Schnorchlereien

Genau genommen gibt es dieses Wort ja gar nicht. Zumindest nicht im Duden. Trotzdem, es gefällt mir. So sehr sogar, dass ich gleich googlete (gibts im Duden auch nicht), wo der Schnorchel herkommt. Ich fand mehrere Erklärungen. Gemäß Duden leitet sich der Schnorchel von Schnorgel oder Schnörgel = Mund, Nase, Schnauze ab. Andere Quellen verweisen auf das althochdeutsche Wort snore (Nase, schnarchen) und sogar der jiddische Schnorrer (Geizhals) muß herhalten. Was der mit einer Nase oder dem Schnorchel zu tun hat, wollte ich dann nicht mehr wissen. Auch nicht, weshalb die Franzosen den U-Bootbelüftungsschacht le schnorchel nennen und kein frankofones Wort verwenden.

Massen-Schnorchlerei in Ko Chang

Zurück zu den Schnorchlereien. Das Wort kam mir in den Sinn, als ich in meinen digitalen Fotoalben stöberte. Ich suchte bloß nach hübschen Strandaufnahmen, als ich über ein paar Bilder der Insel Ko Chang stolperte. Bilder eines Schnorchelausfluges. Ganz einfach „Schnorchlereien“… Ich hatte diesen irrwitzigen Schnorchelausflug eigentlich schon vergessen. Dabei machte ich ihn erst vor zwei Monaten. Schnorchlereien sind sonst immer Höhepunkte einer Reise. Warum aber verdrängte ich diesen Ausflug in Neptuns tropisches Reich? Ich würde mich sogar an einen Tiefseegang in der Hotelbadewanne mit Hilton-Entchen und Taucherbrille erinnern. Ich weiß es schon. Es war, was wir in Österreichs Bergen den touristischen Almauftrieb nennen. Massentourismus par excellance, die Mega-Schnorchlerei im Golf von Thailand.

Ich bin kein Freund von derartigem Trubel, da der Impakt auf die Natur meist unübersehbar ist. Ko Chang hat einige designierte Schnorchelplätze für diese Massen. Dort gibt es auch Ankerbojen und feste Haken für die Ausflugsboote. An Wochenenden tummeln sich jedoch mehr Boote um die wenigen lebendigen Riffe als Bojen und Haken vorhanden sind. Die Anker werden dann wieder achtlos ins Meer geworfen.

Man kann die Schäden gut erkennen. Unmengen von Korallentrümmern liegen verstreut im Sand um die Riffblöcke. „Das waren die Stürme und der schwere Seegang vor zwei Jahren“, sagen die Einheimischen. Das sagten sie vor fünf Jahren auch schon. Es waren die Anker die letzten 15 Jahre, sage ich, und der Raub für die Souvenir- und Schmuckgeschäfte.

Wieviel Tourismus verträgt ein kleines Riff?

Man könnte auch argumentieren, dass die globale Meereserwärmung die meisten Korallen ohnehin früher oder später vernichten wird. Weshalb also die Sorge ob einiger Tausend Touristen, die die letzten lebendigen Anemonen an Thailands Ostküste erschnorcheln wollen? Es wird nie mehr wie früher, so oder so. Vielleicht ist es sogar gut, soviele Zeugen der Vernichtung wie möglich an Orte wie die kleinen Inseln vor Ko Chang zu schippern. Ich bezweifle aber, dass die meisten Schnorchler realisieren, wie desperat die Lage dort ist. Nur wenige Reisende haben die Riffe Thailands über 20 Jahren hindurch besucht, wie ich es tat. Was früher farbenprächtig und lebendig war, ist heute grau und leblos oder liegt in Trümmern um die Riffe. Ko Chang hatte keine Tsunamiwelle und tropische Stürme gab es immer schon.

So wirds gemacht - vertauen an der Boje

Konklusion – ein Teil des Desasters geht auf das Konto des Homo Touristicus. Die nächste Frage nach dieser dramatischen Analyse: Gibt es eine Lösung? Die gibt es immer. Es ist auch eine Lösung den Prozess der Zerstörung zu verlangsamen, wenn er nicht mehr aufzuhalten ist. Das Korallensterben durch Temperaturerhöhung lässt sich kaum mehr umkehren, soviel steht fest. Die mechanische Zerstörung kann man aber radikal beenden. Es bedarf hier auch der Zusammenarbeit der Nationalparkverwaltung, der Fischer und der Tourbetreiber. Es ist für mich auch sehr wichtig, was der einzelne Tourist machen kann. Ich konnte beispielsweise einen Teilerfolg landen, als ich gegen das rücksichtslose Auswerfen eines Ankers protestierte. Der betroffene Fahrer band sein Boot daraufhin an ein anderes Boot, welches an einer Boje vertaut war.

