst
St. Louis © Barbara und Joachim Ernst

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Mag. Ingeborg Pint ist diplomierte Dolmetscherin für Französisch und war von 1992 – 2006 Projektkoordinatorin für „Landschaften des Jahres“ der Naturfreunde Internationale (NFI). Derzeit ist sie ehrenamtliche Afrika-Referentin der NFI und als solche für die kontinuierliche Betreuung der afrikanischen Naturfreunde-Organisationen zuständig. Seit 2004 begleitet sie regelmäßig Projektreisen der Naturfreunde nach Senegal und fallweise nach Togo. Darüber hinaus ist sie Ansprechpartnerin für deutschsprachige Naturfreunde(gruppen), welche Reisen in afrikanische Länder planen, in denen die NFI Mitgliedsorganisationen hat.

Seit September 2013 freuen wir uns außerdem, Ingeborg zu unseren StammautorInnen zählen zu dürfen.

Kontakt: i.pint@aon.at

Die NFI hat für Projekte der afrikanischen Naturfreunde-Organisationen einen eigenen Spendenfonds eingerichtet. Auf www.nf-int.org/afrika finden sich jeweils die aktuellen Projekte, die wir mit Eurer Hilfe unterstützen wollen. Danke!

Warum ich (trotzdem) reise!

“Wir sollten wieder sesshaft werden, statt permanent unterwegs zu sein und CO2 zu emittieren.” Die Aussage war noch eine der harmloseren, die der Volkswirt und Attac-Berater Niko Paech im Interview mit der “Süddeutschen Zeitung” getroffen hat. Der Standpunkt von einem, der radikal lebt, was er empfiehlt und selbst nur ein einziges Mal in seinem Leben in einem Flieger gesessen ist, rütteln ganz schön an mir. Und nein, das liegt nicht daran, dass ich sie im Flugzeug auf dem Weg nach Porto zu meiner ersten Travel Blogger Konferenz lese. Aber paradoxer könnte die Situation wohl kaum sein.

© Doris Neubauer
© Doris Neubauer

Ein Gespräch über eine Reise nach Bali hier, Erzählungen vom Yogaretreat in Mexiko dort und eine Autoralley durch die Mongolei als Einstiegspräsentation, dazwischen Suchmaschinen-Websites, PR-Agenturen, Tourismusbüros etc. die mit – uns – BloggerInnen über noch bessere Vermarktungsmöglichkeiten sprechen. Hier geht es um eine meiner größten Leidenschaften, darum, wofür ich morgens aufstehe und wovon ich nächstens träume. Hier geht es um das Geschäft, das wohl eine der negativsten Klimabilanzen aufweist, die es gibt: Ums Reisen!

© Doris Neubauer
© Doris Neubauer

Der internationale Flugverkehr trägt mittlerweile mit 7 Prozent zur globalen Erwärmung bei; die Treibhausgaswirkung der Flugemission ist dreimal so hoch wie bei Kohlendioxid, das auf der Erde produziert wird. (siehe Datenlage des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2008) – bei den Fakten dreht sich mir der Magen um! Und wenn man der aktuellen – vermutlich realistischen – Airbus-Prognose, die der Flugzeughersteller in London veröffentlicht hat, Glauben schenkt, wird allein die Zahl der Passagiermaschinen in den nächsten 20 Jahren von derzeit rund 15.000 auf mehr als 32.000 ansteigen. Dass man das auch mit der höchsten Ausgleichszahlung an atmosfair & Co. nicht kompensieren kann, sagt uns der Hausverstand. Eine lahme Gewissensberuhigung, was sonst!?

“Klimabewusst zu fliegen heißt wohl eher nicht zu fliegen”, die Lösung, die Attac-Geschäftsführer Wilhelm Zwirner auf meiner Facebook Seite liefert, ist kurz und radikal. Oder um wieder Paech zu zitieren, der sich auch weigert, bei Klimakonferenzen im fernen Rio dabei zu sein: “Die beste Energie ist die, die wir nicht verbrauchen”. Und ich kann nur sagen: Ich gebe beiden Recht.

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Genauso Recht wie Chris Haslam, Autor und Reiseberichterstatter, der sagt: “Es ist so: Hör nicht auf zu fliegen. Hör nicht auf, das Außergewöhnliche und Exotische zu besuchen. Hör nicht auf, dein Hart-Verdientes zu den Menschen zu bringen, deren Leben und Zukunft genau davon abhängt und hör nicht auf, hinaus zu gehen und Zeugnis davon abzugeben, die Änderungen zu sehen, denen unser Planet ausgesetzt ist.” Das ist nämlich die andere Seite des Reisens: Abgesehen davon, dass Tourismus eine Lebensgrundlage für Menschen darstellt, öffnet Unterwegssein die Augen, lässt uns wachsen, Begegnung findet statt, inspiriert, macht uns toleranter… Zumindest das Reisen, das ich kenne!

Radikale Aussagen und Ansichten wie die von Paech, der von “vor der Fassade der Weltoffenheit komfortablen und globalen Lebensstil” an den Pranger stellt, sind vermutlich wichtig für Diskussion, fürs Umdenken, fürs Schlechte-Gewissen-Schaffen. Und keine Frage: Hochachtung, dass er so lebt! Aber ich weiß nicht, wie es Euch geht, doch mich schrecken solche Aussagen ab: So sehr, dass ich dann gar nichts ändere und so weitermache wie bisher, weil ich dieses hehre Ziel ja ohnehin nicht erreiche. Und das ist wohl dann die völlig falsche Reaktion!

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Für mich gibt´s nur diesen Weg: Mich zu bemühen, so bewusst, so nachhaltig, so klimaschonend, so ausgleichend, kurz, so gut wie möglich zu reisen. Ja, ich fliege – aber nicht bei jeder Gelegenheit einfach irgendwo hin; meistens bin ich öffentlich unterwegs; 24×7 Klimaanlagen gibt es nicht, unter anderem deshalb, weil ich meist bei Einheimischen schlafe; ich ernähre mich vegetarisch…. und ja, ich mache Fehler! Aus Unwissenheit; weil ich nicht besser darüber nachgedacht habe; weil ich ein Mensch bin und weil ich – hoffentlich – laufend dazu lerne.

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“Was kann ein Reisender tun? Der Zynische sagt nichts, der Hoffende sagt viel”: Ganz klar, Dan und Audrey von Uncornered Market zählen zu letzteren. Das Ehepaar arbeitet als Reiseblogger und -consultants mit Non-Profit-Organisationen zusammen, macht grüne Initiativen in aller Welt bekannt, reist selbst so nachhaltig wie möglich und sind United Nations-Botschafter für das Sustainable Tourism Council (GSTC) – auch auf einer Travel Blogger Konferenz wie der in Porto.

Dreimal dürft Ihr raten, zu welcher Kategorie ich gehöre…