Kapverdische Inseln – nachhaltig reisen

Faires Reisen kann die Lebensbedingungen auf den Kapverdischen Inseln verbessern. Wie durch unser Reisekonzept eine nachhaltige Tourismusentwicklung auf den Kapverden ermöglicht werden kann, zeigen wir in diesem Beitrag.

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Mongolei: Besuch bei den Nomaden

Weiß und rund stehen sie wie Tupfer in der mongolischen Landschaft. Die Jurten der Nomaden sind von außen total unscheinbar. Aber von innen gleichen manche von ihnen einem kleinen Sommerpalast.  Eindrücke von einem Besuch bei einer nomadischen Familie am Hovsgol-See.

Foto: Andrea Lammert
Foto: Andrea Lammert

Es riecht nach Butter in diesem Zelt, das von außen so klein aussieht. Ich ziehe meine Schuhe aus und betrete den sauberen PVC-Boden. Eine wahre Farbpracht leuchtet mir entgegen. Stickereien, Decken, Kissen in bunten Neonfarben zieren das Zelt. Von Mai bis September lebt Tuya 27 mit ihrem Mann Tomoroo 29 in dieser Jurte. Ihre beiden Kinder, Tselmuun (1 Jahr) und Nungun Tuya (vier Jahre) verbringen hier die schneefreie Zeit.

Foto: Andrea Lammert
Foto: Andrea Lammert

Nungun Tuya sitzt auf dem Fußboden, isst einen Teller Nudelsuppe, ihre Mutter serviert uns einen Tee mit Yaksahne und Weißbrot mit Yakbutter. Beides ist wirklich köstlich, gar nicht so streng, wie ich mir den Geschmack vorgestellt hatte. Während draußen die Sonne bei 24 Grad scheint, hat die Familie nur ein leichtes Baumwolltuch als Schutzplane über die Stangen der Jurte gespannt. „Im Winter  legen wir zwei Filzdecken drüber. Dann wird es auch bei minus 45 Grad warm hier drinnen“, erzählt Tomoroo und zeigt auf den kleinen Ofen in der Mitte des Zeltes, der Heizung und Herd zugleich ist. Yakdung und Äste geben eine Wärmequelle. „Innerhalb von zehn Minuten ist es dann warm“, sagt Tuya.

Foto: Andres Lammert
Foto: Andres Lammert

Sie steht jeden morgen um sechs auf, kocht der Familie den Tee und kümmert sich dann gemeinsam mit ihrem Mann um die Tiere. 20 Yaks gehören ihnen – sagen sie mit einem geheimnisvollen Zug um die Mundwinkel. Denn die wahre Zahl der Tiere zu nennen, bringt Unglück, deswegen macht man einfach andere Angaben.
Vor vielen Zelten stehen Solarpanele für die Handys und die Fernseher, die Jurten werden schon lange nicht mehr von Yakkarren oder Pferden zum nächsten Ort transportiert, sondern per LKW. Auch hier ist das 21. Jahrhundert längst angekommen. Nomadentum ist wie für Tuya und Tomoroo für viele Familien nur noch Hobby. Zu hart ist der jungen Generation das Leben. Das Trinkwasser kommt nicht aus der Leitung, sondern wird per Kanister vom Hovsgol-See geholt. Jeden Morgen kommen die Einwohner von Hatgal und den umliegenden Siedlungen, um  Wasser aus dem Schwestergewässer des Baikalsees zu schöpfen.
Darin baden würden sie niemals, denn der See ihnen heilig, sie behandeln ihn wie ein Lebewesen, nennen ihn Mutter Meer, singen ihm Lieder und sprühen Wodka, um den Geist des Gewässers zu besänftigen. Immerhin birgt er rund 70 Prozent der Trinkwasserreserven der Mongolei. Ein menschenleeres Gebiet in Norden des Landes, ganz nah an der Grenze zu Sibirien. Doch seitdem eine Straße die Hauptstadt Ulaan Bator mit Hatgal verbindet, lockt der Hovsgol-See zunehmend Touristen. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Besucher von einst 5.000 auf nun 45.000 gesteigert. Was bescheidenen Wohlstand in die nomadisch geprägte Region bringt, führt zwangsweise auch Probleme mit sich – Abwasser können nicht mehr geklärt werden, Müllmassen sammeln sich an, Jurtensiedlungen ohne Abwassermanagement schießen wie Pilze aus dem Boden, in der Hoffnung, mit den Tourismus Wohlstand zu erzielen.

Foto: Andrea Lammert
Foto: Andrea Lammert

„Die Region braucht Hilfe, um vernünftige Systeme aufzubauen“, sagt der deutsche Biologe Dr. Thomas Schäfer. Sein Arbeitgeber, die deutsche Umweltschutzorganisation Global Nature Fund (GNF) aus Radolfzell setzt sich mit Hilfe der EU für den Schutz der Region ein. Ranger werden ausgebildet, Einheimische sensibiliert und unterstützt, nachhaltige Camps mit Kläranlagen zu bauen. Ausstattung wie Fotoapparate und Funkgeräte werden den Rangern des Nationalparks zur Verfügung gestellt und Infomaterial geduckt. „Wir wollen nicht die Fehler machen, die in anderen Regionen mit schnell wachsendem Tourismus gemacht wurden. Das Ökosystem mit dem Permafrostboden der Taiga ist sehr empfindlich, alles wächst und vergeht sehr langsam“, sagt Schäfer. Deshalb soll der Tourismus hier auf nachhaltigen Themen fußen. Übernachtungen in Jurten bei Nomadenfamilien, Wanderwege und spirituelle Begegnungen sollen ausgebaut werden: „Wir stehen mit dem Tourismus ganz am Anfang. Das birgt Chancen.“
Es wäre schön, wenn das Ursprüngliche erhalten bliebe. Die Mongolei ist derzeit im großen Wandel, viele Menschen geben das Nomadenleben auf und ziehen in die Großstadt, nach Ulan Bator, die schon jetzt die vielen Menschen kaum verkraftet. Umso besser, wenn der Fortschritt auch sanft vorangehen kann wie am Hovsgol-See.

Über die Bloggerin: Andrea Lammert (Reisefeder Redaktions-Partnerschaft, http://reisefeder.de) liebt das Meer und die Natur. Schon als Kind war ich mit meinem Opa auf ornithologischen Touren unterwegs und auch heute liebe ich es, Tiere dort anzusehen, wo sie wohnen. Ob in der Serengeti oder in der Schweiz – Naturbeobachtungen müssen sein. Auch gerne unter Wasser, atmen durch den Schnorchel und den Fischen ins Auge sehen. Wenn ich nicht reise, erkunde ich Norddeutschland mit meinen Kindern und meinem Hund. Und richtiger Urlaub ist es erst, wenn ich den Malkasten auspacke und anfange, auf Aquarellpapier zu klecksen.

PLATZ 3 UNSERES BLOGGER/INNEN-WETTBEWERBS 2015 „FAIReisen & die Welt entdecken“.
Die Jury-Wertung: 

Farbenprächtige Sprache, kurz gehalten. Die aktuelle Situation wird kritisch betrachtet, es wird aber ein positiver Ausblick geboten: Ein sanfter Tourismus soll aufgebaut werden, dabei kann man von Fehlern anderer, die in der Vergangenheit begangen wurden, lernen.

Die Jury: 
Annemarie Herzog / Chefredakteurin Magazin LEBENSART; Linda Nepicks/ Reiseleiterin & Reisefachfrau Odyssee Reisen; Katrin Karschat, Cornelia Kühhas, Andrea Lichtenecker / Naturfreunde Internationale – respect

Nachhaltig unterwegs in Afrika: Beispiele von einer Senegal-Gambia-Tour

Naturfreundereisen in verschiedene afrikanische Länder haben seit etwa 15 Jahren Tradition. Schwerpunktland für die Naturfreunde Internationale (NFI) ist dabei Senegal. Bei all diesen Reisen stand und steht nicht das „Abhaken“ von Natur- und Kulturhighlights im Vordergrund, sondern das sensible Kennenlernen von Land und Leuten und der Naturfreundearbeit, Begegnungen mit Einheimischen, sowie gemeinsame Erlebnisse europäischer und afrikanischer NaturfreundInnen.

Nachhaltigkeitskriterien für Afrikareisen der Naturfreunde

Als Ergebnis dieser langjährigen Erfahrung hat die NFI nun Kriterien erarbeitet, deren Umsetzung bei Afrikareisen empfohlen wird. Selbstverständlich können diese Kriterien auch als Leitlinien und Anregungen für Veranstalter und Einzelreisende außerhalb der Naturfreundebewegung dienen.