Was kann man noch tun:

Keine Reise ohne Schnorchel - meine Tochter

  • Einlesen in die Fisch- und Korallenwelt.
  • In keinem Fall auf Korallenblöcke steigen.
  • Kein Füttern der Fische.
  • Keine Mitnahme von Korallentrümmern oder Muscheln, sie dienen oft als neue Behausung für anderer Arten.
  • Immer mindestens zu zweit schwimmen.
  •  Sonnenschutz mindestens 30 Minuten vor dem Schnorcheln auftragen, damit dieser von der Haut absorbiert wird und nicht einfach abgewaschen wird.
  • Keine Korallensouvenirs kaufen, auch wenn diese „nachweislich“ aus Trümmern der letzten Stürme gemacht wurden.
  • Keine Expeditionen zu einsamen Schnorchelplätzen, dort gibt es keine Ankerbojen.
  • Meldung an den Veranstalter oder Behörden wenn ihr beobachtet, dass Anker in die Riffe geworfen werden, oder wenn Bootsfahrer und Gehilfen nach Korallen tauchen.
  • Wenn man Müll oder alte Fischernetzteile am Grund entdeckt, die Bootscrew bitten, diese einzusammeln.
  • Wenn möglich, alternative Transportmittel zum Riff wählen, Kajak.

Gelebter Ökotourismus, mit dem Kajak zum Schnorcheln

Mit etwas mehr Respekt gegenüber der Natur können wir zumindest dazu beitragen, die noch vorhandenen Schönheiten in unserem persönlichen Rahmen zu schützen. Auch das ist ein Teilerfolg. Viel Spaß bei der nächsten Schnorchlerei.

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Vogelparadiese

Der Oman ist trotz seines trockenen Wüstenklimas Heimat für zahlreiche Wasservogelarten. Die 2092 Kilometer lange Küstenlinie mit vielen schroffen Klippen garantiert unzählige geschützte Nistplätze für Seevögel. Hier lassen sich Kormorane und Tölpel beobachten, unter ihnen auch der gefährdete Sokatra-Kormoran. An den einsamen und flachen Stränden im Süden des Sultanats tummeln sich hingegen viele Seeschwalben, verschiedene Mövenarten und andere Gesellen.

Kein seltener Anblick an den Stränden des Oman

Zudem bevölkern auch Zugvögel auf dem Weg von Zentralasien nach Afrika temporär die südlichen Gefilde der Arabischen Halbinsel und somit den Oman mit seinen vorgelagerten Inseln.

„Khors“ sind weitere Feuchtgebiete und Habitate für Watvögel im ganzen Land.
Ein Khor ist ein Wassereinlass oder kleines Delta in einem flachen Küstenabschnitt. Die Größe eines Khors kann von wenigen Hektar bis zu mehreren Quadratkilometern variieren. Die meisten Khors haben seichte und schlammige Ufer und sind mit Brackwasser oder Meereswasser gefüllt, welches sich mit den Gezeiten in Tiefe und Ausdehnung verändert. Die Ufer der Khors sind mit Büschen, Schilf oder Mangroven gesäumt.

Khor bei Salalah im Süden des Oman

Der Vogelreichtum in den Khors ist entsprechend groß. Nistvögel bevölkern diese einzigartigen Zonen ebenso wie futtersuchende Besucher.

Auch in den Wadis hinter den Khors findet man oft Wasservögel, die an den
Süßwasserbecken der Wüstentäler ihr Glück bei der Nahrungssuche und Brutpflege suchen. Und nicht zuletzt gibt es im Oman auch noch einige kleine Oasen in den Weiten des zentralen Tieflandes und der Rub Al Khali Wüste.

All diese Habitate sind natürlichen Ursprungs und leider allzuoft von Menschenhand bedroht. Auch der Tourismus ist nicht unbeteiligt. Viele scheue Vogelarten sind bereits vor Picknick-Touristen und unachtsamen „Naturliebhabern“ geflohen. Wenn lokale Behörden dann ein Khor auch noch mit Laternen, Mauern und Gehwegen „verschönern“, ist die Zeit zum Abzug für unsere gefiederten Freunde gekommen. Einmal fort, kommen nur wenige Arten wieder zurück.

In Al Ansab jedoch ist alles anders. Dort hat die Menschenhand ein künstliches Vogelreservat geschaffen. Es ist kein neu gestaltetes Khor und auch kein künstlicher Nistplatz am Meer. Al Ansab ist… Muskats Kläranlage. Ich vernehme jetzt großes Staunen. Kläranlage, Fäkalienbecken, Wasservögel – wie passt das zusammen? Ich will es erklären.
Google Earth Ansicht von Al Ansab

Google Earth Ansicht von Al Ansab

Angeschlossen an Al Ansab STP (Sewage Treatment Plant) ist ein riesiger künstlicher Teich. Das geklärte Wasser wird dort eingelassen und hat ein Biotop mit Büschen, Schilf und Wasserpflanzen entstehen lassen. Natürlich bevölkern auch Insekten und Amphibien diese künstliche Oase. Das Al Ansab Kläranlagen-Vogelparadies ist etwa 20 Hektar groß und hat eine Wasserfläche von über 4 Hektar. Gut 50% der im Oman bekannten 500 Vogelarten wurden in dieser grünen Insel am Stadtrand Muskats bereits gesichtet. Der typische Kläranlagengeruch und eine nahe Autobahn stören das Federvieh nicht. Während draussen die Zufahrtsstrasse zur Anlage mit knallgelben Abwasserlastern übergeht, hocken drinnen am Ufer Kraniche und Enten unbeeindruckt im Schatten der Uferbüsche. Nahrung gibt offenbar im Überfluss.

