Mexiko und Belize – von Mayas, Tortillas und Jaguaren

Um acht Uhr in der Früh ging es los. Die Freude auf ein neues Land, spannende Leute und ein gänzlich anderes Klima stellte sich bereits am Münchner Flughafen ein. Der Flug sollte von München über Toronto nach Cancún gehen. Mit etwas Verspätung ging es dann los. Zum Glück war in Toronto etwas Zeit zwischen Ankunft und Weiterflug nach Cancún, um meine FreundInnen in Mexiko anzurufen. Doch die schlechte Telefonverbindung zwischen Kanada und Mexiko wollte mir kein Gespräch nach Cancún erlauben. Das war nicht so schlimm, kannte ich doch den Weg vom Flughafen mit dem Taxi oder dem Sammeltaxi “collectivo” nach Playa del Carmen, da ich während des Studiums sechs Monate in Mexiko als Praktikantin gearbeitet hatte. Obwohl der Taxifahrer die Straße in Playa del Carmen nicht kannte, fanden wir schlussendlich doch noch zu meinen Freunden und an unser erstes Ziel.

Playa del Carmen an der so genannten Riviera Maya, der Karibikküste Mexikos auf der Halbinsel Yucatán, ist ein sehr touristischer Ort. Die langen Strände, das azurblaue Wasser und die gute Anbindung in die Vereinigten Staaten ziehen vor allem viele TouristInnen aus Nordamerika an. Nach der ersten Tour in Playa del Carmen, gemütlichem Zusammensitzen mit meinen FreundInnen und den ersten richtigen mexikanischen Tacos, zogen wir ca. 40 Kilometer weiter nach Tulum. Direkt an der Küste gelegen, beherbergt Tulum eine der berühmten Maya-Stätten Yucatáns. Früher als Hippie-Metropole bekannt, hat es seinen alternativen Charme trotz der vielen TouristInnen noch nicht ganz verloren. Besonders entlang des Strandes beim Naturpark Shian Kaan haben sich zahlreiche kleinere Strandunterkünfte, so genannte Cabanas, angesiedelt.

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© Cathrine Schwenoha

Obwohl man doch bis zu 1,5 Stunden Fußmarsch (eine Richtung) oder für die Fahrt 150 Pesos (umgerechnet 8,40 Euro) hin und retour zum Strand nahe des Naturparks in Kauf nehmen muss, sind der Spaziergang und das eine oder andere erfrischende Getränk in den Cabanas und den Strandlokalen, wie der Posada Margerita, den Preis auf alle Fälle wert. Auf Yucatán besuchten wir auch eine der „Cenoten“ (cenotes) – Süßwasserquellen, welche bereits von den Mayas genutzt wurden. Es wird spekuliert, ob der Niedergang der Mayakultur mit ihrer Tradition, den Göttern Menschenopfer in den Cenoten zu machen und der damit einhergehenden Verseuchung des Wassers zusammenhängt. Heute sind diese Quellen eine beliebte Attraktion vor allem für TaucherInnen und WasserfreundInnen. Unterwasserfans kann unter anderem die Cenote Dos Ojos empfohlen werden, welche durch ihre Lichtgänge nach außen wunderschöne Lichteinfälle in das azurblaue Wasser der Quellen bietet.

Nach fünf Tagen Besichtigung der Umgebung von Playa del Carmen, vielen Gesprächen mit FreundInnen und einigen Jelas (span. ugs. für Bier), Tortas (runde Fladen mit Fleisch/Fisch, Salsa, Käse), Tostadas (harte Fladen mit Fleisch/Fisch, Salsa, Käse) und Tacos (weiche, gerollte Fladen mit Fleisch/Fisch, Salsa, Käste), ging die Reise per Bus weiter zum Grenzort Chetumal. Dort ging es per Taxi zum Dock, wo wir die Tickets für die Überfahrt nach San Pedro auf Ambergris Caye in Belize erstanden – und unser Gepäck von Drogenhunden untersucht wurde.

