Facetten von Hong Kong

„Hello, my name is Hong Kong“, begrüßt uns ein Schild am Victoria Peak. Darunter erstreckt sich die Millionenstadt in ihrer vollen Größe, umgeben von üppigen Hügellandschaften und 263 vorgelagerten Inseln. Man blickt auf einen der am dichtesten besiedelten Plätze der Welt, auf der einen Seite in Menschen, auf der anderen in Vögeln und Schmetterlingen gemessen.

© Carina Forster
© Carina Forster

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4 steps to a conscious travel

Travelling to far away countries has become a possibility for more people than ever before. This is really exciting as travel is the best education we can get, helping us to become an informed global citizen. But no one ever really teaches us how we should travel …
We fly, sail, Interrail, cycle or hitch­hike around the world, staying in hostels, resorts, home­stays, couch­surfing … But how to get most of our trips while making sure we respect people and places we visit? How to be 
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Palästina und Israel – Eine Reise voller Gegensätze

Mai 2015: Nach Monaten der Vorfreude, Planung und Besprechungen ist es endlich soweit: Treffpunkt am Flughafen Berlin-Tegel für unseren Flug nach Tel Aviv. Von Tel Aviv soll es über Jerusalem nach Bethlehem gehen, wo wir unsere Partneruniversität Dar al-Kalima University College of Arts and Culture besuchen werden. Wir, das sind Studierende und Frau Prof. Dr. Claudia Brözel von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Im Rahmen eines Kooperationsprojekts soll in Bethlehem ein Bachelorstudiengang für Tourismus aufgebaut werden; nun steht eine erste Begegnung zwischen Studierenden aus Deutschland und Palästina an. Genauso spannend wie das Treffen mit den Studierenden war für uns ein erster Besuch dieser Region.*

Israel & Palästina – ein Reiseziel, bei dem schon die Antwort auf „Na, wohin fliegst du denn eigentlich?“ schwierig ist. Wer einigermaßen die Nachrichten verfolgt und sich ein wenig mit der Geschichte der Region beschäftigt wird schnell feststellen, dass es mehr Fragen als Antworten und mehr Vermutungen als Fakten gibt. Eine einfache Antwort auf die Frage wer wem Unrecht getan hat und tut und wer denn nun Recht hat, gibt es für mich nach dieser Reise nicht – auch wenn ich das anfangs naiverweise gehofft hatte. Schließlich ist die Welt in schwarz-weiß viel einfacher!

Tel Aviv
Am Beginn der Reise stand ein Tag in Tel Aviv an, das ein wenig an Berlin erinnert: Die Küstenstadt war die wohl am westlichsten geprägte Stadt, die wir auf unserer Reise gesehen haben. Nach einem Nachtflug kamen wir frühmorgens in Tel Aviv an. Da Flughäfen wohl überall gleich aussehen, waren es die hebräischen Schriftzeichen, die verraten haben, wo wir sind. Draußen die ersten Palmen und Vogelgezwitscher – so kann es losgehen.

Tel Aviv (Foto: Katrin Karschat)
Tel Aviv (Foto: Katrin Karschat)

Nachdem wir am Vormittag den Strand genießen konnten, stand dann später eine sehr spannende, geführte Tour durch Tel Aviv-Jaffa an. Die Stadt hat eine lange Geschichte, war lange Zeit ein wichtiger Handelsposten und auf Grund ihrer Lage auch militärisch interessant. Während das ehemalige Jaffa noch traditionell wirkt, so ist Tel Aviv das moderne Gegenstück dazu. Schon hier zeigten sich die Gegensätze zwischen Tradition und Moderne, Alltag und Konflikt, die uns immer wieder begegnen sollten.

Unser Aufenthalt in Tel Aviv bot eine erste Gelegenheit, die lokale Küche auszuprobieren, von der ich auf jeden Fall ein Fan geworden bin. Neben Falafel, Fladenbrot und Humus waren vor allem Gerichte wie Tabouleh (Bulgur-Petersilie-Salat) und Tahina (Sesampaste/-dip) ein Erlebnis. Frisches Obst und Gemüse stehen immer auf dem Speisenplan und auch wenn man sich an Gurken, Tomaten und Oliven zum Frühstück erst gewöhnen muss, so ist das eine leckere Alternative!

Jerusalem
Am nächsten Tag ging es nach Jerusalem. Die Stadt hinterlässt bleibende Eindrücke, vor allem wegen ihrer Vielfalt: Orthodoxe Juden neben Muslimen und Christen; Touristengruppen; Militär und Sicherheitsleute. Es läuten Glocken und der Muezzin ruft. Von oben hat man einen atemberaubenden Blick über die Stadt mit ihren alten Häusern und engen Gassen. Menschen überall.
Unsicher gefühlt habe ich mich nicht, auch wenn man unbewusst nach Anzeichen des Konflikts sucht. Und die gibt es, das durften wir vor allem auf einer Tour durch Jerusalem feststellen: Auch in dieser Stadt gibt es besetzte Gebiete und die Mauer, ganze Stadtteile sind quasi abgeschnitten.
Ein Rundgang durch die Innenstadt gleicht aber auch einem Spaziergang durch die Zeit: vorbei an uralten Kirchen, durch den traditionellen Souk mit Gewürzen und Schmuck bis hin zur Klagemauer bei Nacht. Bis man diesen Schmelztiegel nicht selbst erlebt hat, kann man kaum glauben, wie hier so vieles nebeneinander funktioniert, während Alltag und Konflikt nahtlos ineinander übergehen.