"Birdwatcher's Paradise" Al Ansab

Der Erfolg der Schaffung dieses Biotops hat sich im Oman und über die Grenzen hinaus bereits herumgesprochen. Kaum ein passionierter Vogelbeobachter lässt sich den Besuch von Al Ansab nehmen. Der Ökotourismus ist bereits in die Kläranlage eingezogen. Fantastisch! Die Betreiberfirma der Anlage hat auch eine Webseite installiert und bietet geführte Touren und den Verleih von Beobachterausrüstung an (http://www.haya.com.om/wetland/).
Omanische und ausländische BesucherInnen nutzen die Chance auf ornithologische Erlebnisse gleichermaßen. Auch Schulen in Muskat haben den Bildungsnutzen des Kläranlagenbiotops erkannt und organisieren Exkursionen dorthin.

Die enormen Abwassermengen in Muskat bringen die Kläranlage Al Ansab bereits an ihre Grenzen. Eine weitere große Anlage ist daher schon in Bau. Ich hoffe, dass auch dort wieder ein Vogelparadies wie in Al Ansab entstehen wird.

Beim Beobachten von Vögeln in der Natur bitte beachten:

  • Großen Abstand halten und langsam bewegen
  • Keine Kleidung mit grellen Farben
  • Nicht durch Büsche oder Schilf kriechen – dort können Brutplätze sein
  • Beobachten aus einem Fahrzeug ist teils besser als per pedes – Vögel erkennen Fahrzeuge nicht als Feind
  • Nur vorgegebene Wege und Beobachtungsposten benutzen
  • Feldstecher oder Spotting Scope und Teleobjektiv nicht vergessen

Empfohlene Literatur für einen Vogelbeobachtungstrip in den Oman: „Birdwatching Guide to Oman“ von Hanne und Jens Eriksen, Al Roya Publishing. Das Buch ist im Oman weitläufig bekannt und erhältlich.

Eurasischer Brachvogel im flachen Wasser eines Khors

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Ist der Massa gut bei Kassa…

… fliegt First Class er nach Mombasa. Ich muss zugeben, dass ich mir den Titel bei der Ersten Allgemeinen Verunsicherung (EAV) abgeguckt habe. Als ich vor zwei Monaten im Flugzeug nach Nairobi saß, schoss mir irgendwann auch dieser Ohrwurm der Rock- und Klamaukbarden ins Gehirn. Mombasa sollten meine Freundin Daranee und ich zwar nicht kennenlernen, aber auch wir waren wie der „Massa“ unterwegs zur Großwildjagd in Kenia. Ausgerüstet mit Kameras und einem ultralangen Teleobjektiv sollte es schon gelingen, den einen oder anderen Elefanten zu erlegen.

Wir waren beide vor unserer Reise noch nie in Kenia und hatten auch kaum eine Vorstellung, wie der Großwild-Tourismus dort von statten gehen würde. Zum Einlesen war auch keine Zeit mehr, da ich unsere Flüge erst 4 Tage vor Abflug buchte. Grund für die Kurzreise aus heiterem Himmel war einfach nur ein Superangebot für Muskat – Nairobi und retour. Die Abenteuer-Safari im Land arrangierte ich zielbewusst übers Internet nach dem Motto „Ich schreibe drei Touranbieter an und wer als erster antwortet, macht das Geschäft“. Auch das funktionierte prima.

Wir wurden nach unserer ersten Nacht in Ostafrika mit Riesenlächeln und „Jamboo, Weeeelcome tooo Africaaa“ von unserem persönlichen Großwildjäger-Guide Moses empfangen. Ganz konnte ich seine zur Schau gestellte Freude jedoch noch nicht teilen. Es regnete in Nairobi schon frühmorgens aus allen Wolken. Wir konnten nur auf die Gnade des afrikanischen Wettergottes für uns Bleichgesichter hoffen.

Der unvergessliche erste Blick ins Rift Valley

Tatsächlich! Kaum waren wir über das Randgebirge des Großen Afrikanischen Grabenbruchs in 2200 Meter Höhe hinweg, klarte es schlagartig auf. Der Blick in die dahinter liegende Hochebene war grandios. In der endlosen Steppe waren nur vereinzelt Häuser oder kleine Siedlungen zu sehen. Ich erträumte förmlich die Elefantenherden beim Blick in das Rift Valley. Die langsame Fahrt hinunter entlang des LKW-überladenen transafrikanischen Highways führte uns nach insgesamt 3 Stunden zum ersten Ziel, dem Lake Naivasha Nationalpark. Moses warnte uns, dass es dort möglicherweise ein wenig touristisch sein würde. Auweia, ich sah uns bereits mit Massai-Tänzern fürs Fotoalbum im Kreis springen. Hakuna matata… No Problem.