Zwei Stunden nach Abfahrt erreichten wir Belize. In San Pedro zeigte sich der Einfluss der TouristInnen aus den Vereinigten Staaten auf das touristische Angebot. Das Angebot der meisten Restaurants reichte von Hamburgers, über „surf n’ turf“ (Rindssteak mit Hummer) bis hin zu „sodas“ (Softdrinks) aller Art und frozen cocktails (Cocktails mit Crashed Ice vermischt zu Smoothies). Also einstweilen nichts mit lokaler Küche. Die Einheimischen waren sehr freundlich und hilfsbereit, was unsere Stimmung wieder aufhellte. Am ersten Morgen machte ich mich auf die Suche nach regional-typischem Frühstück und fand nach einigem Herumfragen einen kleinen Taco-Stand, an dem man Kaffee und frisch zubereitete Tacos erhielt.San Pedro ist durch eine Brücke in den touristischen und den nicht-touristischen Teil der Insel getrennt. Auf der einen Seite lebt die lokale Bevölkerung und auf der anderen wird den TouristInnen alles geboten, was sie sich nur wünschen. Im Gespräch mit Einheimischen wurde uns versichert, dass es auf Caye Caulker, unserem nächsten Ziel, viel „relaxter“ zuging – das ließ uns hoffen …

Nach einer Stunde Überfahrt mit dem Wassertaxi kamen wir nach Caye Caulker. Die Insel zeichnet aus, dass man sich nur mit Golf-Cars, Fahrrad oder zu Fuß auf der Insel fortbewegen kann. Die Stimmung auf Caye Caulker war wirklich etwas entspannter, aber auch hier zeichnete sich die Anpassung an den Tourismus stark ab. Obwohl die Einheimischen einem gerne Auskunft erteilten, waren die Gespräche doch etwas einseitig und von ihrer Seite sehr auf Fakten beschränkt. Uns wurde das Gefühl vermittelt, nur Touristinnen unter vielen zu sein, wir konnten kaum direkten Zugang zur lokalen Bevölkerung knüpfen.

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© Cathrine Schwenoha

Ähnlich wie auf Ambergris Caye war auch auf Caye Caulker die Küche auf amerikanische Bedürfnisse angepasst. Man konnte aber auch mit einem lokalen Fischer angeln gehen – danach wurde der selbst gefangene Fisch auf traditionelle Weise gebraten und mit Reis serviert. Die lokale Spezialität ist jedoch Hühnchen, das mit Reis und Bohnen serviert wird.

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© Cathrine Schwenoha

Nach weiteren zwei Tagen auf Caye Caulker ging es weiter nach Belize City, um von dort aus auf das drei Stunden entfernte Lighthouse Atoll zu fahren. Auf Lighthouse hatten wir eine Unterkunft bei einer vermeintlich einheimischen Dame inmitten des Dschungels gebucht. Wie sich herausstellte, war unsere Gastgeberin Amerikanerin, lebte jedoch schon seit vielen Jahren in Belize. Sie und ihre belizische Freundin versorgten uns – und gaben die einen oder anderen Geschichten beim gemeinsamen Abendessen zum Besten. Die Insel konnte innerhalb von eineinhalb Stunden gemütlich zu Fuß erkundet werden. Neben unserer Unterkunft gab es noch ein verlassen wirkenes Wellnesshotel und eine Tauchschule auf der Insel. Wir verbrachten die Nachmittag mit Wanderungen durch den Dschungel oder am Strand.