Nicht alle Kriterien können auf jede Destination übertragen werden. Dennoch sollte das Bekenntnis zu einer Nachhaltigen Entwicklung und die Notwendigkeit, eine solche Position mit hoher Vorbildwirkung aktiv zu leben, dazu führen, dass Reiseveranstalter versuchen, so viele Kriterien wie möglich zu erfüllen.

Die Kriterien im Detail

© Barbara und Joachim Ernst
Kapokbaum © Barbara und Joachim Ernst

Das Wesentliche in Kürze

Nachhaltiges Reisen beginnt mit der Vorabinformation an die ReiseteilnehmerInnen: es versteht sich von selbst, dass die europäische Reiseleitung Information über Land und Leute, über Reise- und Sprachführer, Bücher afrikanischer Autoren, über die Organisationen im besuchten Land, sowie Material über soziale und politische Gegebenheiten des Ziellandes zur Verfügung stellt.

Ebenso selbstverständlich ist es, dass die An- und Abreise so umweltfreundlich wie möglich gestaltet wird: Benützung öffentlicher Verkehrsmittel zum/vom Flughafen, Sensibilisierung für CO2-Kompensation der Flugreise, nach Möglichkeit auch sanfte Mobilität im Reiseland.

Ein wichtiger Faktor ist die Auswahl der Unterkünfte und Restaurants, die regionstypisch und möglichst umweltfreundlich und sozial verträglich geführt sein sollen.

Bei Naturfreundreisen nach Senegal kommt dabei der Nutzung des Naturfreundehauses in Petit Mbao bei Dakar eine wichtige Rolle zu.

Es ist klar, dass die europäischen ReisebegleiterInnen darauf achten, MittlerInnen zu sein zwischen den europäischen Reisenden und den FreundInnen im besuchten Land und dass sie auch mit gutem Beispiel voran gehen, z. B. hinsichtlich dem Land entsprechender Kleidung und Fotografierverhalten.

Besonders wichtig ist auch das Programm solcher Reisen: der Schwerpunkt der Besuche und Besichtigungen liegt auf regions- oder landestypischen Spezifika, wie z.B. Initiativen der Zivilgesellschaft, Entwicklungs- oder Umweltprojekte, Naturschutz, Frauenförderung etc. Die Reiseprogramme werden deshalb gemeinsam von europäischen und afrikanischen Partnern ausgearbeitet.

Programmhighlights einer Senegal-Gambia-Tour

Im November 2013 wurde zum ersten Mal mit einer internationalen Gruppe Gambia, in Verbindung mit Senegal, besucht. Anhand einiger Beispiele aus dieser Reise, die ich wie viele Touren begleitet habe, möchte ich die Programmgestaltung solcher Reisen veranschaulichen. So haben wir unter anderem die nachstehenden Einrichtungen besucht und dabei Gelegenheit gehabt, uns mit Verantwortlichen und Betroffenen auszutauschen.

Partizipatives Nationalparkmanagement – die Dörfergemeinschaft im Nationalpark Djoudj

Im Norden Senegals, ca. 80 km von der Stadt Saint-Louis entfernt, erstreckt sich über 16 000 der Nationalpark Djoudj, das drittgrößte Vogelschutzgebiet der Welt und bekannt als Überwinterungsgebiet für 360 europäische Vogelarten. Zum Zeitpunkt der Gründung des Nationalparks im Jahr 1971 wurden sieben Dörfer an den Rand des nunmehrigen Schutzgebietes umgesiedelt, nicht ohne Konflikte mit den BewohnerInnen. In den darauffolgenden Jahren wurde nach Konfliktlösung gesucht und schließlich die „Association Intervillageoise des 7 villages de la périphérie du Parc National des Oiseaux du Djoudj – A.I.V.D.“ (Zusammenschluss der 7 Dörfer an der Peripherie des Nationalparks) gegründet. Die Nationalparkabteilung des senegalesischen Umweltministeriums ist seither bestrebt, eine Politik des partizipativen Parkmanagements umzusetzen, um so die Bevölkerung in den Schutz des Parks einzubeziehen und durch Schaffung von Einkommensmöglichkeiten zur Verbesserung ihrer sozioökonomischen Situation beizutragen. So wurde zum Beispiel der junge Mann, der uns bei unserer Exkursion begleitete, im Sinne dieses partizipativen Ansatzes als Ökoguide ausgebildet; die Frauen, die uns im parkeigenen „Shop“ stolz ihre handwerklichen Produkte zeigten, erhalten 80% des Verkaufserlöses. Ergänzend werden die DorfbewohnerInnen in Kursen für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz, Handwerk und Kultur und verantwortungsvollen Tourismus sensibilisiert – all dies unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigen Entwicklung der Region. Dabei spielt das Campement Njagabaar, ein Touristencamp mit Restaurant, eine wichtige Rolle, das sich, am Eingang zum Park gelegen, dem nachhaltigen Tourismus verschrieben hat und dies auch in einer Charta definiert.

Zielsetzungen, Angebote und Preise unter: http://www.djoudjvillages.sn/

Plan Djoudj © Barbara und Joachim Ernst
Plan Djoudj © Barbara und Joachim Ernst
© D. Bührer
Charta Djoudj © D. Bührer

Artenschutz als Anliegen im nachhaltigen Tourismus – das „Schildkrötendorf“ in Noflaye

35 km nordöstlich von Dakar liegt das Dorf Noflaye, das durch das dort ansässige „Schildkrötendorf“ (Village des tortues) Bekanntheit erlangt hat. Im Rahmen des Programms SOS Sulcata, das von der französischen Fachorganisation SOPTOM mit betreut wird, hat man es sich hier zum Ziel gesetzt, vom Aussterben bedrohte Schildkrötenarten zu schützen. Vor allem handelt es sich dabei um die Spornschildkröte (Centrochelys sulcata). Das Zentrum erhält immer wieder Exemplare aus privatem Besitz, die vernachlässigt, zu wenig oder zu viel gefüttert wurden und in schlechtem Zustand sind. Ein engagiertes junges Team von Fachleuten und Freiwilligen nimmt sich ihrer an, untersucht und pflegt sie nach wissenschaftlichen Kriterien und bereitet sie auf ihre Wiedereinsetzung in ihrem ursprünglichen Lebensraum im Ferlogebiet in Nordsenegal vor. Zuletzt wurde dort im Jahr 2011 eine Gruppe ausgewildert, nachdem eine erste bereits 2006 erfolgreich wieder eingesetzt und einem laufenden Monitoring mit Hilfe von Transmittern unterzogen wurde. Bemerkenswert sind auch die Sensibilisierungsmaßnahmen, die über das Programm SOS Sulcata für Kinder und Jugendliche im Ferlo durchgeführt werden.

Adresse und Kontakt: Noflaye, km 12, Route de Bambilor, BP 655 Rufisque, Senegal

© Barbara und Joachim Ernst
Schildkröten mit Pfleger in Noflaye © Barbara und Joachim Ernst

Energie aus Biomasse – das Engagement der Firma GreenTech in Gambia

Berge von Erdnussschalen säumen den Zugang zur Firma GreenTech, die von einem engagierten gambisch-deutschen Unternehmerpaar geleitet wird, auf dessen Initiative auch die Firmengründung zurückgeht. Hier versucht man, im Rahmen eines nach kommerziellen Kriterien arbeitenden Unternehmens, Lösungsansätze zur Armutsbekämpfung sowie zur Linderung der Energie- und Umweltprobleme in Gambia anzubieten.

Es geht dabei um die Produktion von Briketts aus Biomasse, konkret aus Erdnussschalen, die sonst auf dem Müll landen würden. Die Briketts können im Haushalt, in der Gastronomie, der Industrie, der Lebensmittelverarbeitung etc. eingesetzt werden. Die Brikettpresse kommt aus Dänemark, die Arbeitskraft aus Gambia. In einer firmeneigenen Küche wird für das Personal gekocht, selbstverständlich unter Verwendung lokaler Produkte.

Ergänzend werden von dem Unternehmen Kocher angeboten, die lokal produziert werden und deren spezielle Bauweise die Energieeffizienz der Briketts erhöht. Die Geräte sind einfach zu bedienen und es gibt kaum Rauchentwicklung.

© Barbara und Joachim Ernst
Sparkocher © Barbara und Joachim Ernst

Förderung von Kleinunternehmen im Tourismus – der Verein ASSET (Association of Small Scale Enterprises in Tourism)

Der Verein wurde im Jahr 2000 mit dem Ziel gegründet, kleine im Tourismus tätige Betriebe zu unterstützen, die sonst kaum Chancen haben, sich gegenüber den im Massentourismus operierenden Großunternehmen zu behaupten. ASSET hilft z.B. beim Abschluss von Versicherungsverträgen, Kontakten mit Tourenveranstaltern etc. Arbeitsplätze für Kunsthandwerker und ein Shop sind derzeit am Vereinssitz im Entstehen; ASSET bietet auch Kurse an, in denen sich VertreterInnen kleiner Tourismusbetriebe zusätzliche Qualifikation verschaffen können. Die Seele des Ganzen ist das Restaurant „Bantaba“, was so viel heißt wie „Dorfplatz mit Palaverbaum“. Hier wird traditionell und preiswert gekocht und eine Atmosphäre geschaffen, die uns als umwelt- und menschenfreundliche Reisende sehr angesprochen hat.

