Conference on Education for Sustainable Development…

… in Support of Cultural Rapprochement and Biodiversity

Zwischen 24. und 26. Jänner fand in Muscat/Oman eine internationale Konferenz zum Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung zur Unterstützung kultureller Annäherung und Biodiversität statt. Der Titel der Konferenz verrät bereits die Bandbreite der Themenbereiche. Es sollte eine Brücke zwischen Bildung, Weltkulturerbe, Biosphären, nachhaltiger Entwicklung und Tourismus gebaut werden. Organisiert und finanziert wurde die Konferenz vom omanischen Bildungsministerium und der UNESCO. Nachhaltiger Tourismus wurde als zentrales Thema in vielen Präsentationen vorgetragen und diskutiert.Konferenz Logo

Der erste Tag der Konferenz stand ganz im Zeichen der Bildung und der Rolle der Jugend bei der Erhaltung der Weltkultur- und Naturerbe. Am zweiten Tag fand in einem kleineren Saal des Al Bustan Hotels bei Muscat ein ganztägiger Workshop über nachhaltigen Tourismus in UNESCO Biosphärenreservaten, Weltkulturerbestätten und Geoparks statt. Etwa zwanzig geladene Teilnehmer aus dem Oman, Yemen, Qatar, Bahrain, Saudi Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten und einige Beobachter, zu welchen ich zählte,  wurden zunächst von Dr. Benno Böer von der UNESCO Doha und Dr. Salvatore Arico der UNESCO Paris in das Thema und die Präsentationen des Workshops eingeführt.

Dr. Böer eröffnete gleich anschließend den praktischen Teil des Workshops mit einem Vortrag über die Aktivitäten der regionalen UNESCO in Biosphärenreservaten, Geoparks und Weltkulturerbestätten auf der arabischen Halbinsel.
Von weltweit 564 geschützten Reservaten der UNESCO befinden sich momentan nur 3 auf der Halbinsel. Der enorme Aufhofbedarf der Region wird dazu noch von der Streichung des omanischen Oryx-Reservates im Juli 2007 untermauert. Dieses Reservat ist neben dem Dresden-Elbe-Tal die zweite Weltkulturerbestätte, die den UNESCO-Status wieder verloren hat. Die Streichung von der Liste hat viele Ursachen und sollte nicht nur als Bestrafung für schlechtes Management gesehen werden, sondern auch als Aufruf zum Umdenken.
Dr. Böer erhoffte sich aus dem Workshop in erster Linie neue Initiativen der Länder zur Schaffung weiterer Biosphärenreservate auf der arabischen Halbinsel. Der Focus der Aufmerksamkeit bewegte sich im Verlauf des Workshops ganz eindeutig in Richtung Socotra-Archipel. Diese jemenitische Inselgruppe vor dem Horn von Afrika ist besonders schützenswert. 37% der über 800 registrierten Pflanzenarten der Inseln sind endemisch. Ähnlich verhält es sich mit der Tierwelt.

Mit der Aufnahme in die UNESCO Liste der Weltkulturerbe und Biosphärenreservate darf eine Stätte wie Socotra jedoch nicht in den Status einer Tourismus-Cashcow abgleiten. Zur Zeit besuchen etwa 4500 Touristen jährlich die Inselgruppe. Im Vergleich zu den 42,000 Einwohnern Socotras ist dies wenig. Für Ahmed Said Sulaiman aus Socotra ist das Limit mit dieser Anzahl von Besuchern jedoch schon erreicht. Ahmed arbeitet für das Ministerium für Umwelt und Tourismus und kennt die Probleme sehr gut.