Ruhige Bootsfahrt über den Naivashasee

Das einzig touristische waren dort jedoch nur Touristen selbst, und nicht einmal viele. Kein Massai, kein Tanz, kein Menschenfresserkochtopf. Ich war wieder beruhigt. Nach einer langsamen Bootsfahrt durch Herden von Nilpferden in den seichten Wassern des Steppensees gingen wir schießlich zur ersten Safari an Land. Es war eine sogenannte „Walking Safari“. Wir durften für eineinhalb Stunden mit einem lokalen Führer über die grasige Ebene südlich des Naivashasees wandern. Löwen und andere fleischfressende Bestien haben Touristen hier nicht mehr zu fürchten. Die hat der Massa mit seinen Freunden bereits vor Jahrzehnten zur Gänze erlegt. Der Lake Naivasha National Park ist dennoch, oder gerade deswegen, ein Tierparadies. Zebras, Giraffen und Antilopen haben hier keine natürlichen Feinde. Sollten sie sich zu sehr vermehren müssten sie jedoch von Menschenhand reduziert werden. Ich weiß nicht, ob das je notwendig wurde.

Zu den großen Landtieren gesellen sich im Park noch 400 Vogelarten und zahlreiche Reptilien und Amphibien. Die wohlgemeinte Kritik einiger Tierschützer, dass die Fauna dieses und anderer Parks in Kenia durch den Tourismus gefährdet würde, will ich nicht ganz teilen. Ich hatte weder den Eindruck, dass sich ein Gnu beim Grasen gestört fühlte, noch irgendein Besucher lärmend über die Steppe wandelte. Die meisten Touristen bleiben ruhig. Sie fürchten sich vor der nahen Tierwelt mehr als umgekehrt. Unser Guide nahm zudem jedes noch so kleine Stückchen Papier oder Plastik, das er fand, wieder mit. Was ich während unserer Afrikareise wirklich anzuzweifeln begann, waren die Zoos in unseren heimischen Metropolen. Ich weiß nicht, ob ich den Schönbrunner Tiergarten je wieder sehen möchte. Etwas wirklich Positives konnte ich den Großstadtzoos der Welt ohnehin nie abgewinnen.

Gefangen zwischen Tierschutz, Tourismus, Viehhaltung und eigener Zukunft - die Massai

Die Probleme der afrikanischen Tierwelt sind nicht so sehr im Tourismus zu suchen. Kenia kämpft wie viele andere Staaten mit Wilderei und illegalem Tierhandel. Auch stetig wachsende Herden von Ziegen, Kühen und Schafen stellen besonders für Großkatzen eine Gefahr dar. Die Bauern legen trotz strenger Strafandohungen noch immer ihre Fallen aus, um kein Zuchtvieh an Löwen zu verlieren.
Selbst China wird zum Gefahrenfaktor für die Tierwelt in Afrika. Einige Länder haben bereits riesige Landflächen für chinesische Plantagen verpachtet. Kenia hat sich bis dato geweigert. Daneben rühmt sich Medizin aus pulverisierten Nashörnern und eingelegten Löwenhoden noch immer besonderer Beliebtheit in ostasiatischen Apotheken.

Noch immer landen ihre Felle und Innereien bei skrupellosen Händlern und abergläubischen Narren

Der Tourismus ist in Afrika vielmehr Schutzfaktor als Störfaktor. Moses erklärte uns sehr eingehend die Situation rund um Wilderei, Landwirtschaft, Tourismus und Schutzbemühungen. Kenia ist sich des touirstischen Potentials seiner Tierwelt und Nationalparks durchaus bewusst. Die Maßnahmen zum Schutz derselben sind teilweise rigoros. In Parks an der Grenze zu Tansania sind beispielsweise militärische Einheiten mit automatischen Waffen stationiert. Ihr Befehl ist klar: Wilderer werden schon bei Sichtung erschossen. Keine Gefangennahme, kein Prozess. Tansania hat bereits öfters dagegen protestiert. In Kenia bleibt man jedoch standfest. Es ist ein blutiger Erfolg, den man damit erzielt. Die Wilderei ist in Kenia aber enorm zurückgegangen. Moses erklärte uns weiter, dass seltene Arten wie Nashörner oder Geparden praktisch rund um die Uhr „bewacht“ werden müssten. Die Patroillen werden durch den Tourismus finanziert. Das bedeutet aber auch, dass der Schutz direkt von den Einnahmen aus Eintrittsgeldern der Nationalparks abhängt. Moses beklagte weiter, dass nach den politischen Unruhen der letzten Jahre die Wilderei wieder stark zugenommen hätte. Weniger Geld bedeutet sofort weniger Aufsicht. Die wachsende Arbeitslosigkeit und der Konflikt in Kenias Nachbarland Somalia spielen auch eine Rolle beim Wiederaufflackern der Wilderei.