© Barbara und Joachim Ernst
Asset Bantaba © Barbara und Joachim Ernst

Reisende unterstützen Projekte afrikanischer Naturfreunde und ihrer Partner

Zu den Kriterien nachhaltigen Reisens gehört für NaturfreundInnen auch, zur Umsetzung von Projekten ihrer afrikanischen FreundInnen beizutragen. So war ein absoluter Höhepunkt unserer Senegal-Gambia-Tour die Eröffnung eines Kinderhortes in der Nähe der senegalesischen Stadt Saint-Louis, der durch die tatkräftige Unterstützung von deutschen Naturfreundegruppen errichtet wurde und noch durch verschiedene Zusatzeinrichtungen ergänzt werden soll (Alphabetisierungskurse für Frauen, Werkstätten etc.). Federführend dabei waren die Naturfreunde aus Rastatt und Saint-Louis.

Kontakt: Uschi Böss-Walter, Naturfreunde Rastatt, boess-walter@t-online.de

© Barbara und Joachim Ernst
St. Louis © Barbara und Joachim Ernst

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Mag. Ingeborg Pint ist diplomierte Dolmetscherin für Französisch und war von 1992 – 2006 Projektkoordinatorin für „Landschaften des Jahres“ der Naturfreunde Internationale (NFI). Derzeit ist sie ehrenamtliche Afrika-Referentin der NFI und als solche für die kontinuierliche Betreuung der afrikanischen Naturfreunde-Organisationen zuständig. Seit 2004 begleitet sie regelmäßig Projektreisen der Naturfreunde nach Senegal und fallweise nach Togo. Darüber hinaus ist sie Ansprechpartnerin für deutschsprachige Naturfreunde(gruppen), welche Reisen in afrikanische Länder planen, in denen die NFI Mitgliedsorganisationen hat.

Seit September 2013 freuen wir uns außerdem, Ingeborg zu unseren StammautorInnen zählen zu dürfen.

Kontakt: i.pint@aon.at

Die NFI hat für Projekte der afrikanischen Naturfreunde-Organisationen einen eigenen Spendenfonds eingerichtet. Auf www.nf-int.org/afrika finden sich jeweils die aktuellen Projekte, die wir mit Eurer Hilfe unterstützen wollen. Danke!

The Akha Experience – lessons from a finally failed successful project [DE/EN)

For english version see below!

Verantwortlich, Öko- oder doch nachhaltig? Die Verwirrungen bei der Definition des Tourismus, den wir wollen
29. Januar 2014 von nfint
Wenn ich Nachhaltigen Tourismus unterrichte, scheint es eines der schwierigsten Dinge für die Studierenden zu sein, den Unterschied zwischen Ökotourismus und Nachhaltigem Tourismus zu verstehen. Die Erklärung klingt eigentlich einfach: Ökotourismus ist eine Form des Tourismus, wie etwa Badetourismus, Kreuzfahrttourismus, Kulturtourismus etc., Nachhaltiger Tourismus ist eine Vision, eine Forderung für alle Tourismusformen.
Es ist allerdings nicht so einfach, wie es klingt – vor allem, wenn andere Begriffe ins Spiel kommen, wie etwa verantwortlicher Tourismus, naturnaher Tourismus, Pro-Poor-Tourismus oder gemeindebasierter Tourismus.
Ökotourismus oder Verantwortlicher Tourismus?
Es gibt so viele Definitionen für Ökotourismus, dass der australische Forscher Figgis erklärte, Ökotourismus definieren sei zur olympischen Sportart geworden! Die Definitionen unterscheiden sich minimal, je nach politischem, wirtschaftlichem oder Umweltbezug. Die Anfänge des Ökotourismus reichen in die 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts zurück – dabei wurde ‚jedweder Tourismus in geschützte Gebiete Ökotourismus genannt‘, ohne auf soziale Auswirkungen oder die Umwelt Rücksicht zu nehmen. Im Jahr 1990 wurde die Internationale Gesellschaft für Ökotourismus (The International Ecotourism Society, TIES) gegründet, die Ökotourismus als „verantwortungsbewusstes Reisen in Naturgebiete, das die Umwelt erhält und den Wohlstand der örtlichen Bevölkerung mehrt“ definiert. Später – als Resultat des Internationalen Jahres des Ökotourismus 2002 – versuchten auch die Welttourismusorganisation (UNWTO) und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), eine einheitlich akzeptierte Definition zu schaffen. Dieser neue Ansatz basierte auch auf verantwortlichem Reisen und beinhaltete auch Lernelemente der Tourismusaktivitäten.
Doch wie kann Tourismus – ein Wirtschaftssektor – verantwortlich agieren? Oder in anderen Worten: Können wir von einer Branche erwarten oder verlangen, dass sie sich ändert, um „gut“ zu handeln?
Laut dem Ansatz des Internationalen Zentrums für verantwortlichen Tourismus (International Centre for Responsible Tourism, ICRT) möchte verantwortlicher Tourismus bessere Orte schaffen, in denen Menschen leben können, und bessere Orte, die Menschen besuchen können (‚making better places for people to live in, and better places to visit‘, laut Harold Goodwin, Direktor des ICRT). Verantwortlicher Tourismus ist also eher eine ethische Forderung, eine Aufforderung zu altruistischem Verhalten der Branche als ein konkretes Konzept, das zu klaren Forderungen und Rahmenbedingungen führt. Es ist also ein bisschen mit dem momentanen Konzept der sozialen Unternehmensverantwortung (Corporate Social Responsibility, CSR) zu vergleichen.
Die Wirtschaft ist aber leider nicht altruistisch. Zu grundlegenden Veränderungen bracht es mehr als Ethik. Solange CSR eine ‚freiwillige Handlung, die über Gesetze hinausgeht‘ bleibt, sind es nur die Spitzenreiter – manchmal wirklich die Guten, machmal aus reinen Marketingzwecken -, die ernsthafte Verbesserungsmaßnahmen umsetzen.
Ein Beispiel?
Es ist eine anerkannte Tatsache, dass wir die CO2-Emissionen, die durch den Flugverkehr entstehen, einschränken müssen. CO2-Kompensation ist ein passendes Instrument, mithilfe dessen zumindest dieselbe Menge an Emissionen, die durch den Flug erzeugt wurden, woanders eingespart werden können. Momentan werden allerdings weniger als 1% der Flugtickets kompensiert, Reiseveranstalter sind nicht dazu bereit, die Kompensationskosten in die Reisekosten aufzunehmen. Solange es keine Gesetze gibt (Kerosinsteuer, CO2-Steuer, automatische Kompensation von Flugtickets etc), wird sich die Situation nicht ändern.
Altruistisches, ethisches Verhalten ist eher eine passende Forderung für Privatpersonen als für eine Branche. Konsumentinnen und Konsumenten können relevante Entscheidungen treffen und damit starken Druck auf eine Branche ausüben, indem sie bessere, gesündere, nachhaltigere Produkte kaufen. Laut der Otto Gruppe Trendstudie 2011 sagten 72% aller Konsumentinnen und Konsumenten, dass ethische Kriterien zu ihren Kaufentscheidungen beitrügen. Und nur 34% der Käuferinnen und Käufer vertrauen heutzutage Unternehmen im Allgemeinen, aber 77% vertrauen Unternehmen, die ‚ethisch korrekte‘ Produkte herstellen. Dies eröffnet einen riesigen Markt, auch für die Tourismusbranche.
Wo liegt nun der Unterschied zum Ansatz des Nachhaltigen Tourismus?
Nachhaltiger Tourismus bezieht sich auf alle verschiedenen Tourismusformen, nicht nur auf einzelne Formen wie etwa Ökotourismus. Er fordert nicht nur freiwillige Handlungen wie der verantwortliche Tourismus, sondern trachtet nach Gesetzen.
The Umsetzung eines Nachhaltigen Tourismus erfordert u.a. neue Subventionsregelungen, klare Investitionsregulierungen, effektive Umweltverträglichkeitsprüfungen, eine breit angelegte Umsetzung des Verursacherprinzips und vieles mehr.
Nachhaltiger Tourismus ist also ein theoretischer Ansatz mit praktischen Konsequenzen, der sich an politische Entscheidungsträger und Tourismusunternehmen richtet.
Entwickelt sich Ökotourismus in Richtung Nachhaltigkeit?
Die Antwort ist ‚Ja und Nein‘.
Auf der einen Seite wird alles, was nur ein bisschen grün ist, als Ökotourismus vermarktet – ob es nun Solarpanele auf dem Hoteldach sind (eine Kostenersparnismaßnahme), Walbeobachtungen (die oft nicht gerade umweltverträglich sind) oder Kurztrips zu einem Nationalpark in Costa Rica (die viele Emissionen verursachen).
Doch andererseits wurden klare und umfassende Kriterien festgelegt, wie etwa vom Rumänischen Verband für Ökotourismus (Ecotourism Association Romania, AER). Erst vor kurzem wurden auf der zweiten Europäischen Konferenz für Ökotourismus, die 2013 in Brasov (RO) stattfand, Kriterien für „Ökotourismus-Destinationen“ entwickelt, die von AER, Europarc Federation, Naturfreunde Internationale und anderen angenommen wurden.
Beide Ansätze berücksichtigen mehr und mehr Kriterien des Nachhaltigen Tourismus.
Um also in einer Schlussfolgerung zu versuchen, die Verwirrungen um all diese Benennungen ein wenig zu entwirren, könnten wir festhalten, dass …
• Ökotourismus eine Tourismusform ist, die sich teilweise in Richtung mehr Nachhaltigkeit bewegt,
• Verantwortlicher Tourismus sich direkt an die Konsumentinnen und Konsumenten richten sollte und
• Nachhaltiger Tourismus ein Ziel für alle Tourismusformen darstellt und gesetzliche und strukturelle Umsetzung braucht und erfordert.
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Dr. Christian Baumgartner hat Landschaftsökologie studiert und ist seit 2005 Generalsekretär der Naturfreunde Internationale (www.nf-int.org). 1995 gründete er respect – Institut für Integrativen Tourismus und Entwicklung (www.respect.at). Neben seiner Arbeit als Dozent für Nachhaltigen Tourismus in Wien und Krems (A), Siders (CH) und China war er Mitglied der (ehemaligen) Tourism Sustainability Group der EU-Kommission, der Generaldirektion Unternehmen und Mitglied in zahlreichen nationalen und internationalen Beratungsgremien zum Thema Tourismus.

