Die Landschaft des Jahres auf den zweiten Blick | The Landscape of the Year at a second glance | Le Paysage de l’Année au deuxième regard

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Persönliche Eindrücke von der Reise der Bremer Naturfreunde von Ingeborg Pint

Die „Tour d’Horizon“, die erste Reise in die Landschaft des Jahres 2018/2020 Senegal/Gambia, war geprägt von zwei Großereignissen – der Auftaktveranstaltung in Koumbidja Socé (Senegal) und dem Kankurang-Festival in Janjanbureh (Gambia) – sowie von Obstbaumpflanzungen in vier Dörfern. Nun war ich Ende November/Anfang Dezember 2018 ein zweites Mal mit einer von den Naturfreunden Bremen initiierten Reisegruppe in der Region und war gespannt, was sich mir auf den zweiten Blick erschließen würde.

Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht – die Region verfügt über ein großes Potenzial, das darauf wartet entdeckt zu werden. Die Naturfreunde von Koungheul sowie ihre Partnerorganisation Just Act in Gambia haben uns viel Neues und Interessantes gezeigt, und ich konnte auch schon beachtliche Fortschritte seit der Reise im Januar feststellen.

Foto: Jens Herbst

Geschichte und Kultur
Cheikh Diakhaté, der Koordinator der Landschaft des Jahres in Koungheul, hat uns bei einem gemeinsamen Stadtspaziergang die Rolle der Stadt vor Augen geführt,
als die Eisenbahnlinie Dakar-Niger hier noch einen bedeutenden Bahnhof hatte. Er hat uns auch gezeigt, dass Koungheul heute noch eine Rolle spielt als typisch afrikanische Stadt an einer wichtigen Durchzugsroute: Man kann hier fast alles kaufen – ein Ersatzladekabel für mein Handy zu erstehen, war überhaupt kein Problem –, Reisende nach Osten oder Westen können sich hier mit Vorräten versorgen.

Auch in den Dörfern um Koungheul gibt es Interessantes zu erleben, z.B. einen Dorfältesten, der an einem historisch bedeutsamen Ort Episoden aus der mittelalterlichen Geschichte der Stadt vorträgt. Es gibt mehrere solcher kultureller oder kultischer Stätten, die wir wohl noch entdecken werden.

Auf der gambischen Seite werden nun geführte Touren durch Janjanbureh angeboten, zu verschiedenen Themen – Geschichte, Kultur und Natur stehen dabei im Vordergrund. Die Routen sind in einem Folder beschrieben. Besonders beeindruckt hat uns der Besuch bei Frau Aja Babung Sidibeh, einer ehemaligen (Mädchen-)Beschneiderin, die spät aber doch verstanden hat, welche dramatischen Folgen diese Praxis für Frauen und Mädchen hat. Sie hält jetzt Sensibilisierungsseminare – und wird dafür sehr geachtet.

Natur und Baumpflanzungen
Der Naturweg bei Maka Gouye nimmt schon Gestalt an: Bei einem Seminar im September 2018 wurden Einheimische für die Begleitung von TouristInnen geschult. Der Weg führt vom Dorf weg durch dessen Randgebiete, die BegleiterInnen erzählen Wissenswertes zu den Bäumen und Pflanzen – fast alle haben eine spezielle therapeutische Wirkung.
Der Weg bietet einen wunderbaren Ausblick auf einen Seitenarm des Gambia-River, in dem Seerosen blühen und zahlreiche Vögel zu beobachten sind.

Foto: Jens Herbst

Durch Gemüsegärten gelangen wir wieder ins Dorf zurück. Der Weg soll auch in Zukunft nicht ausgeschildert werden, sondern es ist geplant, dass geschulte DorfbewohnerInnen interessierte TouristInnen begleiten. Die Gemeinde hat zugesagt, sich an der Bewerbung dieses Angebotes zu beteiligen.