Jerusalem (Foto: Katrin Karschat)
Jerusalem (Foto: Katrin Karschat)

Bethlehem
Am Tag darauf haben wir uns dann auf den Weg zu unserem eigentlichen Ziel Bethlehem gemacht. Während der Vorbereitung auf diese Reise wurde vor allem an dieser Stadt deutlich, wie verworren der Konflikt eigentlich ist und welche Fehlinformationen es gibt. Mir war ehrlich gesagt vor dem Beginn der Vorbereitungen nicht klar, dass Bethlehem zu den Palästinensischen Autonomiegebieten gehört und auch in vielen Reisebeschreibungen ist lediglich von Israel die Rede. Hier gibt es noch viel Nachholbedarf an Information!
Während der Busfahrt kam irgendwann Anspannung auf – schließlich mussten wir nun zum ersten Mal durch die bekannten Checkpoints, die jeder passieren muss, der das Westjordanland betreten möchte. Unserem Bus mit einer offensichtlich europäischen Reisegruppe hat man aber wenig Beachtung geschenkt. Beeindruckend war zu sehen, wie nah die beiden Welten Israel und Palästina aneinander liegen: Zwar sieht man auf der Karte, dass sich Jerusalem und Bethlehem direkt nebeneinander befinden; das nur wenige hundert Meter zwischen den Städten sind, begreift man erst vor Ort. Ein bedrückendes Gefühl, dass Jerusalem für die Menschen auf der palästinensischen Seite so nah und doch unerreichbar ist.

Bethlehem Stadt (Foto: Katrin Karschat)
Bethlehem  (Foto: Katrin Karschat)

Bethlehem ist im Vergleich zu Jerusalem viel offener gebaut, mit vielen hellen Häusern und es wirkt irgendwie gemütlich – trotz des lebhaften Markts und dem abenteuerlichen Straßenverkehr. Spannend war es, plötzlich an Orten zu stehen, die man sonst nur aus Geschichten kennt. Irgendwie verbindet man Bethlehem dann doch immer mit der Weihnachtsgeschichte – da sind Temperaturen von über 30 Grad und Trockenheit etwas befremdlich.

Mauer in Bethlehem (Foto: Katrin Karschat)
Mauer in Bethlehem (Foto: Katrin Karschat)

Während unserer Tour durch die Stadt kamen wir immer wieder an der Mauer vorbei, die Bethlehem von Israel trennt. Die Mauer ist von Graffitis bedeckt, die oft von bekannten Künstlern wie Banksy geschaffen wurden. Einen kurzen Moment hat man das Gefühl, in Berlin an der East Side Gallery zu stehen – allerdings ist die Mauer hier noch weit davon entfernt, ein Monument zu sein.

Übernachtung bei den Beduinen
Ein unvergessliches Erlebnis war die Übernachtung bei den Beduinen – eine von mehreren Bevölkerungsgruppen, die durch die schwierige Situation vor Ort massiv eingeschränkt wird. Waren sie einst Nomaden, so sind sie jetzt gezwungen an einem Ort zu bleiben – verlassen sie ihren Aufenthaltsort, können sie wahrscheinlich nie wieder dorthin zurückkehren. So lebt das ehemals wandernde Volk nun in einem mehr oder weniger befestigten Camp und versucht touristische Touren aufzubauen.

(Foto: Katrin Karschat)
(Foto: Katrin Karschat)

Wieder einmal durften wir die enorme Gastfreundschaft in diesem Land erleben – während der zwei Tage bei den Beduinen, sind unsere Guides nicht von unserer Seite gewichen und haben uns wirklich exzellent versorgt. Los ging es mit einer traditionellen Kaffeezeremonie, abends dann „Essen aus dem Boden“ – hierbei werden Fleisch und Gemüse traditionell in einem Erdofen gegart. Morgens gab es dann frisches, ganz dünnes Fladenbrot und Ziegenmilch. Aber nicht nur das Essen war eine Erfahrung, auch die Nachtwanderung und die Übernachtung im Zelt bzw. unter freiem Himmel waren ein Erlebnis. Allerdings ist auch hier der Konflikt spürbar, wenn Settler nachts mit lautem Getöse am Camp vorbeifahren.

Am nächsten Tag stand vor der Rückreise eine Wanderung auf dem Programm. Da unsere Guides wohl sehr von unserem Fitnesslevel überzeugt waren, durften wir uns für „eine bisschen längere und schwierigere Wanderung durch das Wadi“ entscheiden. „Ein bisschen schwieriger“ hat sich dann allerdings als ungesicherter Wanderweg entlang von Abgründen und mehreren Klettersteigen herausgestellt – bei über 30 Grad Hitze. Stolz können wir berichten, dass wir es tatsächlich alle unversehrt geschafft haben – und so bleibt diese Wanderung als großes Abenteuer im Gedächtnis.

(Foto: Katrin Karschat)
Wanderung durch ein Wadi (Foto: Katrin Karschat)

Austausch mit Studierenden
Im Rahmen unseres Austauschprogrammes  trafen wir auch palästinensische Studierende in ihrer Universität. Gemeinsame Workshops und ein Rundgang durch die moderne und schön gestaltete Universität standen auf dem Programm. Wir durften auch einige Familien der Studierenden persönlich kennen lernen und deren Gastfreundschaft und Herzlichkeit genießen. Bei allen Unterschieden ist es immer wieder beeindruckend und schön zu erleben, dass man sich doch so ähnlich ist und wir haben die Zeit miteinander sehr genossen.

