Urlaub in Sicht – Wohin soll die Reise gehen? [DE/EN]

English version stated below

Dieser Artikel erschien erstmals in der Zeitschrift UMWELT & energie 3/14.


In Reisekatalogen locken ferne Ziele mit blauem Meer und Palmen. Andererseits liest man immer öfter über Überschwemmungen, Dürren und andere Naturkatastrophen rund um den Erdball, die WissenschaftlerInnen auf den fortschreitenden Klimawandel zurückführen. Hauptverantwortlich dafür ist unter anderem der Flugverkehr. Dennoch schließen sich Klimaschutz und Urlaubsreisen nicht generell aus.

2,3 t CO2. So viel und nicht mehr darf jeder Mensch weltweit pro Jahr produzieren, damit die Durchschnittstemperatur auf der Erde um nicht mehr als maximal zwei Grad ansteigt. Mit dem 2°C-Ziel ist eine Erwärmung der globalen Mitteltemperatur über den vorindustriellen Wert hinaus gemeint. Bei einer Überschreitung dieser Marke könnten die Folgen des Klimawandels nicht mehr kontrollierbar sein. Aktuell liegen wir übrigens bereits bei plus 0,8°C.

Flugverkehr im Fokus

Im Jahr 2013 registrierte die Welttourismusorganisation (UNWTO) 1,087 Mrd. internationale touristische Ankünfte, das sind um 52 Mio. mehr als im Jahr davor. Insbesondere durch diese steigende Tendenz bei Flugreisen trägt der Tourismus zum Klimawandel bei. Der globale Flugverkehr hat derzeit einen Anteil von rund fünf Prozent am menschengemachten Klimawandel. Das klingt im ersten Moment nicht dramatisch, wäre nicht dieser Verkehrssektor die am schnellsten wachsende Quelle von Treibhausgasen. Das globale Flugverkehrsaufkommen wird in den kommenden 40 Jahren um das Vier- bis Sechsfache ansteigen, falls keine Gegenmaßnahmen getroffen werden. Die Reduzierung der Emissionen durch technologischen Fortschritt wird dabei durch das rasche Wachstum kompensiert. Zudem werden die Verbrennungsgase der Flugzeuge in großer Höhe abgegeben, was die Klimabelastung noch weiter verstärkt. Hier ist nicht nur das CO2 wirksam, sondern auch Stickoxide, Aerosole und Wasserdampf, die in den empfindlichen hohen Atmosphärenschichten eine wesentlich höhere Treibhauswirksamkeit als CO2 aufweisen. Die tatsächlichen Klimaauswirkungen eines Fluges machen somit etwa das Dreifache der reinen CO2-Emissionen aus.

kleiner Flughafen in Bolivien © Melanie Schloffer
Flughafen von Rurrenabaque, Bolivien © Melanie Schloffer

Soziale Komponente

Obwohl nur 17% aller Reisen mit dem Flugzeug stattfinden, sind diese für 40% aller touristischen Emissionen verantwortlich. Zu bedenken ist aber auch, dass Flugreisen weltweit für nur etwa drei Prozent der Bevölkerung erschwinglich sind – in erster Linie für Menschen in den wohlhabenden Ländern der Welt. Die Auswirkungen des Klimawandels treffen allerdings die Menschen in den ärmeren Ländern der Südhalbkugel besonders stark.

Klimaschonend reisen

Sollte man aus all diesen Gründen nicht am besten auf Urlaubsreisen gänzlich verzichten? Nein, es geht vor allem darum, bewusster zu reisen. Nachdem das Flugzeug eine besondere Klimarelevanz hat, wäre zu überlegen, ob man statt zu fliegen auch mit der Bahn, dem Bus oder dem Auto anreisen könnte. Während der Flieger im Schnitt 350 g und das Auto 140 g CO2-Äquivalente pro Personenkilometer verursacht, so erreicht die Bahn einen Wert von 30 g und der Bus sogar nur 20 g. Vor allem Kurzstreckenflüge unter 1.500 km belasten die Umwelt überproportional, da Start und Landung zusätzlich Energie brauchen. Muss es also zum Sonnenbaden unbedingt Mallorca sein? Es gibt auch attraktive Urlaubsorte am Meer, die näher gelegen und mit Bus oder Bahn bequem erreichbar sind.

