Fotografieren von Menschen in fremden Ländern – Ein paar Gedanken und Ratschläge zu respektvollem Fotografierverhalten auf Naturfreundereisen nach Senegal

von Ingeborg Pint

Naturfreundereisen sind, soweit möglich, natur- und umweltfreundlich. Ob sie auch menschenfreundlich sind, wird nicht unwesentlich von unserem Fotografierverhalten beeinflusst. Die Bevölkerung Senegals ist TouristInnen gegenüber aufgeschlossen und freundlich, und Fotografieren ist im Allgemeinen unproblematisch; trotzdem sollten fotografierende NaturfreundInnen Regeln des Anstandes und des Respekts beachten.

318149_original_R_by_Maren Beßler_pixelio.deFoto: © Maren Beßler/pixelio

Grundsätzlich gilt: Personen, die man nicht kennt, auf jeden Fall fragen, ob man fotografieren darf. Wenn jemand signalisiert, dass er/sie nicht fotografiert werden möchte, bitte nicht insistieren. In muslimischen Ländern, auch wenn sie so von Toleranz geprägt sind wie Senegal, kann Fotografieren auch aus religiösen Gründen nicht erwünscht sein.
Schwer arbeitende Menschen (etwa Fischer, Bootsbauer, Marktfrauen) reagieren oft empfindlich, wenn man sie fotografiert; sie wissen genau, dass EuropäerInnen solche Situationen oft „pittoresk“, „malerisch“, „schön“ finden, was sie nicht sind. Und sie haben kein Verständnis dafür, dass man sie in ihren schwierigen, oft ärmlichen Lebensumständen fotografisch ausbeutet und es an Respekt fehlen lässt.

Bei Dorfbesuchen stellen wir uns zuerst dem Dorfältesten oder einem Vertreter vor, der die Fotografiererlaubnis erteilt. Wenn wir irgendwo „zu Hause“ sind (z.B. bei Naturfreunde-Gruppen oder bei Schulen, an denen unsere lokalen Naturfreunde als LehrerInnen arbeiten), fragen wir auch immer erst, obwohl wir wissen, dass Fotografieren willkommen ist. Auch wenn uns das Fotografieren erlaubt wird: Es gibt Grenzen des Anstandes – bitte nicht in Innenräume von Hütten und Häusern hinein fotografieren, auch wenn es heißt: „Alles darf fotografiert werden“. Wir wollen nicht in die Privatsphäre von Menschen eindringen.

Sich Zeit nehmen

Jedenfalls sollte man sich für Fotos von Personen möglichst Zeit nehmen, nicht einfach drauflos schießen. Aus dem Bus rausstürzen und losfotografieren ist absolut tabu! Schauen wir zuerst mit den Augen und dann mit der Kamera! Wenn möglich sollte Fotografieren auch Kommunikation sein. Menschen sind nicht in erster Linie Fotomotive! Wenn wir in einem Dorf die Schule besuchen, uns mit SchülerInnenn und LehrerInnen unterhalten, uns aufs Mittanzen mit Kindern und Erwachsenen einlassen, dann kommen wir nicht als „Fremde“, sondern werden als „Freunde“ gesehen. Und es gibt kaum Erfreulicheres als 200 Kinder, die vor Freude jubeln, wenn die „AusländerInnen“, mehr oder weniger begabt, zu afrikanischen Rhythmen tanzen. Klar ist, dass NaturfreundInnen keinen Katastrophentourismus betreiben – Unfälle sind nichts, was man auf Fotos nach Hause mitnimmt.

Geld für Fotos?

Es kann vorkommen, dass unvermittelt, auf einem Markt beispielsweise, Mütter auf TouristInnen zugehen und sie auffordern, vom Kind ein Foto zu machen: Das bedeutet jedenfalls, dass nachher Geld für das Fotografieren verlangt wird. Die senegalesischen NaturfreundInnen sind ebenso wie ich strikt dagegen, in solchen Situationen für ein Foto zu bezahlen. Es ermutigt die Leute nur, die Kinder nicht zur Schule zu schicken und sie lieber abfotografieren zu lassen. Also bitte nicht auf Aufforderung von Erwachsenen ein Kind fotografieren. Es ist auch für TouristInnen, denke ich, ein unangenehmes Gefühl, bloß als „Geldgeber“ angesehen zu werden und nicht als Menschen auf Augenhöhe. Ansonsten lassen sich natürlich Kinder meist gerne fotografieren, in Dörfern, bei Naturfreundegruppen. Man zeigt ihnen dann gleich die Fotos. Am besten ist natürlich, ihnen später Fotos zukommen zu lassen, z.B. über TeilnehmerInnen an der nächsten Reise. Die NaturfreundInnen Senegal sind auch der Ansicht, und das ist durchaus als Kritik an ihren Landsleuten gemeint, dass Fotografieren für Geld auch darauf hinausläuft, für ein paar Cent seine Identität, seine Kultur zu verkaufen.

Einverständnis einholen

Wenn wir die Absicht haben, Fotos für Broschüren oder Ähnliches kommerziell zu verwerten, ist es selbstverständlich, die Fotografierten davon zu informieren und vor der Publikation anzufragen, ob sie etwas dagegen haben. Wir selbst würden uns vermutlich auch nicht gerne ungefragt als „Fotobeute“ in asiatischen oder afrikanischen Publikationen vorfinden. Umso mehr gilt das, wenn Fotos über die sozialen Netze ins Internet gestellt werden – die weltweite Zugänglichkeit schließt auch die Gefahr von Missbrauch ein. Nun kann man vielleicht davon ausgehen, dass Personen, die mit dem Fotografiertwerden einverstanden sind, auch nichts dagegen haben, wenn die Fotos gezeigt werden, aber Feingefühl ist dabei trotzdem gefragt.

Ich hoffe auf Verständnis für diese Ratschläge. Sie entstammen meiner jahrelangen Reiseleitertätigkeit in Senegal und sind mit den senegalesischen NaturfreundInnen abgestimmt.

(Autorin: Ingeborg Pint)

Wie TouristInnen und FotografInnen sich mit der Kamera auf Reisen respektvoll verhalten, zeigt ein aktuelles Dossier der Naturfreunde Internationale – respect auf: „Fotografieren auf Reisen – Anregungen für einen respektvollen Umgang mit der Kamera“. Download unter: http://www.nf-int.org/biblio/dossiers

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