Außerdem war diese Reise eine einmalige Gelegenheit, mit Gleichaltrigen über kulturelle Unterschiede und die Situation in Israel und Palästina zu sprechen. Spannende Geschichten; auch wenn ich doch das eine oder andere Mal schlucken musste. Auch wenn in dieser Region auch Alltag herrscht und wir zum Glück in einer friedlichen Zeit da waren – an niemandem ziehen die Konsequenzen der Ereignisse der letzten Jahrzehnte spurlos vorbei. Als behütete Europäerin kann ich mir nur schwer vorstellen, wie das Leben dort aussieht und welche teils grausame Geschehnisse dort Teil der Lebensgeschichten sind: Tragödien in der Familie, Verwandte, die man seit Jahren nicht gesehen hat und wirtschaftliche Einschränkungen, um nur ein paar zu nennen.

Alles in allem wird mir diese Reise durch eine Region mit einer interessanten Landschaft, tollen lokalen Küche und spannenden Geschichte noch lange in Erinnerung bleiben und auch mit Sicherheit nicht die letzte dorthin sein. Was ich neben tollen Eindrücken vor allem gelernt habe, ist meine eigenen Überzeugungen immer wieder zu hinterfragen. Es ist fast unmöglich, vor allem als Außenstehende, den Konflikt in dieser Region zu verstehen oder gar abschließend zu bewerten. Fest steht nur, dass es nach dieser Reise nicht mehr DIE Israelis oder DIE Palästinenser für mich gibt.

*Die Ansichten in diesem Artikel spiegeln die Meinung der Autorin und nicht zwingend die Meinung der Reisegruppe wider.

Autorin: Katrin Karschat.
Katrin Karschat ist zurzeit damit beschäftigt, letzte Hand an ihren Masterabschluss für „Nachhaltiges Tourismusmanagement“ an der HNE Eberswalde anzulegen. Neben einem ersten Einblick in die Themen Tourismus und Nachhaltigkeit waren vor allem Exkursionen wie die nach Palästina Höhepunkte des Studiums. Wenn sie nicht gerade an der Hochschule oder auf Exkursion ist, dann trifft man sie auch privat auf Reisen – schließlich muss die gelernte Theorie in die Praxis umgesetzt werden.

 

Vom Widerspüchlichen, auf Reisen „authentisches Erleben“ zu suchen – eine selbstkritische Betrachtung

…der schmale Grat zwischen „authentischem Erleben“, Massentourismus-Kitsch und andererseits eher ödem, banalem Alltagsleben ist auch für mich „Tourismusprofi“ oft trickreich und herausfordernd! Dieser Blogeintrag soll ev. nachdenklich stimmen, aber bitte NICHT destruktiv „rüberkommen“: Unsere Welt IST WUNDERSCHÖN!
 (Aber unsere Erwartungen sind komplex und manchmal schwierig zu erfüllen …)

Ich bin ja selbst oft als „Produktentwickler“ und „Reisetester“ für meine eigene Firma in der ganzen Welt unterwegs. Dabei halte ich natürlich ständig Ausschau nach „authentischen Dingen“, nach liebevoll geführten Unterkünften & Restaurants, nach besonderen Menschen und Möglichkeiten zu persönlichen Begegnungen mit der Kultur eines Landes. Ich habe da so eine Art „inneres Radar“ entwickelt, das mich vor „Massentourismus“ warnt und unbewusst immer auf der Suche nach „Besonderheiten“ ist. Auf meiner Reise durch Sri Lanka zum Jahreswechsel 2014/15 wurde mir aber sehr bewusst, auf welch schmalen Grat sich die von uns angebotenen Reisen bewegen und wie fragil unserer Wunsch-Rahmenbedingungen heutzutage auf der Welt sind!

Eine unleugbare Tatsache ist, dass der Alltag eines Großteils der Bevölkerung sich immer ähnlicher wird. Es gleichen sich weltweit viele mittlere Großstädte mit Büros und anonymen Wohnsiedlungen in den Vororten. Die Neubau-Geschäftsstraßen in vielen mittleren Städten Asiens, Afrikas und Südamerikas, geprägt von Garagenmetalltoren-Shops und deren Schildern, sind ebenfalls sehr austauschbar. Beim Reisen ist man eindeutig NICHT auf der Suche nach dieser oben beschriebenen Eintönigkeit, nach diesem „wirklichen“ Leben. Man sucht die „Highlights“, das echte Erleben mit „Einheimischen“. Dieses „echte Leben“ soll aber möglichst nicht schmutzig, vermüllt oder gar geruchsintensiv sein, sondern soll sich möglichst harmonisch und sauber präsentieren und unserer Vorstellung von „natürlich“ entsprechen. Unser verklärtes, westliches Bild vom romantischen, glücklichen „Wilden“ spielt da eine große Rolle, sage ich nun etwas überkritisch …

Als ich heuer zu Jahresanfang in Sri Lanka durch die vielen echten Fischerdörfer entlang der “Traumstrände” nördlich von Negombo spazierte und all die Berge von Plastikmüll, den Gestank der schwelenden Müllfeuer und die sehr ärmlichen Lebensumstände erlebte, merkte ich: „Das ist nicht das Bild, das ich selbst als Tourist von diesem Land suche und mit nach Hause nehmen möchte!“ Bei Reisen in westliche Länder interessiert mich auf meiner Urlaubsreise ja auch eher weniger der “authentische Alltag” der Bevölkerung zwischen Büro, Stau im Berufsverkehr und endlosen Vorstadtsiedlungen!