Author: Christian Baumgartner

The case of the project Akha Experience in Northern Laos shows an example of a project that started promising and successful over several years. Nevertheless it was a failure at the end, as several basic determinants for a long-lasting sustainable development were not taken sufficiently into consideration.

In Luang Namtha Province in the mountainous north of Laos one can find large virgin forests that are under threat by international timber companies or the change to rubber plantation. Tourism was one of the chosen tools to protect this richness, making also use of the large diversity on rather isolated ethnic groups, their cultural richness and traditional lifestyles. Of the 68 different ethnic groups in Laos more than 20 live in the province Luang Namtha amongst them the Akha as the largest groups. Many of those groups subsist at sub-poverty levels in a non-cash economy – so making quick money with selling the timber is alluring.

© Christian Baumgartner
© Christian Baumgartner

The Nam Ha Ecotourism Project of the UNESCO and National Tourism Authority of Lao PDR 1999 to 2002 seeks for a tourism that avoids overusing natural resources and the ‘Akha Experience’ by the German GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) and the local tourism agency Exotissimo complemented the project. The Akha Experience offered tours for 3-10 days. 8-10 tourists at one time can experience first hand biodiversity and the specific Akha culture, beginning with an orientation session with information of the benefits of the villagers and what makes the tour environmentally friendly and sensitive. The tours are led by two registered local village-based guides with English language skills and local knowledge, dressed in Akha clothes. 
The lodges, run by local hosts, are in design and construction traditional with some added
comforts (e.g. hot water or solar power electricity).

© Christian Baumgartner
© Christian Baumgartner

Not all of the villages decided to take part in the project, which at the end turned out to be one of the problems. The participating villages fixed village coordinators, guides, hospitality staff, cooks, housekeepers and handicraft sellers. Between 1999 and 2006 170 ecoguides were trained in guiding principles, English, ecotourism, first aid, regional history and specific village culture. Exotissimo (Vientiane, Luang Prabang and international offices) sell the tours. From the fees 11% went to a Village Development Fund, 9% to costs like transport and management, the rest was paid to the villagers for services (excluding handicrafts and donations). Participating villages were motivated and understood the necessity to protect the forests.

© NFI / respect
© NFI / respect

Although the National Tourism Authority included the project into its National Ecotourism Strategy and Marketing Plan, although the feed-back by tourists was positive and the villagers welcomed tourists as symbolic end of isolation, and although 68 household could increase their income from annual US$20 to over US$100, it seems that the project failed now after 9 years.

GIZ stopped technical advice and trainings 15 month after start of active selling. Several of the not-involved villages did decide to sell the forest, which was then cut or changed to rubber plantations causing a loss of shade and landscape attraction. To find trekking routes without visible destruction for the tourists became difficult. Additionally more and more villagers changed from their traditional costumes – which were one of the main attractions of Muang Sing area – to modern outfits. A declining interest of foreign visitors was the result and led to Exotissimo decision to stop the offer of the Akha Experience end of 2013.

Lessons learnt:

• (Eco)Tourism can contribute to protection of natural resources and poverty alleviation, but only if the whole region shares the same goals and strategies. A patchwork of different development strategies can be counter-productive.

• ‘Progress’ is being visited as the villages gain their first contacts with national and international market economies, but tourism is just one facet of development. Tourism needs to be seen as more than just another economic sector promising economic gain for outside investors.

• Marketing is crucial; the inclusion of local tourism products in national marketing strategies is one of the key factors for success. But tourism products, communication and marketing should not exclusively base on traditional forms of culture.

• Sustainable development needs time. The support by donor organisations often is too short to create long-lasting local ownership. Contacts between indigenous population and tourists stay rare and on a superficial level, but should be based on respect and same eye-level.

The development of Community Based Tourism can – if well planned and implemented – provide indigenous communities with a motivation to protect their natural environment. In the case of the Akha Experience mainly the lack of regional closeness led to a failure.

Christian Baumgartner



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Further readings:

Mascow, Susanne (2013): Potentiale für Public Private Partnerships im Tourismus – Möglichkeiten der Kooperation zwischen Reiseveranstaltern und lokalen Gemeinden in Entwicklungsländern, Grin Verlag

Oula (2005): Trekking in Nammat Kao and Nammat Kai – two Akha communities

Shi, Weiyi (2008): Rubber Boom in Luang Namtha. A Transnational Perspektive.

Suntikul, Wantanee (2012): The effects of tourism development on indigenous populations in Luang Namtha Province, Laos. In: Butler, Richard; Hinch Tom (2012): Tourism and Indigenous Peoples. Issues and Implications. Butterworth-Heinemann

UNESCO Bangkok (2008): Impact. The Effects of Tourism on Culture and Environment in Asia and the Pacific. Alleviating Poverty and Protecting Cultural and Natural Heritage through Community Based Ecotourism in Luang Namtha.

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Dr. Christian Baumgartner studied landscape ecology and is Secretary General of Naturefriends International (www.nf-int.org) since 2005. 1995 he founded respect – Institute for Integrative Tourism and development (www.respect.at). Besides his work as lecturer for Sustainable Tourism in Vienna, Krems (A), Siders (CH) and China he was member of the (former) Tourism Sustainability Group within the EU Commission, DG enterprise and member in several national and international tourism related advisory boards.

Kirgistan – Community Based Tourism in Zentralasien

Seit 2012 trägt die Naturfreunde Internationale (NFI) im Rahmen eines Projekts der Europäischen Union mit ihrer Expertise in Kirgistan zur Entwicklung von staatlichen Lehrgängen und Berufsausbildungen im Bergtourismus bei. Junge Menschen werden zu TrägerInnen, Outdoor-KöchInnen, Tourismusguides und ReisemanagerInnen ausgebildet. So werden Einkommensmöglichkeiten in armen ländlichen Regionen geschaffen.

Margit Leuthold und Christian Baumgartner, beide seit vielen Jahren mit der Naturfreunde-Bewegung eng verbunden, verbrachten im Sommer 2013 elf Tage in einem Land, das bis heute vom Massentourismus verschont geblieben ist. Kirgistan.

Blog_day 4_6 Baumgartner© Christian Baumgartner

Wikipedia berichtet zum Tourismus in Kirgistan (auch Kirgisistan oder Kirgisien) nur so viel:

„Die landschaftliche Schönheit Kirgisistans birgt ein gewisses touristisches Potenzial, das zur Realisierung aber eine entsprechende, noch nicht vorhandene Infrastruktur voraussetzt. So beschränkt sich der Fremdenverkehr bisher größtenteils auf die jährlich etwa 400.000 Besucher aus den ehemaligen Sowjetrepubliken und auf junge Abenteuertouristen“.