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© Cathrine Schwenoha

Für TauchfreundInnen wurden zahlreiche Exkursionen zu den naheliegenden Riffen und dem berühmten Blue Hole, einem mehrere hundert Meter tiefen Krater inmitten des Riffs, angeboten. Hier draußen war die Unterwasserwelt, trotz der zahlreichen TaucherInnen, noch unberührt. Am Peer genossen wir die einsamen Sonnenuntergänge. Wir besuchten auch das Half Moon Reservoire, ein Naturschutzgebiet, das für seine „red footed boobies“ (Rotfußtölpel) bekannt war. Da wir bereits früh mit den TaucherInnen losfuhren, konnten wir die Insel während der ersten Stunden ohne auf weitere TouristInnen zu treffen erkunden. Gegen Mittag wurden die ersten TouristInnengruppen auf die Insel gebracht und wir waren froh, am Nachmittag wieder vom Tauchboot abgeholt zu werden. Dennoch ist die Insel wunderschön und man hat den Eindruck, dass die Umwelt hier intakt ist. Vögel und Leguane lassen sich durch die BesucherInnen kaum beeindrucken.

Zurück auf Lighthouse fiel nach vier Tagen Inselleben die Rückkehr auf das Festland schwer. Sehr herzlich wurden wir von unserer Gastgeberin und ihrer Freundin verabschiedet. Nach  dreistündiger Fahrt nach Belize City ging es aufs Neue per Boot weiter Richtung Gales Point Manatee. Die Überfahrt dauerte erneut drei Stunden, war jedoch aufgrund der Geschichten unseres Guides recht kurzweilig. In den Mangrovensümpfen gab es zahlreiche
Fische, welche per Catch-and-Release-System gefangen und wieder frei gelassen wurden. Auch konnten wir dort neben vielen Wasservögeln zum ersten Mal ein Krokodil in freier Wildbahn sehen.

Gales Point Manatee wird im „Lonely Planet“ nicht umsonst „Geister-Stadt“ genannt. Wir kamen am Pier an. Außer dem Hotelbesitzer, der Köchin und zahlreichen Hundewelpen lief uns den restlichen Nachmittag sonst niemand über den Weg. Wir spazierten die einzige Straße entlang und entdecken viele verlassene Häuser. Ein paar EinwohnerInnen hatte Gales Point Manatee doch –  wenn es jedoch um die 30 waren, waren es viele. Ein wenig gespenstisch war der Ort. Dieser Eindruck wurde noch verstärkt, als  wir ein Pferd entdeckten, das auf der Terrasse eines verlassenen Hauses stand und das niemandem zu gehören schien. Dennoch genossen wir die Ruhe. Am nächsten Tag machten wir uns auf die Suche nach den namensgebenden Manatees (Seekühe). Leider wollten sie auch nach zwei Stunden intensivem Auf-das-Wasser-Schauen nicht auftauchen. Am nächsten Morgen ging es nach Hopkins.

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© Cathrine Schwenoha

Hopkins ist ein bekanntes Garifuna-Dorf, rund 50 Kilometer von Gales Point Manatee entfernt. Auch hier erlebten wir ein Dorf, das auch vom Tourismus lebt, allerdings nicht so stark davon geprägt ist. Was uns hier noch stärker als in den anderen Dörfern auffiel war, dass die Leute sehr zurückhaltend den TouristInnen gegenüber waren. Unsere Unterkunft war ein Apartment, das von einer vermeintlich lokalen Dame geführt wurde. Wiederum stellte sich heraus, dass die Dame ursprünglich aus dem Ausland stammte, und zwar aus England. Sie und ihr Mann hatten sich vor vielen Jahren hier die Apartments gekauft und vermieten diese nun an TouristInnen. Von Hopkins aus erkundeten wir die folgenden Tage den Hummingbird Highway, das Cockscomb Jaguar Reserve und Punta Gorda. Die Verkehrsmittel in Hopkins waren entweder öffentliche Busse oder Leih-Motorräder. Entlang des Hummingbird Highways gab es viele Zitrusfruchtplantagen, welche für die Region ein gutes Einkommen darzustellen schienen. Aus dieser Region stammt übrigens die landestypische Salsa „Sauce Marie Sharp’s“, welche uns bereits von Anfang an vor allem beim landestypischen Hühnchen mit Reis und Bohnen begleitete. Am nächsten Tag machten wir uns bereits früh auf zum Cockscomb-Reserve, das für seine noch ansehnliche Population an wild lebenden Jaguaren berühmt ist. Besonders beindruckend war die Geräuschkulisse früh morgens. Besonders die howler monkeys (Brüllaffen) machten ihrem Namen alle Ehre. Auch wenn wir keinen Jaguar zu Gesicht bekamen, konnten wir riesige Schmetterlinge, verschiedene Schildkrötenarten und Wasservögel und bei der Ausfahrt aus dem Park sogar eine Herde Wildschweine bewundern.

