Mit dem E-Scooter in die Slowakei (anlässlich der Europäischen Mobilitätswoche)

Die March sieht von hier oben sehr blau aus, obwohl sie als Tieflandfluss gilt und für ihre schlammigen Wasser bekannt ist. Hier oben: Das ist von der wohl steilsten Radbrücke aus betrachtet, die ich kenne. Als „Chuck Norris“-Brücke wurde sie medial berühmt, denn die Slowakei, die diese Brücke errichten ließ, war so unvorsichtig, die Öffentlichkeit zur Abstimmung über den Namen aufzufordern. Ursprünglich als Scherz lanciert, wurde der Action-Haudegen zum Favoriten des Publikums auf Namenssuche. Der offizielle Name ist dann doch ganz brav „Brücke der Freiheit“ geworden. „Maria-Theresia-Brücke“ stand auch zur Wahl. Schließlich regierte die Habsburger-Monarchien einst sowohl  Österreich als auch die Slowakei, die zwei Länder, die die Brücke verbindet. Auch mit Schlosshof und dem gleichnamigen Schloss, das etwa einen Kilometer von der Brücke auf österreichischer Seite liegt, ist Maria Theresia eng verbunden.

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Foto: Karin Chladek

Radbrücke über den Grenzfluss
Doch der Reihe nach: Ich kenne sowohl Schlosshof als auch die March schon seit meiner Kindheit, weil ich im nahen Marchegg aufgewachsen bin. Die Radbrücke über den Grenzfluss wurde erst vor wenigen Jahren errichtet, während der fünf Jahre, die ich in Berlin verbracht habe. Bisher konnte ich nicht über die Radbrücke in die Slowakei fahren, obwohl die Grenzen zwischen den beiden EU-Ländern Österreich und der Slowakei seit Jahren offen sind. Wegen einer seltenen neurologischen Erkrankung, die meine Beine schwächer werden lässt und sich auf mein Gleichgewichtsgefühl auswirkt, kann ich nicht mehr mit einem gewöhnlichen Rad fahren. Ein großer Verlust, denn für mich waren Räder immer meine unkomplizierten Hauptfortbewegungsmittel.

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Blick von Schlosshof auf Devinska Nova Ves und den Radweg zur Brücke (Foto: Karin Chladek)

Dreirad mit Elektroantrieb
Seit Kurzem bin ich stolze Besitzerin eines Dreirads mit Elektroantrieb. Die Suche danach dauerte länger. Sicher, Dreiräder gibt es in Österreich, auch einen Elektromotor können Bastler einbauen. Bleibt das Problem, dass Dreiräder sehr ausladend sind. Also für Land- und Bundesstraßen, die man als Radfahrer in Österreich oft benutzen bzw. queren muss, wenig geeignet. Außerdem sind sie durch ihre Breite nicht so einfach zu transportieren, wenn man keinen Kastenwagen besitzt. Was ich nicht tue, auch niemand in meiner Familie.
Das Modell, mit dem ich nun unterwegs bin, kommt aus Deutschland. Im ZDF habe ich eine Moderatorin damit fahren sehen. Glücklicherweise führte ein innovativer Radhändlerin in Wien das neue Gefährt. Billig war es nicht, vor allem, wenn man bisher unkomplizierte, nicht unbedingt neue Räder gewohnt war.
Eigentlich unglaublich, dass es so schwierig ist, ein unsperriges Dreirad mit E-Antrieb aufzutreiben, in Zeiten, in denen E-Fahrräder boomen. Und selbst das Modell, mit dem ich nun unterwegs bin, ist nicht perfekt: Es ist eher ein Scooter als ein Dreirad, weil man nicht selbstständig treten kann. Was gut wäre, um meine verbleibenden Muskeln zu trainieren. Aber dafür ist es relativ schmal und gut handzuhaben. Ein Kompromiss.

Städtisches Gebiet, ländlicher Raum
Heute soll es mich in die nahe Slowakei tragen. Mir kommt es absurd vor, dass es so lange gedauert hat, bis ich mich über die Radbrücke auf die andere Seite der March bewegen konnte. Jahrelang zögerte die Politik hüben wie drüben mit der Errichtung einer Radbrücke, obwohl der Gedanke naheliegend erscheint: Schließlich gehört das Gebiet auf der slowakischen Seite der March zu Bratislava, während das Gebiet auf der österreichischen Seite ländlicher Raum ist. Idyllisch. Ideal für den naturnahen Tourismus, den gestresste Großstädter suchen. Hier war lange Zeit das Ende der westlichen Welt. Für viele ÖsterreicherInnen ist es das heute noch, fast 26 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Sicher auch ein Grund, warum die Radbrücke so lange nicht gebaut wurde und es auf der österreichischen Seite für TouristInnen – bis auf Schlosshof – an Gelegenheiten mangelt, ihr Geld auszugeben. Nicht einmal eine Raststation oder einen Würstelstand gibt es. Touristisches G´spür für Geschäfte findet man in Österreichs Nordosten nicht wirklich.

Blick auf die Burgruine Theben in der Slowakei von Schlosshof aus_KCHLADEK

Blick auf die Burgruine Theben in der Slowakei von Schlosshof aus (Foto: Karin Chladek)

Zur Donau gen Süden
Doch zurück zum Thema: Mit dem E-Dreirad über die March in die Slowakei. De facto findet man auf der slowakischen Seite bessere Radwege vor als in Österreich. Teilweise wurden sie auf den ehemaligen Wegen der Grenzschutztruppen angelegt. Immer entlang der March geht es rund 15 Kilometer gen Süden, zur Mündung der March in die Donau. Begleitet von meinen Eltern auf ihren Fahrrädern geht es gut voran. Natürlich ist der Ausflugsverkehr auf der slowakischen – stadtnahen – Seite dichter, aber schließlich gibt es Radhupen, eine extralaute sogar auf dem E-Scooter, und die meisten Fußgänger gehen schnell zur Seite.

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Marchmündung (Foto: Karin Chladek)

Etwas zu schaffen machen mir die Wurzeln der Weiden, die entlang der March wachsen und auf dem Radweg für Schatten sorgen, doch Übung macht bekanntlich den Meister. Ein Highlight wartet an der Mündung der March auf uns: die Ruine der Burg von Theben auf dem sogenannten Arpad-Felsen. Dieser heißt in Slowakisch anders, sicher, schließlich sind viele SlowakInnen auf Ungarn schlecht zu sprechen. Historische Gründe. Doch ich weiß den aktuellen slowakischen Namen einfach nicht.
Am Fuß von Burg und Felsen wird Ribiselwein verkauft. Wir verkneifen ihn uns, schließlich liegt die Rückfahrt noch vor uns, und in der Slowakei gelten 0,0 Promille im Straßenverkehr. Auch auf dem Rad und auch auf dem Dreirad. Erst recht, wenn es elektrisch betrieben wird.

Autorin: Karin Chladek

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