Es müssen verstärkt Maßnahmen getroffen werden, um den bevorstehenden Ansturm von Besuchern auf die richtigen Wege zu leiten. Nur dann kann eine Weltkulturerbestätte als dreidimensionale Bildungseinrichtung fungieren und der modernen Abwendung von Natur und wertvollen Traditionen entgegenwirken. Neben Informationszentren in den Schutzzonen und der Kontrolle land- und viehwirtschaftlicher Tätigkeiten muss besonderes Augenmerk auf die Bewältigung der Einflüsse durch den aufkeimenden Tourismus gelegt werden. Es gibt bereits gute Ansätze in einigen Biosphärenreservaten. Viele Schritte würden sich weltweit mit Angleichung an die lokalen Gegebenheiten einführen lassen:

  • Schaffung von Besuchersaisonen außerhalb von Brutzeiten gefährdeter Tiere
  • Limitiertes Wegenetz für Touristen
  • Nutzung von Solarenergie in Informationszentren
  • Einbindung der Lokalbevölkerung in die Begleitung und Bildung der Touristen in Schutzzonen
  • Bessere Konzeptionierung der Müllentsorgung und Wasserversorgung bereits vor ansteigenden Besucherzahlen
  • Bessere Nutzung des Tourismus als Einnahmequelle zur Erhaltung der Stätte
  • Erkennen des Bildungspotentials zur Erhöhung des Verständnisses für die globale Erhaltung der Natur
  • Nutzung von Biosphären als neue Erlebniswelt für junge Menschen aus Städten

GPS-unterstützte Erlebniswelt

Henning Schwarze stellt den GPS-gestützten Tourguide auf seinem iPad vor

Die Verbindung virtueller und natürlicher Erlebniswelten stellte im Verlauf des Workshops Henning Schwarze von der WHS – World Habitat Society (www.world-habitat-society.org) vor. Virtuelle Wanderwege mit dazugehöriger Information werden auf Smart-Phones oder I-Pads geladen und der Nutzer des Programms kann damit GPS-unterstützt die Umwelt erforschen. Vorteile dieses Systems gegenüber Schautafeln sind zum Beispiel die Möglichkeit permanenter Aktualisierung oder die Vermeidung von störenden Strukturen in der Natur. In Entwicklungsländern besteht auch immer wieder die Gefahr von Diebstahl teurer Metallschilder. Dieses Problem ist mit elektronischen „Schildern“ auch gebannt. Gedacht war dieses System anfangs für Schüler, um sie wieder in die Natur zu locken. Das Potential für Tourismus ist jedoch groß und im Oman wird ab April 2011 ein Pilotprojekt des hiesigen Tourismusministeriums mit etwa 30 Sehenswürdigkeiten im Raum Muscat verfügbar sein, einfach zum Herunterladen von der Webseite des Ministeriums (www.omantourism.gov.om). Die WHS erhielt für ihr erstes Konzept „GPS-Erlebnisregion im Naturpark Teutoburger Wald / Eggegebirge“ auch eine Auszeichnung der UNESCO.

Geotourismus

Geosite
Geologie und Tektonik sind im Oman ungemein spektakulär

Ein neue Nische im Tourismusmarkt mit enormen Bildungspotential ist der Geotourismus. Erst 1999 wurde die Schaffung von Geoparks in die Programmgestaltung der UNESCO aufgenommen. Der Süden der arabischen Halbinsel hat einen unvorstellbaren Reichtum an geologischen Sehenswürdigkeiten, die durch den Bau von Straßen, Siedlungen und Fabriken ebenso gefährdet sind wie durch Plünderung und illegalen Raubbau von Mineralien, Schmucksteinen und Fossilien. Dr. Böer hat in seiner Präsentation die Schaffung von Geosite-Schutzzonen als weitere Priorität bei der Erhaltung des Welt-Naturerbes dargestellt.

Im weiteren Verlauf des Workshops stellten Delegierte der anwesenden Nationen noch ihre Schutzgebiete und das Bemühen um deren Erhaltung vor. Etwas zu kurz kam nach meinem Erachten die Diskussion um „handfeste“ Maßnahmen im Umgang mit steigenden Besucherzahlen und hier insbesonders dem Umgang mit Wasser. Am folgenden und letzten Tag der Konferenz erfuhr ich in einem weiteren Vortrag, dass beispielsweise in Bahrain in den letzten 20 Jahren alle der über 40 natürlichen Quellen versiegt sind. Auf verminderten Regen allein lässt sich dies nicht reduzieren.Workshop und Konferenz waren insgesamt ein großer Erfolg mit vielen neuen Vorschlägen zur verantwortungsvollen Nutzung unserer Ressourcen und Biosphären und eine großartige Gelegenheit zur Kontaktknüpfung.

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