Ob sich Margit und Christian zu diesen sogenannten „AbenteuertouristInnen“ zählen, oder durch ihren Bericht aufzeigen, dass dieses Land wesentlich unterschiedlichere Charaktere (als es ihm Wikipedia zugesteht) anzieht, erzählen sie in ihren ausführlichen Tagebuchaufzeichnungen:

Da ist die Rede von längeren aber lohnenswerten Reisen zwischen Destinationen und malerischen Bildmotiven; von der Tourismusform des Community Based Tourism (CBT), welcher in den Bergen Kirgistans intensiv betrieben wird und allen Beteiligten zu Gute kommt; von Menschen die ihre Traditionen wahren aber gleichzeitig für Neues offen sind.

Vor allem ist es ein Bericht über die Macht von Begegnungen. Wie sie Menschen berühren und verbinden (können), vorausgesetzt der notwendige gegenseitige Respekt ist gegeben.

Einen Einblick in das Tagebuch geben wir bereits hier – für die „ganze Geschichte“ öffne bitte das pdf-Dokument hier oder am Ende dieses Artikels.

Tag 1: Anreise nach Bishkek

Nach rund 9 Stunden Reisezeit, Flugunterhaltung durch koreanische und indische Filme, die neben dem US-amerikanischen cineastischen Angebot auch im Board-Programm sind, kommen wir inklusive Zeitverschiebung nachts um 2.45 Uhr in Bischkek an. Zwischen Juni und Anfang September ist die beste Reisezeit für Kirgistan, das Wetter ist stabil, die Regentage wenige. Als Bestätigung dieser Regel regnet es bei unserer Ankunft und immer wieder auf unserem Transport nach Kochkor.

Tag 2: Ankunft Bishkek → Kochkor

Nach dem Mittagessen bekommen wir eine Einführung in die „Teppich-Fabrik“. Diese entpuppt sich als der Hof unserer Unterkunft. In der Jurte des Hofes zeigen Tochter und Mutter die verschiedenen Verarbeitungsweisen der Schafwolle: das Walken von Wolle zu einem Shyrdak, einem Filzstück mit Ornament. Wir dürfen mitmachen und werden für unser Talent gelobt.

Tag 3: Von Kochkor zu Fuß Richtung Son Kul See

Die Kirgisische Teezeremonie geht so: Ein kleiner Tisch ist gedeckt mit Brot, frischem Rahm, verschiedenen Marmeladen und einer Art Butter. Dazu erhalten wir Gäste zuerst, dann die Guides und abschließend die Hausherrin selbst, eine Tasse Schwarztee auf die russische Art: einen kleinen Schluck aus einer Teekanne mit Schwarztee, der dann mit heißem Wasser aus einem Samowar oder einer großen Kanne von einem Eisenofen aufgefüllt wird. Die Öfen präsentieren sich uns in den abenteuerlichsten Variationen entlang unserer Reise. Eingeschenkt wird nicht randvoll, das wäre unhöflich. Vielmehr höflich aber ist es, dem Gast mindestens drei Mal nachzuschenken und dabei im Gespräch mit Guides und Gästen zu erfahren, wer da jetzt gekommen ist.

Tag 4: Ankunft am Son Kul See

Der Weg zum Jalgyz Karagai-Pass (3400m) hinauf geht über sanfte Almlandschaften. Hinter jedem Anstieg tut sich ein weiterer Blick in Weite und unbesiedelte Berglandschaft auf. Ab und an ragen Felsen durch das Grün, aufgeschobene Gesteinsschichten. Unter dem Gras ist der Fels mal rot, mal grau, mal gelb. Die Almwiesen sind von Edelweiß bedeckt – sie scheinen die Gänseblümchen Kirgisiens zu sein. Wir sind von der Landschaft und auch von unserer Gruppe angetan. Gemütlich und voller Genuss für Landschaft und Menschen sind wir unterwegs, immer wieder in kleinen, wechselnden Gruppen zu zweit, immer wieder macht der eine oder der andere Guide Pause, so dass wir wieder zusammen kommen und weiterziehen.

Tag 5: Pause am See

Mir fällt auf, dass ich mir schon in Gedanken eine Liste für CBT zur Qualitätsverbesserung zusammen stelle. Ein Punkt ist, dass CBT dafür Sorge tragen muss, dass ihre Leute mit entsprechender Ausrüstung unterwegs sind. Festes Schuhwerk muss für Guides und BegleiterInnen ein Muss sein. Mir wird noch einmal klar, wie wichtig unsere Sammelaktion für die Schule in Karakol gewesen ist.

Tag 6: Über die Berge nach Kazarman

Zum Essen pausieren wir in einem Gästehaus in Kurtka. Nicolai musste sich mehrfach durch das Dorf durchfragen, war freundlich. Die junge Mutter hatte Munties zubereitet, gefüllte Nudeln. Nach dem Essen kommt die vierjährige Tochter und bricht die Stille, indem sie von unserem Salat die Gurkenstückchen heraus spickt. Da erst entwickelt sich ein Gespräch und wir erfahren, dass die Kleine noch zwei Brüder hat, einen 3jährigen und einen 5 Monate alten. Die werden uns nun auch, mit Großmutter, vorgestellt. Der Dreijährige ist davon gar nicht begeistert und weint laut, bis wir endlich wieder gehen.

Tag 7: Über weitere Berge von Kazarman nach Dschalalabad

Die Landschaft verändert sich zu einer intensiv genutzten Kulturlandschaft: Sonnenblumenfelder, Wallnussbaumplantagen, Getreide, über weite Hügel und Täler hinziehende landwirtschaftliche Nutzflächen. Wir folgen inzwischen einer asphaltierten Straße und kommen durch mehrere Ortschaften. Irgendwann, nach einer Straßenkreuzung und vor einem Hotelneubau bleibt Nicolai stehen und telefoniert. Er wartet und ca. 5 Minuten später kommt eine junge Frau, steigt bei uns ein und wir erfahren, wir sind in Dschalalabad angekommen. Drei Minuten später steigen wir am Gästehaus, ein schönes Haus mit Garten, einem Apfelbaum, Weichselbäumen vor dem Fenster und einer Weinlaube vor der Haustür, aus.

Tag 8: Zauberberg und Ethnienkonflikt

Richtige Freundinnen hat sie nicht, sagt sie, keine Vertraute. Das seien eher ihre Tante und ihre Mutter. Ihre Mutter hat als 15-jährige einen Heiratsantrag durch eine Familie mit einem 25-jährigen Sohn so abgewehrt, dass auch die Familie verstanden habe, dass sie noch zu jung zum Heiraten sei. Sie wolle etwas verändern, etwas machen, eine Perspektive entwickeln. Da kenne sie nur noch zwei andere, die auch so denken würden. Gott sei Dank sei hier in Kirgistan der Islam nicht so wie im Irak oder im Iran oder Pakistan, denn sie würde, auch wenn sie jetzt im Ramadan fastet, doch freier sein.

Tag 9: Nach Osh – zweitgrößte Stadt Kirgistans

Danach nimmt Lada für uns drei ein Taxi und lässt uns zum hinteren Eingang zu Salomons Berg, einer kleinen Bergkette mit 5 Gipfeln, fahren. Rund 180 Höhenmeter ragen diese Gipfel über die Stadt hinaus. Das gesamte Areal ist ein einziges archäologisches Freilichtmuseum. Wir erwandern und erklettern alte Wohn-, Kult- und Opferstätten aus neolithischer Zeit, finden an verschiedenen Stellen Petroglyphen mit bäuerlichem Hintergrund und klettern die steilen Hänge auf und ab. Seit dem 15. Jahrhundert ist die Hügelkette auch ein islamischer Pilgerort: Salomon soll hier gewesen sein. So kreuzen unsere Wege auch die von Pilgerfamilien, die sich auf den Weg zu einer kleinen Moschee zu „Babas Haus“ machen.

Tage 10 und 11: Kultur in Osh

Im Erdgeschoss ist eine Ausstellung der UNHCR zur Flüchtlingsarbeit in Kirgistan. Auch hierher flüchten sich Menschen: 2012 hat Kirgistan fast 17.000 Staatenlosen die Staatsbürgerschaft gegeben. Und auch innerhalb des Landes flüchten Menschen: 375.000 werden als Zurückkehrende genannt.