Zweifelhaftes Vergnügen "Löwenjagd"

Das Fehlverhalten vieler Touristen und ihrer Guides steht in keiner Relation zur Wilderei. Ich konnte in den Schutzgebieten Nakuru und Masai Mara dennoch viel negatives Auftreten beobachten. Wenn ein Fahrer beispielsweise eine Löwenfamilie findet, werden sofort per Funk alle anderen Fahrzeuge informiert. Was dann passiert, ist beinahe grotesk. Jeeps und Allrad-Minibusse fegen mit Vollgas über die löchrigen Steppenpisten in Richtung Löwengruppe. Dort angekommen, fahren manche Guides den Katzen beinahe über die Pfoten, damit auch Besitzer von Handykameras ihre Vollformatbilder von Simba bekommen. Das zu beobachten, störte uns wirklich. Sogar Moses musste eingestehen, dass er nur mit Widerwillen so nahe an Tiere heranfährt. Die meisten Touristen fordern dies jedoch und so fügen sich die Fahrer und Guides den Wünschen der Gäste. Hakuna Matata.

Die Parkregeln sehen anders aus als die Praxis: Mindestens 30 Meter Abstand müsste zu den Tieren eingehalten werden, keine Verfolgungsjagden, Geschwindigkeitsbeschränkung 40 km/h, Fahren nur auf genehmigten Pisten, Vorrang für alle Tiere, kein Lärm, etc.

Parkregeln sind da, um befolgt zu werden!

Massas Foto- und Sensationslust hat viel von dem zu Fall gebracht. Verhaltenregeln werden zu oft ignoriert. Es ist eine Schande für uns Touristen aus westlichen Ländern. Nur eine Regel wird üblicherweise strickt befolgt: Kein Verlassen der Fahrzeuge; nicht einmal für einen Pinkelhalt. Hyänen, Löwen und andere hungrige Gesellen haben sich bereits an die vielen Autos in den Parks gewöhnt. Ein saftiger bierbauchiger Mitteleuropäer könnte aber leicht zum delikaten Frühstück für einen Koyoten werden, wenn der Massa nichtsahnend hinter einem Busch sein Geschäftchen erledigt. Das will kein Tourunternehmer riskieren.

Nach der ersten Leoparden-Verfolgungsjagt einigten wir uns mit Moses auf ein besseres Verhalten. Er war richtiggehend erleichtert, als ich ihn bat, Abstand zu halten oder dem Jagdaufruf seiner Kollegen einfach nicht zu folgen. Es zahlte sich letztendlich für uns aus. Wir waren oft mutterseelenalleine in der Weite der Masai Mara und beobachteten dramatische Kämpfe zwischen Büffelbullen, während 10 andere Fahrzeuge darauf warteten, dass ein schlafender Löwe endlich aufwachte.

Wir fanden den Kampf der Giganten faszinierender als den Schlaf der Löwen...

Abschließend kann ich nur noch einmal an die Vernunft und Tierliebe der Reisenden plädieren. Es ist so einfach, sich an ein paar Regeln zu halten, der gefährdeten Fauna zuliebe. Wer spektakuläre Bilder haben möchte, sollte vielleicht in eine gute Kamera und ein langes Teleobjektiv investieren. Man muss nicht den „wilden Bestien“ bis an die Nasenspitze heranfahren. Ohne überheblich sein zu wollen – seht euch einfach meine Bilder an und denkt darüber nach. Es geht auch aus 50 Metern Entfernung und ohne Treibjagd. Hakuna Matata! 

Kleine Checkliste für gutes Safari-Verhalten:

  • Den Fahrer bitten langsam zu fahren.

    Tiere haben Vorrang

  • Den Fahrer bitten Abstand zu Tieren zu halten, auch wenn andere dies ignorieren.
  • Den Fahrer bitten, an keinen „Treibjagden“ teilzunehmen.
  • Den Fahrer bitten zu warten, wenn Tiere offensichtlich die Fahrpiste kreuzen werden.
  • Kurze Aufenthalte bei besonderen Sehenswürdigkeiten, damit es zu keiner Fahrzeugmassenansammlung kommt.
  • Den Fahrer bitten, auf Pisten zu bleiben und nicht ins Gelände zu fahren, um näher an Tiere heranzukommen. Nehmt euch Zeit – die Tiere kommen oft genug in eure Richtung.
  • Keine Rufe oder Lärm um Tiere aufzuwecken oder deren Aufmerksamkeit zu erregen.
  • Keine offenen Lebensmittel im Fahrzeug – der Geruch zieht nicht nur dreiste Affen an.
  • Kein Füttern.
  • Keine Müllentsorgung in den Weiten der Steppe.
  • Dafür sorgen, dass ihr nicht nach einer Stunde eine Toilettenpause benötigt. Das Verlassen der Fahrzeuge ist in einigen Parks verboten und nicht ungefährlich.
  • Meldung von groben Fehlverhalten anderer Fahrer oder Touristen direkt an die Parkverwaltung am Ende der Fahrt. Hält sich euer Fahrer nicht an eure Bitten, was kaum anzunehmen ist, solltet ihr es auch dem Veranstalter melden.
  • In eine Kamera mit gutem Teleobjektiv investieren (mindestens 200mm Brennweite Vollformat-Äquivalent). Wenn möglich mit Image-Stabilisator. Es zahlt sich aus. Und, auf den Feldstecher nicht vergessen – ein 7×42 oder 10×50 ist ideal für Freihandbeobachtungen.

