Costa Rica – ein Erfahrungsbericht aus der Freiwilligenarbeit

Wenn man an Costa Rica, eines der Nummer eins Reiseziele denkt, assoziiert man meist weiße Karibiksandstrände, Sonne und türkisfarbenes Meer. Die beliebtesten Reiseziele der rund 2 Millionen TouristInnen, die pro Jahr in das kleine Land zwischen Panama und Nicaragua strömen, sind der Nationalpark Manuel Antonio und die Strände von Gunacaste im Nordwesten des Landes.

Heute sieht man in diesen Gebieten kaum noch Hotels oder Hostels der Ticos (als „Tico“ bezeichnen sich die Costa Ricaner auf Grund der Verniedlichungsform „-tico“ in ihrem Dialekt). Meist trifft man auf große Hotelkomplexe die von Gringos (NordamerikanerInnen) oder EuropäerInnen geführt werden. Von dem „wahren“ Costa Rica bleibt da nicht viel: Pancakes statt Gallo Pinto (Reis und Bohnen – das Nummer Eins Tico-Frühstück) und Importprodukte statt Märkte mit frischem costa-ricanischen Obst. Selbst wer kein Wort Spanisch spricht kommt in diesen Regionen gut mit Englisch durch. Wer als Tico also kein Englisch spricht kann sich einen Job im Tourismus gleich abschminken.

AsoProLa © Jana Hammelehle
AsoProLa © Jana Hammelehle

Einen Unterschied dazu macht AsoProLA (La Asociacón de Productores La Amistad). Dieses Projekt ist am Fuße des „Parque Internacional la Amistad“ (PILA) gelegen und wird unter anderem von der ruralen Tourismusorganisation ACTUAR (Alianza Comunitaria Conservacionista de Turismo Alternativo Rural) unterstützt.

AsoProLA liegt nicht am Meer. Es gibt nicht die Möglichkeit an Seilen durch den Urwald zu sausen oder mit highspeed W-Lan im Internet zu surfen. Aber AsoProLA bietet etwas, dass man sonst nicht leicht findet: Ein Costa Rica abseits des unpersönlichen Massentourismus.

Hier kann der internationale Park PILA, welcher sich über Costa Rica und Panamá erstreckt, mit Hilfe der WanderführerInnen die hier aufgewachsen sind und ihn seit Kindertagen wie ihre Westentasche kennen, erkundet werden. Hier werden die Tiere nicht angefüttert um direkt an den viel belaufenen TouristInnenpfaden zu sehen zu sein. Denn hier muss sich schon manchmal mit einer Machete den Weg freischlagen und kann sich dafür auf viel mehr unberührte Natur freuen.

© Jana Hammelehle
© Jana Hammelehle

Der Höhepunkt des Besuches in AsoProLA ist die Wanderung in das Valle del silencio (Tal der Stille), welches im Herzen des PILA gelegen und zu Fuß in ungefähr 9 Stunden zu erreichen ist. Diese Wanderung ist ein Abenteuer. Ohne eine/n WanderführerIn darf man sich nicht auf den Weg machen – und das sollte man auch nicht. Viel zu schön ist es, Geschichten über den Park zu hören, beruhigende Worte an schweren Aufstiegen zugesprochen zu bekommen und mit Sicherheit immer auf dem richtigen Pfad unterwegs zu sein. Das Mittagessen wird auf dem Cerro Quemado, einem Berg mit wunderschönem  Ausblick, eingenommen. Am Morgen des Aufstiegs haben die Frauen in AsoProLA bereits ein „almuerzo tipico“, ein Mittagessen aus Reis, Bohnen, Ei und Käse in ein Palmblatt eingewickelt vorbereitet, das als Belohnung zwischendurch noch besser schmeckt.

© Jana Hammelehle
© Jana Hammelehle

Nach weiteren 2 Stunden erreichen wir den Punkt, an dem man von der pazifischen auf die karibische Seite Costa Ricas kommt. Die Nacht verbringen wir in einem wunderschönen Tal in einer einfachen Hütte. Am nächsten Tag gibt es noch die Möglichkeit eine Lichtung im Primärwald, welche aus  Flechtengewächsen besteht, zu besichtigen. Nach einer weiteren Nacht in der Unterkunft geht es dann am 3. Tag zurück.

Wem die 14 Kilometer zu weit sind kann sich auch für die Tour der „Gigantes del Bosque“(Giganten des Waldes) entscheiden. Auf dieser 1,5-stündigen Tour gibt es die Möglichkeit unter den riesigen Tropenbäumen zu gehen und viele Vögel und Schmetterlingsarten zu beobachten. In AsoProLA gibt es außerdem eine Vielzahl von anderen Angeboten: Tours die einem die biologische Produktion von Kaffee, Gemüse und Obst veranschaulichen; oder die Möglichkeit einige Stunden mit einer der Frauengruppen, die zum Beispiel Marmelade aus ökologischem Obst aus der Umgebung, Schmuck aus den Samen der Tropenbäumen oder Biokosmetik herstellen, zu verbringen. Eine spannende Erfahrung ist auch der Besuch des Projektes des ortsansässigen Künstlers Francisco „Pancho“ Quesada. In seinem Projekt, rund 20 Minuten von AsoProLA entfernt, gibt es recycelte Kunst wie zum Beispiel Mosaike, Musikinstrumente aus Flaschen und viele vergessenen Pflanzensorten der Indigenen zu sehen. Der Künstler selbst ist eine beeindruckende Persönlichkeit mit dem man gut über Gott, Kunst und die Welt sprechen kann. Die einzigartige Bushaltestelle und das Restaurant aus Mosaiken in AsoProLA sind sein Werk.

Nach einem langen Tag gibt es in dem Restaurant ein typisches Tico-Essen, das von einer Gruppe von Frauen, die abwechselnd in der Küche arbeiten, zubereitet wird. So werden auch die die Bauernfamilien des Distriktes unterstützt. Die Nacht kann man in der liebevoll eingerichteten Herberge des Projektes verbringen.

© Jana Hammelehle
© Jana Hammelehle

Oder aber man übernachtet in der „Finca Lilo de Biolley“ nur einige Kilometer entfernt, welche einen traumhaften Ausblick von den zu vermietenden Häusern bietet. Sie wird von zwei US-AmerikanerInnen geführt, welche stark auf die Zusammenarbeit mit AsoProLa setzen.

Während meines einjährigen Aufenthaltes hier habe ich noch keine TouristIn kennen gelernt, der/die nach einem Urlaub in  dieser Oase der Ruhe und Natur im von TouristInnen besiedelten Costa Rica nicht gesagt hat: „Das hat sich gelohnt“.

Wir bedanken uns bei Jana für diesen Einblick in die Freiwilligenarbeit und eine andere Seite Costa Ricas.

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Jana Hammelehle ist 20 Jahre alt und arbeitet seit August 2012 im Rahmen des „weltwärts“-Programmes als Freiwillige in AsoProLA. Vor Ort lebt sie in einer Tico-Familie und ist sehr froh in einem ruralen Projekt zu sein, das ihr die lokale Lebensart näher bringt. Nach einem Jahr Freiwilligenarbeit ist ihre Zeit in Costa Rica bald beendet und sie kehrt, schweren Herzens, nach Deutschland zurück.

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