Sandstrand in Griechenland ©Karin Chladek
Sandstrand in Griechenland © Karin Chladek

Weniger oft und dafür länger verreisen ist mehr!

Wenn es trotzdem eine Flugreise sein soll, weil man die Natur und Kultur eines fernen Landes erkunden will, besteht die Möglichkeit, eine freiwillige „Klimaabgabe“ zu entrichten. Nachdem der internationale Flugverkehr von den UN-Klimaschutzverpflichtungen des Kyoto-Protokolls ausgenommen wurde – d. h. die „Klimakosten“ sind in den Ticketpreisen nicht berücksichtigt -, können Reisende selbst ihre durch einen Flug verursachten Treibhausgase mit einer freiwilligen Spende an ein Klimaschutzprojekt „kompensieren“. Bei der Auswahl der Anbieter sind jedoch bestimmte Qualitätskriterien zu beachten: Die Klimaschutzprojekte sollten internationalen Qualitätsstandards, wie dem „CDM Gold Standard“, entsprechen. Außerdem ist es sinnvoll, seltener ein Flugreise zu unternehmen, aber dafür länger zu bleiben. Von einem längeren Aufenthalt profitiert auch die lokale Bevölkerung. Als Faustregel gilt: für einen Flug bis 2.000 km Distanz mindestens acht Tage Aufenthalt, über 2.000 km mindestens 14 Tage.

Erholsame Alternativen

Nichtsdestotrotz ist das Vermeiden eines Fluges immer noch die beste Lösung für das Klima und oft auch mit einem höheren Erholungswert verbunden. Viele Urlaubsorte innerhalb von Österreich oder in den Nachbarländern sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen und bieten auch vor Ort eine gute Infrastruktur für TouristInnen. Dabei erspart man sich lange Anfahrtswege, die allzu oft auch mit Staus oder unvorhersehbaren Wartezeiten auf Flughäfen verbunden sind. Wer die Anreise mit der Bahn schon zu einem Urlaubserlebnis macht, kann nur profitieren. Dabei beginnt die Erholung schon im Speise-, Spiel- oder Schlafwagen, während man das Vorbeigleiten der Landschaft in Ruhe genießen kann und erholt am Urlaubsort bzw. wieder zu Hause ankommt. Vor allem Kinder schätzen diese Art der Fortbewegung, da sie nicht stundenlang festgeschnallt still sitzen müssen.

Kühe auf der Alm © Christian Wagner
Kühe auf der Alm © Christian Wagner

Nicht nur die Anreise zählt.

Auch am Urlaubsort kann man durch die Auswahl der Unterkunft bzw. des Urlaubsarrangements einen Beitrag leisten, dass die Umwelt geschont und auch soziale Standards eingehalten werden. International anerkannte Labels zeichnen entsprechende Unterkünfte und Angebote aus. Auch vor Ort sollte auf sanfte Mobilität gesetzt werden. Hier haben öffentliche Verkehrsmittel wo immer möglich Vorrang. Oder man steigt auf das Fahrrad um. Das ist nicht nur umweltschonend und gesundheitsfördernd, sondern es ergeben sich dadurch auch unmittelbare Berührungspunkte mit der Landschaft und der dort ansässigen Bevölkerung.

Schönen Urlaub!


Die Autorin Cornelia Kühhas arbeitet für die Naturfreunde Internationale – respect.


English version:

The holidays draw nearer: Where to go?

This article was first published in the magazine UMWELT&energie 3/14.

——

In travel brochures, one can marvel at far-away destinations with their turquoise sea and palm trees. On the other hand, there are ever more frequent reports about floodings, droughts and other natural catastrophes around the globe, events which experts attribute to the progression of climate change. Air traffic is one of the major causes of climate change. Nevertheless, climate protection and holiday travel are not mutually exclusive.