Nachlese: Massai Mara in Kenia – Der Untergang des Paradieses, Spiegel Online 2008

Sonnenaufgang über der Masai Mara Hochebene, nicht immer sind Tiere das Motiv.

Bei Verwendung eines langen Teleobjektives stört man die Tierwelt weniger.

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Die Sanduhr tickt

In meinem ersten Oman-Blog „Grand Canyon“ habe ich über die Bergwelt und deren Erschließung berichtet. Diese steckt sicher noch in den Kinderschuhen. Raststationen sind praktisch nicht vorhanden und markierte Wanderwege selten. Doch das Netzwerk wird wachsen und mit ihm die Zahl der Naturbegeisterten. Touristen zieht es aber nicht nur in die schöne Bergwelt des Oman sondern auch in die endlosen Weiten der Sandwüsten.

Die Sandwüsten des Oman

Der Oman hat zwei große Sandwüsten. Die Rub Al Khali (oder Empty Quarters) zieht sich von den Vereinigten Arabischen Emiraten über Saudi Arabien, den südwestlichen Oman bis nach Jemen. Der größte Teil der Rub Al Khali liegt in Saudi Arabien. Mit insgesamt über 500,000 km² lässt sich die Rub Al Khali flächenmäßig mit Frankreich vergleichen, welches 544,000 km² bedeckt.
Ich will diesmal aber die kleinere der beiden Wüsten im Oman beschreiben – die Wahiba. Offiziell heißt diese 200 mal 80 Kilometer weite Wüste auch Rimal Ash Sharqiyyah. Sie zieht sich vom Fuß des östlichen Hadjar Gebirges geradewegs nach Süden bis an die Küste nördlich der Insel Masirah. Die Dünen der Wahiba sind mächtig. Bis zu 80 Meter hoch türmen sich die wandernden Sandgebirge auf. Die relative Nähe zu Muskat macht die Wahiba zu einem beliebten Ausflugsziel. Selbst aus den Vereinigten Arabischen Emiraten kommen in den Wintermonaten zahlreiche Touristen in die Wahiba.

Die Wahiba erscheint endlos in der Morgensonne

Es ist wohl die Attraktion der endlosen Weite, gepaart mit kohlschwarzen Nächten und sorgloser Stille. Der Großteil der Sandbegeisterten sucht Tranquilität und Abenteuer; das Gefühl sich zu verlieren zwischen den hohen Dünen. Nur zwei Farben prägen das Bild für die Augen der Ruhesuchenden – das Rot des Sandes und ein milchig, staubverwaschenes Blau des Himmels. Nachts ist alles schwarzweiß, die Sterne sind die einzige Lichtquelle soweit man blickt. Auch ich nahm dies zur Gelegenheit, um hoch über der Zeltstadt des Safari Desert Camps meinen Fotoapparat auf einem Stativ gegen den Himmel zu richten. Die wenigen Öllampen des Camps störten kaum. Ihr Licht war aus mäßiger Entfernung kaum stärker als der gleißende Schein Jupiters hoch über dem Horizont.

Jupiter und das Zodiakallicht in der Wahiba, rechts die Milchstraße

Rund um Jupiter war da auch noch das Zodiakallicht, ein schwach glimmender Lichtkegel, der gut 50 Grad hoch in den Himmel ragte. So „hell“ und auffällig wie hier in der Wahiba hatte ich seinen Schein in Europa noch nie gesehen. Sein blasses Leuchten kommt von Staubpartikeln im All; mikroskopische Sandkörner, die sich zwischen den Planeten um die Sonne bewegen und deren Licht reflektieren. Ich begab mich mit Stativ und Kamera auf die nächste Düne hinter meinem Zelt und versuchte den weichen Pastell-Schein einzufangen. Es war bereits nach 23 Uhr und ruhig im Camp. Nicht ganz so ruhig war es leider außerhalb der Anlage…

Unter die Ruhesuchenden mischten sich leider hartgesottene Allrad-Abenteurer, denen ein Ritt über die taghellen Dünen nicht kribbelig genug war. Das sandige Abenteuer macht offensichtlich erst um Mitternacht so richtig Spaß. Mit 300 PS, heulenden Motoren und Fernlicht martern sie ihre Jeeps und Toyotas über die Sandberge. Ich musste zunächst tief durchatmen, um nicht stinksauer zu werden. Vielleicht habe ich es nur falsch verstanden, als das Camp-Management in einer E-mail an einen Freund von mir davon sprach „Ruhe im Camp garantieren zu wollen“. Tagsüber herrscht ja auch Ruhe.

Es wäre so einfach, diese spätabendlichen Ergüsse bessessener Autonarren im Sinne der Wahiba einzustellen. Ein Wort des Campmanagers und niemand würde sich ob eines nächtlichen Fahrverbots schlecht behandelt fühlen. Bisher habe ich nur zweimal im gleichen Camp übernachtet, werde aber beim nächsten Mal den Ort wechseln, in der Hoffnung, etwas mehr nächtliche Tranquilität zu finden.

