Tuol Sleng – Mahnmal der Unmenschlichkeit

Schule - Folterkammer - Museum, die traurige Geschichte von Tuol Sleng
Schule – Folterkammer – Museum, die traurige Geschichte von Tuol Sleng

Der Horror des Krieges und der Folter haben unzählige Namen – KZ Auschwitz, KZ Mauthausen, Gulag Kolyma, Abu Ghraib Prison, Guantanamo, usw… In Kambodscha heißt der Ort des Grauens Tuol Sleng. Was vor 1975 ein Gymnasium war, wurde von den Führern der Roten Khmer für 4 Jahre in ein schreckenerregendes Foltergefängnis verwandelt. Bis zu 1 500 Gefangene mussten tagtäglich blutige Torturen und unbeschreibliche Haftbedingungen über sich ergehen lassen. Von insgesamt über 17 000 Insassen überlebten nachweislich nur 12. Sie hatten das Glück, dass ihre handwerklichen Talente gebraucht wurden. Alle anderen wurden entweder im Gefängnis zu Tode geprügelt, oder nach Ablegen eines „Geständnisses“ außerhalb der Stadt auf einem Feld erschlagen und in Massengräber geworfen.

Die Todesmaschinerie der Roten Khmer hatte System. Neuankömmlinge in Tuol Sleng wurden einzeln fotografiert. Ihre Daten wurden sorgfältig in Register eingetragen und die erfolterten Geständnisse Wort für Wort mitgeschrieben. Bis zu 1 000 Seiten umfassten manche Aussagen der unschuldigen Gefangenen. Die desperaten Antworten der Häftlinge waren oft so bizarr wie die Anschuldigungen selbst. Ein 26-jähriger Brite gab an, bereits im Alter von 12 Jahren für die CIA gearbeitet zu haben. Er sagte dies wie viele Mitgefangene nur, um den brutalen Strafen der Vernehmer zu entkommen. Dennoch war es egal, was und wieviel ein Einzelner aussagte. Sie wurden schließlich alle grausam mit Hacken, Brecheisen und Macheten ermordet. Alterslimit gab es keines. Unter den Opfern waren viele Kleinkinder und ebenso viele alte, gebrechliche Menschen. Ein ehemaliger Wärter erläuterte nach dem Fall des Regimes, dass selbst Babys getötet wurden, damit sie sich als Erwachsene nicht für den Tod ihrer Eltern und Verwandten rächen würden.Als vietnamesische Truppen 1979 das Todesregime Pol Pots und seiner Roten Khmer aus Phom Phen vertrieben, war der Kriegsreporter Ho Van Tay einer der ersten, der das Horrorgefängnis Tuol Sleng betrat. Seine Fotos hängen heute jeweils in jenen Räumen, die er damals wenige Stunden nach der Flucht der Gefängnisleitung inspizierte und fotografierte. Er fand an jenem Tag  jedoch keine Überlebenden sondern nur grässlich verstümmelte Leichen, die mit Ketten an Betten gefesselt waren.

Der überstürzten Flucht der Roten Khmer ist es aber zu verdanken, dass die Fotonegative der Gefangenen erhalten blieben. Die Mörder hatten keine Zeit mehr, alle Archive zu vernichten. Diese Bilddokumente wurden nach der Befreiung durch Vietnam jedoch von den Datenregistern der einzelnen Gefängnisinsassen getrennt. Ihre Gesichter sind daher bis heute anonym geblieben. Hunderte Portraits sind nun als stumme Zeugen des Horrors in mehreren Zimmern des Gefängnisses ausgestellt. Wer durch diese Räume wandert, kann den Opfern der Roten Khmer  in die Augen sehen und von ihren Gesichtszügen all die Emotionen der Angst, der Resignation und sogar des stillen Widerstandes ablesen.

Nicht nur die Besucher stellen Fragen, auch die Augen der Gefangenen
Nicht nur die Besucher stellen Fragen, auch die Augen der Gefangenen

Ein Besuch des Gefängnisses ist mehr als nur eine touristische Aktivität oder das Betrachten von anonymen Bildern. Es ist eine Interaktion. Man stellt stille Fragen und erhält Antworten. Die Augen der Opfer sprechen mehr als unzählige Worte. Die Folterwerkzeuge sind erfüllt von den Seelen der Geschlagenen und in einigen Räumen klebt noch das Blut der Getöteten in den Spalten des Fliesenbodens. Tuol Sleng ist Mahnmal und lebendiges Museum zugleich. Es ist nicht da, um uns zu schockieren, es soll uns vielmehr lehren. Alle Besucher machen in Tuol Sleng ihre eigenen Erfahrungen. Ich habe auf meine Art versucht, die Interaktion zwischen mir und dem Ort des Grauens stattfinden zu lassen. Das Ergebnis ist eine Serie von Bildern aus Tuol Sleng. Bilder die erinnern sollen:

Slideshow:  Impressionen aus Tuol Sleng

Mehr geschichtliche Information: www.tuolsleng.com

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3 Kommentare zu „Tuol Sleng – Mahnmal der Unmenschlichkeit

  1. wer KZ Auschwitz und Tuol Sleng gleichbedeutend mitGutanamo setzt,
    relativiert nicht nur das Grauen und Schrecken der beiden erst genannten Folterstätten, sondern banalisiert auch die Taten der Insassen von Gutanamo im Vergleich derer,
    die Unschuldig in Ausschwitz und Kambodscha auf so bestiale Weise ermordet wurden.

    1. Lieber Thorsten,
      Die neutrale Auflistung von Orten der Folter aus Vergangenheit und Gegenwart ist weder gleichbedeutend mit einer Herabsetzung der Schrecken eines KZs noch ist es eine Relativierung der Taten in den einzelnen Gefängnissen und Lagern in aller Welt.
      Die Tatsache, dass auch in Guantanamo gefoltert wurde und die Genfer Konventionsvereinbarungen schlichtweg ignoriert wurden, macht auch diesen Ort zu einem Ort der Menschenrechtsverletzungen – ohne Anspruch auf jeglichen Vergleich, der natürlich nicht möglich ist.
      Es geht in der Auflistung der Folterorte nicht um die Anzahl der Menschen die gelitten haben und schon gar nicht um irgendeine Kategorisierung, die sie in den einleitenden Satz zu interpretieren versuchen, sondern um die Tatsache, dass dort Menschen überhaupt gelitten haben.
      Die Wahl der einzelnen Ortsnamen in der Auflistung erfolgte von mir ohne Hindergedanken einer Banalisierung und so ist es auch zu verstehen.

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