2.3 t CO2. This is the amount of CO2 that a person may produce in a year in order that the average temperature on Earth does not increase by more than two degrees. The 2°C target takes as a basis the global average temperature of pre-industrial times. Should the temperatures rise above these 2°C, the effects of climate change could no longer be controllable. At the moment, we are at +0.8°C above the pre-industrial level.

Air traffic

In 2013, the World Tourism Organisation (UNWTO) registered 1.087 billion international tourist arrivals, 52 million more than the year before. It’s especially due to this trend of increasing air travels that tourism contributes to climate change. At the moment, global air traffic makes up about five percent of human-made climate change. At the first glance, that wouldn’t sound too dramatic, but this transport sector is the fastest growing source of greenhouse gases. Global air traffic will increase 4- to 6-fold over the next 40 years, should no counter-measures been taken. Emissions saved by technological advance are made up for by the fast growth. Additionally, the combustion gases are emitted at great heights, which accounts for an intensified climate impact. Airplanes don’t only emit CO2; it is especially the nitrous gases, aerosols and water vapour which have a considerably higher greenhouse effect in the very sensitive higher atmospheric layers than CO2 does. Thus, a flight’s actual impact on the climate is three times higher than its pure CO2 emissions.

small Airport in Bolivia © Melanie Schloffer
Rurrenabaque Airport, Bolivia © Melanie Schloffer

The social element

Although only 17 % of all journeys are include flights, these account for 40 % of all emissions in the tourism sector. One should also bear in mind the fact that only three percent of the world’s population can afford to buy a plane ticket  for the main part, these people live in the wealthy countries of the world. However, people in the poorer countries of the global South are hit especially hard by the effects of climate change.

Climate-friendly travel

So, should you stop to go on holiday altogether? No, it’s especially about travelling more consciously. Seeing that the airplane has an especially high impact on the climate, you should think about going by train, bus or car instead. Whereas a plane produces about 350 g and a car about 140 grammes of CO2 equivalents per kilometre per person, a train produces 30 g and a bus only 20 g. It’s especially short-distance flights which have a disproportionate environmental impact, as take-off and landing need additional energy. If you want to go sunbathing, do you really need to go to Mallorca? There are a lot of wonderful seaside destinations which are closer and can thus be easily and conveniently reached by bus or train.

Sandy beach in greece ©Karin Chladek
Sandy beach in Greece © Karin Chladek

Fewer but longer holidays make a difference!

If, despite all, you need to travel by plane because you want to get to know the nature and culture of a far-away country, you have the possibility of paying a voluntary „climate levy“. International air traffic is exempt from the UN climate change obligations of the Kyoto Protocol (i.e. the „climate costs“ are not taken into consideration in the ticket prices), travellers themselves can compensate the emissions of their flight by making a voluntary donation to a climate protection project. However, when choosing a provider, certain quality criteria should be observed: the climate protection projects should correspond to international quality standards, such as the „CDM Gold Standard“. Besides, it is reasonable to go by plane less frequently, but then stay longer in the country. The local population also benefits from longer stays. A rule of thumb: for plane trips of up to 2,000 km, stay in the country for at least eight days, and spend at least 14 days after a flight of more than 2,000 km distance.

Relaxing alternatives

Nonetheless, refraining from flying still is the best option for the climate, and it is often more relaxing. Holiday destinations in one’s own country or in the neighbouring country are easy to reach by public transport. You thus avoid travelling long distances yourself, which are often combined with traffic jams or delays at the airport. The train trip can already be your first holiday experience; you benefit from relaxing in the restaurant or sleeping car, from playing or watching the landscape pass by  and you arrive without stress at your destination or back home. Children especially enjoy this way of travelling as they are not strapped in their seats for hours.

Cows on the Alp © Christian Wagner
Cows on the Alp © Christian Wagner

It’s not only about arrival

You can also contribute to protecting the environment and to compliance with social standards by carefully choosing your accommodation and holiday arrangements. Internationally recognised labels designate such accommodations and offers. You should also rely on soft mobility during your stay: give preference to public transport, whenever this is possible, or use the bicycle. This is not only good for the environment and you health, but you will also experience the landscape from up close and get in touch with the local population.

Have a great holiday!


Author: Cornelia Kühhas – Naturefriends International – respect
Translation: Tamara Frank

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