In Sri Lanka besteht andererseits ein sehr professionell gemachter Tourismus: In den letzten Jahren sind sehr viele so genannte “Boutique-Hotels” inkl. Ayurveda-Behandlungen rund um die Insel aus dem Boden geschossen. Diese umfassen oftmals weit über 100 Zimmer, bieten üppige Abendbuffets und den allabendlichen Auftritt der hauseigenen Hotelband! Finanziert werden/wurden diese Anlagen von Investoren, nicht selten auch aus Singapur oder aus dem Westen. Auch solche Unterkünfte habe ich auf meiner Erkundigungsreise in Sri Lanka kennen gelernt: Für mich als nachhaltigen Reiseveranstalter ist so ein Aufenthalt aber eher ein “Albtraum” als mein “Urlaubstraum”, denn diese Anlagen sehen auf Bali, in Thailand und anderswo völlig gleich aus und sind austauschbar. Ja, und wir bei Weltweitwandern bewegen uns also sehr bewusst und behutsam genau in dem Bereich zwischen diesen “Hotelburgen” des Massentourismus (die ja optisch wunderschön sind und gar nicht mehr nach Burgen aussehen) und dem “zu banalen” oder “zu verschmutzten” Alltag.

Dieses Suchen nach dem “Besonderen” funktioniert auch sehr gut, und wir finden da immer wieder tolle Sachen für unsere Gäste. Unvergessen bleiben uns:
die eine Nacht in einer offenen Wildhüterhütte mitten im Yala-Nationalpark umgeben von den Geräuschen des Urwaldes, die kleine Hotelanlage mit nur 10 Zimmern inmitten von Palmen an einem einsamen Strand im Norden von Sri Lanka.

Foto: Christian Hlade
Foto: Christian Hlade

Unvergesslich auch „unser“ kleines, persönliches Hotel direkt am einsamen Traumstrand im Norden von Sri Lanka, das Bauernhof-Quartier einer inzwischen mit uns befreundeten Familie, das würdevolle, alte Kolonialhotel aus der Zeit der Engländer inmitten der alten Stadt Dandy. Aber auch (das sind die getesteten Unterkünfte, die wir NICHT ins Reiseprogramm aufnehmen werden): Das Boutique-Hotel mit der lauten Band, dem riesigen und lauten Abendbuffet und der doch wunderbaren Lage direkt am Strand, mit dem allabendlichem „Discowummern“ aus 10 verschiedenen Strandbars … Die Nacht in einem reizfreien Privatquartier mit ob des Regenwetters völlig überforderten Gastfamilie …

Mein persönliches Fazit: Es ist gar nicht so einfach, eine optimale Reise zu gestalten. Das ist mir in Sri Lanka sehr, sehr bewusst geworden! Es geht, bedarf aber großer Achtsamkeit, denn der Grat zwischen zu „massentouristisch“ und zu „banal“ ist oft wirklich schmal. Manchmal bewegen wir uns da zugegebenermaßen durchaus in leichten Randbereichen, wir wollen/können ja auch nicht völlig realitätsfern reisen: Ein schönes Boutiquehotel kann eine gute Lösung sein, um am Ende der Reise einige Tage auszuspannen. Ein Besuch bei den Fischern ist spannend, auch wenn es dort viel Plastikmüll zu sehen gibt. All das ist ja auch das „wirkliche“ Leben!

Foto: Christian Hlade
Foto: Christian Hlade

Dazwischen suchen und finden wir aber allerorts zum Glück noch viel schöne, saubere Natur und alte Geschichte und schöne Begegnungen. Gerade unser Natur- und Wanderschwerpunkt erleichtert das ja und so führen wir Gäste immer zu ausgesucht schönen Plätzen. Auf Elefantensafari in der Nähe von Sigirya in Sri Lanka. Ein Kompromiss: In der Hochsaison recht touristisch, aber sehr eindrucksvoll!

… all das Andere gibt´s aber auch und das ist eben auch die Realität auf unserer Welt! … sagt ein ob der Erkundigungsreise auf Sri-Lanka doch nachdenklich gestimmter Christian Hlade.

Über den Blogger: Christian Hlade über sich selbst: Mein Lebensmotto ist: Ich will nie einen „Job“ machen und ich will nie „in Pension gehen“. Ich will jene Dinge tun, die mir und anderen Menschen Freude bereiten und dadurch meinen Lebensunterhalt ermöglichen. Mit „Weltweitandern“ ist mir das bislang recht gut gelungen.

PLATZ 5 UNSERES BLOGGER/INNEN-WETTBEWERBS 2015 „FAIReisen & die Welt entdecken“.
Die Jury-Wertung: 

Dieser Artikel ist aus Sicht eines Reiseveranstalters geschrieben, dennoch beschäftigen diese Fragen sicherlich auch viele IndividualtouristInnen. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Reisen.

Die Jury: 
Annemarie Herzog / Chefredakteurin Magazin LEBENSART; Linda Nepicks/ Reiseleiterin & Reisefachfrau Odyssee Reisen; Katrin Karschat, Cornelia Kühhas, Andrea Lichtenecker / Naturfreunde Internationale – respect

Klo-Abenteuer in Asien! Wie machen die Asiaten das mit ihren Hintern?

„Entschuldigen Sie die intime Frage: Wie machen Sie das mit Ihrem Hintern?“ Wie oft habe ich diese Frage in den vergangenen 3 Wochen nun schon insgeheim in meinem Kopf formuliert. Mindestens 50 mal seit dem Moment, als ich begriffen habe, dass die in Thailand und Nachbarländern neben jedem Toilettensitz angebrachte Wasserstrahlpistole keine innovative Alternative zur Klobürste ist, sondern eine traditionelle Alternative zu Klopapier. Natürlich wirft das Fragen auf. Aber keine Sorge. Die Etikette hat mich vor interkulturellen Peinlichkeiten bewahrt. Ich habe die Frage nicht laut ausgesprochen … Zumindest nicht bis gestern. Die Gunst der Stunde war gekommen. Statt in einem der uns beherbergenden „Guesthouses“ einem der freundlichen Thai mit einer ungewöhnlichen Frage ein eingefrorenes Lächeln zu verschaffen, hatte ich nun die Gelegenheit, eine asienerfahrene Wiener Freundin ins Verhör zu nehmen. Sie hatte uns auf unserer flugzeugfreien Weltreise in Thailand abgepasst und stand am Morgen nach dem Wiedersehen mit einer Packung Klopapier vor unserem Zimmer.