Der Großteil der Bäume, die Anfang Jänner im Rahmen der Tour d´Horizon gepflanzt wurden, gedeihen prächtig – kleine Misserfolge schmälern das positive Ergebnis nicht. Oft kann man kaum glauben, dass die Bäume erst vor zehn Monaten gepflanzt wurden. Bäume, die nicht gediehen sind, wollen die Naturfreunde nachpflanzen.

Touristische Infrastruktur
Die Angebote von Gastronomie und Hotellerie in der Region sind noch bescheiden und auch der Service ist verbesserungswürdig. Allerdings hat Just Act einige junge Frauen kostenlos für die Arbeit im Hotel ausgebildet, sie haben während unseres Aufenthaltes dort Praktika absolviert.

Und: Die von uns gerne frequentierte „Cheers Bar and Restaurant“ am Ufer des Gambia-River ist absolut einladend. Die jungen Betreiber gehen auf nette Weise auf TouristInnen zu und führen sie zu ihrer Anlage. Sie bringen Tische, Stühle, Matratzen und gekühlte Drinks – ein wirklich nachahmenswertes Beispiel. Omar Jammeh, der Direktor von Just Act hat dort mit einem Partner auch bereits Gästezimmer eingerichtet und möchte die Anlage zu einem kleinen Touristencamp ausbauen. Dort wird sicher alles getan werden, um die Gäste für den nachhaltigen Tourismus zu sensibilisieren.

Nach wie vor eine harte Geduldsprobe ist die Rückfahrt von Gambia nach Senegal für diejenigen, die mit der Fähre bei Farafenni den Fluss überqueren wollen. Wenn dann aber im Jänner die neue Brücke eröffnet werden wird, wird diese Fahrt einfacher werden.

Perspektiven
Mein Gefühl ist, dass die erste Landschaft des Jahres in Afrika auf einem guten Weg ist. Sehr schön für mich und viele Mitreisende war bei dieser Reise, das Engagement junger Leute zu sehen – sei es im Collège in Koumbidja Socé, sei es in Janjanbureh, wo die Gruppe um Omar Jammeh alles dafür tut, Arbeit für junge Menschen in der Region zu generieren und sie von dem gefährlichen Weg nach Europa durch die Hintertür (back way) abzuhalten.

Besonders erfreulich ist, dass die Reisegruppe sich spontan bereit erklärt hat, die Finanzierung eines Schüleraustauschs zwischen Koungheul und Janjanbureh zu organisieren, der vor den Sommerferien 2019 stattfinden soll. Ein schönes Beispiel für Solidarität unter NaturfreundInnen.

Nun steht die nächste Reise – der Naturfreunde Baden (D) – bevor und ich freue mich schon wieder darauf!


english

Personal impressions from Naturefriends Bremen’s journey by Ingeborg Pint

The „Tour d’Horizon“, the first trip to the Landscape of the Year 2018/20 in Senegal/The Gambia, was characterized by two major events – the opening ceremony in Koumbidja Socé (Senegal) and the Kankurang festival in Janjanbureh (The Gambia) – as well as planting fruit trees in four villages. Now, at the end of November/beginning of December 2018, I got the chance to visit the region a second time together with a travel group from Naturefriends Bremen and was curious to see what I would discover at a second glance.

My expectations were not disappointed – the region has a lot of potential, just waiting to be discovered. Naturefriends Kongheul and their partner organisation Just Act in The Gambia showed us many new and interesting aspects and I was able to see that since the journey in January, tremendous progress has been made.

Photo: Jens Herbst

History and Culture
During our walk through the town, Cheikh Diakhaté, who coordinated the Landscape of the Year in Koungheul, showed us how important the city was when the railway line Dakar-Niger had an important train station here. He also pointed out that Khonguel still plays an important role today as a typical African city at one of the main transit routes: It is possible to buy almost anything here – getting a spare charger for my phone was no problem at all – and people travelling from east to west can stock up on supplies.

In the villages around Khongeul visitors can discover many interesting details, as for example a village elder who recites part of the medieval history of a historically significant location. There are numerous cultural sites we have yet to discover.

