Schnorchlereien

Genau genommen gibt es dieses Wort ja gar nicht. Zumindest nicht im Duden. Trotzdem, es gefällt mir. So sehr sogar, dass ich gleich googlete (gibts im Duden auch nicht), wo der Schnorchel herkommt. Ich fand mehrere Erklärungen. Gemäß Duden leitet sich der Schnorchel von Schnorgel oder Schnörgel = Mund, Nase, Schnauze ab. Andere Quellen verweisen auf das althochdeutsche Wort snore (Nase, schnarchen) und sogar der jiddische Schnorrer (Geizhals) muß herhalten. Was der mit einer Nase oder dem Schnorchel zu tun hat, wollte ich dann nicht mehr wissen. Auch nicht, weshalb die Franzosen den U-Bootbelüftungsschacht le schnorchel nennen und kein frankofones Wort verwenden.

Massen-Schnorchlerei in Ko Chang

Zurück zu den Schnorchlereien. Das Wort kam mir in den Sinn, als ich in meinen digitalen Fotoalben stöberte. Ich suchte bloß nach hübschen Strandaufnahmen, als ich über ein paar Bilder der Insel Ko Chang stolperte. Bilder eines Schnorchelausfluges. Ganz einfach „Schnorchlereien“… Ich hatte diesen irrwitzigen Schnorchelausflug eigentlich schon vergessen. Dabei machte ich ihn erst vor zwei Monaten. Schnorchlereien sind sonst immer Höhepunkte einer Reise. Warum aber verdrängte ich diesen Ausflug in Neptuns tropisches Reich? Ich würde mich sogar an einen Tiefseegang in der Hotelbadewanne mit Hilton-Entchen und Taucherbrille erinnern. Ich weiß es schon. Es war, was wir in Österreichs Bergen den touristischen Almauftrieb nennen. Massentourismus par excellance, die Mega-Schnorchlerei im Golf von Thailand.

Ich bin kein Freund von derartigem Trubel, da der Impakt auf die Natur meist unübersehbar ist. Ko Chang hat einige designierte Schnorchelplätze für diese Massen. Dort gibt es auch Ankerbojen und feste Haken für die Ausflugsboote. An Wochenenden tummeln sich jedoch mehr Boote um die wenigen lebendigen Riffe als Bojen und Haken vorhanden sind. Die Anker werden dann wieder achtlos ins Meer geworfen.

Man kann die Schäden gut erkennen. Unmengen von Korallentrümmern liegen verstreut im Sand um die Riffblöcke. „Das waren die Stürme und der schwere Seegang vor zwei Jahren“, sagen die Einheimischen. Das sagten sie vor fünf Jahren auch schon. Es waren die Anker der letzten 15 Jahre, sage ich, und der Raub für die Souvenir- und Schmuckgeschäfte.

Wieviel Tourismus verträgt ein kleines Riff?

Man könnte auch argumentieren, dass die globale Meereserwärmung die meisten Korallen ohnehin früher oder später vernichten wird. Weshalb also die Sorge ob einiger Tausend Touristen, die die letzten lebendigen Anemonen an Thailands Ostküste erschnorcheln wollen? Es wird nie mehr wie früher, so oder so. Vielleicht ist es sogar gut, soviele Zeugen der Vernichtung wie möglich an Orte wie die kleinen Inseln vor Ko Chang zu schippern. Ich bezweifle aber, dass die meisten Schnorchler realisieren, wie desperat die Lage dort ist. Nur wenige Reisende haben die Riffe Thailands über 20 Jahren hindurch besucht, wie ich es tat. Was früher farbenprächtig und lebendig war, ist heute grau und leblos oder liegt in Trümmern um die Riffe. Ko Chang hatte keine Tsunamiwelle und tropische Stürme gab es immer schon.

So wirds gemacht – vertauen an der Boje

Konklusion – ein Teil des Desasters geht auf das Konto des Homo Touristicus. Die nächste Frage nach dieser dramatischen Analyse: Gibt es eine Lösung? Die gibt es immer. Es ist auch eine Lösung den Prozess der Zerstörung zu verlangsamen, wenn er nicht mehr aufzuhalten ist. Das Korallensterben durch Temperaturerhöhung lässt sich kaum mehr umkehren, soviel steht fest. Die mechanische Zerstörung kann man aber radikal beenden. Es bedarf hier auch der Zusammenarbeit der Nationalparkverwaltung, der Fischer und der Tourbetreiber. Es ist für mich auch sehr wichtig, was der einzelne Tourist machen kann. Ich konnte beispielsweise einen Teilerfolg landen, als ich gegen das rücksichtslose Auswerfen eines Ankers protestierte. Der betroffene Fahrer band sein Boot daraufhin an ein anderes Boot, welches an einer Boje vertaut war.

  • Einlesen in die Fisch- und Korallenwelt.
  • In keinem Fall auf Korallenblöcke steigen.
  • Kein Füttern der Fische.
  • Keine Mitnahme von Korallentrümmern oder Muscheln, sie dienen oft als neue Behausung für anderer Arten.
  • Immer mindestens zu zweit schwimmen.
  •  Sonnenschutz mindestens 30 Minuten vor dem Schnorcheln auftragen, damit dieser von der Haut absorbiert wird und nicht einfach abgewaschen wird.
  • Keine Korallensouvenirs kaufen, auch wenn diese „nachweislich“ aus Trümmern der letzten Stürme gemacht wurden.
  • Keine Expeditionen zu einsamen Schnorchelplätzen, dort gibt es keine Ankerbojen.
  • Meldung an den Veranstalter oder Behörden wenn ihr beobachtet, dass Anker in die Riffe geworfen werden, oder wenn Bootsfahrer und Gehilfen nach Korallen tauchen.
  • Wenn man Müll oder alte Fischernetzteile am Grund entdeckt, die Bootscrew bitten, diese einzusammeln.
  • Wenn möglich, alternative Transportmittel zum Riff wählen, Kajak.
Gelebter Ökotourismus, mit dem Kajak zum Schnorcheln

Mit etwas mehr Respekt gegenüber der Natur können wir zumindest dazu beitragen, die noch vorhandenen Schönheiten in unserem persönlichen Rahmen zu schützen. Auch das ist ein Teilerfolg. Viel Spaß bei der nächsten Schnorchlerei.

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Ein Kommentar zu „Schnorchlereien

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