„Guten Moooorgen!“ Hatte Sie etwa gerade die Diskussion mit meinem Partner mitgehört, wer nun eine neue Rolle Klopapier von der Rezeption holen gehen sollte?! Peinlich genug. Nun drückte sie mir auch noch mit einem allwissenden Lächeln ihre brandneue Packung in die Hand: „Hier! Die kannst du haben. Ich brauch sie nicht.“ Kurze Pause. Dann meine erstaunte Frage: „Wie? Du brauchst sie nicht?“ „Ich benutze die Thai-Version – ist viel hygienischer … und … (Pause … in der sie mich herausfordernd von oben bis unten mustert) … viel ökologischer!“

Thai-Klo (Foto: Valentina Aversano-Dearborn)
Thai-Klo (Foto: Valentina Aversano-Dearborn)

Touché! Mir fehlen die Worte. Und mir fehlt noch etwas: Die Sozialisierung in dieser Kunst des Hintern-Reinigens. Oder der Mut etwas (für mich) Neues auszuprobieren. Dabei würde es einem die Thai-Technik der Wasserstrahl-Pistolen-Reinigung (siehe Foto) sogar relativ leicht machen. Man müsste – wie mir meine Freundin versichert – nicht einmal „handgreiflich“ werden (wie das in anderen klopapierfreien Ländern der Fall ist). Entschuldigen Sie die direkten Worte. Aber lassen Sie uns mal die Dinge beim Namen nennen. Fakt ist – und da hat meine werte Freundin wohl recht – Wie ökologisch ist es, wenn man sich mit Bäumen den Allerwertesten abwischt?

In Wien hatte ich die Qual der Wahl zwischen „Toilettenpapier aus frischem Zellstoff“ (ein Euphemismus für: Wir haben den Baum extra für ihren Hintern gefällt), Hygienepapier aus nachhaltiger Waldwirtschaft (der Baum wird immer noch für unseren Hintern gefällt, aber er wird immerhin nachgepflanzt), und „Recycling Toilettenpapier“ (der Baum wurde nicht für unseren Hintern gefällt, sondern für Schreibpapier und Co, das im nächsten Schritt zu Hinternpapier downgecycelt wird) zu wählen. Wobei … das Verhältnis zwischen Zellstoff-papier und Recycling-Papier (großzügig geschätzt 1 von 10 Optionen) darauf hindeutet, dass der extra gefällte Baum im freien Markt noch immer die kulturelle Präferenz ist. Und auch die supermarkt-technische Klopapier-Auswahl im unwissenschaftlichen Durchschnitt von 23 bisher besuchten Ländern, lässt nicht gerade eine rosigere Zukunft für die Wälder der Welt vermuten. Eine – im wahrsten Sinne des Wortes – scheiß Situation? Vielleicht kann ja Thailand zu dieser Diskussion etwas beitragen?

Wahnsinnsentdeckung! (Foto: Valentina Aversano-Dearborn)
Wahnsinnsentdeckung! (Foto: Valentina Aversano-Dearborn)

Nein! Dieses kleine Königreich im Herzen Süd-Ost Asiens, kann diese Diskussion eigentlich mit ruhigem Gewissen (!) überspringen (!). Durch ihre bewährte, traditionelle Wasserstrahl-Pistolen-Technik erspart das kleine Land der Welt jährlich unzählige gefällte Bäume. Das fällt nicht ins Gewicht meinen Sie? Schwer getäuscht. Ich hab da mal rumgerechnet*: Hätte das ganze Land, so viel Frischfaserklopapier** verbraucht wie ich allein in den vergangenen 3 Wochen hier, so hätten in der kurzen Zeit mehr als 400 Millionen Rollen ein – verzeihen Sie mir – beschissenes Ende genommen. Das entspricht in etwa 562,297 von Thai unwissentlich geretteten Tropenholzbäumen jedes Jahr! Oder in Fichtenbäumen sogar ganze 1,3 Millionen Bäume! 1,3 Millionen Bäume, die die Menschheit sicherlich für sinnvollere Dinge verwenden könnte, als unsere Hintern.
UND weil die Wasserstrahlpistolen-Reinigung nicht nur hilft Wälder zu schützen, sondern auch Wasser und Energie zu sparen***, haben wir nun noch einen Grund mehr zu hoffen, dass wir schneller sind im Kopieren Asiens, als die Asiaten im Kopieren des Westens!

*Quellen:
https://www.abenteuer-regenwald.de/bedrohungen/papier
http://www.regenwald-schuetzen.org/fileadmin/user_upload/PDF/Arbeitsblaetter/Papier/7.4_LI_wievielinbaeumen_mai_2013.pdf

** Davon ausgegangen, dass das in den Herbergen bereitgestellte Toilettenpapier aus Frischholzfasern war.
*** für ein handelsübliches Päckchen Kopierpapier (500 Blatt DIN A4, 2,3 kg) werden z.B. 7,5 Kilogramm Holz, 130 Liter Wasser und 26,8 Kilowattstunden Energie benötigt.