On the Gambian side, guided tours with different themes through Janjanbureh are offered – history, culture and nature being the most prominent topics. The routes are described in a folder. What impressed us most was visiting Aja Babung Sidibeh, who used to be a circumciser for girls but later understood the dramatic consequences this practice has on women and girls. She now hosts awareness-raising seminars – and is widely respected for this.

Nature and tree plantings
The nature trail close to Maka Gouve is taking shape already: During a workshop in September 2018, locals were trained to accompany tourists on this path. The trail leads away from the village to the peripheries and the guides talk about the local flora – almost all of the plants have a therapeutic effect. The trail offers a beautiful view of one of the side arms of the Gambia River, where water lilies bloom and numerous birds can be seen.

Photo: Jens Herbst

Through vegetable gardens we come back to the village. The plan is to not put any signs on the trail but to encourage locals to guide tourists who are interested. The local authorities have confirmed their help in advertising the offer.

The majority of trees planted during the Tour d’Horizon in January are thriving – a few small mishaps do not take away from the positive results. Often, it is hard to believe that the trees were only planted ten months ago. Naturefriends are planning to re-plant the trees that didn’t thrive.

Tourism infrastructure
The restaurants and hotels in the region are still modest and the service could be improved sometimes. However, Just Act has just trained a few young women free of charge to be able to work in the hotels – while we were there, they were doing an internship.

And: We especially like the “Cheers Bar & Restaurant” at the river bank of the Gambia River – definitely worth a visit. The young owners greet the tourists in a nice way and bring them to the area. They bring tables, chairs, mattresses and cold drinks – a great example. Omar Jammeh, director of Just Act, already set up guest rooms together with a partner and would like to develop the restaurant into a small tourism tourist camp. It can be expected that everything will be done to increase awareness about sustainable tourism among the guests.

The return journey from The Gambia to Senegal is still an ordeal for those taking the ferry at Farafenni to cross the river. However, this trip will become easier once the new bridge opens in January.

Outlooks
I feel that the first Landscape of the Year in Africa is well on its way. For me and my fellow travellers it was great to see the initiative of the young people – be it in the Collège in Koumbidja Socé or in Janjanbureh where the group around Omar Jammeh works hard to create jobs for the local youth in order to prevent them from going on the dangerous back way to Europe.

It is especially good to see that the tour group spontaneously agreed to organise the financing for the student exchange between Koungheul and Janjanbureh, which should take place before the summer holidays 2019. A great example of solidarity between Naturefriends.

Now the next trip – this time with Naturefriends Baden (Germany) – lies ahead and I am very much looking forward to it!


français

Impressions personnelles du voyage des Amis de la Nature de Brême de Ingeborg Pint

Le « Tour d’Horizon », le premier voyage au Paysage de l’Année 2018/2020 Sénégal/Gambie, a été marqué par deux événements majeurs : le lancement à Koumbidja Socé (Sénégal) et le Festival du Kankourang à Janjanbureh (Gambie), ainsi que par les plantations d’arbres fruitiers dans quatre villages. Fin novembre/début décembre 2018 je me trouvais dans la région pour la deuxième fois avec un groupe initié par les Amis de la Nature de Brême. Je me demandais donc ce que j’allais découvrir au deuxième regard.

Mes attentes n’ont pas été pas déçues – la région a beaucoup de potentiel à mettre en valeur encore. Les Amis de la Nature de Koungheul et leur organisation partenaire gambienne Just Act nous ont montré beaucoup de choses nouvelles et intéressantes, et j’ai déjà constaté des progrès considérables depuis le voyage en janvier.

Photo: Jens Herbst

Histoire et culture
Au fil d’une promenade en ville, Cheikh Diakhaté, coordinateur du Paysage de l’Année à Koungheul, a rappelé le rôle de la ville à l’époque où le chemin de fer Dakar-Niger y avait encore une gare importante et nous a montré que Koungheul joue encore aujourd’hui un rôle ; c’est und ville africaine typique située sur un axe de transit important, où presque tout peut être acheté – trouver un câble de recharge pour mon portable ne posait aucun problème, et les voyageurs transitant vers l’Est ou l’Ouest du pays peuvent s’approvisionner en aliments de toutes sortes.