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© Cathrine Schwenoha

Im Maya-Dorf direkt neben dem Parkeingang hat sich eine Gruppe von Frauen zusammengefunden, die ihre Handwerksprodukte – wie Schmuck, Kleider und Schnitzereien – selbstständig vermarkten.
Sie haben ein kleines Geschäft aufgebaut. Besonders ist, dass auf allen Preisschildern die Namen der Produzentinnen vermerkt sind. Auf der Rechnung ist dann auch aufgelistet ist, wer welchen Betrag erhalten wird. Wir freuten uns, zu wissen, welche der Damen unsere Souvenirs gefertigt hatte. Beim Bezahlen standen sie nämlich alle an der Kassa, um ihren Anteil abzuholen.

Auf dem Weg von Cockscomb nach Hopkins fuhren wir den Sittee-River entlang. Dort gibt es ein kleines Kaffeehaus, das Café Curve. Von hier aus konnten wir unser zweites Krokodil in diesem Urlaub beobachten, wie es in aller Ruhe den Fluss überquerte. Schön langsam näherten wir uns unserer letzten Destination in Belize. Wir hatten einen Ausflug nach Punta Gorda geplant, einem Ort, der direkt an der Grenze zu Guatemala liegt. Es schien, als wären wir hier wieder mit einigen wenigen die einzigen TouristInnen. Leider machten wir aber auch die Erfahrung, dass die lokale Bevölkerung die TouristInnen nicht sehr zu schätzen schien – sie war sehr distanziert. Je tiefer wir in den Süden des Landes vordrangen, desto weniger TouristInnen trafen wir und desto ursprünglicher waren auch die Orte. So verbrachten wir noch eineinhalb abschließende Tage in Punta Gorda und besuchten unter anderem die lokale Schokoladenfabrik – Cotton Tree Chocolate. Von dort aus mussten wir wieder die Heimreise antreten.

Die Reise entlang der mexikanischen und belizischen Küste war sehr eindrucksvoll. Neben den Naturschönheiten wurde uns auch vor Augen geführt, welchen Einfluss der Tourismus auf Land und Leute hat: von der starken Abhängigkeit vom Tourismus, der dennoch offenen Mentalität der Menschen in Mexiko, über die Anpassung speziell an den Nordamerikanischen Markt in Belize, die mit Zurückhaltung seitens der Einheimischen einherging, bis hin zum Süden Belizes, wo wenige TouristInnen unterwegs waren, wo jedoch der Tourismus von den Einheimischen scheinbar zwar als Einnahmequelle, allerdings nicht als Möglichkeit zum Austausch mit TouristInnen gesehen wurde. Da stellen sich die Fragen: Schützt Abgelegenheit vor Tourismus und seinen negativen Einflüssen? Oder funktioniert authentischer Tourismus ohne Ambitionen der lokalen Bevölkerung? Natürlich brachten die drei Wochen nur einen kleinen Einblick. Es sei jedem und jeder empfohlen, der /die Mexiko und Belize kennen lernen möchte, sich mehr Zeit zu nehmen, als wir es tun konnten. Die Küste Mexikos und Belizes, ihre Landschaft und BewohnerInnen sind einen Besuch Wert – und eine einzigartige Erfahrung.

Autorin: Cathrine Schwenoha

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