Über die Bloggerin: Valentina Aversano-Dearborn ist freie Journalistin, Nachhaltigkeitswissenschaftlerin, Leiterin der Jugendumweltbildungs-NGO „Forum für nachhaltige Visionen in Aktion“ (www.forum-via.org) und leidenschaftliche Weltenbürgerin. Auf ihren Streifzügen durch die Welt trifft sie regelmäßig auf unterschiedliche Fragen der Nachhaltigkeit und hält diese als Bloggerin fest. Auch dieser Beitrag ist in leicht abgewandelter Form in ihrem LEBENSART Blog: „Unterwegs in der Welt“ erschienen.

DIESER ARTIKEL IST EINER DER BEIDEN SIEGER-BEITRÄGE UNSERES BLOGGER/INNEN-WETTBEWERBS 2015 „FAIReisen & die Welt entdecken“.
Die Jury-Wertung:
Witzig geschrieben, bildhafte und farbenprächtige Sprache. Es wird ein Tabuthema angesprochen – viele Asien-Reisende haben sich sicherlich genau diese Frage schon mal gestellt … Im Beitrag werden wichtige Aspekte eines fairen Tourismus berücksichtigt: Nachhaltigkeit, Verständnis anderer Kulturen, respektvolles Reisen – und das alles ohne erhobenen Zeigefinger. Der Artikel wirft aber auch einen kritischen Blick auf unsere Kultur.

Die Jury:
Annemarie Herzog / Chefredakteurin Magazin LEBENSART; Linda Nepicks/ Reiseleiterin & Reisefachfrau Odyssee Reisen; Katrin Karschat, Cornelia Kühhas, Andrea Lichtenecker / Naturfreunde Internationale – respect

Mexiko und Belize – von Mayas, Tortillas und Jaguaren

Um acht Uhr in der Früh ging es los. Die Freude auf ein neues Land, spannende Leute und ein gänzlich anderes Klima stellte sich bereits am Münchner Flughafen ein. Der Flug sollte von München über Toronto nach Cancún gehen. Mit etwas Verspätung ging es dann los. Zum Glück war in Toronto etwas Zeit zwischen Ankunft und Weiterflug nach Cancún, um meine FreundInnen in Mexiko anzurufen. Doch die schlechte Telefonverbindung zwischen Kanada und Mexiko wollte mir kein Gespräch nach Cancún erlauben. Das war nicht so schlimm, kannte ich doch den Weg vom Flughafen mit dem Taxi oder dem Sammeltaxi “collectivo” nach Playa del Carmen, da ich während des Studiums sechs Monate in Mexiko als Praktikantin gearbeitet hatte. Obwohl der Taxifahrer die Straße in Playa del Carmen nicht kannte, fanden wir schlussendlich doch noch zu meinen Freunden und an unser erstes Ziel.

Playa del Carmen an der so genannten Riviera Maya, der Karibikküste Mexikos auf der Halbinsel Yucatán, ist ein sehr touristischer Ort. Die langen Strände, das azurblaue Wasser und die gute Anbindung in die Vereinigten Staaten ziehen vor allem viele TouristInnen aus Nordamerika an. Nach der ersten Tour in Playa del Carmen, gemütlichem Zusammensitzen mit meinen FreundInnen und den ersten richtigen mexikanischen Tacos, zogen wir ca. 40 Kilometer weiter nach Tulum. Direkt an der Küste gelegen, beherbergt Tulum eine der berühmten Maya-Stätten Yucatáns. Früher als Hippie-Metropole bekannt, hat es seinen alternativen Charme trotz der vielen TouristInnen noch nicht ganz verloren. Besonders entlang des Strandes beim Naturpark Shian Kaan haben sich zahlreiche kleinere Strandunterkünfte, so genannte Cabanas, angesiedelt.

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© Cathrine Schwenoha

Obwohl man doch bis zu 1,5 Stunden Fußmarsch (eine Richtung) oder für die Fahrt 150 Pesos (umgerechnet 8,40 Euro) hin und retour zum Strand nahe des Naturparks in Kauf nehmen muss, sind der Spaziergang und das eine oder andere erfrischende Getränk in den Cabanas und den Strandlokalen, wie der Posada Margerita, den Preis auf alle Fälle wert. Auf Yucatán besuchten wir auch eine der „Cenoten“ (cenotes) – Süßwasserquellen, welche bereits von den Mayas genutzt wurden. Es wird spekuliert, ob der Niedergang der Mayakultur mit ihrer Tradition, den Göttern Menschenopfer in den Cenoten zu machen und der damit einhergehenden Verseuchung des Wassers zusammenhängt. Heute sind diese Quellen eine beliebte Attraktion vor allem für TaucherInnen und WasserfreundInnen. Unterwasserfans kann unter anderem die Cenote Dos Ojos empfohlen werden, welche durch ihre Lichtgänge nach außen wunderschöne Lichteinfälle in das azurblaue Wasser der Quellen bietet.

Nach fünf Tagen Besichtigung der Umgebung von Playa del Carmen, vielen Gesprächen mit FreundInnen und einigen Jelas (span. ugs. für Bier), Tortas (runde Fladen mit Fleisch/Fisch, Salsa, Käse), Tostadas (harte Fladen mit Fleisch/Fisch, Salsa, Käse) und Tacos (weiche, gerollte Fladen mit Fleisch/Fisch, Salsa, Käste), ging die Reise per Bus weiter zum Grenzort Chetumal. Dort ging es per Taxi zum Dock, wo wir die Tickets für die Überfahrt nach San Pedro auf Ambergris Caye in Belize erstanden – und unser Gepäck von Drogenhunden untersucht wurde.