Auch geplanter Straßenbau gefährdet die Wahiba

Gefährdet ist die Schönheit der Wahiba aber nicht nur durch die Allrad-Ritter der Finsternis. Müll ist ein viel größeres Problem. Auf meiner Nord-Süd-Durchquerung der Wüste fand ich kaum einen Rastplatz, der nicht von Dosen, Plastik und sogar Ölfässern gesäumt gewesen wäre. Was der Wind nicht von dannen trägt, verteilen die Ziegen in der kargen Einöde. Beduinen sind gleichermaßen schuld an der Vermüllung der Wahiba wie Touristen. Ich konnte es kaum glauben, wie dieses endlose Sandmeer langsam zerstört wird. Früher waren es Wilderer, die den Oryx und andere seltene Tierarten beinahe ausrotteten, dann kamen verwilderte Ziegen und Kamele, die die fragile Natur bedrohen und nun Tourismus. Der entgültige Todesstoß könnte aber eine geplante Autobahn durch die Wahiba sein. Nord-Süd, mitten durch die Wüste. Man kann nur hoffen, dass die planenden Behörden doch noch zur Einsicht kommen. Der Kampf um nachhaltigen Tourismus ist schon schwer genug. Eine Straße mit all ihren Impakten ist aber ein unbesiegbarer Gegner der Natur. Die Trasse durch die Wahiba würde eine Verbindung von Sur nach Ad Duqm um höchstens 15% verkürzen. Ob das geringe Verkehrsaufkommen dieser Route die Verbauung der Wüste rechtfertigen würde, ist fraglich. Ich denke, dass das touristische Potential um ein vielfaches höher ist. Vielleicht existiert in den Schubladen der Entwickler aber noch ein großes Erz- oder Ölvorkommen unter den Sanden der Wahiba, wer weiß schon… ich höre die Sanduhr jedenfalls ticken.

Man kann der Wahiba nur wünschen, dass sie nicht so endet wie diese Gazelle

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Conference on Education for Sustainable Development in Support of Cultural Rapprochement and Biodiversity

Zwischen 24. und 26. Jänner fand in Muscat/Oman eine internationale Konferenz zum Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung zur Unterstützung kultureller Annäherung und Biodiversität statt. Der Titel der Konferenz verrät bereits die Bandbreite der Themenbereiche. Es sollte eine Brücke zwischen Bildung, Weltkulturerbe, Biosphären, nachhaltiger Entwicklung und Tourismus gebaut werden. Organisiert und finanziert wurde die Konferenz vom omanischen Bildungsministerium und der UNESCO. Nachhaltiger Tourismus wurde als zentrales Thema in vielen Präsentationen vorgetragen und diskutiert.
Konferenz Logo

Der erste Tag der Konferenz stand ganz im Zeichen der Bildung und der Rolle der Jugend bei der Erhaltung der Weltkultur- und Naturerbe. Am zweiten Tag fand in einem kleineren Saal des Al Bustan Hotels bei Muscat ein ganztägiger Workshop über nachhaltigen Tourismus in UNESCO Biosphärenreservaten, Weltkulturerbestätten und Geoparks statt. Etwa zwanzig geladene Teilnehmer aus dem Oman, Yemen, Qatar, Bahrain, Saudi Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten und einige Beobachter, zu welchen ich zählte,  wurden zunächst von Dr. Benno Böer von der UNESCO Doha und Dr. Salvatore Arico der UNESCO Paris in das Thema und die Präsentationen des Workshops eingeführt.

Dr. Böer eröffnete gleich anschließend den praktischen Teil des Workshops mit einem Vortrag über die Aktivitäten der regionalen UNESCO in Biosphärenreservaten, Geoparks und Weltkulturerbestätten auf der arabischen Halbinsel.
Von weltweit 564 geschützten Reservaten der UNESCO befinden sich momentan nur 3 auf der Halbinsel. Der enorme Aufhofbedarf der Region wird dazu noch von der Streichung des omanischen Oryx-Reservates im Juli 2007 untermauert. Dieses Reservat ist neben dem Dresden-Elbe-Tal die zweite Weltkulturerbestätte, die den UNESCO-Status wieder verloren hat. Die Streichung von der Liste hat viele Ursachen und sollte nicht nur als Bestrafung für schlechtes Management gesehen werden, sondern auch als Aufruf zum Umdenken.
Dr. Böer erhoffte sich aus dem Workshop in erster Linie neue Initiativen der Länder zur Schaffung weiterer Biosphärenreservate auf der arabischen Halbinsel. Der Focus der Aufmerksamkeit bewegte sich im Verlauf des Workshops ganz eindeutig in Richtung Socotra-Archipel. Diese jemenitische Inselgruppe vor dem Horn von Afrika ist besonders schützenswert. 37% der über 800 registrierten Pflanzenarten der Inseln sind endemisch. Ähnlich verhält es sich mit der Tierwelt.