Neugierig geworden? Dann geht es hier zur ganzen Geschichte – Kirgistan – Community Based Tourism in Zentralasien

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Mag. Dr. Margit Leuthold ist Pädagogin und Evangelische Theologin, Pfarrerin im AKH Wien und im Evangelischen Krankenhaus. Von 2001 bis 2011 war sie Mitarbeiterin bei respect – Institut für Integrativen Tourismus und Entwicklung (heute eine Marke der NFI), u.a. als Geschäftsführerin. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte setzt sie u.a. auf: Bildungsfragen, Bildung für Nachhaltige Entwicklung, Erwachsenenbildung, Lerndesign, qualitative Forschung, Qualitätsentwicklung, nachhaltige Tourismusentwicklung u.v.m.

Dr. Christian Baumgartner ist Generalsekretär der Naturfreunde Internationale (NFI) sowie Gründer und langjähriger Geschäftsführer von respect – Institut für Integrativen Tourismus und Entwicklung (heute eine Marke der NFI). Seine inhaltlichen Schwerpunkte setzt er u.a. auf: Nachhaltige Tourismusentwicklung: Projektentwicklung, –Durchführung und –Evaluation in verschiedenen Ländern der Welt, Erwachsenenbildung, Forschung u.v.m.

Starke Frauen in Senegal – Begegnungen bei Naturfreundereisen [DE/FR]

Als Europäerinnen und Europäer gehen wir oft mit der vorgefassten Meinung nach Afrika, dass die Frauen dort generell – vor allem in muslimischen Ländern – unterdrückt werden und keine Chancen haben. Senegal eignet sich sehr gut, um diese Vorurteile zu entkräften. Bei vielen Reisen, die ich für Naturfreunde-Organisationen in dieses Land geführt habe, hat es mich immer wieder beeindruckt, wie stark und unabhängig senegalesische Frauen sind und was sie alles, oft mit allergeringsten Mitteln, auf die Beine stellen, womit sie oft auch einen wichtigen Beitrag nicht nur für ihre Familiengemeinschaft, sondern auch für die Gesellschaft leisten.

Sicher werden sie dabei nicht immer von den Männern und der Gesamtgesellschaft so unterstützt, wie es nötig wäre. Ganz fremd ist uns das aber auch in Europa nicht. Doch die senegalesische Frau kann wirtschaftlich unabhängig sein, z.B. alleine auf Geschäftsreisen gehen, ohne sich dabei vom Ehemann viel dreinreden zu lassen, und sie kann ihr Einkommen selbstständig verwalten.

Einige solcher Frauen sind schon seit langer Zeit mit den senegalesischen Naturfreunden eng verbunden und werden immer wieder von europäischen Naturfreunden bei Reisen besucht. Positiv dabei ist, dass die männlichen Mitglieder von ASAN (Association Sénégalaise des Amis de la Nature) die wichtige Rolle der Frauen für die afrikanische Gesellschaft voll anerkennen. Viele von ihnen sind Lehrer, und sie fördern gerade die Mädchen in ihren Klassen. Sie führen ihre europäischen Freunde zu den unterschiedlichen Fraueninitiativen, weil natürlich Anerkennung und Unterstützung aus Europa besonders wichtig sind. Kleinere oder größere Spenden [1] europäischer Reisegruppen können dabei punktuell einiges bewirken, und eines ist sicher: noch kein Cent europäischen Geldes ist je für einen anderen Zweck als für die Arbeit der Frauen verwendet worden.

Ich möchte hier gerne einige dieser beeindruckenden Frauen vorstellen. Alle haben sich damit einverstanden erklärt und freuen sich, dass ihre Arbeit in dieser Form Anerkennung findet:

Léontine, die resolute Wirtin des „Campement le Bédick“

Foto: Angelika Diekmann
Léontine; Foto: Angelika Diekmann

Sie ist jetzt Mitte dreißig und kann auf beachtliche Erfolge verweisen: das Campement in Bandafassi im Südosten des Landes verfügt über eine Reihe von Hütten für Übernachtungen, schlicht, aber sauber und geschmackvoll eingerichtet, im Restaurant wird köstliches Fonio serviert, kühle Getränke warten auf die von der Wanderung in den Bedickdörfern ermüdeten Touristinnen und Touristen. Dieser Erfolg war nicht von Anfang an abzusehen, für eine junge Frau mit bescheidener Schulbildung, deren Rolle von den Eltern vor allem im Haushalt gesehen wurde. Den Wunsch selbstständig zu sein, hat sie sich doch erfüllt, trotz familiärer Widerstände und schwieriger Lebensbedingungen, mit zwei Kindern und wenig Geld. Begonnen hat sie mit dem Restaurant, nach und nach – immer wenn ein bisschen Geld vorhanden war – hat sie dann die Hütten errichtet. Von den geringen Einnahmen aus dem Betrieb des Campement legt sie immer etwas weg für den weiteren Ausbau oder die Wartung der Anlage und auch für Aktivitäten mit den Dorffrauen – wunderbar der kleine Gemüsegarten mit den gepflegten und gut bewässerten Beeten. Wirklich eine beeindruckende Frau!

Campement le Bédick, Bandafassi, Senegal: Tel.:+221 77 554 99 15+221 77 554 99 15

Binta und die Gemüsebäuerinnen in Kamb

Foto: Ulrike Ries-Staudacher
Binta; Foto: Ulrike Ries-Staudacher

Mit ihren etwa 20 Mitstreiterinnen aus dem Dorf betreibt Binta, die Präsidentin der Kooperative, Gemüseanbau auf einer Fläche von 6000 m2 und erweist sich dabei als kompetente Managerin. Jeder Bereich hat eine Verantwortliche (für Düngen, Ernte, Kompost, Kommunikation, Buchhaltung, etc.), wobei die Verantwortlichkeiten nach dem Rotationsprinzip organisiert sind. Für ihre Aufgaben wurden und werden die meist analphabetischen Frauen in einer staatlichen Einrichtung geschult. Die Gemüsebeete liegen im Wald von Mbao („Forêt classée de Mbao“), dem letzten Grünraum im Einzugsgebiet von Dakar. Dieser Wald ist Teil eines fruchtbaren Feuchtgebietes am Atlantik, zwischen Dakar und St-Louis im Norden des Landes, und massiv von Küstenerosion bedroht. Der senegalesische Staat schließt daher mit Gruppen oder auch Familien Verträge ab, die in dem theoretisch geschützten aber stark beeinträchtigen Naturgebiet sinnvolle Nutzungen vorhaben und damit zum Umweltschutz beitragen. Die Frauengruppe stellt verloren gegangenen Grünraum wieder her, und ihre Arbeit wird auch als Klimaschutzmaßnahme gesehen.

Das produzierte Gemüse wird von den Kunden entweder direkt vor Ort gekauft, oder die Frauen bringen es zum Markt. Ihren Eigenbedarf an Obst und Gemüse decken sie natürlich auch aus ihrer Anlage. Sie versuchen auch neuerdings, bestimmte Gemüse „gegen die Saison“ (mit Bewässerung) anzubauen, so dass zu jeder Zeit Gemüse und Grün vorhanden sind.

Bewundernswerte selbstbewusste Frauen, die wissen, dass ihre Produkte importiertem Obst und Gemüse vorzuziehen sind. Indem sie so auch den lokalen Konsum fördern, leisten sie noch einen zusätzlichen Beitrag zum Klimaschutz – klimaschädliche Transporte fallen weg. Auch wenn diese Arbeit nur ein Tropfen auf einen heißen Stein ist – Bewunderung verdient sie auf jeden Fall, das sehen mittlerweile auch die Ehemänner dieser Frauen ein, die am Anfang etwas skeptisch waren aber natürlich über den Beitrag zum Familieneinkommen höchst erfreut sind.

Woulimata, die Vorsitzende der „Frauen von Popenguine“

Woulimata; Foto: Ulrike Ries-Staudacher
Woulimata; Foto: Ulrike Ries-Staudacher

45 km südlich von Dakar liegt der Ort Popenguine, direkt am Atlantik, dort, wo die Petite Côte beginnt, der Küstenbereich, der touristisch stark genutzt wird. Der Ort ist bekannt wegen der protzigen Zweitwohnsitze begüterter Senegalesen und einiger Hotels, aber fast noch bekannter sind die „Frauen von Popenguine“. Sie haben sich im Rahmen eines Groupement d’intérêt économique (einer Art Verein mit wirtschaftlicher Ausrichtung) zusammengeschlossen und bemühen sich schon seit vielen Jahren gemeinsam mit den Vertretern der Naturschutzbehörde um die Pflege des Naturschutzgebiets „Réserve naturelle de Popenguine“.