Zwei Stunden nach Abfahrt erreichten wir Belize. In San Pedro zeigte sich der Einfluss der TouristInnen aus den Vereinigten Staaten auf das touristische Angebot. Das Angebot der meisten Restaurants reichte von Hamburgers, über „surf n’ turf“ (Rindssteak mit Hummer) bis hin zu „sodas“ (Softdrinks) aller Art und frozen cocktails (Cocktails mit Crashed Ice vermischt zu Smoothies). Also einstweilen nichts mit lokaler Küche. Die Einheimischen waren sehr freundlich und hilfsbereit, was unsere Stimmung wieder aufhellte. Am ersten Morgen machte ich mich auf die Suche nach regional-typischem Frühstück und fand nach einigem Herumfragen einen kleinen Taco-Stand, an dem man Kaffee und frisch zubereitete Tacos erhielt.San Pedro ist durch eine Brücke in den touristischen und den nicht-touristischen Teil der Insel getrennt. Auf der einen Seite lebt die lokale Bevölkerung und auf der anderen wird den TouristInnen alles geboten, was sie sich nur wünschen. Im Gespräch mit Einheimischen wurde uns versichert, dass es auf Caye Caulker, unserem nächsten Ziel, viel „relaxter“ zuging – das ließ uns hoffen …

Nach einer Stunde Überfahrt mit dem Wassertaxi kamen wir nach Caye Caulker. Die Insel zeichnet aus, dass man sich nur mit Golf-Cars, Fahrrad oder zu Fuß auf der Insel fortbewegen kann. Die Stimmung auf Caye Caulker war wirklich etwas entspannter, aber auch hier zeichnete sich die Anpassung an den Tourismus stark ab. Obwohl die Einheimischen einem gerne Auskunft erteilten, waren die Gespräche doch etwas einseitig und von ihrer Seite sehr auf Fakten beschränkt. Uns wurde das Gefühl vermittelt, nur Touristinnen unter vielen zu sein, wir konnten kaum direkten Zugang zur lokalen Bevölkerung knüpfen.

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© Cathrine Schwenoha

Ähnlich wie auf Ambergris Caye war auch auf Caye Caulker die Küche auf amerikanische Bedürfnisse angepasst. Man konnte aber auch mit einem lokalen Fischer angeln gehen – danach wurde der selbst gefangene Fisch auf traditionelle Weise gebraten und mit Reis serviert. Die lokale Spezialität ist jedoch Hühnchen, das mit Reis und Bohnen serviert wird.

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© Cathrine Schwenoha

Nach weiteren zwei Tagen auf Caye Caulker ging es weiter nach Belize City, um von dort aus auf das drei Stunden entfernte Lighthouse Atoll zu fahren. Auf Lighthouse hatten wir eine Unterkunft bei einer vermeintlich einheimischen Dame inmitten des Dschungels gebucht. Wie sich herausstellte, war unsere Gastgeberin Amerikanerin, lebte jedoch schon seit vielen Jahren in Belize. Sie und ihre belizische Freundin versorgten uns – und gaben die einen oder anderen Geschichten beim gemeinsamen Abendessen zum Besten. Die Insel konnte innerhalb von eineinhalb Stunden gemütlich zu Fuß erkundet werden. Neben unserer Unterkunft gab es noch ein verlassen wirkenes Wellnesshotel und eine Tauchschule auf der Insel. Wir verbrachten die Nachmittag mit Wanderungen durch den Dschungel oder am Strand.

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© Cathrine Schwenoha

Für TauchfreundInnen wurden zahlreiche Exkursionen zu den naheliegenden Riffen und dem berühmten Blue Hole, einem mehrere hundert Meter tiefen Krater inmitten des Riffs, angeboten. Hier draußen war die Unterwasserwelt, trotz der zahlreichen TaucherInnen, noch unberührt. Am Peer genossen wir die einsamen Sonnenuntergänge. Wir besuchten auch das Half Moon Reservoire, ein Naturschutzgebiet, das für seine „red footed boobies“ (Rotfußtölpel) bekannt war. Da wir bereits früh mit den TaucherInnen losfuhren, konnten wir die Insel während der ersten Stunden ohne auf weitere TouristInnen zu treffen erkunden. Gegen Mittag wurden die ersten TouristInnengruppen auf die Insel gebracht und wir waren froh, am Nachmittag wieder vom Tauchboot abgeholt zu werden. Dennoch ist die Insel wunderschön und man hat den Eindruck, dass die Umwelt hier intakt ist. Vögel und Leguane lassen sich durch die BesucherInnen kaum beeindrucken.

Zurück auf Lighthouse fiel nach vier Tagen Inselleben die Rückkehr auf das Festland schwer. Sehr herzlich wurden wir von unserer Gastgeberin und ihrer Freundin verabschiedet. Nach  dreistündiger Fahrt nach Belize City ging es aufs Neue per Boot weiter Richtung Gales Point Manatee. Die Überfahrt dauerte erneut drei Stunden, war jedoch aufgrund der Geschichten unseres Guides recht kurzweilig. In den Mangrovensümpfen gab es zahlreiche
Fische, welche per Catch-and-Release-System gefangen und wieder frei gelassen wurden. Auch konnten wir dort neben vielen Wasservögeln zum ersten Mal ein Krokodil in freier Wildbahn sehen.

Gales Point Manatee wird im „Lonely Planet“ nicht umsonst „Geister-Stadt“ genannt. Wir kamen am Pier an. Außer dem Hotelbesitzer, der Köchin und zahlreichen Hundewelpen lief uns den restlichen Nachmittag sonst niemand über den Weg. Wir spazierten die einzige Straße entlang und entdecken viele verlassene Häuser. Ein paar EinwohnerInnen hatte Gales Point Manatee doch –  wenn es jedoch um die 30 waren, waren es viele. Ein wenig gespenstisch war der Ort. Dieser Eindruck wurde noch verstärkt, als  wir ein Pferd entdeckten, das auf der Terrasse eines verlassenen Hauses stand und das niemandem zu gehören schien. Dennoch genossen wir die Ruhe. Am nächsten Tag machten wir uns auf die Suche nach den namensgebenden Manatees (Seekühe). Leider wollten sie auch nach zwei Stunden intensivem Auf-das-Wasser-Schauen nicht auftauchen. Am nächsten Morgen ging es nach Hopkins.