Dans les villages autour de Koungheul il y a des découvertes intéressantes à faire, par exemple écouter sur un site historique un ancien réciter des épisodes de l’histoire médiévale de la ville. Il y a plusieurs sites culturels ou religieux que nous allons probablement découvrir encore.

Côté gambien, Janjanbureh propose maintenant des circuits guidés sur divers sujets – l’histoire, la culture et la nature sont au premier plan. Un dépliant décrit les circuits. Nous avons été particulièrement impressionnés par la rencontre avec Mme Aja Babung Sidibeh, une ancienne exciseuse qui a compris, tardivement il est vrai, quelles conséquences dramatiques cette pratique a pour les femmes et les filles concernées. Elle organise actuellement des séminaires de sensibilisation et est très respectée pour cela.

Nature et plantations d’arbres
Le sentier de découverte de la nature à Maka Gouye est en train de prendre forme : lors d’un séminaire organisé en septembre 2018, plusieurs personnes ont été formées pour accompagner des touristes. Le chemin mène du village à travers sa périphérie, des explications sont données sur les arbres et les plantes – presque tous ont des vertus thérapeutiques. Plus loin, une vue magnifique s’ouvre sur un bras du fleuve Gambie, avec des nénuphars et de nombreux oiseaux.

Photo: Jens Herbst

Nous revenons au village en traversant des cultures maraîchères. Il n’est pas prévu de baliser le chemin, les touristes se feront plutôt accompagner par des villageois/es formé/e/s à cette tâche. La municipalité a accepté de participer à la promotion de cette offre.

La majorité des arbres plantés en janvier se portent bien, voire très bien – de petits échecs n’enlèvent rien au résultat positif. On a souvent du mal à croire que les arbres ont été plantés il y a seulement 10 mois. Là où les arbres n’ont pas prospéré, les Amis de la Nature veulent replanter.

Infrastructure touristique
La gastronomie et l’hôtellerie sont encore modestes et les services pourraient être améliorés. Cependant Just Act a formé gratuitement des jeunes femmes au travail à l’hôtel, elles y ont effectué des stages pendant notre séjour.

Et le « Cheers Bar and Restaurant » sur les rives du fleuve Gambie, prisé par notre groupe, est un vrai havre de repos. Les jeunes opérateurs abordent gentiment les touristes et leur signalent le chemin vers leur installation : ils apportent des tables, des chaises, des matelas et des boissons fraîches – un exemple d’hospitalité qui mériterait d’être imité. Omar Jammeh, directeur de Just Act, y a déjà installé des chambres d’hôte avec un partenaire et envisage de développer l’installation en un petit camp de tourisme. Tout y sera certainement fait pour sensibiliser les visiteurs au tourisme durable.

Le voyage de retour de la Gambie au Sénégal est toujours un dur test de patience pour ceux qui veulent traverser le fleuve en ferry à Farafenni – mais comme le pont presque achevé sera ouvert en janvier 2019, le passage sera désormais plus facile.

Perspectives
Mon sentiment est que le premier Paysage de l’Année africain est sur la bonne voie. Lors de ce voyage il était important pour moi et pour de nombreux autres voyageurs de constater l’engagement des jeunes – que ce soit au Collège de Koumbidja Socé ou à Janjanbureh, où le groupe autour d’Omar Jammeh fait tout pour générer des emplois pour les jeunes de la région et pour les empêcher de s’engager dans la voie dangereuse vers Europe, par la porte arrière (back way).

Il est particulièrement satisfaisant que le groupe participant aux voyage ait spontanément accepté d’organiser le financement d’un échange d’élèves entre Koungheul et Janjanbureh, qui devrait avoir lieu avant les vacances d’été de 2019. Un bel exemple de solidarité entre Amis de la Nature.

Maintenant, le prochain voyage – des Amis de la Nature de Baden (Allemagne) – est imminent et je m’en réjouis déjà !

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