1988 begann Woulimata, eine echte Pionierin, die Frauen von Popenguine für Natur- und Umweltschutz zu sensibilisieren, ihnen die Bedeutung von Umweltbildung nahe zu bringen, die Rolle einer sauberen Umwelt für die Gesundheit der Familien zu erklären. Zu der Arbeit im Naturschutzgebiet kommen mittlerweile Einkommen schaffende Tätigkeiten der Frauen, z.B. die Herstellung von Halsketten aus Altpapier und anderen Materialien und der Betrieb des „Campement Kër Cupaam“ (Gästebungalows und Restaurant) für Individualtouristen oder kleine Gruppen. Die Erlöse aus diesen Aktivitäten werden zum Teil an die einzelnen Frauen ausgezahlt, zu einem größeren Teil fließen sie in die Gemeindearbeit. Woulimata ist jetzt eine weit über Senegal hinaus bekannte Persönlichkeit, die aber den Bezug zu ihrer Basisgemeinschaft, zu „ihren“ Frauen nicht verloren hat. Angesichts immer wieder kehrender finanzieller Probleme, auch angesichts immer schwierigerer klimatischer Verhältnisse, die die Naturschutzarbeit erschweren, brauchen Woulimata und ihre Frauen nach wie vor viel Mut und Ausdauer für die Umsetzung ihrer ehrenamtlichen Aufgaben. Es ist zu wünschen, dass sie neben der moralischen Anerkennung auch die nötige dauerhafte finanzielle Unterstützung bekommen.

Kër Cupaam, Popenguine, Senegal: Tel./Fax: +221 956 49 51, E-mail: kcupaam@sentoo.sn

 Peinda und ihr Engagement für Frauen und Kinder in Saint-Louis

Peinda
Peinda; Foto: Petra Müller

Peinda ist Vize-Präsidentin der Naturfreunde von Saint-Louis im Norden Senegals. Mit ihr und ihren „Frauen von Saint-Louis“ haben alle Naturfreundegruppen, die in diese Region kamen und kommen, seit jeher Kontakt. Ihr verdanken sie das Verständnis für die Probleme dieser Region: das Gebiet ist karg, man spürt hier – an der Grenze zu Mauretanien – die Nähe der Sahara und sieht auch, dass der Wüstensand immer weiter ins Land vordringt. Dazu kommt, dass die Kleinfischerei, einst der Haupterwerbszweig der Familien in Saint-Louis, auf Grund massiver Überfischung durch die Trawler ausländischer Herkunft kaum mehr Chancen hat und viele junge Leute, vor allem Männer, ihr Heil in der Abwanderung – in die Hauptstadt Dakar oder nach Europa – suchen. Vor diesem Hintergrund engagieren sich Peinda, die auch Gemeinderätin ist, und die Gruppe, die angeschlossen hat, vor allem darum, den Frauen selbst Möglichkeiten in der Landwirtschaft, im Obst- und Gemüseanbau zu verschaffen. Hier hat sich über die Jahre eine intensive Partnerschaft zwischen Naturfreunden aus Europa und der um Peinda versammelten Frauengruppe entwickelt. Zuerst wurden die Frauen bei der Herstellung und Vermarktung von Säften und Konfitüren aus Früchten der Region unterstützt, die in einem eigenen kleinen „Shop“ verkauft werden. Derzeit läuft ein größeres Projekt, das in regem Austausch mit NaturfreundInnen in Deutschland, durchgeführt wird: der Bau eines Kinderhorts, in dem den Frauen, die auf den nahe gelegenen Feldern arbeiten, die Möglichkeit einer Betreuung ihrer Kinder geboten werden soll. Wenn alles gut geht, wird im November 2013 die erste Bauphase abgeschlossen und der Hort eröffnet. Weitere Projektphasen betreffen die Errichtung einer Alphabetisierungsklasse für die Frauen und von Werkstätten für Färberei und Weberei. Treibende Kraft ist auch hier wieder Peinda, eine dieser „starken Frauen“ Senegals.

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Der senegalesische Staat ist sich seiner Aufgabe auf diesem Gebiet bewusst und unterstützt, zumindest moralisch, solche Fraueninitiativen (Groupements de promotion féminine). Trotzdem ist es klar, dass nicht jede Frau in Senegal die Möglichkeit hat sich auf diese Weise zu behaupten, ihr Leben selbst zu organisieren oder gar für die Gemeinschaft etwas zu leisten. In jedem Fall muss sich eine Frau, wenn sie etwas erreichen will, ungleich mehr anstrengen als ein Mann – aber das kennen wir ja auch in Europa. Die Zahl von in Kooperativen und ähnlichen Zusammenschlüssen organisierten Frauen nimmt jedenfalls stetig zu. Sicher sind diese Frauen auch für ihre Töchter und andere junge weibliche Verwandte Vorbilder und ermutigen diese, zur Schule zu gehen und sich weiterzubilden. Je mehr Mädchen und junge Frauen auf diese Weise sensibilisiert werden und ihre Ausbildung konsequent betreiben können, desto mehr Chancen bestehen auch auf Armutsminderung in einem Land wie Senegal.

In Senegal kann eine Frau theoretisch jede noch so hohe Position erreichen – sie muss dabei aber unterstützt werden und der Zugang zu Bildung muss garantiert sein. Am nötigen Ehrgeiz fehlt es oft nicht: so hat mir einmal eine etwa 17-jährige Schülerin eines Mädchengymnasiums in Saint-Louis auf die Frage, was sie einmal werden möchte, geantwortet: „Présidente de la République“.

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Mag. Ingeborg Pint ist diplomierte Dolmetscherin für Französisch und war von 1992 – 2006 Projektkoordinatorin für „Landschaften des Jahres“ der Naturfreunde Internationale (NFI). Derzeit ist sie ehrenamtliche Afrika-Referentin der NFI und als solche für die kontinuierliche Betreuung der afrikanischen Naturfreunde-Organisationen zuständig. Seit 2004 begleitet sie regelmäßig Projektreisen der Naturfreunde nach Senegal und fallweise nach Togo. Darüber hinaus ist sie Ansprechpartnerin für deutschsprachige Naturfreunde(gruppen), welche Reisen in afrikanische Länder planen, in denen die NFI Mitgliedsorganisationen hat.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Ingeborg für diesen Einblick in die Welt dieser bewundernswerten Frauen!


[1] Die NFI hat für Projekte der afrikanischen Naturfreunde-Organisationen einen eigenen Spendenfonds eingerichtet. Auf www.nf-int.org/afrika finden sich jeweils die aktuellen Projekte, die wir mit Eurer Hilfe unterstützen wollen. Danke!

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Version française:

Les femmes courageuses du Sénégal – Rencontres lors de voyages des Amis de la Nature

Européennes et Européens nous allons souvent en Afrique avec l’idée préconçue que d’une manière générale – et surtout dans des pays musulmans – les femmes y souffrent d’oppression et qu’elles n’ont pas de perspectives. Le Sénégal est un bon exemple pour infirmer ce préjugé. À l’occasion des nombreux voyages que j’ai accompagnés dans ce pays pour des organisations d’Amis de la Nature j’ai toujours à nouveau été impressionnée de voir combien les femmes sénégalaises sont courageuses et indépendantes et que, souvent avec vraiment très peu de moyens, elles arrivent à réaliser leurs idées et projets. Fréquemment elles fournissent ainsi non seulement une contribution importante à la subsistance de leurs familles mais aussi au bien de la société dans son ensemble.

Bien sûr elles ne sont pas toujours soutenues comme il le faudrait, ni par les hommes ni par la société – phénomène connu d’ailleurs aussi en Europe. Mais la femme sénégalaise peut être indépendante du point de vue économique, peut entreprendre des voyages d’affaires sans avoir à en rendre compte à son mari, et elle peut gérer elle-même ses revenus.

Quelques-unes de ces femmes entretiennent depuis longtemps des relations amicales avec les Amis de la Nature sénégalais, et les groupes d’Amis de la Nature européens voyageant au Sénégal leur rendent régulièrement visite. Ce qui est positif dans cette démarche c’est que les hommes membres de l’ASAN (Association Sénégalaise des Amis de la Nature) reconnaissent pleinement le rôle de la femme pour la société africaine. Beaucoup d’entre eux sont enseignants et s‘emploient pour la promotion des filles dans leurs classes. Ils font découvrir à leurs amis européens de nombreux collectifs féminins, pour lesquels la reconnaissance et le soutien européens sont particulièrement importants. Des dons modestes et plus importants de groupes européens peuvent avoir un effet positif sur la situation des femmes, même s’il est ponctuel. Et une chose est certaine : pas un centime donné par des amis européens ne sert à autre chose qu’à soutenir le travail des femmes.

J’aimerais présenter quelques-unes de ces femmes impressionnantes – elles ont toutes été d’accord et sont contentes de l’intérêt ainsi porté à leur travail.