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© Cathrine Schwenoha

Hopkins ist ein bekanntes Garifuna-Dorf, rund 50 Kilometer von Gales Point Manatee entfernt. Auch hier erlebten wir ein Dorf, das auch vom Tourismus lebt, allerdings nicht so stark davon geprägt ist. Was uns hier noch stärker als in den anderen Dörfern auffiel war, dass die Leute sehr zurückhaltend den TouristInnen gegenüber waren. Unsere Unterkunft war ein Apartment, das von einer vermeintlich lokalen Dame geführt wurde. Wiederum stellte sich heraus, dass die Dame ursprünglich aus dem Ausland stammte, und zwar aus England. Sie und ihr Mann hatten sich vor vielen Jahren hier die Apartments gekauft und vermieten diese nun an TouristInnen. Von Hopkins aus erkundeten wir die folgenden Tage den Hummingbird Highway, das Cockscomb Jaguar Reserve und Punta Gorda. Die Verkehrsmittel in Hopkins waren entweder öffentliche Busse oder Leih-Motorräder. Entlang des Hummingbird Highways gab es viele Zitrusfruchtplantagen, welche für die Region ein gutes Einkommen darzustellen schienen. Aus dieser Region stammt übrigens die landestypische Salsa „Sauce Marie Sharp’s“, welche uns bereits von Anfang an vor allem beim landestypischen Hühnchen mit Reis und Bohnen begleitete. Am nächsten Tag machten wir uns bereits früh auf zum Cockscomb-Reserve, das für seine noch ansehnliche Population an wild lebenden Jaguaren berühmt ist. Besonders beindruckend war die Geräuschkulisse früh morgens. Besonders die howler monkeys (Brüllaffen) machten ihrem Namen alle Ehre. Auch wenn wir keinen Jaguar zu Gesicht bekamen, konnten wir riesige Schmetterlinge, verschiedene Schildkrötenarten und Wasservögel und bei der Ausfahrt aus dem Park sogar eine Herde Wildschweine bewundern.

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© Cathrine Schwenoha

Im Maya-Dorf direkt neben dem Parkeingang hat sich eine Gruppe von Frauen zusammengefunden, die ihre Handwerksprodukte – wie Schmuck, Kleider und Schnitzereien – selbstständig vermarkten.
Sie haben ein kleines Geschäft aufgebaut. Besonders ist, dass auf allen Preisschildern die Namen der Produzentinnen vermerkt sind. Auf der Rechnung ist dann auch aufgelistet ist, wer welchen Betrag erhalten wird. Wir freuten uns, zu wissen, welche der Damen unsere Souvenirs gefertigt hatte. Beim Bezahlen standen sie nämlich alle an der Kassa, um ihren Anteil abzuholen.

Auf dem Weg von Cockscomb nach Hopkins fuhren wir den Sittee-River entlang. Dort gibt es ein kleines Kaffeehaus, das Café Curve. Von hier aus konnten wir unser zweites Krokodil in diesem Urlaub beobachten, wie es in aller Ruhe den Fluss überquerte. Schön langsam näherten wir uns unserer letzten Destination in Belize. Wir hatten einen Ausflug nach Punta Gorda geplant, einem Ort, der direkt an der Grenze zu Guatemala liegt. Es schien, als wären wir hier wieder mit einigen wenigen die einzigen TouristInnen. Leider machten wir aber auch die Erfahrung, dass die lokale Bevölkerung die TouristInnen nicht sehr zu schätzen schien – sie war sehr distanziert. Je tiefer wir in den Süden des Landes vordrangen, desto weniger TouristInnen trafen wir und desto ursprünglicher waren auch die Orte. So verbrachten wir noch eineinhalb abschließende Tage in Punta Gorda und besuchten unter anderem die lokale Schokoladenfabrik – Cotton Tree Chocolate. Von dort aus mussten wir wieder die Heimreise antreten.

Die Reise entlang der mexikanischen und belizischen Küste war sehr eindrucksvoll. Neben den Naturschönheiten wurde uns auch vor Augen geführt, welchen Einfluss der Tourismus auf Land und Leute hat: von der starken Abhängigkeit vom Tourismus, der dennoch offenen Mentalität der Menschen in Mexiko, über die Anpassung speziell an den Nordamerikanischen Markt in Belize, die mit Zurückhaltung seitens der Einheimischen einherging, bis hin zum Süden Belizes, wo wenige TouristInnen unterwegs waren, wo jedoch der Tourismus von den Einheimischen scheinbar zwar als Einnahmequelle, allerdings nicht als Möglichkeit zum Austausch mit TouristInnen gesehen wurde. Da stellen sich die Fragen: Schützt Abgelegenheit vor Tourismus und seinen negativen Einflüssen? Oder funktioniert authentischer Tourismus ohne Ambitionen der lokalen Bevölkerung? Natürlich brachten die drei Wochen nur einen kleinen Einblick. Es sei jedem und jeder empfohlen, der /die Mexiko und Belize kennen lernen möchte, sich mehr Zeit zu nehmen, als wir es tun konnten. Die Küste Mexikos und Belizes, ihre Landschaft und BewohnerInnen sind einen Besuch Wert – und eine einzigartige Erfahrung.

Autorin: Cathrine Schwenoha