Mit der Aufnahme in die UNESCO Liste der Weltkulturerbe und Biosphärenreservate darf eine Stätte wie Socotra jedoch nicht in den Status einer Tourismus-Cashcow abgleiten. Zur Zeit besuchen etwa 4500 Touristen jährlich die Inselgruppe. Im Vergleich zu den 42,000 Einwohnern Socotras ist dies wenig. Für Ahmed Said Sulaiman aus Socotra ist das Limit mit dieser Anzahl von Besuchern jedoch schon erreicht. Ahmed arbeitet für das Ministerium für Umwelt und Tourismus und kennt die Probleme sehr gut.

Es müssen verstärkt Maßnahmen getroffen werden, um den bevorstehenden Ansturm von Besuchern auf die richtigen Wege zu leiten. Nur dann kann eine Weltkulturerbestätte als dreidimensionale Bildungseinrichtung fungieren und der modernen Abwendung von Natur und wertvollen Traditionen entgegenwirken. Neben Informationszentren in den Schutzzonen und der Kontrolle land- und viehwirtschaftlicher Tätigkeiten muss besonderes Augenmerk auf die Bewältigung der Einflüsse durch den aufkeimenden Tourismus gelegt werden. Es gibt bereits gute Ansätze in einigen Biosphärenreservaten. Viele Schritte würden sich weltweit mit Angleichung an die lokalen Gegebenheiten einführen lassen:

  • Schaffung von Besuchersaisonen außerhalb von Brutzeiten gefährdeter Tiere
  • Limitiertes Wegenetz für Touristen
  • Nutzung von Solarenergie in Informationszentren
  • Einbindung der Lokalbevölkerung in die Begleitung und Bildung der Touristen in Schutzzonen
  • Bessere Konzeptionierung der Müllentsorgung und Wasserversorgung bereits vor ansteigenden Besucherzahlen
  • Bessere Nutzung des Tourismus als Einnahmequelle zur Erhaltung der Stätte
  • Erkennen des Bildungspotentials zur Erhöhung des Verständnisses für die globale Erhaltung der Natur
  • Nutzung von Biosphären als neue Erlebniswelt für junge Menschen aus Städten

GPS-unterstützte Erlebniswelt

Henning Schwarze stellt den GPS-gestützten Tourguide auf seinem iPad vor

Die Verbindung virtueller und natürlicher Erlebniswelten stellte im Verlauf des Workshops Henning Schwarze von der WHS – World Habitat Society (www.world-habitat-society.org) vor. Virtuelle Wanderwege mit dazugehöriger Information werden auf Smart-Phones oder I-Pads geladen und der Nutzer des Programms kann damit GPS-unterstützt die Umwelt erforschen. Vorteile dieses Systems gegenüber Schautafeln sind zum Beispiel die Möglichkeit permanenter Aktualisierung oder die Vermeidung von störenden Strukturen in der Natur. In Entwicklungsländern besteht auch immer wieder die Gefahr von Diebstahl teurer Metallschilder. Dieses Problem ist mit elektronischen „Schildern“ auch gebannt. Gedacht war dieses System anfangs für Schüler, um sie wieder in die Natur zu locken. Das Potential für Tourismus ist jedoch groß und im Oman wird ab April 2011 ein Pilotprojekt des hiesigen Tourismusministeriums mit etwa 30 Sehenswürdigkeiten im Raum Muscat verfügbar sein, einfach zum Herunterladen von der Webseite des Ministeriums (www.omantourism.gov.om). Die WHS erhielt für ihr erstes Konzept „GPS-Erlebnisregion im Naturpark Teutoburger Wald / Eggegebirge“ auch eine Auszeichnung der UNESCO.

Geotourismus

Geosite

Geologie und Tektonik sind im Oman ungemein spektakulär

Ein neue Nische im Tourismusmarkt mit enormen Bildungspotential ist der Geotourismus. Erst 1999 wurde die Schaffung von Geoparks in die Programmgestaltung der UNESCO aufgenommen. Der Süden der arabischen Halbinsel hat einen unvorstellbaren Reichtum an geologischen Sehenswürdigkeiten, die durch den Bau von Straßen, Siedlungen und Fabriken ebenso gefährdet sind wie durch Plünderung und illegalen Raubbau von Mineralien, Schmucksteinen und Fossilien. Dr. Böer hat in seiner Präsentation die Schaffung von Geosite-Schutzzonen als weitere Priorität bei der Erhaltung des Welt-Naturerbes dargestellt.

Im weiteren Verlauf des Workshops stellten Delegierte der anwesenden Nationen noch ihre Schutzgebiete und das Bemühen um deren Erhaltung vor. Etwas zu kurz kam nach meinem Erachten die Diskussion um „handfeste“ Maßnahmen im Umgang mit steigenden Besucherzahlen und hier insbesonders dem Umgang mit Wasser. Am folgenden und letzten Tag der Konferenz erfuhr ich in einem weiteren Vortrag, dass beispielsweise in Bahrain in den letzten 20 Jahren alle der über 40 natürlichen Quellen versiegt sind. Auf verminderten Regen allein lässt sich dies nicht reduzieren.

Workshop und Konferenz waren insgesamt ein großer Erfolg mit vielen neuen Vorschlägen zur verantwortungsvollen Nutzung unserer Ressourcen und Biosphären und eine großartige Gelegenheit zur Kontaktknüpfung.

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