Léontine, la patronne énergique du « Campement le Bédick »
Arrivée à la mi-trentaine Léontine peut être fière de ses réussites : le campement à Bandafassi dans le sud-est du pays dispose de quelques cases d’hébergement, simples mais propres et meublées avec goût, au restaurant Léontine sert un succulent fonio, et des boissons fraîches attendent les touristes revenant fatigués des randonnées dans les villages bédick. Toutefois le succès n’était pas garanti au début, pour une jeune femme sommairement scolarisée et que les parents voyaient plutôt au foyer. Mais elle a réalisé son rêve d’indépendance, malgré les résistances familiales et des conditions de vie difficiles, avec deux enfants et peu d’argent. Le point de départ était le restaurant, et peu à peu – chaque fois qu’elle avait réuni un peu d’argent – elle a fait construire les cases. Léontine affecte une partie des recettes modestes du campement à l’extension et à l’entretien de l’installation ainsi qu’à des activités impliquant les femmes du village – quelle joie de voir le petit jardin potager aux carrés bien entretenus et arrosés. Vraiment une femme qui impressionne !

Campement le Bédick, Bandafassi, Sénégal : tél. :+ 221 77 554 99 15+ 221 77 554 99 15

Léontine; Foto: Angelika Diekmann
Léontine; Foto: Angelika Diekmann

Binta et les femmes maraîchères de Kamb
Avec une vingtaine de villageoises Binta, la présidente du groupement, pratique la culture maraîchère sur une superficie de 6000 m2 et s’avère une organisatrice très compétente. Pour chaque volet du travail il y a une responsable (engrais, récolte, compostage, communication, comptabilité, etc.), ces responsabilités étant assumées à tour de rôle par les membres du groupe. Les femmes dont la plupart sont analphabètes sont formées à leur tâche dans un établissement étatique. Les carrés de légumes sont situés dans la forêt classée de Mbao, dernier espace vert de la périphérie dakaroise. Cette forêt fait partie des Niayes, d’une zone humide fertile sur le littoral de l’Atlantique, s’étendant entre Dakar et Sl-Louis et massivement menacée par l’érosion côtière. C’est la raison pour laquelle l’État sénégalais signe des contrats avec des groupements qui, dans cette zone naturelle théoriquement placée sous protection mais fortement dégradée, se proposent des utilisations susceptibles de contribuer à la protection de l’environnement. Le groupement féminin rétablit ainsi la verdure dans une zone qui a beaucoup souffert ; cette activité est aussi conçue comme mesure de protection du climat.
Les légumes produits sont soit achetés par des clients venant sur place, soit les femmes les vendent au marché. Bien entendu elles couvrent aussi leurs propres besoins en fruits et légumes par leur propre production. Depuis récemment elles cultivent aussi certains légumes « contre saison » (avec irrigation), de sorte qu’il y a des légumes et de la verdure pendant toute l’année.
Binta et ses alliées sont des femmes admirables et fières qui savent que leurs produits sont à préférer aux fruits et légumes importés. Encourageant ainsi la consommation locale, elles fournissent aussi une contribution à la protection du climat, des transports sur de longues distances étant évités. Même si les effets de ce travail ne sont que ponctuels, il mérite en tout cas l’admiration ; c’est ce que comprennent entretemps aussi les maris des femmes, sceptiques au début, mais qui apprécient bien entendu cette contribution aux revenus familiaux.

Binta; Foto: Ulrike Ries-Staudacher
Binta; Foto: Ulrike Ries-Staudacher

Woulimata, la présidente des « femmes de Popenguine »
Le village de Popenguine est situé sur le littoral de l’Atlantique, à 45 km au Sud de Dakar, là où commence la Petite Côte, la zone la plus touristique du Sénégal. Il est connu pour ses luxueuses résidences secondaires de riches Sénégalais et étrangers et pour quelques hôtels ; mais il est au moins tout aussi connu pour les « femmes de Popenguine » réunies dans un Groupement d’intérêt économique. En collaboration avec les autorités des parcs nationaux elles œuvrent depuis de nombreuses années pour l’entretien de la Réserve naturelle de Popenguine. En 1988 Woulimata, une vraie pionnière, commença à sensibiliser les femmes du village pour la protection de la nature et de l’environnement, à leur expliquer l’importance de l’éducation à l’environnement et d’un environnement sain pour la santé des familles. Au fil des ans des activités créatrices de revenus pour les femmes s’y sont ajoutées, par exemple la fabrication de colliers à base de papier recyclé et la gestion du « Campement Kër Cupaam » pour touristes individuels ou petits groupes de touristes. Les revenus de ces activités sont versés en partie aux femmes membres du groupement, en plus grande partie ils sont affectés à des activités communales. Woulimata est devenue une personnalité connue loin au-delà des frontières sénégalaises, mais elle n’a jamais perdu le contact avec sa communauté de base, avec « ses » femmes. Vu les problèmes financiers auxquels le groupement est toujours à nouveau confronté et vu les problèmes croissants liés au changement climatique rendant la protection de la nature de plus en plus difficile, il faut à Woulimata et à ses alliées beaucoup de courage et de patience pour la mise en œuvre de leurs activités bénévoles. On leur souhaite qu’en plus de la reconnaissance morale dont elles jouissent elles puissent recevoir aussi le soutien financier durable dont elles ont besoin.

Kër Cupaam, Popenguine, Sénégal : tél./fax : +221 956 49 51, e-mail : kcupaam@sentoo.sn

Woulimata; Foto: Ulrike Ries-Staudacher
Woulimata; Foto: Ulrike Ries-Staudacher

Peinda et son engagement pour les femmes et les enfants de Saint-Louis
Peinda est vice-présidente des Amis de la Nature de Saint-Louis, dans le Nord du Sénégal ; tous les groupes d’Amis de la Nature voyageant dans la région ont depuis longtemps des contacts avec elle et ses « femmes de Saint-Louis ». C’est à elle que nous devons une meilleure compréhension de la région : située à la frontière avec la Mauritanie, la ville est marquée par la proximité du Sahara et on voit que le sable gagne de plus en plus de terrain dans la région. À cela s’ajoute que la pêche artisanale, autrefois la principale source de revenus des familles saint-louisiennes, n’a presque plus de chances face à la surpêche par les chalutiers industriels étrangers. Beaucoup de jeunes, les hommes surtout, cherchent leur salut dans la migration – vers la capitale Dakar ou vers l’Europe. Sur cette toile de fond Peinda, qui est aussi conseillère municipale, et son groupement féminin s’engagent notamment pour proposer aux femmes des possibilités de travail dans l’agriculture et dans la production maraîchère. C’est dans ce contexte qu’un partenariat intense s’est développé entre Amis de la Nature allemands et les « femmes de Saint-Louis ». D’abord celles-ci ont été soutenues dans la transformation de fruits régionaux en jus et confitures, vendus dans une boutique gérée par les femmes. Actuellement un projet plus ambitieux est en cours de réalisation, sous forme de partenariat avec des Amis de la Nature allemands : il s’agit de la construction d’une garderie d’enfants, où les femmes travaillant dans les champs situés à proximité ont la possibilité de faire encadrer leurs enfants. Si tout va bien, la première phase de la construction doit se terminer en novembre 2013 et la garderie ouvrira prochainement ses portes. D’autres phases du projet concernent l’installation d’une classe d’alphabétisation pour les femmes et d’ateliers de teinture et de tissage. C’est Peinda, l’une des « femmes courageuses » du Sénégal, qui est le moteur de tout ce projet.

Peinda; Foto: Petra Müller
Peinda; Foto: Petra Müller

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L’État sénégalais a conscience de sa tâche dans ce domaine et soutient, moralement au moins, des groupements de promotion féminine. Bien sûr, toutes les femmes sénégalaises n’ont pas la possibilité de s’imposer, d’organiser indépendamment leurs vies voire de contribuer au bien de la communauté. Et en tout cas une femme souhaitant réussir doit faire des efforts beaucoup plus importants que tout homme. Reste que le nombre de coopératives et de groupements féminins augmente. Sans aucun doute les femmes ainsi organisées sont des modèles pour leurs filles et pour d’autres jeunes femmes dans leurs familles ; et sans aucun doute elles encouragent celles-ci pour qu’elles aillent à l’école et s’instruisent. Plus le nombre de filles et de jeunes femmes ainsi sensibilisées et motivées pour suivre une éducation conséquente augmente, plus augmenteront aussi les chances d’une réduction de la pauvreté dans un pays comme le Sénégal.

Théoriquement une femme peut accéder aux postes les plus élevés au Sénégal – mais elle a besoin de soutien et l’accès à l’éducation doit lui être garanti. Souvent ce n’est pas l’ambition qui manque : à ma question sur le métier qu’elle souhaiterait faire un jour, une élève de 17 ans d’un lycée à Saint-Louis me répondit : « Présidente de la République ». Nous souhaitons bonne chance à cette fille et à toutes les femmes courageuses du Sénégal.

Ingeborg Pint
Juin 2013